Wax Poetics Volume 2 – Crowd Funding

Die Digging-Zeitschrift „Wax Poetics“ ist vor ein paar Jahren in der Versenkung verschwunden. Doch ein Comeback ist in Vorbereitung. Auf ihrer Kickstarter-Page wirbt die Zeitschrift nun für ein Modell mit Mitgliedschaft und jährlichem Beitrag:

Sadly, in 2016 Wax Poetics joined the long list of music publications no longer released on news-stands, continuing only as a print on demand title releasing occasional issues.  Now, in a time where quality music journalism is being further diluted, the world needs a return to real music writing and discovery.  So next year, under new ownership but still working with the original founders and editorial team, Wax Poetics is reshaping and relaunching. To keep inspiring generations of music lovers. To keep them discovering music and the stories behind it.

Wenn ich das richtig sehe, ist das Projekt bereits finanziert. Mitglied werden kann man sicherlich aber trotzdem noch, the more the merrier. Wer sich für das Konzept interessiert, hier gibt’s auch ein nettes Imagefilmchen dazu:

Nasse Fische im Internet: Mysteriöser Post-Punk, Roter Ford Taunus

„Das Internet vergisst nicht“ ist ein oft zitierter Satz, der auf die allermeisten digitalen Objekte im Netz zutreffen mag – sofern sie nicht absichtlich entfernt und aussortiert werden, wie beispielsweise beim Techno Viking oder bei Bettina Wulf.

Damit das Internet nicht vergessen kann, muss es aber erst einmal wissen, um in der Metapher zu bleiben. Damit meine ich, dass das Internet auf nicht digitalisierte, nicht indizierte oder anderweitig nicht detektierbare Objekte nicht zugreifen kann.

Im Umkehrschluss heißt das: Nicht alles kann gefunden, aufgespürt, rekonstruiert werden, wenn bestimmte Personen, Organisationen oder Informationen mit Schlüsselfunktion ihr Wissen nicht zur Verfügung stellen – aus welchen Gründen auch immer.

Nasse Fische im Internet – Zwei Netz-Fundstücke zu digitalen Suchaktionen

Ich will das Problem an zwei „nassen Fischen“ demonstrieren, die ich beide seit einiger Zeit verfolge. Im Roman von Volker Kutscher mit dem gleichen Titel, der sich mit Verbrechen im Berlin der 1930er Jahre beschäftigt, sind „nasse Fische“ ungelöste Fälle, die als Akten im Schrank hängen und ohne Schlüsselinformationen nicht mehr weiter bearbeitet und aufgeklärt werden (können). Eingeführt wurde die Formulierung vom historischen Polizeikommissar Ernst Gennat, wegen seiner Körperfülle von Zeitgenossen mitunter als „Der volle Ernst“ bezeichnet.

Nasse Fische im Internet sind für mich Rätsel, die auch unter kollaborativer Beteiligung und digitaler Anstrengung von vielen Menschen, die Hinweise zusammentragen und Fakten prüfen, gar nicht oder nicht restlos aufgeklärt werden können.

Das ist faszinierend auf der einen Seite, weil es mich daran erinnert, dass sich manches Wissen nicht innerhalb von Sekunden sowie mit Unterstützung von Suchvorschlägen finden lässt. Und es fasziniert mich andererseits, weil die digitalen Werkzeuge und Mechanismen der Detektion inhärente Grenzen haben, wenn ihnen die notwendigen maschinenlesbaren Informationen zum Abgleich fehlen.

Fisch Nr. 1 ist ein Pop-Song aus den 1980er Jahren, dessen Ursprung nicht geklärt werden kann; Fisch Nr 2. ein Roter Ford aus den 1960er Jahren, der auf vielen Postkarten aus dieser Zeit auftaucht und zu dem ebenfalls seit Jahren Suche im Gang ist.

Fisch Nr. 1: „The Most Mysterious Song on the Internet“

In der englischsprachigen Wikipedia beginnt der Eintrag zu dem gesuchten Song folgendermaßen:

„The Most Mysterious Song on the Internet“ (also known as „Like the Wind“, „Blind the Wind“, „Check It In, Check It Out“ or „Take It In, Take It Out“ after verses in some fan-made lyrics) is the nickname given to a new wave song, most likely composed in the 1980s, whose origin, author, name, and original record date are unknown.

Der Einstieg zeigt schon, wie wenig man weiß, aber wieviele verschiedene Bezeichnungen das gesuchte Objekt bereits erhalten hat; die meisten davon sind Ausschnitte aus dem Song-Text. Vermutlich ist der korrekte Titel „Blind the Wind“, zumindest legt das die Tracklist nahe, die bei der Kassette mit der mitgeschnittenen Radiosendung dabei war.

Das Stück wurde vermutlich Mitte der 1980er Jahre im NDR in einer Sendung gesendet; eingespielt und aufgenommen wurde der Song von einer unbekannten Band.

Ende Juni 2019 tauchte die Aufnahme bei Reddit auf und die Suche wurde ausgeweitet, immer mehr Leute machten mit, das Ganze ging viral, journalistische Medien sprangen auf und berichteten, wodurch wieder neue Leute anfingen zu kommentieren… und so weiter und so fort.

Der Song an sich hat meiner Meinung nach sogar ein gewisses Ohrwurm-Potential, aber ist sicher auch nicht spektakulär. Das tut der Suche natürlich keinen Abbruch, vermutlich ist gerade das Typische des Songs der ästhetisch interessante Aspekt, weil dutzende andere Bands in dieser Phase ähnliche Songs schrieben.

Die digitale Detektion via Shazam und Konsorten kommt bei „Blind the Wind“ an ihre Grenzen, denn eine digitalisierte Version existierte bis zur Ausweitung der Suchzone durch Reddit und den Upload auf Youtube offenbar nicht. Es gab also kein „Original“, mit dem der Song digital hätte abgeglichen werden können.

Auch die Suche bei den Verwertungsgesellschaften führte bis dato zu keinem verwertbaren Ergebnis, was viele Gründe haben kann. Das Lied wurde möglicherweise gar nicht registriert oder unter einem anderen, aktuell unauffindbaren Titel; da Interpret*innen und/oder Komponist*innen unklar sind, lassen sich diese auch nicht für Suchbegriffe benutzen.

Es ist zudem ungeklärt, ob die Band noch andere Titel aufgenommen hat oder ob das Stück tatsächlich eine „Eintagsfliege“ war, die vielleicht auf einem Demo-Tape zum NDR gelangte und deren Schöpfer*innen nicht weiter archiviert wurden.

Ich habe den Fall nicht komplett zusammengefasst, es gibt noch deutlich mehr Spuren. Lesenswert ist auch dieser Blogeintrag, in dem die Suche nach dem Song vor Reddit beschrieben ist – lesenswert, weil er zeigt, welche multiplikatorischen Effekte das Forum dann bewirkte.

Insgesamt sind es aber nach wie vor viele, viele Fragezeichen und die Suchbemühungen von vielen Menschen brachten letztendlich keine verwertbaren Ergebnisse, die die Ausgangsfrage beantworten könnten.

Dass sich aber so viele Menschen an einer solchen Suche beteiligen und ihre Ressourcen dafür aktivieren, ist bemerkenswert. Es erinnert mich an die Suche nach dem verschollenen Flugzeug MHD370, an der verschiedene militärische und zivile Organisationen sowie Regierungen zu Wasser, zu Land und zu Luft kooperiert hatten. Die Soziologin Karin Knorr-Cetina bezeichnet die Flugzeug-Suche daher auch als professionelle, distribuierte „Wissenskultur“, was ich sehr passend finde. Der Gedanke ließe sich ausweiten und auf digitale Umgebungen anwenden, denn das Internet ermöglicht eine solche distribuierte Wissenskultur auch für nicht-professionelle Menschen.

Fisch Nr. 2: Der rote Ford Taunus

Der zweite Fall geht in eine andere Richtung, insofern hier nicht ein einziges Musikstück zur Verfügung steht, aus dem sich Informationen ableiten lassen. Sondern es existieren mehrere Aufnahmen des gesuchten Objekts: Ein roter Ford Taunus, der in den 1960er Jahren auf verschiedenen Postkarten auftaucht.

Dem autobegeisterten Sammler Andreas Möller ist aufgefallen, dass auf zahlreichen Postkarten mit Stadtansichten ein- und derselbe rote Ford abgebildet ist (erkennbar am Hamburger Nummernschild) – und zwar immer so geschmackvoll in Stellung gebracht, dass das Auto den Stadtansichten einen visuellen Akzent, „das gewisse Etwas“ verleiht.

Die Vermutung liegt nahe, dass der Wagen also nicht zufällig auf den Bildern erscheint, sondern bewusst in Szene gesetzt und als „Easter Egg“ in die Motive geschmuggelt wurde. Höchstwahrscheinlich von derjenigen Person, die die Aufnahmen gemacht hat und mit dem Wagen von Stadt zu Stadt gereist ist.

Auf diese Weise wird der abgebildete Wagen selbst zu einem Akteur, der durch die Kontexte wandelt und die Orte besucht, gleichzeitig aber auch zu einer Signatur, vielleicht sogar zu einem Stilmittel der fotografierenden Person.

Der einestages-Artikel stammt aus dem Jahr 2013, aber Andreas Möller bestätigt mir am Telefon im September 2020, dass er immer noch auf der Suche nach dem Fotografen oder der Fotografin ist. Bisherige Suchaktionen, etwa die Anfrage beim Hamburger KFZ-Amt zur Überprüfung des gut lesbaren Kennzeichens, führten nicht weiter – in diesem Fall, weil die Behörde die Unterlagen bereits vernichtet hatte.

Die Aufnahmen zeigen Ortschaften in Belgien, Niederlande und Westdeutschland und stammen aus den späten 1960er Jahren. Das bedeutet, die Person, die die Fotos aufgenommen hat und die mutmaßliche Besitzer*in des Wagens war, dürfte heute zwischen 80 und 110 Jahren alt sein.

Mit freundlicher Genehmigung veröffentliche ich die Scans der Postkarten von Herrn Möller auf diesem Blog. Auch beim Spiegel sind alle 21 zu finden, inklusive einiger Erläuterungen.

Bei den Bilder-Rückwärtssuchen von Google und TinEye habe ich es schon versucht – ohne Erfolg, da keine digitalen Entsprechungen der Kalender oder Postkarten existieren oder zumindest im Netz nicht abrufbar sind. Der nächste Schritt wäre wohl, die Bilder auf Reddit zu posten 😉

Grenzen der digitalen Detektierbarkeit: Wenn persönliches Wissen erforderlich wird

Die beiden Fälle zeigen die Grenzen der digitalen Detektierbarkeit auf, wenn keine digitalen Entsprechungen der Suchvorlagen vorhanden sind oder aus anderen Gründen nicht bemüht werden können.

Für mich bedeutet das: Nachdem nun schon so lange und so intensiv erfolglos nach den Ursprüngen der beiden Suchobjekte gefahndet wird, so viele Menschen also schon ihre Wahrnehmung auf die Erkennung gerichtet haben, halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass von einer unbeteiligten Stelle die entscheidenden Hinweise eingehen werden.

Wahrscheinlicher ist es meiner Meinung nach, dass persönlich verbundene Menschen, also Kinder, Enkel oder Bekannte der Band bzw. der unbekannten Fotograf*in auf die Suchvorgänge aufmerksam werden. Im Bereich des Samplings sind es in vielen Fällen die Nachkommen, die gesampelte Stücke ihrer Vorfahren erkennen, wie zum Beispiel beim Originalsample von „Die da“ von den Fantastischen Vier (S. 278 in meinem Sampling-Buch).

So eine Art der Auflösung durch das persönliche Wissen der Nachkommen kann ich mir auch in den beiden oben skizzierten Fällen vorstellen – wenigstens solange, wie sich der Bestand der abgleichbaren digitalen Dokumente nicht signfikant ändert.

Felix Stalder schreibt in seinem Buch „Kultur der Digitalität“ (hier auf S. 105), es sei „abzusehen, dass bald so gut wie alle Texte, Bilder oder Töne in digitaler Form vorliegen werden“. Der Umfang der digitalen Dateien vergrößert sich in der Tat täglich in rasanter Form, aber ich bezweifle, dass alle historischen Dokumente jemals digital vorliegen werden, insbesondere aus dem privaten Bereich. Gerade zwischen Hobby und professionell erstellten Inhalten scheint es eine Schwelle zu geben, die sich nur durch die Aktivierung des Publikums, wie mit Internetforen, überwinden lässt.

Umgehungskreativität in der Medienindustrie

Nächtliche Kletterwand in Brisbane, Australien (2017) – CC BY Georg Fischer

Drei aktuelle Beiträge von mir zum Phänomen der Umgehungskreativität in der Medienindustrie (das ich hier für’s Sampling ganz genau untersucht und beschrieben habe.) Die Zusammenschau der drei Fälle zeigt ein Muster: Neue Technologien bergen stets die Möglichkeit zur Manipulation für alle diejenigen, die sie besonders gut beherrschen, Schlupflöcher erkennen und bereit sind, sie zu ihrem eigenen Vorteil einzusetzen, auch wenn sie sich damit in die Illegalität begeben und anderen Schaden zufügen. Besonders schwierig wird es dann, wenn Manipulation und Kontrollsysteme zu nah beieinander liegen.

Im Februar diesen Jahres wurde ich für einen Radiobeitrag bei Deutschlandfunk Kultur zum Thema „Bootleg Podcasts“ bei Spotify interviewt. Der Clou dabei: User laden in der Podcast-Sektion von Spotify eigene Remixes oder Coverversionen ohne urheberrechtliches Clearing hoch, obwohl sie das eigentlich in vielen Fällen tun müssten. Auf diese Weise umgehen sie die Spotify-Regularien und die strapaziöse, oftmals unergiebige Lizenzierung, denn die Podcast-Sektion wird offensichtlich nur spärlich kontrolliert. Im Beitrag argumentiere ich dann auch für eine „Ästhetik des Halbseidenen“, die so entsteht und reizvoll sein mag – denn die Stücke können nach kurzer Zeit wieder verschwinden, die dadurch entstehende Knappheit macht die Musik interessant.

Etwas anders liegt es bei den Spielchen um gekaufte, gefakte oder anderweitig frisierte Follower- und Playzahlen bei Streaming-Anbietern wie Spotify. Diese Woche kam heraus, dass Spotify bei einigen Accounts aufgeräumt hat, wodurch einige Künstler:innen beträchtliche Followerzahlen verloren haben. Dabei wurden sogenannte Fake-Accounts genauso gelöscht wie stillgelegte oder anderweitig inaktive. Es ist deshalb nicht leicht abzuschätzen, wie groß das Problem mit den Fake-Followern wirklich ist, wie ich in einem Interview für das Schweizer Radio SRF 2 sage. Klar ist allerdings: das Problem der Manipulation in der Musik- und Medienindustrie ist generell schon vorhanden, angefangen beim Payola-Skandal und endend bei dem Fakt, dass man sich leicht Follower bei Instagram, Youtube, Soundcloud, etc. kaufen kann. Beim Spotify-Konkurrenten TIDAL wurden schon 2018 große Unregelmäßigkeiten beim Abspielen bestimmter Künstler:innen festgestellt, Spotify selbst war 2019 auch wegen sogenannter „fake artists“ in den Schlagzeilen, also Künstler:innen, die nur auf Spotify zu finden sind und dort hohe Abspielraten haben, aber über die man sonst nichts im Netz findet. Auch das ist Umgehungskreativität, in diesen Fällen mutmaßlich in kriminalle Akte gelenkt.

Das bringt mich zu meinem dritten Beitrag, der diese Woche bei iRights.info zum Fälschungsskandal um Claas Relotius erschien. Hier schreibe ich, dass Relotius als digital versierter Fälscher die Schwachstellen in dem Teil des noch auf Print ausgelegten Spiegel-Verlags gezielt ausnutzte und sich auf diese Weise nach oben schrieb, Preise einheimste, Renomee generierte, etc. – wohlgemerkt mit frisierten, manipulierten oder teils komplett gefälschten Reportagen. Relotius betrieb dieses Spiel jahrelang, bis ihm sein Kollege Juan Moreno auf die Schliche kam und ihn gegen erhebliche interne Widerstände beim Spiegel überführte. Darüber hat Moreno ein lesenswertes, fast schon krimiartiges Buch verfasst – in dem er Relotius als „Steilwandkletterer“ beschreibt, daher das obige Bild – nach dessen Lektüre ich Relotius als digitalen Fälscher interpretiere und seine Vorgehensweise an der Bruchstelle von alter Printwelt und neuer Digitalwelt verorte.Denn hier konnte Relotius optimal agieren: digital recherchieren, fingieren, schreiben – und dann im Print veröffentlichen, um auf diese Weise weniger rückverfolgbar zu werden und sich der Kontrolle zu entziehen.

Interview bei Deutschlandfunk Kultur

Gestern war ich bei Deutschlandfunk Kultur in der Sendung „Tonart“ zu Gast und durfte mit Oliver Schwesig über mein Buch zu Urheberrecht und Sampling sprechen, das kürzlich beim Büchner-Verlag erschienen ist. In dem Gespräch ging es natürlich auch um die unendliche Geschichte um das „Metall auf Metall“-Sample von Kraftwerk, das Moses Pelham für „Nur mir“ 1997 verwendet hat und das seitdem alle Gerichtsinstanzen bis hinauf zum Bundesverfassungsgericht und dem Europäischen Gerichtshof beschäftigt. Aber hört selbst, ich hab das Interview mitgeschnitten und verletzte nun durch’s Hochladen des MP3 vermutlich das Leistungsschutzrecht von Deutschlandfunk Kultur… 😉

Klick: Interview Tonart 06.02.2020

Edit: Mittlerweile hat Deutschlandfunk Kultur das Interview auch in seine eigene Mediathek geladen.

Fresh from the Press: „Sampling in der Musikproduktion“ (Büchner-Verlag 2020)

Hervorgehoben

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Vor kurzem ist meine Studie, die ich zwischen 2015 und 2018 am Graduiertenkolleg „Innovationsgesellschaft“ am Institut für Soziologie der TU Berlin durchgeführt habe, erschienen: und zwar beim Büchner Verlag als klassisches Buch sowie als frei verfügbares Open Access-PDF. Das Vorwort hat freundlicherweise Leonhard Dobusch beigesteuert, worüber ich mich sehr freue.

Wer eine kurze Einführung in meine Arbeit bzw. eine Zuspitzung einer Thesen aus der Studie lesen will: Bei iRights.info gibt es einen entsprechender Artikel zum Thema. Für die ausführliche Fassung empfehle ich das Buch.

Sampling in der Musikproduktion

Das Spannungsfeld zwischen Urheberrecht und Kreativität

384 Seiten, 14,5 x 20,5 cm, kartoniert
ISBN 978-3-96317-190-1 (Print)
34,00 € (Print)
ISBN 978-3-96317-721-7 (ePDF)
27,00 € (ePDF)Büchner-Verlag, Marburg, erschienen am 22. Januar 2020.
Mit einem Vorwort von Leonhard Dobusch

20 Jahre Streit um eineinhalb Sekunden kopierte Musik? Die Auseinandersetzung im Fall »Metall auf Metall« zwischen der Musikgruppe Kraftwerk und dem Komponisten Moses Pelham beschäftigte 2019 sogar den Europäischen Gerichtshof. Sie zeigt, dass das Urheberrecht zu einem gesellschaftlichen Streitthema geworden ist, das sich aus der Nische des künstlerischen Bereichs in den Alltag nahezu aller Menschen gedrängt hat. Dieser Prozess lief nicht unbemerkt von der Wissenschaft ab und dennoch ist diese gerade erst dabei, die Implikationen und Effekte dieser urheberrechtlichen Ausdehnung genauer zu verstehen.

Der Soziologe Georg Fischer liefert die erste empirische Studie zum Sampling in der Musik, die explizit den Einfluss des deutschen Urheberrechts auf die kreative Praxis untersucht. Er zeigt die Fülle und Vielfalt an kreativen Umgehungsstrategien, die sich im Schatten des Urheberrechts ausgebreitet und verankert haben – und mit denen die Künstler_innen die eigene Sichtbarkeit sowie die ästhetische Komplexität und monetäre Verwertung ihrer Werke notgedrungen einschränken.