Vinyl: Boom oder „Böömchen“? – Diskussionsveranstaltung vom Deutschlandfunk zum Record Store Day

Diggin in the Crates Sydney

Heute ist Record Store Day, eine Veranstaltung, die von den kleinen Plattenläden vor einigen Jahren ins Leben gerufen wurde, um die Leute verstärkt zum Platten shoppen zu animieren. Seit einigen Jahren wird es aber etwas zwiespältig. Denn es gibt seitens der kleinen Indielabels und Plattenläden vermehrt die Kritik, dass die Majorlabels mit ihren Aufträgen die Presswerke verstopfen – und die Indies damit nicht mehr zum Zug kommen. Oye Records aus Berlin haben daher dem RSD daher schon abgeschworen.

Es ist dabei eine Kritik, gegen die sich meiner Meinung nach die Pressesprecher und Vertreter der Majors nie wirklich stichhaltig behaupten können. Zumindest habe ich noch keine Antwort seitens der Majors gehört, die überzeugend wäre. Das typische Antwortschema ist in der Regel:

  • die Trennung zwischen Major und Indie sei schon seit langer Zeit hinfällig und das Gegeneinander-Ausspielen wirke dementsprechend lächerlich [Abwertung der Frage/des Vorwurfs]
  • die Majors verstopfen nicht durch ihre Marktmacht die Presswerke, sondern entsprächen nur der Nachfrage der Kunden; ihre umfangreichen Aufträge seien dementsprechend Markt- und nicht Angebotgetrieben, eine Marktmacht werde daher nicht missbraucht [Externalisierung der Schuld I]
  • optional: die Presswerke sollen die Zeichen der Zeit endlich erkennen und sich neue Maschinen anschaffen [Externalisierung der Schuld II – verschärft und verhöhnend]

Schade, dass diese doch ziemlich simple und leicht zu durchschauende Argumentationslinie nie wirklich durchstoßen oder zumindest angekratzt wird. Als Beispiele führe ich mal die Doku „Vinyl lebt“ vom ZDF an und die aktuelle Diskussionsveranstaltung „Die Folgen des Vinylhypes“, die letzte Woche im DLF lief und jetzt als Podcast zur Verfügung steht. Mit dabei: Hans Nieswandt, DJ und künstl. Geschäftsführer am Institut für Populäre Musik, Jan Köpke, Koordinator des „Record Store Day“ in Deutschland und Label-Chef von Popup Records, und Thomas P. Heckmann, DJ und Besitzer des Techno-Labels Trope Recordings.

 

Vielleicht sind wir auch schon am Peak der Angelegenheit angekommen, denn alle Beteiligten bezweifeln die „Boom“-Ausmaße des Vinyl-Hypes. Der Moderator spricht dann auch weitgehend von einem „Böömchen“. An anderer Stelle bezweifelt Nieswandt darüber hinaus die Nachhaltigkeit und Langfristigkeit des Hypes, nachzulesen in diesem Interview.

Ein portabler Schallplattenspieler in Bananenform

Bei den derzeitigen Vinylabsätzen ein Must-Have für den Sommer! 😉

„Dig it!“ Musikentdecker-Doku bei Arte

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David hat mich netterweise auf die Arte-Reihe „Dig it!“ aufmerksam gemacht. Das ist eine Dokumentation, die derzeit aus 16 Teilen besteht. In jeder Folge geht es darum, wie Menschen Musik entdecken, als Crate-Digger, DJs, im Internet oder auf anderen Wegen – und wie das die Musik, die Rezeption und die Produktion verändert. Gleichzeitig lädt die interaktive Website dazu ein, selbst zur Entdeckerin zu werden – durch Links zu Youtube, Spotify oder Soundcloud.

Der Sound von morgen: ein Potpourri aus Re-Edits und Remixen alter, teils vergessener Musikperlen: Die interaktive Webserie Dig it! erforscht in verschiedenen Ländern eine neue Musikwelt, in der Eigeninitiative, weltweites Teilen und die Fusion verschiedener Kulturen zum Standard werden.
Dabei steht die Frage im Zentrum: Wie erleben wir Musik? Wie werden wir sie in der Zukunft erleben? Wie wird Musik ihren Weg zu den Menschen finden und wer wird Einfluss darauf haben? Die Serie folgt Diggern, den leidenschaftlichen Goldgräbern rarer Sounds, und taucht ein in die Welt des Worldwide Soundsystems, in dem sich mehr denn je verschiedene Einflüsse und Kulturen aller Kontinente vermischen.

Hab mir mehrere Folgen angesehen, alle haben mir gut gefallen. Was mir aber bei der Reihe fehlt, ist der Zusammenhang zwischen den 16 Videos. Sollte das mal eine komplette Doku werden und dies sind die einzelnen Teile davon? In welchem Verhältnis stehen die jeweiligen Einblicke in die bunte Welt des Musik-Entdeckens? Das wird leider nicht geklärt und weil auf der Landingpage über die einzelnen Videos auch nix steht außer dem Titel, muss ich mir das selber zusammenreimen. Beim Medienpartner intro.de wird ein kleines bisschen mehr Zusammenhang gestiftet:

In 16 Folgen werden die Auswirkungen des Internets auf die Musik selbst und unser Konsumverhalten erforscht – wie und wo suchen wir heute nach Musik? Was macht die Blogosphäre rund um Musiker und Trends mit uns und mit der Musik? Und was wird der Sound von Morgen sein? Diesen und anderen Fragen geht die Serie nach, und bietet gleichzeitig die Möglichkeit, Nischenkünstler und ungewöhnliche Sounds kennen zu lernen, Musikern gleich in verschiedenen Netzwerken zu folgen und entsprechende Playlists anzuhören, wenn die Neugier erst einmal geweckt ist.

Discogs-App für Crate-Digger

Gut eineinhalb Jahre, nachdem Discogs seine API geschlossen hat und damit die innovative Crate Diggin App von iCrates dichtmachen musste, gibt es nun von Discogs eine vergleichbare hauseigene App, die so ziemlich das Gleiche kann wie iCrates. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Here’s a sneak peak into what you’ll be able to do with the official Discogs App:

Catalog Your Collection

• View and manage your Discogs Collection, including local access to your Collection and Wantlist when you are offline.

• Add and remove items from your Discogs Collection on the go.

• When you are out digging in your local record store, check to see if you already own a record before you buy it.

View Marketplace Pricing

• Access to the Discogs Marketplace price-range right at your fingertips!

• Easily check Marketplace listings for a particular release. Find a deal? You’re just a tap away from completing the sale via the mobile Discogs Marketplace.

Add to your Wantlist

• Track your grail by adding releases to your Wantlist.

• Find a release when you are out digging? Move it from your Wantlist to your Collection.

Discover New Music

• Search the database and discover new music from anywhere!

• Use your phone’s camera to search for a release by the barcode.

Einmal mit Profis: Schallplatten von Kratzern befreien

Einmal mit Profis: Schallplatten von Kratzern befreien

Der Australier Mohair Slim hat offenbar eine Methode entwickelt, wie sich springende Schallplatten reparieren lassen: mit einem (medizinischen?) Mikroskop, etwas Farbe und einer Nähnadel lassen sich die Grooves wieder ganz schnieke in Reih und Glied bringen. Cool!

 

 

Doku: Illegale Schallplatten auf Röntgenbildern („X-Ray Audio“)

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Was Musik mit Knochenbrüchen und „Umgehungskreativität“ zu tun hat. Das ist das Thema dieser kurzen Dokumentation von The Vinyl Factory und Antique Beat. Mir ist auf die Schnelle kein blöderer besserer Titel für den Blogpost eingefallen, im Englischen klingt der Titel der Doku halt viel schöner: „X-Ray Audio Bone Music“. Das Filmchen zeigt, wie man in der Sowjetunion der Nachfrage nach illegaler westlicher Popmusik im Untergrund gerecht werden wollte.

Aus Feuerschutzgründen mussten die Krankenhäuser ihre nicht mehr gebrauchten Röntgenbilder am Ende des Jahres entsorgen. Um sich Arbeit und Kosten zu sparen, wurden diese aber oft auch umsonst abgegeben. Da sich das Material ganz gut eignete, um darauf Musik zu speichern, wurden die Röntgenaufnahmen zur Umgehung der Zensur bald auch als Bootlegs für illegale Musik genutzt – wenn auch mit erheblichen Klangeinbußen: Denn teilweise waren die Nebengeräusche genauso laut wie die gespeicherte Musik, wie einige Musikbeispiele aus dem Film zeigen.

The iconic images of gramophone grooves cut onto x-rays of skulls, ribcages and bones have captured the collective imagination way beyond the music scene. Now for the first time, the complete story of the Soviet x-ray record has emerged, as told by the people who made it happen.

Hier auch noch ein deutscher Bericht von 2011 auf SpiegelOnline.

[via The Wire]

Doku: „Vinyl lebt“ (ZDFinfo, 2015)

Vinyl-ZDFinfo

Eigentlich hatte ich gedacht, dass ich diese Doku schon mal verbloggt hätte. Aber irgendwie ist das letzten Sommer wohl doch durchgerutscht, jetzt also richtig: Für ZDFinfo wurde 2015 diese Dokumentation über Schallplatten und ihr derzeitiges Revival produziert. Größtenteils mit den üblichen Verdächtigen, aber alles in allem doch sehr nett und informativ anzusehen.

Vinyl ist hip, Vinyl ist modisch. Doch Vinyl war nicht immer so erfolgreich wie im Moment. In den letzten 30 Jahren hat die Industrie sogar immer wieder den Untergang der Schallplatte prophezeit.

Der Verkauf von Vinylplatten ist 2014 in den USA um 52 Prozent gestiegen, mehr als 9 Millionen Mal ging Vinyl über den Ladentisch. Die Schallplatte ist der einzige physische Tonträger, dessen Umsatzzahlen noch wachsen.

Und er ist damit auch längst wieder ein ernst zu nehmender Wirtschaftsfaktor. Kaum ein angesagter Künstler kann es sich leisten, sein aktuelles Werk nicht auch auf Vinyl zu veröffentlichen. Die Dokumentation macht sich auf die Spur dieses Phänomens: Warum taucht Vinyl wieder aus der Versenkung auf? Wer profitiert davon?

Zu sehen in der Mediathek oder gleich hier: