Underground x Hochkultur? DJs vor neuen Kulissen, Institutionen mit neuen Publika

Was ich derzeit interessant finde: Wie die Pandemie mit dazu beigetragen hat, dass gestreamte DJ-Sets vor irgendwelchen beeindruckenden oder visuell interessanten Kulissen stattfinden – halt ohne Publikum, nur für den Heimgenuss.

Das könnte auch zu neuen oder stärkeren Allianzen zwischen dem „Underground“ und der „Hochkultur“ führen, wenn es dann nicht schon längst hat: Die DJs bringen das Publikum, die Institutionen den Hintergrund.

Ein paar Beispiele, die ich zuerst auf Twitter gesammelt habe, aber die hier auch gut aufgehoben sind. Vielleicht erweitere ich diese Liste auch bei Zeiten, es gibt sehr viel Material und ich will an dieser Stelle mal einen Notiz machen.

Djrum in der Tower Brigde: Vor dem Video erzählt er ein bisschen und stellt einen Vergleich zwischen dem architektonischen Kulturerbe und der Musikkultur her. Die Brücke wird dann im Verlauf des Videos von Innen beleuchtet, im Takt der Musik. Sieht ganz witzig aus, wie so ein Frequenz-Visual:

PanPot in der Berliner Staatsoper:

Und hier zwei Beispiele, die weg gehen von „Hochkultur“:

Charlotte DeWitte auf Rennstrecke: Die Formel 1 macht sich die publikumslose Zeit mit Charlotte de Witte zu Nutze und lässt einen Sportwagen an ihr vorbeisausen, der während ihres DJs-Sets seine Runden auf der Strecke zieht.

Deborah de Luca: Vele Di Scampia: Das geht schon mehr in Richtung community building. Die italienische DJ Deborah DeLuca legt in Vele Di Scampia, einem Vorort von Neapel auf, wo in den 1960er Jahren mehrere Wohntürme errichtet wurden, die so eine Art ikonischen Status erreicht haben. Die Stadt ist auch Kulisse für diverse Mafia-Filme.

Und die Berliner Philharmoniker suchen sich ebenfalls neue Publika, zum Beispiel die Flusspferde im Zoo:

Programm und Anmeldung: Symposium zu Verwertungsgesellschaften am 24.9.2021

Monopole im medienindustriellen Komplex? Verwertungsgesellschaften gestern, heute, morgen: So lautet der Titel eines Online-Symposiums, das am Freitag, 24. September 2021, ab 13 Uhr stattfindet.

Organisiert wird die Veranstaltung von Georg Fischer, Malte Zill und Stephan Klingner in Zusammenarbeit mit der GMM. Das Symposium schließt an den Workshop im März 2021 an.

Weitere Informationen zum Programm und Anmeldemöglichkeit:

Monopole im medienindustriellen Komplex? Verwertungsgesellschaften gestern, heute, morgen

Online-Symposium, Freitag, 24. September 2021

Verwertungsgesellschaften – wie GEMA, VG Wort oder VG Bild-Kunst – sind einflussreiche Interessensvertreterinnen und als Verteilerinnen von Ressourcen von zentraler Bedeutung für Kreative in Musik, Film, Wissenschaft, Literatur, Kunst oder Fotografie. Obwohl die Bedeutung und die Tätigkeitsbereiche von Verwertungsgesellschaften stetig gewachsen sind – und nicht zuletzt durch die jüngst in Deutschland umgesetzte europäische Urheberrechtsreform vermutlich wachsen wird – stellen Studien zu Organisationsformen, Wandel und Effekten von Verwertungsgesellschaften weiterhin ein Desiderat dar. Das Symposium „Monopole im medienindustriellen Komplex? Verwertungsgesellschaften gestern, heute, morgen“ nimmt sich dieser Forschungslücke aus interdisziplinärer Perspektive an.

Zu Beginn der Veranstaltung wird die Historikerin Monika Dommann (Universität Zürich) ihre 2014 veröffentlichte Habilitationsschrift Autoren und Apparate. Eine Geschichte des Copyrights im Medienwandel zur Diskussion stellen. In diesem Buch beschreibt Dommann die andauernden Konflikte um den Schutz geistigen Eigentums durch die Etablierung technischer Innovationen und erkennt dabei erstmals auch die Verwertungsgesellschaften als wesentliche Interessensvertreterinnen und damit als Konfliktpartei in den Auseinandersetzungen. Die 2019 in englischer Übersetzung erschienene Studie kann damit durchaus als Initialzündung der Verwertungsgesellschaftsforschung angesehen werden.

Im zweiten Teil der Veranstaltung werden weitere Perspektiven auf Verwertungsgesellschaften präsentiert: Christine Fischer (unabhängige Forscherin, Basel) wird den Zusammenhang des Urheberrechts und die Entstehung der ersten Verwertungsgesellschaften mit Zensur- und Genderfragen in Paris in der Mitte des 19. Jahrhunderts beleuchten. Sabine Richly (Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf) wird die gegenwärtigen Herausforderungen der Verwertungsgesellschaften durch die Digitalisierung und mögliche Antworten der Gesellschaften im Bild/Ton-Bereich thematisieren.

Die interdisziplinäre Tagung „Monopole im medienindustriellen Komplex? Verwertungsgesellschaften gestern, heute, morgen“ ist die Fortsetzung eines zweitägigen Online-Workshops, der im März 2021 durchgeführt wurde. Dort wurden bereits übergreifende Thesen zu Verwertungsgesellschaften sowie spezifische Fälle und Studien einzelner Verwertungsgesellschaften diskutiert. Die Ergebnisse werden Anfang 2022 in einer gemeinsamen Publikation veröffentlicht.

Die Veranstaltung wird online durchgeführt. Interessierte sämtlicher Fachrichtungen sind ausdrücklich zur Teilnahme eingeladen. Die Veranstaltung ist kostenfrei, wir bitten jedoch um eine kurze Anmeldung unter vg.forschung@gmail.com.

Programm:

13:00 – 13:15    Begrüßung Malte Zill / Georg Fischer / Stephan Klingner

13:15 – 14:15    Monika Dommann (Universität Zürich) im Gespräch mit Robert Bernsee (Universität Göttingen) über ‚Autoren und Apparate‘

– Pause –

14:30 – 15:15    Christine Fischer (unabhängige Forscherin, Basel): Doing gender und doing genius? Musikzensur und -urheberrecht zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Paris

15:15 – 16:00    Sabine Richly (Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf): Digitale Transformation der Text-/Bild-Verwertungsgesellschaften. Die Entwicklung eines angepassten Reifegradmodells

– Pause –

16:30 – 17:00    Planung eines Netzwerks Verwertungsgesellschaftsforschung und Abschlussdiskussion

Einzigartig kaputte Kunst aus dem Automaten

Das Volkskundemuseum in Wien hat einen interessanten Kunstautomaten in ihrer aktuellen Ausstellung „Dust and Data“, der aus gleichförmigen Kopien unikate (unikative?) Originale macht – mit einer Geste des Kaufens und Kaputtmachens:

Dust and Data hat ein Automaten geschaffen, der aus Kopien Originale macht. Die Nutzer*innen des Automaten wählen eine Kopie und geben ihr damit einen spezifischen Wert. Durch den Sturz der Skulptur in das Ausgabefach, wo sie zerbricht, verwandelt sich die Kopie endgültig zu einem Original mit individuellen Bruchstellen und einer einzigartigen Menge an Bruchstücken.

Ganz pfiffig, finde ich. Bei Instagram kann man sich ein kurzes Video samt Beschreibung anschauen:

Wer sich die Ausstellung persönlich ansehen möchte, sie läuft noch bis Ende August. Wenn ich das richtig sehe, braucht’s für den Automaten ein 1-Euro-Stück.

[via]

Sound Diplomacy-Studie „Der Wert der Musik“ erschienen

Zwischen Oktober 2020 und März 2021 habe ich freiberuflich bei der Erstellung der Studie „Der Wert der Musik. Ökonomische Wirkungsanalyse des Musikökosystems“ mitgearbeitet. In Auftrag gegeben wurde die Studie von der Initiative Musik GmbH und dem Musikzentrum Hannover gGmbH. Die Durchführung lag bei Sound Diplomacy.

Das Besondere: Die Studie fokussiert ganz gezielt auch ländliche Regionen, kleinere Städte abseits der Metropolen und ganze Bundesländer. Der Blick richtet sich damit etwas weg von den großen Musikmetropolen, die sowieso meist im Rampenlicht stehen, und hin zum allgemeinen, breiten Wert der Musik in der deutschen Gesellschaft.

Im Zentrum stehen natürlich der wirtschaftliche Wert, die ökonomische Wirkung der Musik und damit auch solche Effekte, die indirekt zum Beispiel über Hörfunk, Instrumentebau oder Tourismus entstehen; aber auch „weiche“, zB soziokulturelle Werte wie kulturelle Teilhabe oder soziale Funktionen der Musik im Alltag wurden untersucht und miteinbezogen.

Finanziert wurde die Studie von den untersuchten Regionen Augsburg, Bremen, Köln, München, Region Hannover, Region Stuttgart und die Länder Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Auf der Karte sieht das so aus:

Die Studie steht kostenfrei als PDF hier zur Verfügung und ich finde das Ergebnis kann sich sehr sehen lassen. Ich bin froh, dass ich Teil des Projekts war und ein wenig mitarbeiten konnte, denn es hat mir viel Freude bereitet mit dem Sound Diplomacy-Team zusammenzuarbeiten und inhaltlich habe ich sehr viel über die Musikwirtschaft und -kultur in Deutschland gelernt! Danke!

Sechsteiliger Podcast: Wild Wild Web – Die Kim Dotcom Story (BR 2021)

Ausführlich recherchierter und gut gemachter Podcast von Janne Knödler über den Internet-Tycoon Kim Schmitz alias Kim Dotcom, der vor allem in den 2000er Jahren mit Megaupload und weiteren digitalen Angeboten sein Unwesen im Netz trieb und dabei unvorstellbar reich wurde. Bis er von den Behörden wegen massenhaften Urheberrechtsverstößen ins Visier genommen wurde und nun seit einigen Jahren in Neuseeland auf eine Gerichtsentscheidung wartet, ob er nun ans FBI in die USA ausgeliefert wird oder nicht.

Die sechs Teile des Podcasts beleuchten den Größenwahn, die Manie und auch die verschiedenen Tricksereien von Kimble ziemlich gut, ohne dessen eigenen Erzählungen auf den Leim zu gehen. Außerdem finde ich den Podcast als zeitgeschichtliche Aufarbeitung des frühen kommerziellen Internets, seiner copyright wars und des Aufstiegs (und Falls) der internationalen Piratenbewegung sehr aufschlussreich.

Hier sind alle sechs Folgen verfügbar (mit jeweils einer guten halben Stunde Länge).