In the Mix: Aaron Dilloway – FACT mix 613 (obskure Coverversionen und Soundalikes)

Beim FACT Magazine bin ich auf einen interessanten Mix gestoßen: Aaron Dilloway, von dem ich vorher noch nichts hörte, hat in den letzten Jahren Coverversionen und Soundalikes gesammelt. Diese Nachbauten von bekannten Rock- und Popsongs vor allem aus den 60er und 70er Jahren sollten Konsument:innen gewissermaßen irreführen, denn statt dem originalen Song bekam man (hauptsächlich auf Compilations) eine von einer anderen Band eingespielte Version. Diese Praxis ist heute besonders in der Werbeindustrie eine verbreitet Umgehungsstrategie, aber auch auf Compilations und bei Spotify findet man immer wieder solche Versionen, die sich als Originale ausgeben, aber als Kopien entpuppen.

Inspired by cheap “sound-a-like” records designed to trick people thinking they were buying compilations from popular bands, it’s like tuning into a classic radio station from an alternate reality.

Presented without any tracklist, Dilloway’s mix unearths everything from baffling versions of Pink Floyd and Led Zeppelin classics to Hawkwind remade as easy listening. Oh, and there’s a high school chorus version of Foreigner’s ‘Cold As Ice’ thrown in for good measure.

Aaron Dilloway stellt leider keine Tracklist zur Verfügung, was sehr schade ist, denn ich würde gerne mehr über diese teilweise kruden, obskuren und weirden Versionen erfahren. Naja, zumindest gibt es noch ein paar Infos:

About 10 or so years ago, I came across a “fake” Beatles 8-track tape on Pickwick titled The Tribe Sing And Play The Hits Of Lennon, McCartney and Harrison. I remember coming across these budget “sound-a-like” tapes and records quite often at record shops and thrift stores for years. They are basically collections of cover versions of hit songs quickly recorded by random session musicians and designed to kind of trick people into buying them, thinking they are getting the “original artist.” Like, the cover would say, in real large print, “HITS OF THE ROLLING STONES,” then in real small type, “performed by The Current Event.”

[via FACT]

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Crate Digging und Re-Issues – Zwei Einblicke in Kultur und Geschäft mit alter Musik

Screenshot aus dem Tedx-Talk / (c) Bruno Destombes (steht rechts unten im Bild)

Auf dem Vinylfetisch-Blog The Vinyl Factory bin ich auf diesen Talk gestoßen. Der DJ und Plattensammler Alexis Charpentier spricht hier über seine Leidenschaft: das Suchen, Aufspüren und Sammeln von alten, vergessenen und verschollenen Schallplatten. Er umschreibt mehrmals, dass seine Tätigkeit große Nähe zu Archäologen und Archivaren bzw. Kuratoren hat. Auch zu Detektiven, würde ich mal noch ergänzen, je nachdem, wie ernst man das Ganze nimmt. Interessant finde ich zudem, wie er den Zusammenhang zu der Unmenge an digital verfügbarer Musik herstellt und dass es in diesen unübersichtlichen Zeiten Menschen braucht, die aus dem Ozean des Verfügbaren eine Auswahl treffen (z. B. durch DJ-Sets oder Spotify Playlisten, aber auch Re-Issues und Compilations). Charpentier erzählt dabei auch die Geschichte von dem haitianischen Musiker Henri-Pierre Noel, dessen Musik leider untergegangen ist, die aber dank der Digger nun als Re-Issue wieder verfügbar ist.

Was Alexis Charpentier nicht erzählt, ist wie das Re-Issue-Business so abläuft, insbesondere was die Lizensierung der alten Musik betrifft und wie sehr teilweise die wiederaufgelegten Musiker ausgequetscht werden – auf Basis alter und neuer Verträge, in denen beispielsweise Studiomusiker per buy-out die Copyrights an ihren künstlerischen Anteilen entzogen wurden. Zu diesem Thema gibt es bei der Groove gerade einen guten kritischen Artikel, auf den ich in diesem Zusammenhang unbedingt aufmerksam machen will, da er einen differenzierteren Blick auf das Geschäft mit der Aneignung vergessener Musik bietet und nicht nur die weiße Kuratoren-Perspektive bedient. Hier zwei kurze Ausschnitte aus dem Artikel „Black Roots, White Fruits“ von Niklas Fucks:

Oft ist die Rechtslage unklar, das Originallabel lange schon nicht mehr existent, der Lead-Sänger verschollen, die Masterbänder zerstört, die Verträge abgebrannt, die Nachkommen zerstritten oder kaum zu finden. „Manchmal ist man froh, wenn man überhaupt jemanden findet, der einem das Geld abnimmt und idealerweise unterschreibt, dass er die Rechte hat“, gesteht ein Labelbetreiber, der lieber anonym bleiben möchte. Abgesehen davon haben nicht immer die MusikerInnen die Rechte inne, obwohl sie in einer perfekten Welt die Tantiemen verdienen würden. Der bekannteste Fall einer solchen Win-Lose-Situation ist der von Clyde Stubblefield: Der „Funky Drummer“-Schlagzeuger hat nie etwas an seinem legendären Drumbreak verdient, obwohl es sich um die meistgesampelten Takte der Musikgeschichte handelt. Einigen Labels erscheint es so sinnvoller, Bootlegs zu pressen oder die teils recht schwammige Gesetzeslage wie etwa die Verjährung des Urheberrechts 70 Jahre nach dem Tod des Verfassers auszunutzen.

[…]

Es ist nicht zu leugnen, dass die meisten Reissue-Labels von wohlhabenden, oft weißen, nordamerikanischen oder europäischen Männern betrieben werden. Die mögen uns mit ihrer Arbeit zwar allen einen Gefallen tun, aber eben auch die klassischen kolonialen Mechanismen reproduzieren, die bis heute die Weltwirtschaft bestimmen.

Hier geht es zum kompletten Groove-Artikel „Re: Issues. Hinter den Kulissen der Reissue-Industrie“ von Niklas Fucks.

 

Discogs Scan App „MilkCrate“ für iOS

Crate Diggin in Sydney

Diggin‘ wird digitaler: Nachdem im Sommer 2014 die iCrates-App eingestampft wurde, gibt es nun eine von Discogs selbst bereitgestellte App, mit der sich die Barcodes von Platten scannen lassen. Mit MilkCrate für iOS wird die Scheibe nach dem Scan identifiziert und man kann sich ihren Discogs-Marktwerkt anzeigen lassen oder sie in die eigene Sammlung übernehmen. Eine vergleichbare App für Android ist bereits von einem anderen Hersteller verfügbar.

Milkcrate (Bild von den Blogrebellen)

Bei den Blogrebellen gibt es einen lesenswerten Artikel zu Milkcrate.

iCrates App wird eingestellt

iCrates-App-Off

Vor kurzem vermeldete das iCrates Magazin aus Berlin die Nachricht, dass ihr Scan- und Suchdienst von Schallplatten eingestellt worden ist. Die Gründe dafür wurden ebenfalls in der Pressemitteilung angeführt und liegen vor allem in ungeklärten Problemen mit dem Datenbankdienst Discogs.

Hi everybody,

We’re afraid to say we have some sad, sad news.

For the last 5 years we’ve been building a service called the iCrates App to support all your record digging adventures. The app and the accompanying magazine was built without funding or investment, just driven out of the love for music and the passion to create something unique and real within the often overhyped realms of the internet.

But, unfortunately today we’ve had to close the iCrates App.

As most of you have experienced over the last few weeks, the App has had several problems. There have been problems with the internet connection, database failures, missing images etc. Having worked constantly to try and resolve these issues, it has become clear that all the problems we’ve been facing have in fact been made and caused by Discogs, our App’s main data source.

For the last year (ever since it received a big investment from some evil investment company), Discogs has been trying to disable all third party apps and programs that use their database, disregarding their former (holy) principle to keep all the user generated data on which Discogs is built open and accessible to everyone through their search API.
And trust us, they’ve not been playing very fair.

We have really been trying our best to find workarounds in order to keep the iCrates App running and avoid downtimes, but as became clear today, our limited successes are disproportionate to the work we have had to and will continue having to put in.

In other words, Discogs has turned to the dark side and today it is very strong!

Sorry again and thanks for staying with us for so long, it has been an awesome 5 years.

Keep digging,

Your (very sad) iCrates team

 

Das Praktische an der iCrates App war, dass der Barcode einer Schallplatte mit dem Smartphone gescannt werden und anschließend sofort in der Discogs-Datenbank der Marktpreis für jene Platte gesucht werden konnte. Ich habe das selbst einige Male im Plattenladen gemacht und hatte schnell und bequem die entsprechenden Informationen in der Hand. Für Digger natürlich eine famose Sache! Bei vielen Releases hat es auch nicht geklappt, da ja bspw. nicht alle White Labels mit Barcodes versehen werden. Trotzdem fand ich die App immer sehr hilfreich. Dass sich Discogs nun offenbar dazu entschieden hat, die iCrates App zu kicken, ist eigentlich nur dann nachvollziehbar, wenn es eine vergleichbare App von Discogs gäbe. Diese ist bisher allerdings nur für Android verfügbar.

Bleibt zu hoffen, dass iCrates sehr bald eine alternative Datenbank finden oder zumindest ihr Webmag und ihren Vinyl Only Podcast weiterbetreiben. Hier ein toller Mix von einem der ganz großen Digger: Frank Gossner. Über seine Compilation „Lagos Disco Infoerno“ habe ich übrigens mal ein Review geschrieben.

 

 

Doku: „Dramadigs – Musik aus Musik“ von Julia Haase

Screenshot aus der Doku

Letzte Woche wurde ich auf eine sehr tolle kurze Doku namens „Musik aus Musik“ aufmerksam gemacht. Im Rahmen ihrer Masterarbeit an der UdK Berlin hat Julia Haase zusammen mit Christian Limber einen Film gedreht, der das HipHop-Duo Dramadigs bei der Arbeit begleitet. Arbeit heißt in dem Fall: Crate-Diggin‘ auf dem Flohmarkt, Rückzug ins Studio, Auswählen, Sampeln, Choppen, den Beat zusammenbasteln und abschließend den eigenen Text einrappen. Ich finde die Doku auch deshalb so empfehlenswert, weil es im deutschsprachigen Raum im Grunde kaum vergleichbare Filme gibt, die so hautnah an der Produktion eines HipHop-Beats dran sind und die die einzelnen Phasen des Produktionsprozesses dokumentieren. Außerdem sind die beiden Bremer von Dramadigs wirklich sehr sympathische Jungs, denen man gerne bei der Arbeit zuschaut. Im letzten Teil des Films sprechen sie auch über urheberrechtliche Verwicklungen, mit denen sie sich beim Sampeln auseinandersetzen müssen. Sie offenbaren sich dabei nicht komplett: Ein paar Tricks behalten sie auch für sich, beispielsweise die Quellen mancher ihrer Samples und ähnliches, aber das gehört zum „Game“ natürlich auch dazu. Der Film ist veröffentlicht bei Melting Pot Music.

Auf der Bandcamp-Seite von Dramadigs gibt’s auch den aktuellen Release zu kaufen. Check this…

Beitragsbild: Screenshot aus der Doku.

Diggin‘ in the Crates… for Bricks!

lego-recordstore-by-eldeeem[via eldeeem]

 

Beat Mining with the Vinyl Hoover

vinylhooverVor ein paar Jahren lief auf der BBC mal diese tolle einstündige Reportage über die Kultur des „Crate-Diggins“ und Samplings. Interviewed werden unter anderem Steinski, Idris Muhammad, Afrika Bambaataa, Keb Darge, Coldcut, 45 King, Tuff City’s Aaron Fuchs und Mr Scruff. Mittlerweile ist die Sendung über die beschwerliche Suche nach dem schwarzen Gold Vinyl auch bei Mixcloud aufgetaucht. Kann ich nur empfehlen, das Ding, immer wieder gern gehört. Bei archive.org kann man sich auch ein .mp3 der Sendung ziehen. Das Bild hab ich bei den Cratekings gefunden. Cheers!

„Broadcaster Toby Amies digs into the archives to discover the value and significance of old vinyl. He uncovers a network of dealers and buyers, supplying a community of ‚crate diggers‘ and ‚beat miners‘ and a world in which samples from records bought for a few pence in a car boot sale can provide the basis for a million-selling hit.“