Der „Pastiche“ im Urheberrecht – was ist das eigentlich?

Seit etwa einem Jahr steht der „Pastiche“ im deutschen Urheberrecht. Wir werfen einen Blick in ein neues Gutachten, in dem Till Kreutzer Konzept und Konsequenzen des Pastiche-Begriffs untersucht. Am 19. September wird Kreutzer das Gutachten bei der „Filtered Futures“-Konferenz in Berlin zur Diskussion stellen.

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ARTE-Doku: Das große Recycling-Geschäft im Pop

Sehenswerte ARTE-Doku zur Frage, ob und wie in der Musikindustrie eigentlich noch Neues produziert wird. Es geht um Sampling und Interpolationen, um die schmal gewordene Grenze zwischen Inspiration und Plagiat, sowie um Katalogverkäufe im großen Stil (über die letztens hier bei iRights.info geschrieben habe). Es kommen ein Haufen Musiker*innen, Produzent*innen sowie Industriemanager*innen zu Wort. Danke an @moritzjacobs für den Hinweis!

Oft klingt ein neuer Song verdächtig nach einem alten. Wurde etwa jede Melodie schon geschrieben? Oder lohnt es sich in unserer Algorithmen-getriebenen Welt nicht mehr, etwas Neues auszuprobieren? Wie Labels, Verlage und die Börse das große Song-Recycling-Geschäft ankurbeln, darüber spricht „Tracks“ mit den Musikverlagen Concord und Warner Chappell.

Sechsteiliger Podcast: Wild Wild Web – Die Kim Dotcom Story (BR 2021)

Ausführlich recherchierter und gut gemachter Podcast von Janne Knödler über den Internet-Tycoon Kim Schmitz alias Kim Dotcom, der vor allem in den 2000er Jahren mit Megaupload und weiteren digitalen Angeboten sein Unwesen im Netz trieb und dabei unvorstellbar reich wurde. Bis er von den Behörden wegen massenhaften Urheberrechtsverstößen ins Visier genommen wurde und nun seit einigen Jahren in Neuseeland auf eine Gerichtsentscheidung wartet, ob er nun ans FBI in die USA ausgeliefert wird oder nicht.

Die sechs Teile des Podcasts beleuchten den Größenwahn, die Manie und auch die verschiedenen Tricksereien von Kimble ziemlich gut, ohne dessen eigenen Erzählungen auf den Leim zu gehen. Außerdem finde ich den Podcast als zeitgeschichtliche Aufarbeitung des frühen kommerziellen Internets, seiner copyright wars und des Aufstiegs (und Falls) der internationalen Piratenbewegung sehr aufschlussreich.

Hier sind alle sechs Folgen verfügbar (mit jeweils einer guten halben Stunde Länge).

Filmtipp: „Prohibition – Eine amerikanische Erfahrung“

Im Jahr 1920, also vor genau hundert Jahren, wurde in den USA die Alkoholprohibition eingeführt. 13 Jahre später wurde sie dann auch schon wieder abgeschafft. Aufstieg und Fall des Gesetzes erzählt eine eine empfehlenswerte Dokumentation aus der ARTE-Mediathek, die in fünf Teilen die kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Bedingungen und Auswirkungen aufarbeitet. Die dreiteilige Fassung im US-amerikanischen Original kam 2011 heraus, ich habe sie vor ein paar Jahren ausschnittsweise gesehen (Teil 1 und 2 davon sind auf Youtube zu finden, Teil 3 irgendwie nicht).

Mir ist beim Anschauen bewusst geworden, wieviel aus der damaligen Zeit in der zeitgenössischen Popkultur weiterlebt: Über Nacht wurde die Praxis des Alkoholtrinkens ja illegal, was zahlreiche Amerikaner:innen zu Gesetzesspötter:innen machte, denn sie mussten auf illegale Flüsterkneipen („speakeasies“) ausweichen, den Alkohol aus illegalen Quellen beziehen bzw. selbst illegal vertreiben und schmuggeln, sich allerlei Verstecke und Strategien ausdenken, um nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen.

Zwar hielt sich die Mehrheit an das neue Gesetz, aber das Halbseidene, das Verborgene, das Illegale erfuhren durch die vergleichsweise schlecht zu rechtfertigende komplette Alkohol-Illegalisierung eine starke Aufwertung. Daneben wurde die Nachfrage nach Alkohol durch Banditen und Gangs gedeckt, was das Geschäft im Untergrund, die „organisierte Kriminalität“ beflügelte. Meiner Meinung nach lebt das bis in die heutige Popkultur weiter, wo das Knappe, das schwer Erreichbare und auch das untergründig Angesagte als besonders verkauft und vermarktet wird.

Wer sich die fünf Teile ansehen will: Diese sind noch bis Ende Januar 2021 in der ARTE-Mediathek verfügbar.

[via Dokuliebe]

Wax Poetics Volume 2 – Crowd Funding

Die Digging-Zeitschrift „Wax Poetics“ ist vor ein paar Jahren in der Versenkung verschwunden. Doch ein Comeback ist in Vorbereitung. Auf ihrer Kickstarter-Page wirbt die Zeitschrift nun für ein Modell mit Mitgliedschaft und jährlichem Beitrag:

Sadly, in 2016 Wax Poetics joined the long list of music publications no longer released on news-stands, continuing only as a print on demand title releasing occasional issues.  Now, in a time where quality music journalism is being further diluted, the world needs a return to real music writing and discovery.  So next year, under new ownership but still working with the original founders and editorial team, Wax Poetics is reshaping and relaunching. To keep inspiring generations of music lovers. To keep them discovering music and the stories behind it.

Wenn ich das richtig sehe, ist das Projekt bereits finanziert. Mitglied werden kann man sicherlich aber trotzdem noch, the more the merrier. Wer sich für das Konzept interessiert, hier gibt’s auch ein nettes Imagefilmchen dazu: