Sound Diplomacy-Studie „Der Wert der Musik“ erschienen

Zwischen Oktober 2020 und März 2021 habe ich freiberuflich bei der Erstellung der Studie „Der Wert der Musik. Ökonomische Wirkungsanalyse des Musikökosystems“ mitgearbeitet. In Auftrag gegeben wurde die Studie von der Initiative Musik GmbH und dem Musikzentrum Hannover gGmbH. Die Durchführung lag bei Sound Diplomacy.

Das Besondere: Die Studie fokussiert ganz gezielt auch ländliche Regionen, kleinere Städte abseits der Metropolen und ganze Bundesländer. Der Blick richtet sich damit etwas weg von den großen Musikmetropolen, die sowieso meist im Rampenlicht stehen, und hin zum allgemeinen, breiten Wert der Musik in der deutschen Gesellschaft.

Im Zentrum stehen natürlich der wirtschaftliche Wert, die ökonomische Wirkung der Musik und damit auch solche Effekte, die indirekt zum Beispiel über Hörfunk, Instrumentebau oder Tourismus entstehen; aber auch „weiche“, zB soziokulturelle Werte wie kulturelle Teilhabe oder soziale Funktionen der Musik im Alltag wurden untersucht und miteinbezogen.

Finanziert wurde die Studie von den untersuchten Regionen Augsburg, Bremen, Köln, München, Region Hannover, Region Stuttgart und die Länder Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Auf der Karte sieht das so aus:

Die Studie steht kostenfrei als PDF hier zur Verfügung und ich finde das Ergebnis kann sich sehr sehen lassen. Ich bin froh, dass ich Teil des Projekts war und ein wenig mitarbeiten konnte, denn es hat mir viel Freude bereitet mit dem Sound Diplomacy-Team zusammenzuarbeiten und inhaltlich habe ich sehr viel über die Musikwirtschaft und -kultur in Deutschland gelernt! Danke!

Sechsteiliger Podcast: Wild Wild Web – Die Kim Dotcom Story (BR 2021)

Ausführlich recherchierter und gut gemachter Podcast von Janne Knödler über den Internet-Tycoon Kim Schmitz alias Kim Dotcom, der vor allem in den 2000er Jahren mit Megaupload und weiteren digitalen Angeboten sein Unwesen im Netz trieb und dabei unvorstellbar reich wurde. Bis er von den Behörden wegen massenhaften Urheberrechtsverstößen ins Visier genommen wurde und nun seit einigen Jahren in Neuseeland auf eine Gerichtsentscheidung wartet, ob er nun ans FBI in die USA ausgeliefert wird oder nicht.

Die sechs Teile des Podcasts beleuchten den Größenwahn, die Manie und auch die verschiedenen Tricksereien von Kimble ziemlich gut, ohne dessen eigenen Erzählungen auf den Leim zu gehen. Außerdem finde ich den Podcast als zeitgeschichtliche Aufarbeitung des frühen kommerziellen Internets, seiner copyright wars und des Aufstiegs (und Falls) der internationalen Piratenbewegung sehr aufschlussreich.

Hier sind alle sechs Folgen verfügbar (mit jeweils einer guten halben Stunde Länge).

In the Mix: 90ies Drum’n’Bass

Auf YouTube bin ich in ein rabbit hole gefallen: Dort gibt es dutzende digitalisierte Tapes und Mix-CDs mit „Intelligent Drum’n’Bass“ der Neunziger Jahre.

Zwar hab ich nie so ganz verstanden, warum eigentlich „intelligent“, aber das spielt jetzt auch keine Rolle mehr.

Ein super Einstieg ist dieser Mix von Bailey mit vielen jazzigen und Ambient-Einflüssen:

Oder dieser hier von ’95:

Bisschen dumpf von der Klangqualität, aber ansonsten ein Top-Mix dieser hier von Peshay:

Flott ist auch diese Compilation, wenn auch ungemischt:

Und dieser hier ist noch etwas „oldskooliger“ und eher auf der Jungle-Seite:

Barcode Techno

Ich würde nicht so weit gehen, da jetzt eine konsumkritische Perspektive drauf zu legen, aber beeindruckend ist das allemal.

The Isolated Cinema

Vor kurzem fand das Göteburg Film Festival statt. Wegen der Pandemie haben die sich was Spezielles überlegt: Nämlich einen Wettbewerb und die glückliche Gewinnerin darf/muss/kann eine Woche ganz alleine auf einer einsamen Insel etwa 60 Festivalfilme schauen.

Finde ich als PR-Aktion gelungen und gleichzeitig sehr mutig – inmitten einer nahezu globalen Pandemie das Prinzip der Verknappung (von Gästelistenplätzen) ins Extreme zu steigern und nur eine einzige Person zuzulassen. Denn Vereinsamung ist derzeit sicher kein allzu knappes Gut.

Wenn man allerdings bedenkt, wieviele Menschen im Mittelmeer festhängen, sterben, zu gefährlichen Überfahrten gezwungen sind, sich alleine ohne Familie durchschlagen müssen, dann hat die Aktion auch etwas sehr Zwiespältiges. Sich freiwillig und aus Unterhaltungsgründen so einer extremen Situation auszusetzen, das ist ein großes Privileg.

Interessant finde ich die Vermarktung des Bewerbungsaufruf in Thriller-Horror-Atmosphäre. Das Video ist gut durch die Blogs und Social Media gegangen (siehe auch hier) und hat sich so ordentlich verbreitet.

Die glückliche Gewinnerin, eine filmbegeisterte Krankenschwester namens Lisa Enroth, hat sich gegen 12.000 andere Bewerbungen durchgesetzt und eine Woche lang vollkommen isoliert auf einer einsamen Insel mit Filmen verbracht. Hut ab!

Und es geht weiter: Mit „The Deserted Arena“ und „The Empty Cinema“ gibt’s diese Saison zwei weitere solche Wettbewerbe. Ob sich Enroth erneut auf solche einsamen Erfahrungen einlassen würde, ist mir indes nicht bekannt.