Achtung, Aufnahme! In den Schmieden des Pop: Generation Sampling (Arte Doku)

Arte hat derzeit mit „Achtung Aufnahme! In den Schmieden des Pop“ eine sehenswerte französische Dokureihe über die Geschichte der Popmusik online. Im finalen Teil (6/6) geht es um Sampling, seine Entstehung, Verbreitung und Entwicklung, auch im Zusammenhang mit den rechtlichen Problemen und den neuen Clearing-Strategien ab den 1990er Jahren. An manchen Stellen ist die Doku etwas platt, zum Beispiel als gesagt wird, dass Sampling nur noch für extreme reiche Musiker wie Puff Daddy möglich ist – das ist natürlich Quatsch. Aber trotzdem: alles in allem sehr sehenswert! Ich empfehle auch den Teil über die Musikproduzenten (3/6) und darüber hinaus Mediathekview, um die Dokus aus den Mediatheken zu „befreien“ 😉

Die sechsteilige Dokureihe beleuchtet die Geschichte der Musikaufzeichnung, lässt Größen der Unterhaltungsmusik zu Wort kommen und bringt musikalische Meilensteine zu Gehör. In der sechsten und letzten Folge geht es um eine der revolutionärsten Techniken der letzten 40 Jahre: das Sampling.

Es war eine der revolutionärsten Neuerungen der letzten 40 Jahre: das Sampling. Dabei werden Teile bereits bestehender Stücke herausgeschnitten und – oft als Loop – in neue Songs integriert. Diese Technik kommt eigentlich aus dem jamaikanischen Dub, dem Funk à la James Brown und der Discobewegung. Das Genre mit den meisten Samples ist aber eindeutig der Hip-Hop. Afrika Bambaataa, Darryl McDaniels von RUN–D.M.C., Chuck D von Public Enemy, Adam Horovitz von den Beastie Boys, RZA vom Wu-Tang Clan und der französische Rapper Akhenaton sind Meister dieser Kunst. Sie kommen in der Sendung selbst zu Wort und verteidigen das, was die Musikindustrie als Plagiat bezeichnet. In der Vergangenheit kam es bereits zu zahlreichen Gerichtsverfahren. Heute ist es kaum noch möglich, Samples zu verwenden – sehr zum Leidwesen von Rappern und Produzenten, die wehmütig an alte Zeiten zurückdenken. Neben dem Hip-Hop werden aber auch andere Genres unter die Lupe genommen. Für die Musik von Jean Michel Jarre und Moby sind Samples ebenso unverzichtbar.

 

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„Dig it!“ Musikentdecker-Doku bei Arte

arte-dig-it

David hat mich netterweise auf die Arte-Reihe „Dig it!“ aufmerksam gemacht. Das ist eine Dokumentation, die derzeit aus 16 Teilen besteht. In jeder Folge geht es darum, wie Menschen Musik entdecken, als Crate-Digger, DJs, im Internet oder auf anderen Wegen – und wie das die Musik, die Rezeption und die Produktion verändert. Gleichzeitig lädt die interaktive Website dazu ein, selbst zur Entdeckerin zu werden – durch Links zu Youtube, Spotify oder Soundcloud.

Der Sound von morgen: ein Potpourri aus Re-Edits und Remixen alter, teils vergessener Musikperlen: Die interaktive Webserie Dig it! erforscht in verschiedenen Ländern eine neue Musikwelt, in der Eigeninitiative, weltweites Teilen und die Fusion verschiedener Kulturen zum Standard werden.
Dabei steht die Frage im Zentrum: Wie erleben wir Musik? Wie werden wir sie in der Zukunft erleben? Wie wird Musik ihren Weg zu den Menschen finden und wer wird Einfluss darauf haben? Die Serie folgt Diggern, den leidenschaftlichen Goldgräbern rarer Sounds, und taucht ein in die Welt des Worldwide Soundsystems, in dem sich mehr denn je verschiedene Einflüsse und Kulturen aller Kontinente vermischen.

Hab mir mehrere Folgen angesehen, alle haben mir gut gefallen. Was mir aber bei der Reihe fehlt, ist der Zusammenhang zwischen den 16 Videos. Sollte das mal eine komplette Doku werden und dies sind die einzelnen Teile davon? In welchem Verhältnis stehen die jeweiligen Einblicke in die bunte Welt des Musik-Entdeckens? Das wird leider nicht geklärt und weil auf der Landingpage über die einzelnen Videos auch nix steht außer dem Titel, muss ich mir das selber zusammenreimen. Beim Medienpartner intro.de wird ein kleines bisschen mehr Zusammenhang gestiftet:

In 16 Folgen werden die Auswirkungen des Internets auf die Musik selbst und unser Konsumverhalten erforscht – wie und wo suchen wir heute nach Musik? Was macht die Blogosphäre rund um Musiker und Trends mit uns und mit der Musik? Und was wird der Sound von Morgen sein? Diesen und anderen Fragen geht die Serie nach, und bietet gleichzeitig die Möglichkeit, Nischenkünstler und ungewöhnliche Sounds kennen zu lernen, Musikern gleich in verschiedenen Netzwerken zu folgen und entsprechende Playlists anzuhören, wenn die Neugier erst einmal geweckt ist.

Doku: „Dramadigs – Musik aus Musik“ von Julia Haase

Screenshot aus der Doku

Letzte Woche wurde ich auf eine sehr tolle kurze Doku namens „Musik aus Musik“ aufmerksam gemacht. Im Rahmen ihrer Masterarbeit an der UdK Berlin hat Julia Haase zusammen mit Christian Limber einen Film gedreht, der das HipHop-Duo Dramadigs bei der Arbeit begleitet. Arbeit heißt in dem Fall: Crate-Diggin‘ auf dem Flohmarkt, Rückzug ins Studio, Auswählen, Sampeln, Choppen, den Beat zusammenbasteln und abschließend den eigenen Text einrappen. Ich finde die Doku auch deshalb so empfehlenswert, weil es im deutschsprachigen Raum im Grunde kaum vergleichbare Filme gibt, die so hautnah an der Produktion eines HipHop-Beats dran sind und die die einzelnen Phasen des Produktionsprozesses dokumentieren. Außerdem sind die beiden Bremer von Dramadigs wirklich sehr sympathische Jungs, denen man gerne bei der Arbeit zuschaut. Im letzten Teil des Films sprechen sie auch über urheberrechtliche Verwicklungen, mit denen sie sich beim Sampeln auseinandersetzen müssen. Sie offenbaren sich dabei nicht komplett: Ein paar Tricks behalten sie auch für sich, beispielsweise die Quellen mancher ihrer Samples und ähnliches, aber das gehört zum „Game“ natürlich auch dazu. Der Film ist veröffentlicht bei Melting Pot Music.

Auf der Bandcamp-Seite von Dramadigs gibt’s auch den aktuellen Release zu kaufen. Check this…

Beitragsbild: Screenshot aus der Doku.

Doku: For the Record

Vinly Onyl!

Zugegeben, ich bin nicht immer der schnellste, wenn es um’s Bloggen geht. Mittlerweile ist März und dies hier ist der erste Eintrag für Zwanzigdreizehn. Hmmm. Dafür gibt es diesen Blog hier aber auch schon seit fast drei Jahren und er birgt sicher einige Schätze, wenn man etwas tiefer darin gräbt. Einen dieser Schätze möchte ich heute kurz vorstellen: Eine neuseeländische Doku über die Herstellung von Schallplatten bzw. Dubplates, die wirklich sehr sehr gut investierte 16 Minuten darstellt. Die Macher der Doku sind nach Europa geflogen und halten Visite bei einigen Vinylpressern, sei es Duophonic in Augsburg, Centraldubs im Schweizerischen Bern oder der Vinylfactory in London. Ziel ist es, der Faszination Vinyl nachzuspüren und die zeigt sich eben nicht nur beim Abspielen, sondern auch in der – als Wissenschaft zelebrierten – Herstellung der schwarzen Scheiben.

for the record

Sampling-Videos im Netz

2010-12-16

Auf dem JuS-Kanal auf Youtube findet ihr nun einige Videos, die im Laufe der Zeit zusammen gekommen sind und die alle auch mit Sampling, Digging und Artverwandtem zu tun haben. Die Idee ist, die Liste laufend zu aktualisieren und das vorhandene Material zu sammeln. Es finden sich kleine Dokus, interessante Tracks und andere feine Goodies.

 

Unter anderem gibt’s dieses schöne Video von DJ Dbefekt, kompakt zusammengeschnitten und in einem eleganten 6-Minuten Häppchen für Youtube verpackt: DJ Dbefekt – Sampling

 

Etwas kürzer, aber auch sehr informativ und ansehnlich aufbereitet ist diese kleine Doku über die Akai MPC a.k.a. „The Two Hand Band“:

Und hier noch drei Videos, die Sampling auch auf der musikalischen Ebene thematisieren:

 

Eins Zwo – Rechte Dritter

 

Paul Frick – Steal my Heart

 

Pablo – The Story of Sampling

Auf Vimeo finden sich übrigens auch ganz interessante Sachen. Dies hier ist eine über 20-minütige Dokumentation namens „Walking on Eggeshells: Borrowing Culture in the Remix Age“, die als Seminararbeit an der Universität in Yale zum Themengebiet Aneignung, Besitz und Kultur angefertigt wurde.

 

Und zu guter Letzt noch den ersten der vier Teile von „Everything is a Remix“, in denen versucht wird den Remix als zentrale Kulturtechnik der Postmoderne zu beschreiben.