1902-2021: Wie sich der Berliner ÖPNV entwickelt hat (U+S Bahn)

Spannende Animation, wann und wie in Berlin die U- und S-Bahnstrecken gebaut und teilsweise wieder zurückgebaut wurden während der Teilung der Stadt 1961-1989. Nach der Wiedervereinigung wurden die Netze dann wieder zusammengelegt.

Die Trams fehlen natürlich in dem Video: Im Osten wurde das Tramnetz in dieser Zeit weiterbetrieben, im Westen zurückgebaut. Wäre vielleicht eine Idee für das nächste Video?

Auf dem Youtube-Kanal von Metro Liner gibt es noch Animationen für viele andere Städte.

Universal-Eierkühlhaus (heute und damals)

Das heutige Universal-Gebäude in Berlin war früher einmal ein Eierkühlhaus, das 1929 am damaligen Osthafen an der Spree in Betrieb genommen wurde. Auf Wikipedia finden sich noch mehr Fotos und Informationen zum Universal-Eierkühlhaus.

refilm.io mit einem hübschen früher/heute-Bildvergleich:

Jan Thogersen unter CC BY-NC-SA 4.0

[via refilm.io]

Berliner Untergrund-Kultur: Laub-Raub und Berliner Zimmer

bvg-zimmerBerlin und seine Szene(n) rühmen sich ja für eine vermeintlich weltbekannte Untergrund-Kultur, vor allem was Clubs, Bars und Kneipen betrifft. Zwei Crews aus dem kompetitiven Graffiti-Bereich haben das Thema „Untergrund“ dabei noch etwas wörtlicher genommen: Die einen richteten ein Zimmer in einem Berliner U-Bahnschacht ein, die anderen verteilten säckeweise Laub in einem U-Bahn-Waggon. Für die BVG dieses Jahr schon mehrmals die Gelegenheit, sich zu ärgern, die Stirn zu runzeln oder einfach nur zu schmunzeln.

Zuerst hielt ich die Aktionen für wilde, guerilla-artige Auswüchse des BVG-Marketings, das ja sehr seltsame Blüten treibt (den Gefallen des Verlinkens tue ich Ihnen trotzdem nicht 😛 ), aber mittlerweile glaube ich einfach, dass da zwei Crews im Wettstreit miteinander sind. Die Aktionen wurden von den Künstlern selbst sehr ordentlich dokumentiert, aber natürlich auch in den Medien breit gestreut.

Rocco und seine Brüder richten das „Berliner Zimmer“ ein, wobei es für diese Aktion 2014 offenbar eine Vorlage aus Wien gab.

 

Der Laub-Raub von TOY:

 

Diese Aktion von TOY hat den Charme eines Eisenbahnüberfalls im Wilden Westen:

Exklusive Atmosphäre: Warum der Wahlaufruf vom Berghain für viele blanker Hohn war

Vor ein paar Wochen waren ja Wahlen in Berlin. Die Ergebnisse sind denkbar grausam ausgefallen, die AfD mit ihrer menschenfeindlichen und rassistischen Ideologie räumte ziemlich ab. Das hat auch das Berghain mit seinem Wahlaufruf nicht verhindern können. Wer das Programm vom 17.9. besucht, kann dort bei der running order lesen: „08:00h – 18:00h WÄHLEN GEHEN, RECHTSPOPULISTEN VERHINDERN!“

berghain

Die Feuilletons der Berliner Presse waren sehr angetan von der Aktion. Ich glaube, auch in den sozialen Medien wurde ziemlich applaudiert. Eine kritische Auseinandersetzung mit den ausgrenzenden Mechanismen der Berliner Clubkultur fand, soweit ich das überblicken kann, aber nicht statt, mal von einigen Leserkommentaren abgesehen, z. B. beim Tagesspiegel.

Prinzipiell ist das natürlich ein netter Zug von dem Club, man wirkt demokratisch und offen. Ich finde nur, dass dieser Wahlaufruf überhaupt nicht zu dem elitären Prinzip passt, welches das Berghain seit Jahren erfolgreich fährt.

Man muss sich die Ironie des Ganzen mal vor Augen führen: Ein Club, dessen Markenkern vorwiegend darin besteht, die härteste Tür Berlins zu haben und nach willkürlich wirkenden Prinzipien sein Publikum zu wählen, ruft dazu auf, die Rechtspopulisten von der AfD zu verhindern, in deren kranken Fieberträumen Mauern um Deutschland herbeigesehnt werden.

Ist diese Parallele, diese Widersprüchlichkeit niemandem aufgefallen? Ich meine damit sicherlich nicht, dass das Berghain rechts ist. Ich meine, dass Ausgrenzungsmechanismen in der Clubkultur salonfähig sind, teilweise sogar gefeiert werden. Das kann man an dem ewigen Gewese um diesen Club ablesen. Und daran, wie Berghain-Türsteher inszeniert werden.

Die Ikone, der Prototyp des Berliner Türstehers ist wahrscheinlich Sven Marquardt vom Berghain. Er hat schon sowas wie popkulturellen Status, darf in Talkshows auftreten, hat sein eigenes Mural und auch eine Statue. Die ZEIT hat ihn mal folgendermaßen beschrieben:

Denn hier steht vielleicht nicht nur einer der härtesten Türsteher, hier steht eine menschliche Mauer, wie in Stein gehauen. Dornen ranken sich eintätowiert über die linke Gesichtshälfte – oder ist es eher Stacheldraht?

Und dieser Mythos vom Berghain und seiner Exklusivität, die so hart von dem beinharten Marquardt verteidigt wird, setzt sich auch in der Kommunikation fort. Ein Großteil der Alltagsgespräche, die das Berghain zum Thema haben, dreht sich um’s Abgewiesen-Werden bzw. um dessen Abwenden: das stundenlange, nervige Anstehen; die Ungewissheit, ob man denn überhaupt reinkommt oder sich umsonst stundenlang die Beine in den Bauch gestanden hat; die quälende Fragen, ob man die richtigen Klamotten trägt, mit den richtigen Leuten unterwegs ist, das richtige Auftreten an den Tag legen kann. Und dann natürlich, ob sich das alles gelohnt hat für die Party.

Irgendwie ist das doch traurig. Und widersprüchlich. Ausgrenzungsmechanismen werden vielfach und zu Recht abgelehnt. Beim Feiern gelten aber offenbare andere Maßstäbe, da möchte man lieber „unter sich“ sein bzw. auserwählt, am liebsten von Sven Marquardt persönlich. Wenn man reinkommt, darf man sich glücklich schätzen, zum engen Kreis zu gehören. Wenn man abgewiesen wird, muss man den walk of shame an der Schlange vorbei auf sich nehmen. Manche stellen sich dann sogar nochmal an, soviel Magie scheint von der Schlange auszugehen.

So viele Menschen nehmen Qualen und Gefahren auf sich, weil sie gerne nach Europa wollen, es ihnen aber von professionellen Grenzverteidigern wie der EU und Frontex verwehrt wird. Sie sind auf der Suche nach einem besseren Leben. Zugegeben, das sind die Berghainbesucher auch, die sich in die Schlange stellen, zumindest für eine Nacht lang. Aber die machen es aus freien Stücken, in ihrer Freizeit, als Teil ihres privilegierten Lebens, das sie mit dem Eintritt ins Berghain noch einen Hauch privilegierter machen können.

Letztendlich glaube ich nicht, dass es allein ein Problem vom Berghain ist. Aber es ist der berühmteste Club in Berlin, genießt weltweites Renommé, das wiederum entscheidend auf seiner harten Tür beruht. Viele weitere Berliner Clubs haben sich Exklusivität auf die Fahne geschrieben, manche wollen damit berühmt werden. Dass das Narrativ von der clubkulturellen Exklusivität auch knallharten Ausschluss von Personengruppen bedeutet, sollte aber viel stärker reflektiert werden, von den Medien, den Clubs, den Besuchern, usw. – insbesondere in einer Zeit, in der so viele Menschen auf der Flucht sind und an den Grenzen anderer scheitern.

SampleSlam Contest von OneBeat am 9. Juli 2016 in der Berghain Kantine

onebeat-sample-slam-flyer

Sampling-Contests sind super, vor allem wenn alle Teilnehmerinnen das gleiche Ausgangsmaterial bekommen. Denn kann man am Ende schön vergleichen, was die jeweiligen Künstlerinnen daraus gemacht haben. Die Plattform OneBeat veranstaltet nun auch einen Sampling-Contest, den „SampleSlam“. Hier die Details.

Seid dabei: OneBeat sucht wieder BeatkünstlerInnen, die sich dem Battle stellen wollen! Das Prinzip vom SampleSlam ist einfach: Sechs Kandidaten treten gegeneinander in die Manege. Doch statt Fäusten gibt’s Beats auf die Ohren. Vier Wochen vor dem Slam erhalten sie ein Paket mit Samples, aus dem es gilt, vier Tracks á drei Minuten zu produzieren. Dabei darf kein Fremdmaterial verwendet werden. Am Abend des SampleSlamswerden die Tracks live vor unserer Jury und dem Publikum zum besten gegeben. Denn nur wer die Jury überzeugt, wird das Battle als SiegerIn verlassen. In der Live-Performance ist übrigens alles erlaubt: Ihr könnt singen, beatboxen oder Instrumente einspielen – zeigt uns, was ihr drauf habt!

Ihr wollt dabei sein? Dann schreibt uns eine Nachricht an hello@onebe.at oder via facebook. Helft gerne mit und teilt den Aufruf in Eurem Netzwerk. Tune in!!!

OneBeat SampleSlam @ Kantine am Berghain
Friday, 9.7.2016
20h
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