Kopie und Inspiration @ DMY International Design Festival, Anfang Juni in Berlin Tempelhof

Wie im Netz zu vernehmen ist, findet vom 1. bis 5. Juni 2011 auf dem Gelände des Flughafens Tempelhof in Berlin das Internationale Design Festival DMY statt. Schön und gut, was genau hat das jetzt mit diesem Blog zu tun?

Ich verrate es Euch: ein Schwerpunktthema, dem auch ein Symposium gewidmet sein wird, ist das Spannungsverhältnis von Kopie und Imitation im Bereich des Designs. Im Programmheft wird das Thema folgendermaßen umrissen:

„Das Symposium beschäftigt sich mit den zu Grunde liegenden Wertesystemen und ihren Implikationen. Das Konzept des Originals und seine zukünftige Relevanz wird angesichts der gegenwärtig aufkommenden Co-Working und Sharing Praktiken diskutiert. Gleichzeitig werfen wir einen Blick auf die andere Seite und beleuchten die Gründe und Realitäten hinter der Praxis des Kopierens, Imititierens und der Inspiration. Hat Design sich tatsächlich von einer Disziplin, die sich auf nahezu universelle, gesellschaftliche Werte stützte, zu einer Disziplin entwickelt, die allein der Einrichtung einer Status-Gesellschaft dient? Das DMY International Design Festival 2011 bietet Raum für engagierte Diskussionen zu diesem Thema und beleuchtet kontroverse Aspekte des thematischen Komplexes in kuratierten Ausstellungen und Präsentationen.“

Offizielle Homepage

Everything is a Remix Part 2 – Sampling in Filmen

Ahoi hoi,

der zweite Teil der insgesamt vierteiligen und bisher sehr sehenswerten Serie von „Everything is  a Remix“ ist vor ein paar Tagen erschienen. Der Kopf hinter der Serie, der US-amerikanische Regisseur und Autor Kirby Fergusan, lässt diesmal tief in das Referenz- und Zitatsystem Film blicken, das knapp zehnminütige Video ist tight gemacht und hübsch illustriert mit Beispielen:

 

Wie Spiegel Online lustigerweise vor ein paar Tagen meldete, bedienen sich nicht nur Hollywood oder Babelsberg dieser Technik, sondern auch chinesische Fernsehproduzenten, die Szenen aus dem Bomberfilm „Top Gun“ für ein militärisches Propagandavideo übernahmen. Medienübergreifend, sozusagen. Fehlte eigentlich nur noch der Credit im Abspann, und alles wäre fein geworden… Fergusan hat schon Recht mit seiner These vom „Everything is a Remix“:

 

Weitere Videos über’s Sampling übrigens hier.

Und Simpsons Sampling hatten wir hier.

[via cut, copy and paste]

www.everythingisaremix.info

Elektronische Musikinstrumente von 1700 bis 1990

Auf http://120years.net/ findet sich eine liebevoll und akurat zusammengestellte Liste von elektronischen Musikinstrumenten seit dem 18. Jahrhundert, fast alle davon lassen sich inklusive Foto und Funktionsbeschreibung zu Gemüte führen.

Mit von der Partie natürlich auch das erste öffentlich verfügbare Gerät, mit dem sich externe Klänge aufnehmen und weiterverarbeiten ließen: die Rede ist vom Fairlight CMI (1978/79), einer Mischung aus Synthesizer und Sampler. Das Ding kostete damals immer noch an die hundertausend Dollar, so dass es sich meist nur die großen Studios und Musikkonzerne leisten konnten, aber ein Anfang war gemacht und die Knight-Rider-Cockpit-Optik der späten 70er Jahre versprüht auch heute noch ihren ganz eigenen Charme…

All samples cleared?

Mal nicht in eigener Sache…

Auf Byte FM gibt jeden zweiten Samstag von 12 bis 13 Uhr eine sehr schöne Sendung zum Thema Sampling im HipHop. Im Stile von „Original und Sample“ werden die Tracks vorgespielt und dekonstruiert – einziger Wehrmutstropfen: wer eine Folge verpasst hat, zahlt 99ct für das Nachhören.

Für alle Cratedigger und Nerds da draußen trotzdem aber eine wirklich sehr schöne Angelegenheit. Die Sendung wird übrigens seit September 2009 zusammengestellt und moderiert vom „Vinylizer“ Marcus Maack, der auch die für wöchentliche BTTB (Back to the Basics) Sendung verantwortlich ist.

Hier geht’s direkt zu „All Samples cleared?“

Ein ältere Folge aus dem Archiv wird übrigens am Mittwoch, 1.12.2010, um 17 Uhr ausgestrahlt! Einschalten!

Plausch aus dem Plattentäschchen

2010-08-24

Im Jugendmagazin „jetzt“ von der Süddeutschen Zeitung gibt es seit mehr als vier Jahren eine interessante, manchmal sehr gut und manchmal eher schwach geschriebene Kolumne namens „Mies aufgelegt“, in der DJs von schlechten Gig-Erfahrungen berichten. Ein kleiner Plausch aus dem Nähkästchen…  – pardon – Plattentäschchen. Lest selbst:

Mies aufgelegt

Aktennotizen II: Websites zum Digging

2010-08-12

Nachdem an dieser Stelle letztens ein paar Websites über’s Sampling vorgestellt wurden, die hauptsächlich als Datenbanksuche für Samples dienen, hab ich für diesen Beitrag ein bisschen was zum “Digging” zusammengestellt; “Digging in the Crates” oder kurz: „Digging“, wörtlich das “Graben in den Kisten” ist die Leidenschaft – manche sprechen auch von einer regelrechten Sucht – nach besonderen, wertvollen oder sonstwie interessanten Platten zu suchen, die man wahlweise zu Hause archivieren und/oder aus denen man dann Passagen samplen kann.

Der US-amerikanische Musiker Josh Davis a.k.a. DJ Shadow gibt in „Scratch“ einen sehr eindrucksvollen Einblick in ein (inoffzielles) „Archiv für Musikkultur“, wie er es nennt, das sich im Keller eines Plattenladens befindet und in dem er wohl viele Stunden mit den riesigen Haufen an „schwarzem Gold“ verbracht hat:

Bemerkenswert ist vor allem den respektvolle Umgang, den DJ Shadow für die Künstler und deren Veröffentlichungen fordert, wohl in der weisen Ahnung, dass irgendwann auch der heißeste Scheiß nur noch kalter Kaffee sein wird: „If you’re makin‘ records and if you’re DJ’ing and if you’re putting out releases as well as mixtapes or whatever, you’re sort of adding to this pile, no matter if you wanna admit it or not […] ten years later you’ll be in here.“ Was in seinen Worten irgendwie zwischen bescheiden und stolz klingt, hat sich für seine eigene Arbeit bis jetzt noch nicht bestätigen können: Sein 1996 erschienenes Debütalbum „Endtroducing“ gilt nach wie vor als Meilenstein in der auf Sampling basierten Musikgeschichte und generell im HipHop, ist es doch das erste ganze Album, das ausschließlich aus Samples fremder Künstler zusammengeschustert wurde. Die klanglichen Fragmente, die für die Mosaik ähnliche Bauweise des Albums miteinander verarbeitet wurden, verdanken ihre Herkunft – davon lässt sich wohl ausgehen – alle eben jenem Keller, durch den uns DJ Shadow gerade eben geführt hat.

Noch eine Stufe beeindruckender ist folgendes Video des  über den Sammler Paul Mawhinney, dem die größte private Plattensammlung der Welt nachgesagt wird:

Ebenfalls über Sammler und ebenso interessant wie liebevoll aufbereitet ist das Blog “Dust and Grooves”, auf dem Sammler allerlei Obskuritäten, Raritäten und Verloren gelaubtes auf Vinyl präsentieren, alles schön mit Interviews, Fotos und teilweise Videos dokumentiert. Sehr sehenswert! Sind ein paar heiße Scheibchen mit dabei 😉

Hat man dann noch ein bisschen Zeit übrig, kann man sie herrlich in Facebook vertun: Die Gruppe “Musikzimmer – DJs and their Living Rooms” ist ein Sammelsurium an Fotos von Plattensammlungen, Equipment-Showcases, Vinyltoys und ähnlichem Schabernack, mit dem sich Musiker zu Hause sonst so umgeben. Alles zusammengetragen von den Mitgliedern. Anstoß gab wohl eine Ausgabe der Groove, die in der Heftmitte so eine Art Poster von DJ-Arbeitszimmern hatte. In jedem Fall ein paar Klicks wert!

“Digging in the Crates”, so lautet auch der Titel der Diplomarbeit von Roland Lösslein (FH Augsburg, Fakultät für Gestaltung) und der Name ist ebenfalls Programm: In einer interaktiven Installation kann man Samples und deren weitere musikalische Verwendung historsch erkunden, indem man sich in einer Plattenkiste aus einer Auswahl von 50 Scheiben eine aussucht, diese auf einen speziell modifizierten Plattenspieler abspielt und sich dann mittels Projektion die Samplehistory anzeigen lässt. Klingt abgefahren? Ist es auch. Das Video und die Website geben Aufschluss über ein sehr interessantes Projekt mit einer äußerst gelungenen Umsetzung! Überzeugt Euch selbst:

Zum Abschluss noch ein kleines musikalisches Schmankerl mit dem Hinweis auf die mittlerweile schon dritten „Diggin Days“ am 11. und 12. September 2010 im Cassiopaia Berlin, veranstaltet von HHV-Records. Dort kann man sich ganz gediegen durch die Kisten wühlen und nach Perlen graben. Und wenn man sich auf diese Weise eine adäquate Auswahl an original 7-Inches zusammen gediggt hat, kann man sich dann an so was versuchen: