Berliner Untergrund-Kultur: Laub-Raub und Berliner Zimmer

bvg-zimmerBerlin und seine Szene(n) rühmen sich ja für eine vermeintlich weltbekannte Untergrund-Kultur, vor allem was Clubs, Bars und Kneipen betrifft. Zwei Crews aus dem kompetitiven Graffiti-Bereich haben das Thema „Untergrund“ dabei noch etwas wörtlicher genommen: Die einen richteten ein Zimmer in einem Berliner U-Bahnschacht ein, die anderen verteilten säckeweise Laub in einem U-Bahn-Waggon. Für die BVG dieses Jahr schon mehrmals die Gelegenheit, sich zu ärgern, die Stirn zu runzeln oder einfach nur zu schmunzeln.

Zuerst hielt ich die Aktionen für wilde, guerilla-artige Auswüchse des BVG-Marketings, das ja sehr seltsame Blüten treibt (den Gefallen des Verlinkens tue ich Ihnen trotzdem nicht 😛 ), aber mittlerweile glaube ich einfach, dass da zwei Crews im Wettstreit miteinander sind. Die Aktionen wurden von den Künstlern selbst sehr ordentlich dokumentiert, aber natürlich auch in den Medien breit gestreut.

Rocco und seine Brüder richten das „Berliner Zimmer“ ein, wobei es für diese Aktion 2014 offenbar eine Vorlage aus Wien gab.

 

Der Laub-Raub von TOY:

 

Diese Aktion von TOY hat den Charme eines Eisenbahnüberfalls im Wilden Westen:

Untergrundkultur in Kiew nach der Euromaidan

Nach den Bürgerprotesten 2013 und den politischen Umstürzen 2014 ist die ukrainische Hauptstadt Kiew wirtschaftlich ziemlich am Boden. Diese Doku zeigt, wie junge Kiewer:innen kreativ mit der Situation umgehen, leere Fabrikräume squatten, Raves veranstalten, neue Mode und anderen Formen des Ausdrucks entwickeln. Erinnert entfernt an die unübersichtliche Situation in Berlin nach dem Fall der Mauer, die plötzliche große Freiräume für eine hungrige Generation bot, die nicht an Bausparverträgen interessiert war sondern am Hier und Jetzt. Spannendes Thema und streckenweise echt gute Kamera.

The 2014 revolution brought Kiev nightlife to a complete standstill. As protests turned into riots, and government security forces opened fire on protestors, the country fell into crisis. But out of the ashes of revolution has risen a new generation. Slava Lepsheev, who’d lost his job because of the financial crisis triggered by the war, had had enough, and started Cxema, a raw, hard and hypnotic techno rave that he took to whatever semi-legal venue he could set a soundsystem up in. So together with Slava, and the city’s brightest young lights, we followed young Kiev as they prepared for a night at Cxema, from building the venue to watching the sunrise break.

Everything is a Remix – The Force Awakens

Everything is a Remix

Everything is a Remix ist wieder da. Für die aktuelle Episode dekonstruiert der Filmemacher Kirby Ferguson den aktuellen Star Wars-Film in seine Bestandteile. Wie immer toll und informativ anzusehen. Ferguson analysiert dabei insbesondere die Balance zwischen Neuheit (novelty) und Bekanntheit (familiarity), die Hollywood bei Produktionen zu halten versucht.

The remix method of copying, transforming and combining is definitely used in The Force Awakens, as well as the other works of JJ Abrams. Is remixing a weak point in The Force Awakens? Is the remix method growing stale? Have we reached the limits of remixing?

 

Ein portabler Schallplattenspieler in Bananenform

Bei den derzeitigen Vinylabsätzen ein Must-Have für den Sommer! 😉

Put the needle on the record!

record

Gleichzeitig cool und schmerzhaft anzuschauen. Immerhin lassen sich etwaige Kratzer mit dieser Methode wieder ausbügeln auskratzen.

[via Essential Mix]

Fazit: Ein Monat lang bloggen

cropped-andere-variante.jpgFür den Februar 2016 hatte ich mir vorgenommen, jeden Werktag von Montag bis Freitag einen Blog-Post abzusetzen. Der Hintergrund ist, dass ich mein Blog in den letzten Monaten etwas habe einschlafen lassen – um nicht zu sagen: sträflich vernachlässigt. Der heutige 29. Februar, der letzte Tag den Monats und gleichzeitig ein irgendwie außerordentlicher, „geschenkter“ Tag, eignet sich sehr gut, um ein kleines Fazit zu ziehen.

  • Bloggen macht mir nach wie vor viel Spaß und ich bin ein bisschen stolz, dass ich das „Jäger und Sampler“-Blog schon seit Juni 2010 betreibe. Damals wie heute begleitet und reflektiert es meine Recherchen, vor allem zum Thema Sampling. Erst zu meiner Radiosendung, dann meiner Diplomarbeit und jetzt zu meiner Doktorarbeit. Gleichzeitig ist es aber auch so etwas wie eine Plattform, über die ich schon des Öfteren kontaktiert wurde. Das erfreut mein bescheidenes Bloggerherz! 😉
  • Tagesaktuelle Posts liegen mir nicht so, das habe ich in den vergangenen Wochen ein ums andere Mal erkennen können. Und das Tempo, das aus der „Jeden-Tag-Einen-Post-Veröffentlichen“-Maxime entsteht, ist mir auch etwas zu hoch. Lieber zukünftig etwa ein Post pro Woche. Das sollte machbar sein.
  • Etwa die Hälfte von dem, was ich in den letzten 20 Posts verbraten habe, ist mir irgendwie zufällig über den Weg gelaufen (Serendipity!). Interessante Textstellen, unverhofft (wieder)entdeckte Dokus, DJ-Sets, und so weiter. Oder vielleicht denke ich auch nur, dass ich das zufällig entdecke und bin doch nur derbe gefangen in meiner Filterblase. Wie auch immer, jeden Tag konsumiere ich jedenfallz soviel Zeugz in diesem Interwebz, dass ich schnell den Überblick verliere, mir wenig merke und dadurch auch öfter mal zufällig, etwas wieder-entdecke. Das Schreiben über all diesen Kram hilft mir enorm, zu sortieren und zu verinnerlichen.
  • Ich muss hier echt mal aufräumen: Theme, Seitenleiste, Blogroll, etc. Echt mal. Vielleicht auch den ganzen Kram mal auf nen eigenen Server umziehen. Notiz an mich: Frühjahrsputz!

 

Sprichwörter-Mashups

Das Schöne an Remixkultur ist ja, dass bisher Unverbundes so verbunden wird, dass daraus etwas Neues, Bemerkenswertes, Überraschendes, Seltsames entsteht. Und das geht auch mit Sprichwörtern und Redewendungen. Hier mal ein paar, eher zufällig entstandene Beispiele aus meinem Freundeskreis:

Der schimpft ja wie ein Schluckspecht!

Das ist nicht auf meiner Kuhhaut gewachsen!

Der stete Wermutstropfen, der den heißen Stein zum Überlaufen bringt.

Die letzte ist übrigens inspiriert von einem Reim von Dendemann („Dendelude III“):

Denn während Du und Deine Crew wie’n müder Haufen klingen, bin ich der Tropfen, der den heissen Stein zum Überlaufen bringt.

Wer kennt noch mehr?

Nachtrag 24.2.16: Ich wurde auf den Sprichwortrekombinator aufmerksam gemacht. Der hat mir gerade diese Goldstückchen ausgespuckt:

Was du nicht willst, das man dir tu, kann noch werden.

Das Leben ist das halbe Leben.

Und dieses hier wurde mir auch zugetragen. Das find ich auch sehr schön:

Morgenstund ist aller Laster Anfang.