Technics SL-1200 Mod spielt digitale Dateien

Ein findiger Russe hat einen Technics SL-1200 Plattenspieler so umgebaut, dass er damit digitale Dateien abspielen und scratchen kann. Ähnlich wie mit einem Serato System, nur eben ohne externes Interface. Die Knöpfe für 33 und 45 Umdrehungen hat er neu programmiert, z. B. um Dateien zu browsen oder Samples zu loopen:

“Handmade Digital Vinyl System (DVS), built-in [to a] vinyl turntable Technics SL-1200. [It is like] an analog Serato or Traktor Scratch, but is completely autonomous. The computer and the sound card is not necessary. To work [you only need] 2 turntables and mixer. Content is stored on a micro SD cards in the players. It is possible to install two hot cues for each track with automatic saving on the SD card, installing realtime loops.”

[via djtechtools.com]

Everybody wants to be the dish jockey!

dishjockeySue Teller bekommt Gesellschaft, vom Dish-Jockey… keiner hantiert so schön wie er mit den Platten-Tellern!

This must be underwater love…

Eine Unterwasser-Plattenspieler-Installation:

 

…und darauf diese Platte?

 

[via KFMW]

Herzallerliebst: Der Technics SL-700 Turntable

Seit gestern kursieren im DJ-Intranet, das so eine Art Unterform des großen Internets zu sein scheint, Bilder eines kleinen Bruders vom legendären Technics SL 1200 / 1210er Turntable. Laut Biz Markie, dem DJ auf den Fotos, existiert nur ein einziges Paar dieser speziell angefertigten Kleinversion. Erstaunlich ist, dass die 7″-Plattenspieler zwar Knöpfe für 33 und 45 Umdrehungen pro Minute (RPM) haben, aber keinen für 78. Ich würde nämlich vermuten, dass es mehr 7″-Platten mit 78 RPM als mit 33 RPM gibt. Außerdem sehen wir Varianten mit einem geschwungenen Tornarm und mit einem geraden… Wie auch immer, die beiden Kleinen erfreuen mein Herz auf die gleiche Art, wie es Katzenbabies tun.

http://djworx.com/spotted-7-technics-sl-700-turntable-in-the-wild/

http://djworx.com/spotted-7-technics-sl-700-turntable-in-the-wild/

Natürlich wird jetzt auch schwer spekuliert, ob die „SL-700“, wie die Turntables gerade genannt werden, wohl in Serie produziert werden oder es irgendwann auf anderen Wegen Exemplare für „Normalsterbliche“ zu kaufen geben wird. Möglicherweise ist das Ganze auch ein geschickt platzierter Marketing-Schachzug von Technics bzw. Panasonic, um sich mal wieder ins Gespräch zu bringen, nachdem im Jahr 2010 die Produktion der 1200er und 1210er eingestellt worden war. Bei djworx.com gibt’s noch mehr zur angeblichen Story und ein paar weitere Bilder.

sl700_BizMarkie_2

http://djworx.com/spotted-7-technics-sl-700-turntable-in-the-wild/

In diesem Video plaudert Biz Markie auch ein bisschen aus dem Plattentäschchen und präsentiert seine 45ers:

Ach, und dann hab ich das hier noch gefunden. Soso, Schuhe…

https://www.facebook.com/photo.php?fbid=209433982514178&set=a.181656471958596.6731.171712119619698&type=1&theater

Und es gibt dieses schöne Video von 45-King an Kinderplattenspielern Vestax Handytrax:

Merch für Knöpfendreher

Nach dem Amen-Break-Schal, den MPC-Flashdrives und der 303-Tasse kommt nun weiteres Merch für Knöpfchendreher: Badeanzüge mit Motiven von Technics Plattenspieler und TB 909 (etc.). Phew.

DJing früher und heute

Dieser Text ist ursprünglich erschienen im ersten Printmagazin des Circus Homo Novus, welches auf der Party in der Theaterkapelle releast und unter die Leute gebracht wurde. Weitere Informationen zum Magazin und den Aktivitäten des Circus gibt’s hier und die DJ-Sets von der Party dort.

EINS

Mein Großvater war vielleicht so etwas wie ein Vorläufer des heutigen DJs: im Auftrag der Telefunken GmbH, die damals neben der Entwicklung und dem Verkauf von Unterhaltungselektronik auch einen Musikverlag ihr Eigen nannte, fuhr er in den 50er und 60er Jahrern zu süddeutschen Elektrofachhändlern und spielte ihnen Schelllackplatten aus seinem Musterkoffer vor. Das Ziel war natürlich, Schallplatten von Heinz Erhard bis Su Kramer aus dem Telefunken eigenen Sortiment in die Regale der Händler und sie von dort aus direkt an den Mann (respektive an die Frau) zu bringen. Die Auswahl der Platten, die er damals in seinem Koffer mit sich führte, dürfte allerdings nicht von ihm selbst getroffen worden sein, sondern vielmehr von seinen Vorgesetzten. Heute würde man vermutlich sagen, mein Großvater war im Auftrag der Promotion – quasi als Handlungsreisender oder Vertreter des Verlags – unterwegs, um neue Kundenkontakte zu gewinnen und alte zu pflegen.

ZWEI

Zu etwa der gleichen Zeit begannen die ersten Schallplattenunterhalter in Jamaica mit ihrem mobilen Soundsystem von einem Dance (jamaikanisch für Party) zum nächsten zu ziehen und das Publikum mit aktuellen Dubplates (exklusive Schelllackplatten in geringer Stückzahl) zu erfreuen. Um die Zuhörer zu animieren, sangen oder reimten viele von ihnen auf die Musik; außerdem moderierten sie die aufgelegten Stücke gekonnt an. Ziel war es auch hier, die Lieder, oft neu besungene Versionen von Instrumentalstücken (sogenannte Riddims), beim Publikum zu testen, bekannt zu machen und so das allgemeine Interesse zu wecken. Die Typen hinter dem Plattenspieler nannten sich Selectas, weil sie selbst ihre Musik aus ihrem Fundus an Material aussuchten und in einem mehr oder weniger kunstvollen Mix aneinanderreihten. Der promotionale Charakter des Auflegens vor verschiedenen Publika blieb dabei – ähnlich wie bei meinem Großvater –  erhalten, lediglich der Kompetenzrahmen erweiterte sich.

DREI

Bis zur Erfindung des Crossfaders, dem vertikalen Schieberegler am Mischpult, und der dadurch möglich gewordenen Überblendung von Songs von zwei Plattenspielern war man in der Regel mit nur einem einzigen Abspielgerät ausgestattet. Die Praktik der Anmoderation wurde übernommen von den amerikanischen Radio-DJs aus den 30er und 40er Jahren und diente quasi als verbales Scharnier, um das Ende des einen Liedes mit dem Anfang des anderen kontextuell zu verbinden und den Übergang so weich als möglich zu gestalten. In der DDR war die seit den 70er Jahren eingeführte Ausbildung von Schallplattenunterhaltern (kurz: SPU) Staatsangelegenheit, die politisch linientreue Anmoderation und natürlich die Auswahl der Songs dabei obligatorisch.

VIER

Die Kunst des DJings, zwei Songs gleichzeitig, nahtlos und damit kunstvoll ineinander zu mischen, wurde schließlich erst im New York der 70er Jahre von Kool DJ Herc so richtig konzipiert. Auf den Blockparties in der südlichen Bronx erkannte er, wie das Publikum bei bestimmten Abschnitten der aufgelegten Lieder besonders euphorisch reagierte. Das Problem war bloß, das jene Abschnitte meist nur sehr kurze Rhythmuspassagen mit Schlagzeug und Basslauf waren, die als vier- oder achttaktiges “Füllmaterial” der Songs gedacht und entsprechend schnell zu Ende waren. Um dem Wunsch des Publikums nach Ausdehnung dieser sogenannten Breaks nachzukommen, verlängerte Kool DJ Herc sie künstlich, indem er ein zweites Exemplar der Platte auf einem zweiten Plattenspieler an der entsprechenden Stelle abspielte und während dessen die erste Platte per Hand wieder zum Anfang der Breaks-Passage zurückspulte. Mit Hilfe des Crossfaders, dessen Erfindung ebenfalls ihm nachgesagt wird, blendete Kool DJ Herc seine Rückspulgeräusche einfach aus und schuf damit als Erster eine kontinuierliche, theoretisch unendliche Verlängerung der Breaks. Die Anmoderationen wurden unwichtiger, die Techniken unbemerkter Überblendungen hingegen immer ausgefeilter.

FÜNF

Tom Moulton, Discoproduzent der mittleren und späten 70er Jahre, machte die gleiche Beobachtung wie Kool DJ Herc, doch war seine Reaktion von der anderen Seite her gedacht: statt die begehrten Breaks umständlich von Hand live aneinander zu reihen, um ein musikalisches Kontinuum herzustellen, schuf er als Produzent nun Musikstücke, die von vornherein auf dem Grundgerüst jener beliebten Rhythmuspassagen aufbauten, ja sie explizit zum Thema machten. Diese im Studio mit Intros und Outros speziell für DJs angefertigten Stücke konnten durch Angleichung der Tempi nun noch einfacher miteinander gemischt werden als zuvor. Die Stücke enthielten gleichsam einen linearen Spannungsaufbau zur Euphorisierung des Publikums und waren von Moulton mehrschichtig abgemischt, um ein Maximum an Klangergebnis zu erreichen. Um der veränderten Länge der Stücke, die nun nicht mehr vier sondern gerne zwölf Minuten betrug, und ihrer neuen klanglichen Qualität Rechnung zu tragen, wurde zudem von Moulton mit der 12”-Single ein neues Format eingeführt , die als DJ-Medium viele Jahre lang das Nonplusultra bildete.

SECHS

Nun, die Art des Auflegens befindet sich seit ihrem Beginn in ständiger Veränderung. Und doch gelten zur Verortung in der sozialen Hackordnung der DJs immer noch zwei klassische Kriterien als entscheidend: Form und Inhalt. Form, verstanden als gelungen angewandte Technik der kunstvollen Übergänge zwischen den Titeln ist quasi die Grundvoraussetzung, um sich ein paar Props hinter den Plattentellern zu verdienen. Die Auswahl der Musikstücke ist die inhaltliche Ausfüllung dieser Form, die an die Technik anschließende Möglichkeit zur musikalischen Profilierung. Betrachtet man beide Aspekte historisch, so fällt auf, dass eine Erfüllung dieser beiden Anforderungen dabei immer leichter wurde. Einerseits wurden in den letzten 20 Jahren die Gerätschaften zum Auflegen kontinuierlich besser, einfacher, günstiger und das Angebot an Plattenspielern, Mischpulten und Zubehör reichhaltiger – andererseits verniedlichte sich im Zuge der Digitalisierung und ständigen Verfügbarkeit von Musik die Auswahl der Titel von einem mühsamen Abgrasen von Plattenläden hin zu einer simplen Internetrecherche.

SIEBEN

Sogar das eigentliche Kunststück, nämlich eine bewusst ausgewählte Selektion von Stücken in einen fließenden Mix zu bringen, ist heute keine Fertigkeit mehr, die man sich zu Hause hart erarbeiten und für den Clubeinsatz erproben muss. DJ-Software wie Traktor erledigt das Angleichen und Ineinandermixen für einen mit, man braucht nur noch seine Playlist zusammenstellen und die Tracks nacheinander abfeuern. Ganz kulturpessimistisch betrachtet drängt sich einem die Frage auf, wie groß hier eigentlich noch der Bezug zum ursprünglichen Auflegen und Mischen von Platten sein soll? Ist er überhaupt noch vorhanden? Gut, die Konkurrenz unter DJs ist so groß wie noch nie. Und der Zugang zu exklusivem Promomaterial dabei so schwer wie immer. Mit etwas Glück schafft man als DJ den Sprung vom belächelten Anfänger in den soliden Mittelbau einer  Residency oder einer vergleichbaren, anerkannten Tätigkeit. Spätestens dann muss die eigene Selektion in Kombination mit einer perfekt sitzenden Technik einen eigenen Stil ergeben, der genug Alleinstellungsmerkmale aufweist, um wenigstens im Haifischbecken bleiben zu können. Irgendwie komisch: Auflegen ist so einfach und gleichermaßen so schwer wie nie.

Die Demokratisierung des DJ’ings und ihre Kinder

„In den frühen 1970ern“, so schreibt Didi Neidhart in einem schönen Artikel über den 12″-Erfinder Tom Moulton, „war DJ-Arbeit eine verdammt harte Knochenarbeit. Die Breaks und Breakbeats mussten mit steinzeitlichen Schallplattenspielern abenteuerlich aneinandergereiht werden (funktionierte das mal nicht, war die Tanzfläche gleich wieder leer) oder wurden (in ebenso mühseliger Schneide- und Klebe-Arbeit) zu Hause mittels Tonbändern manuell zusammengeschnitten.“

Leere Tanzflächen gehören auch heute noch zu den DJ-Problemen, aber die Art des Auflegens hat sich doch grundlegend verändert. Nicht nur der Zugang zu auflegekompatibler Clubmusik hat sich dank Beatport, Youtube und Konsorten demokratisiert, sogar das eigentliche Kunststück, nämlich eine bewusst ausgewählte Selektion von Stücken in einen fließenden Mix zu bringen, ist heute keine Fertigkeit mehr, die man sich zu Hause hart erarbeiten und für den Clubeinsatz erproben muss. DJ-Software wie Traktor erledigt das Angleichen und Ineinandermixen für einen mit, man braucht nur noch seine Playlist zusammenstellen und die Tracks nacheinander abfeueren. Fragt sich nur, ob man dann überhaupt noch von einem „DJ“ sprechen kann?

Seit nicht allzu langer Zeit ist es zudem auch gar nicht mehr notwendig, Musik physisch in Form von Platten, CD’s oder auf der Festplatte gespeichert zu besitzen: In der Youtube-Disko stellt man seine gewünschtes Playlist ganz einfach aus dem gesamten Youtube-Archiv zur Verfügung stehenden Tracks zusammen. Zwar ohne Pitch-, geschweigedenn einer Sync-Funktion, aber auch das ist sicher nur eine Frage der Zeit.

Mein (mehr als pauschaler) Eindruck jedoch – und das ist auch das Widersprüchliche an der ganzen Sache – ist keinesfalls der, dass heute generell mehr Wert auf Dramaturgie und eine interessante Playlist gelegt wird, wozu – gerade mit Traktor und dergleichen – nun eigentlich die Zeit vorhanden wäre. Stattdessen hören sich so viele Sets so derart ähnlich an, dass ich manchmal schon, ganz heimlich und in meinen niedersten Momenten, den Gedanken von einer Nivellierung der Playlisten mit mir herumtrug.

Und noch ein Punkt, wenn wir gerade schon am Meckern sind. Ich hab mir letztens ein sehr sehenswertes Interview mit dem Funktion One Bauer Tony Andrews angeschaut. Man muss natürlich vorausschicken, dass der Mann von Berufs Wegen ein audiophiler Nerd ist, seinen Job sehr ernst nimmt und allein schon aus marketingtechnischen Gründen auf hohe Klangqualität bedacht ist. So oder so, seine Position ist kurz gefasst die, dass mp3’s, egal wie hoch die Bitrate ist, einfach ungeeignet für den Clubeinsatz sind und auch nicht gut für Ohren; auf den meisten Club-Boxen hört man das allerdings kaum, weil die eh so undifferenziert scheppern. Auch wenn der Typ erster Linie Werbung für seine eigenen Boxen macht und Soundqualität ein ganz eigenes Kapitel wäre, so hinterlassen seine Aussagen vor allem im Zusammenhang mit der Youtube-Disko bei mir ein ziemlich mulmiges, kulturpessimistisches Gefühl.

Vielleicht nehm ich das Ganze auch zu ernst und eigentlich ist alles fein – aber ihr wisst ja: there’s no business like show business…