ARTE-Doku: Das große Recycling-Geschäft im Pop

Sehenswerte ARTE-Doku zur Frage, ob und wie in der Musikindustrie eigentlich noch Neues produziert wird. Es geht um Sampling und Interpolationen, um die schmal gewordene Grenze zwischen Inspiration und Plagiat, sowie um Katalogverkäufe im großen Stil (über die letztens hier bei iRights.info geschrieben habe). Es kommen ein Haufen Musiker*innen, Produzent*innen sowie Industriemanager*innen zu Wort. Danke an @moritzjacobs für den Hinweis!

Oft klingt ein neuer Song verdächtig nach einem alten. Wurde etwa jede Melodie schon geschrieben? Oder lohnt es sich in unserer Algorithmen-getriebenen Welt nicht mehr, etwas Neues auszuprobieren? Wie Labels, Verlage und die Börse das große Song-Recycling-Geschäft ankurbeln, darüber spricht „Tracks“ mit den Musikverlagen Concord und Warner Chappell.

London Underground: Private Nachverdichtung nach unten

London ist eine Stadt der Reichen und Superreichen und noch unverstellbar reicheren Menschen, aber auch denen geht manchmal der Platz zuhause aus. Was kann man tun, wenn sich das Haus nicht nach oben oder in der Breite erweitern lässt? Bleibt die Möglichkeit, nach unten zu bauen, seinem Keller weitere Etagen zu spendieren und diese (luxuriös) auszustatten.

Screenshot: Vox.

Das Videomagazin Vox hat den britischen Soziologen Roger Burrows befragt, der unter dem Titel „Bunkering down? The geography of elite residential basement development in London“ eine wissenschaftliche Studie zu dem Phänomen erarbeitet hat (in Koautorschaft). In der Studie wird zwischen verschiedenen Typen von Luxuskellern unterschieden: standard, large, mega.

Image: Burrows, Graham, Wilson.

Das Video bereitet die Luxus-Nachverdichtung nach unten gut auf:

Musikvideo: dBridge & Madison Willing – One Note (2022)

Die „Synchrese“ (künstlich zusammngesetzt aus „synchron“ und „Synthese“) bezeichnet im Filmgeschäft die Verschmelzung aus visuellen und akustischen Reizen zu einem gemeinsam wahrgenommenen Effekt. Typisches Beispiel: Ein Luftballon platzt, gleichzeitig ist ein Knall zu hören: beides zusammen wird von der Zuschauerin als Einheit erfahren.

Die Technik bietet natürlich interessante Möglichkeiten für die Gestaltung von Musikvideos, zum Beispiel in dieser Kollaboration zwischen dem Musiker dBridge und der Filmemacherin Madison Willing. Besonders die Glitch-Momente sind interessant. Die ganze EP der Zusammenarbeit gibt es hier.

Vor ein paar Jahren hatte ich mal zu diesem Musikvideo gebloggt, ohne den Begriff Synchrese zu kennen. Dort ist die Synchrese eindrucksvoll noch ein paar Ecken weitergedacht.

Unterstützung für die Menschen in der Ukraine (via Bandcamp)

Es gibt viele Möglichkeiten und Kanäle, die Menschen in der Ukraine jetzt zu unterstützen. Wer gezielt den ukrainischen Musikerïnnen und ihren Familien eine Spende zukommen lassen will, findet hier eine längere Liste vor allem an Bandcamp-Accounts (teilweise auch Beatport, Soundcloud, etc.). Bandcamp hatte wegen der Pandemie in den letzten Monaten regelmäßige Bandcamp-Fridays, an dem die Einnahmen zu durchschnittlich 93% an die Musikerïnnen gingen: Ich hoffe, dass sie das nun bald auch für die Ukraine machen werden. Ganz so unabhängig wie einst ist Bandcamp allerdings nicht mehr: Anfang März gab die Plattform bekannt, von einem großen Videospielehersteller übernommen worden zu sein.

Zwei Entwicklungen, die ich zudem bemerkenswert finde: Die BBC reaktiviert eine alte Radiofrequenz in Russland, um dort weiter senden zu können:

Und Twitter baut sich einen Tor-Service auf, um weiterhin in Russland erreichbar zu sein.

Postmodernes Berlin

Die Stadt, die in diesem Video gezeigt wird, gibt es so nicht, sie ist ein Fantasieprodukt des 3D-Künstlers Paul Klingberg. Er hat sich ein paar Ecken Berlins genau angesehen und in 3D-Programmen nachgebaut beziehungsweise nachempfunden sowie rekombiniert. Heraus kommt eine postmoderne Version von Berlin, die mit viel Liebe fürs Detail entstanden ist und Hauch von „Inception“ hat. Besonders gut gefallen mir die fast schon ikonischen Baustellenabwasser-Rohre.

[via Reddit]