19.-20. Februar 2015: GfM-Tagung „Treueschwur und Realitätsverlust“, Leuphana Lüneburg

19.-20. Februar 2015: GfM-Tagung „Treueschwur und Realitätsverlust“, Leuphana Lüneburg

Im Februar 2015 findet an der Leuphana Uni in Lüneburg die Jahrestagung der AG „Auditive Kultur und Sound Studies“ (GfM) statt. Ausgerichtet wird die Tagung vom dortigen Institut für Kultur und Ästhetik digitaler Medien. Das Programm findet sich auch hier auf der offiziellen Website der AG.

Treueschwur und Realitätsverlust
Jahrestagung der AG Auditive Kultur und Soundstudies in der
Gesellschaft für Medienwissenschaft
19./20. Februar 2015
((audio)) Ästhetische Strategien
Institut f. Kultur u. Ästhetik Digitaler Medien
Leuphana Universität Lüneburg

Tagungs-Programm

Do, 19.2.2015

13:30 Rolf Großmann & Malte Pelleter (Lüneburg)
Begrüßung und Einführung
»Phonographische Arbeit zwischen auditivem Realismus und Sonic Fictions«

14:00-14:30 Hans-Friedrich Bormann (Erlangen-Nürnberg)
»Farinelli, Moreschi, Farinelli. Zur Mediengeschichte des Sängerkastraten«

14:30-15:00 Christiane Quandt (Berlin)
»Literarische Erinnerungen an die mexikanischen ›radio days‹: ›Las batallas en el desierto‹ (1981) von José Emilio Pacheco«

15:00-15:30 Florian Schreiner (Berlin)
“Low Fidelity & Culture. Beyond The Valley of A Day in The Life (The Residents, 1977)”

15:30-16:00 Kaffee

16:00-16:30 Johannes Ismaiel-Wendt (Hildesheim)
»Vom Unbehagen mit dem sauberen Sound in deutschen Tonstudios«

16:30-17:00 Dominik Schrey (Karlsruhe)
»›Life has Surface Noise‹. Frühe künstlerische Reaktionen auf die Einführung der CD«

17:00-17:30 Georg Fischer (Berlin)
»Musikalische Versionierungspraktiken zwischen kultureller Konsequenz und rechtlicher Realität«

17:30-17:45 Kaffee

17:45-18:15  Sarah-Indriyati Hardjowirogo (Berlin/Lüneburg)
»Von echten Klängen zu realistischen Sounds. Realitätsbezüge in der Geschichte elektronischer Musikinstrumente«

20:00 Essen

Fr, 20.2.2015

09:30-10:00 Daniel Gethmann (Graz)
»Phonische Linien. Zur Genealogie des gezeichneten Klangs auf Schallplatte«

10:00-10:30 Maren Haffke (Bochum)
»Das Reelle und Medien akustischer Täuschung bei Friedrich Kittler«

10:30-10:45 Kaffee

10:45-11:15 Sebastian Schwesinger & Felix Gerloff (Berlin)
»Sonic Materialism? Der epistemische Zugriff auf die materielle Dimension von Klang«

11:15-11:45 Holger Schwetter (Lüneburg)
»GEMA-Alternative? Präsentation der C3S – Ziele und aktueller Stand«

11:45-12:00 Kaffee

12:00-12:30 Jochen Bonz (Innsbruck)
»Realität, Repräsentation, Interpretation: Wirklichkeitsverständnisse der Soundscape-Forschung, volkskundlicher Klangforschung und sonischer Ethnografie«

12:30-13:00 Dmitri Zakharine (London)
»Scream Queens. Treueschwur und Realitätsverlust«

13:00-13:30 Gelegenheit zum gemeinsamen Essen in der Lüneburger Mensa

13:30 Sitzung der AG »Auditive Kultur und Sound Studies«, anschließend: Ende der Tagung

Tagung „Musikwissenschaft: Generationen, Netzwerke, Denkstrukturen“, 16./17. Januar 2015, Uni Oldenburg

Spannende Tagung im Januar 2015 in Oldenburg an der Schnittstelle von Wissenschaftsforschung/STS und Musikwissenschaft. Weitere Informationen auf der Tagungshomepage: denkstrukturen.wordpress.com

Ort: Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Institut für Musik
Datum: 16.–17. Januar 2015

Konzeption: Sebastian Bolz (Ludwig-Maximilians-Universität München), Moritz Kelber (Universität Augsburg), Ina Knoth (Universität Hamburg), Anna Langenbruch (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg)

Obwohl Geschichte und Soziologie der Musikwissenschaften heute gewiss nicht mehr als terra incognita gelten können, bleiben Denkstrukturen und Netzwerke, die als Räume und Grenzen auf den entsprechenden wissenschaftlichen Landkarten erscheinen müssten, merkwürdig verschwommen. Für jede junge Forschergeneration bildet die Orientierung im historischen Bewusstsein ihres Fachs einen grundlegenden Schritt auf dem Weg zur wissenschaftlichen Selbständigkeit. Die kritische Auseinandersetzung mit methodischen Grundausrichtungen der Disziplin gehört dazu ebenso wie die Reflexion persönlicher und institutioneller Netzwerke, die Denk- und Redeweisen als tacit knowledge (Michael Polanyi) entscheidend prägen. Ausgangspunkte für wissenschaftssoziologisch fundierte, historisch informierte Erkundungen des Fachs bilden etwa musikwissenschaftliche Denkstile und Denkkollektive (Ludwik Fleck), Paradigmenwechsel (Thomas S. Kuhn) oder Akteur-Netzwerk-Zusammenhänge (Bruno Latour).

Ansätze zu einer musikwissenschaftlichen Fachgeschichte haben sich bisher vor allem auf die Aufarbeitung der Kriegs- und Nachkriegszeit konzentriert (etwa im „Fall Eggebrecht“). Anknüpfend an die aktuellen Bemühungen um eine selbstreflexive und wissenschaftsgeschichtliche Auseinandersetzung innerhalb des Fachs Musikwissenschaft und aufbauend auf einem Symposium der Fachgruppe Nachwuchsperspektiven in der Gesellschaft für Musikforschung (Dresden 2013) fragt die geplante Tagung nach den Bedingungen von Wandlungsprozessen, Fachtraditionen, Sprachregelungen und ihren Konsequenzen für die heutige Musikforschung. Weniger die punktuelle Erschließung des Terrains im Rahmen von Fallstudien steht dabei im Mittelpunkt, sondern vielmehr die Frage nach den theoretisch-methodischen Prinzipien musikwissenschaftlicher Wissenschaftsforschung. Erst auf dieser Grundlage lassen sich fachstrukturelle Orientierungspunkte in einer musikwissenschaftlichen Landkarte eintragen (wie Forschungspraktiken, Arbeits- und Kommunikationsstrukturen, Diskurse und Paradigmen, Medien etc.). Die Tagung schließt damit an die aktuelle interdisziplinäre Wissenschaftsforschung an und unternimmt am Beispiel der Musikwissenschaft zugleich erste Schritte zu einer dringend gebotenen Wissenschaftssoziologie der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften (vgl. Maasen 2012).

Ziel der Tagung ist es, eine Debatte über Bedeutung und Wechselverhältnis von Generationen, Netzwerken und Denkstrukturen in der Musikwissenschaft – und über (musikwissenschaftliche) Wissensproduktion – anzustoßen. Folgende Themengebiete stehen dabei im Mittelpunkt:

  • Begriffe der Wissenschaftsforschung: Denkstil, Paradigma, Schule, Generation, Netzwerk
  • Themen der Wissenschaftsgeschichte: Personen, Kontexte, Konstellationen, Kontroversen und Konstruktionen
  • Generationen, Netzwerke und die Konstruktion musikwissenschaftlichen Wissens: Auswirkungen auf Theorien, Methoden, Themen
  • Musikwissenschaftliches Denken und Forschungsstrukturen: Arbeitsbedingungen, Förderung, Politik und Öffentlichkeit
  • Musikwissenschaftliche Wissensproduktion, Arbeitsweisen und Kommunikations-strukturen
  • Medien (musik-)wissenschaftlicher Kommunikation und ihre diskursive Bedeutung
  • Musikwissenschaft studieren und lehren: Fachtraditionen und Curricula

Die geplante Tagung soll ein generationenübergreifendes Diskussionsforum bieten, das zum Austausch zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen der Wissenschaftsforschung anregen will und Möglichkeiten eröffnet, Generationen, Netzwerke und Denkstrukturen der Musikwissenschaft systematisch zu hinterfragen.

Programm

+++++++ Stand 15.12.2014 +++++++

Veranstaltungsort: BIS-Saal, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Freitag, 16.01.2015

13.00–13.15 Begrüßung und Eröffnung der Tagung
Grußworte von Katharina Al-Shamery (Präsidentin der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg)
Melanie Unseld (Prodekanin der Fakultät III der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg)
13.15–13.45 Sebastian Bolz, Ina Knoth,
Anna Langenbruch
Einführung in das Tagungsthema
13.45–16.00 Panel I: Generationen und Netzwerke (Moderation: Moritz Kelber, Sebastian Bolz)
Henry Hope (Oxford) Friedrich Gennrich und die „Frankfurter Schule“
Lisa-Maria Brusius (Oxford) Christian Kadens „Wanderung zwischen den Welten“ – Oral History und die Fachgeschichte der Musiksoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin
14.45–15.00 Kaffeepause
Annette van Dyck-Hemming,
Melanie Wald-Fuhrmann (Frankfurt a. M.)
Von der Generation zum Netzwerk zur Denkfigur? Auf der Suche nach einer zuverlässigen Datenbasis
Michael Custodis (Münster) Kleiner Fisch im großen Teich? Musikwissenschaft und institutionalisierte Forschungsförderung
16.00–16.15 Kaffeepause
16.15–17.45 Panel II: Sprachen und Kulturen (Moderation: Anna Langenbruch)
Michael Braun (Regensburg) Dürrenmatt und die Bartók-Forschung: Zum Einfluss einer Sprachhürde auf Forschungsrezeption und -entwicklung
Maria Bychkova (Hannover) Russische musikalische Emigration der ‚ersten Welle’ aus der Perspektive von deutschen und russischen Forschern. Versuch eines methodischen Vergleichs.
Carolin Krahn (Wien) Dimensionen und Implikationen einer kosmopolitischen Musikwissenschaft im deutschsprachigen Raum
18.00–19.00 Roundtable I: Kommunikation Macht Musikwissenschaft? Ein- und Ausgrenzung von Wissen (Moderation: Friederike Bunten)
Susanne Binas-Preisendörfer, Michael Braun, Michele Calella, Catherine Herbin, Franziska Hohl, Jens Loenhoff
Organisation: Studierende der Universität Oldenburg

Samstag, 17.01.2015

9.00–11.00 Panel III: Denkstrukturen und Wissenskonzepte (Moderation: Ina Knoth)
Jens Loenhoff (Essen) Implizites Wissen, gelingende Praktiken und die Gegenstände der Erkenntnis
Andreas Domann (Köln) Analogiedenken in der Musikwissenschaft. Zu den politischen Voraussetzungen eines hermeneutischen Paradigmas
Franziska Hohl (München) Wissenshybride zwischen Form und Fantasie. Die Materialität der sprachlichen Performanz am Beispiel der musikalischen Improvisation
Karina Seefeldt (Hannover) Zwischen Schein und Sein – Interdisziplinarität als wissenschaftlicher Ansatz?
11.00–11.30 Kaffeepause
11.30–13.30 Panel IV: Öffentlichkeiten und Medien (Moderation: Sebastian Bolz)
N. N. N. N.
Kristina Richts (Detmold) Musikwissenschaft im digital turn?
Elisabeth Treydte (Wien/Frankfurt a. M.) Schreiben über Komponist_innen – ein geschlechterforschende Rekonstruktion des Diskurses in derNeuen Zeitschrift für Musik
Jan Hemming (Kassel) Zwischen Strohfeuer und Nachhaltigkeit. Ein nicht nur persönlicher Erfahrungsbericht zur Medienpräsenz
13.30–14.30 Mittagspause
14.30–16.00 Roundtable II: Wozu Wissenschaftsforschung? (Moderation: Moritz Kelber)
Ulrike Böhmer, Andreas Domann, Melanie Unseld, Gerald Lind, Melanie Wald-Fuhrmann
Tagung: Die Produktivität von Musikkulturen, 14.-15. November 2014 in Kassel

Tagung: Die Produktivität von Musikkulturen, 14.-15. November 2014 in Kassel

Zum Tagungsblog: http://musikkulturen.wordpress.com

Die Tagung widmet sich den (Entwicklungs-)Dynamiken von Musikkulturen unter dem Diktum der Produktivität. Die Kultur wird in den letzten Jahren verstärkt aus kulturwirtschaftlicher Perspektive betrachtet. Begriffe aus der Wirtschaftswissenschaft gelangen verstärkt in kulturwissenschaftliche Diskurse und erfahrten dabei Anpassungen und Umdeutungen. Welche Bedeutungen kann der Begriff “Produktivität“ im Hinblick auf Musikkulturen annehmen und wie lassen sich diese “gewinnbringend” anwenden, um aktuelle Entwicklungsdynamiken zu beschreiben?

Die Rezeption von Tonträgermusik wurde mit der Etablierung des entsprechenden Marktes zu der vorherrschenden Konsumform von Musik. Heute hat der Zugang zu Kompositionsprogrammen, günstigen Instrumenten und digitalen Speicherformen den Konsumenten die Mittel zu musikalischer Aktivität in die Hand gegeben. Die dabei entstandene „Explosion“ kultureller Güter beeinflusst und verändert gesellschaftliche Strukturen des Konsums, der Teilnahme und Teilhabe nachhaltig. Musik ist heutzutage als Teil des Alltags omnipräsent, relevant – und zugleich „wertlos“ wie nie zuvor. Gleichzeitig entstanden im Zuge gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse zahlreiche neue Organisationsformen von Musikkulturen, die unter Stichworten wie Szenen, Subkulturen, Musikindustrie, Kreativwirtschaft und Internet-Communitys diskutiert werden. Die Vielfalt solcher Organisationsformen ist wiederum durch die zunehmende Digitalisierung weithin sichtbar geworden. Entsprechend der These der „Demokratisierung“ der Produktionsmittel sind Musikkulturen heutzutage zugänglicher, nachvollziehbarer und dynamischer.

Häufig wird von einer erhöhten Produktivität gesprochen, aber diese kann auf verschiedene Weisen verstanden werden: beispielsweise ökonomisch als Input/Output-Verhältnis und Prozess der Herstellung sowie des Vertriebs kultureller Güter (Deutscher Bundestag 2008), durch die Integration des Kunden bzw. Fan als externen Faktors in den (Dienstleistungs-)Produktionsprozess (Maleri 1997, Lasshof 2006), als Bezugnahme auf kulturelle Beschreibungsformen von Musik z. B. hinsichtlich ästhetischer Qualität oder Zuwachs von Sinn (Groys 1992), als Wachstum und Ausdehnung der Kulturproduktion (Söndermann 2010), aber auch als Beschreibung von Neuheitsentwicklungen wie stilistischem Wandel oder der Entstehung neuer Kulturformen (Tschmuck 2012). Bei marginalen Musikkulturen mag der Schluss nahe liegen, dass sie unter einer ökonomischen Sichtweise doch eher unproduktiv sind. Aber greift solch eine Betrachtung unter Umständen nicht zu kurz?

Wer die Frage nach der Produktivität stellt, muss die Bedingungen definieren, auf welche sich diese bezieht. Während die Reflexion über die Produktion von Musik heutzutage wesentlich von politischen, künstlerischen und wirtschaftlichen Erwartungen und Anforderungen an „Kreativität“ (Reckwitz 2012) und den Anpassungsproblemen der Medienkonzerne an den technologischen Wandel bestimmt wird, bleiben unterschiedliche Eigenschaften der Musikkulturen und konstitutive Elemente der Schematisierung und Kommerzialisierung weitgehend unberücksichtigt.

Die Tagung möchte entsprechende Produktivitätsverständnisse und Organisationsformen von Musikkulturen vor dem Hintergrund soziologischer, kulturökonomischer und musikwissenschaftlicher Expertise vorstellen und diskutieren. Die Relevanz der Tagung liegt dementsprechend im Herausarbeiten von Produktivitätsdefinitionen sowie in der Erweiterung des Produktivitätsbegriffs am Beispiel von emergenten und etablierten Musikkulturen begründet. Die Beiträge der Tagung werden in einem Sammelband veröffentlicht.

Programm:

Freitag, 14.11.2014

Ab 13.00 Uhr
Empfang und Registrierung (Foyer des Konzertsaals)

13.30 Uhr
Grußwort des geschäftsführenden Direktors des Instituts für Musik,
Jan Hemming (Universität Kassel)

14.00 Uhr
Panel 1: Theoretische Konzeptionen des Produktivitätsbegriffs,
Moderation: Dennis Mathei (Ruhr-Universität Bochum)

Produktivität der Musik? Soziologische Kritik eines Begriffes:
Glaucia Peres da Silva (Universität Duisburg-Essen)

Herausforderungen der Konzeptualisierung der Produktivität von Musikkultur:
Aljoscha Paulus und Carsten Winter (Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover)

15.30 Uhr
Kaffeepause (Foyer des Konzertsaals)

16.00 Uhr
Panel 2: Fallbeispiele
Moderation: Holger Schwetter (Leuphana Universität Lüneburg)

Novellierungsmüdigkeit im Rahmen der aktuellen Praxis der Bundesförderung von ,Zeitgenössischer Musik‘,

Hendrik Neubauer (Universität Kassel)

YouTuber und YouTube-Musiker, Lorenz Grünewald (Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft Berlin) und Joachim Haupt (Universität der Künste Berlin)

17.30 Uhr
Kurze Kaffeepause (Foyer des Konzertsaals)

17.45 Uhr
Panel 3: Urheberrecht und Produktivität, Moderation: Jan Hemming (Universität Kassel)

Von einer Frage des Kontexts und der Aura zu einer Frage der Transformativität:
Die gegenwärtige deutsche Urheberrechtsprechung und Mashup
Frédéric Döhl (Freie
 Universität Berlin)

Vom pragmatischen Umgang unabhängiger Musiker mit dem Urheberrecht
Holger Schwetter (Leuphana Universität Lüneburg)

20.15 Uhr Abendessen

 ______________

Samstag, 15.11.2014

09.30 Uhr
Panel 4: Kreativität und Produktivität
Moderation: Hendrik Neubauer (Universität Kassel)

Kreativität der Umgehung oder Umgehung der Kreativität?
Georg Fischer (Freie Universität Berlin)

Post-Kreativismus: Zur (Re-)Produktionslogik der (Berliner) Techno-Szenewirtschaft
Jan-Michael Kühn (Technische Universität Berlin)

11.00 Uhr
Kurze Kaffeepause (Foyer des Konzertsaals)

11.15 Uhr
Panel 5: Produktivitätsdynamiken,
Moderation: Jan-Michael Kühn (Technische Universität Berlin)

Wer gewinnt, verliert: Populäre Musik und Konsekration
Jonathan Kropf (Universität Kassel)

Über die Inputfaktoren der Nischenmusikproduktion
Dennis Mathei (Ruhr-Universität Bochum)

12.45 Uhr
Mittagsimbis (Foyer des Konzertsaals)

13.15 Uhr
Abschlussdiskussion
Moderation: Holger Schwetter (Leuphana Universität Lüneburg)

14.00 Uhr Schluss

Klanginstallation: Untitled. – Über Bedroom Producer und Strategien der künstlerischen Selbstvermarktung.
Ein Radiofeature von Marcus Glahn, Bauhaus-Universität Weimar 2014. An beiden Tagen in Raum 1012.

Veranstaltungsort: Universität Kassel, Institut für Musik (IfM), Konzertsaal (Untergeschoss),

Mönchebergstr. 1, 34125 Kassel

Anfahrt: Tram-Linien 3/6/7 bis ,Katzensprung‘ oder Bus-Linie 10 bis ,Mönchebergstraße‘

Tagungsbüro: Universität Kassel, Institut für Musik (IfM), Raum 2023 (2. Etage),

Mönchebergstr. 1, 34125 Kassel. Telefon: 0561 804-4799

CfP: Hip Hop Studies: Global and Local (Helsinki)

Finnish Youth Research Society and Social and Cultural Anthropology, University of Helsinki:
“Hip Hop Studies: Global and Local”
13 September 2014 – University of Helsinki, Finland
Deadline: 31 July 2014

The Finnish Youth Research Society and the University of Helsinki’s discipline of Social and Cultural Anthropology are pleased to announce an international and interdisciplinary symposium showcasing contemporary studies of hip hop from established and emerging scholars from Finland and around the world.

The symposium theme, Hip Hop Studies: Global and Local, focuses critical attention on the relationship between the globalization of hip hop and its many diverse manifestations in localities around the world, revealing hip hop’s complexities and contradictions. The worldwide popularity of hip hop can be attributed to both the immense power of the global culture industry, and to the vitality of countless local ‘underground’ hip hop scenes. Moreover, while the globalization of hip hop has introduced common elements in popular music and youth culture worldwide, localized expressions of hip hop are often suspicious of (sub)cultural homogenization and imitation.

Three international speakers will address the symposium: Alex Perullo (Bryant University, USA), Benita Moolman (Human Sciences Research Council, South Africa), and Tony Mitchell (University of Technology, Sydney, Australia).

We invite proposals for individual presentations, analyzing the production and consumption of hip hop from anywhere in the world and from any scholarly discipline. In addition to questions of the influence of national and regional cultures, organizers are particularly interested in the influence of class inequality, migration, spirituality, and gender relations upon hip hop in global and local perspectives.

Please email an abstract of 200–300 words along with your name, affiliation, and contact details to ibrahim.abraham@helsinki.fi before 31 July 2014. Confirmation letters will be emailed on 01 August 2014.

This symposium will launch a new scholarly imitative, the Research Network on Hip Hop in Finland. Further details about this network will be made available at the symposium event.

Organizers are exploring opportunities to develop a publication from the symposium. Participation in the symposium is free, but organizers regret that no funds are available to subsidize travel or accommodation.

The language of the symposium will be English.

[via iaspm-dach]

Nachtrag: Konferenz zu „Sounds, Klängen, Tönen“ am MPI für Bildungsforschung, Berlin (24.-26.4.2014)

Ende April 2014 war ich Teilnehmer einer sehr inspirierenden und thematisch breiten Konferenz zur klanglichen Dimension von Musik, die am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin veranstaltet wurde. In drei intensiven Tagen beschäftigten wir uns mit den Auswirkungen von „Sound“ hinsichtlich seiner emotionaler Wahrnehmung und Bedeutung. Was mir an der Konferenz am besten gefallen hat, war die Breite der Vorträge: Von spätantiker Musik über den Ragtime bis zu aktuellem Atmodesign im Radio, von Geräuschen und Heavy Metal bis zum rauhen Klang des 90er-Jahre-HipHop, von klassischen musikwissenschaftlichen Ansätzen über historische, soziologische und psychologische Aspekte wurde den Grundpfeilern einer umgreifenden „Soundwissenschaft“ nachgespürt. Vielen Dank nochmal an das Team der Forschungsgruppe „Gefühlte Gemeinschaften? Emotionen im Musikleben Europas“ vom MPI für Bildungsforschung für eine hervorragend organisierte Konferenz! Ich verweise in diesem Zusammenhang auch noch auf den dieser Gruppe nahestehenden und sehr lesenswerten, internationalen Forschungsblog „Pophistory“.

Erst am Ende der Tagung ist mir übrigens aufgefallen, wie gut mein eigener Bildschirmhintergrund am Notebook eigentlich das Thema „Musik und Emotion“ reflektiert: Eine nachträglich kolorierte Aufnahme des Saxofonisten Big Jay McNeely, fotografiert von Bob Willoughby in einer Konzertsituation von 1953. Hatte ich hier auch schon mal verbloggt.

big-jay-mcneely-on-sax-olympic-auditorium-la-1953-bob-willoughby-coloured-by-traquea

Tagungssprogramm (offizielles PDF)

Donnerstag, 24.04.14

13.00 – 14.30 Uhr: Registrierung

14.30 – 15.30 Uhr: Begrüßung und Einführung

Sven Oliver Müller, Tim Biermann, Anabelle Spallek, Henning Wellmann (MPI für Bildungsforschung)

15.30 – 16.30 Uhr: Keynote

Prof. Holger Schulze (Berlin)  – Widerstand und Klang: Zur Kulturtheorie schallbrechender Gemeinschaften

16.30 – 17.00 Uhr: Kaffeepause

17.00 – 19.00 Uhr: Panel 1: Methodisch-theoretische Perspektiven

Chair: Marie Louise Herzfeld-Schild (Berlin)

Hauke Egermann (Berlin) – Empathie als Vermittler zwischen Ausdruck und induzierten Emotionen in der Musikrezeption

Anna Schmidt (Göttingen) – Audiosphären – Atmosphären in Hörbeziehungen

Karim Weth (Wien) – Klang und Emotion: Ansätze aus der Timbreforschung

19.00 Uhr: Abendessen

Freitag, 25.04.14

10.00 – 12.30 Uhr: Panel 2: Subjektbildung durch Sound und Klang

Chair: Henning Wellmann (Berlin)

Jens Gerrit Papenburg (Berlin) – Exzentrik und Synkopierung. Subjekte des Ragtime um 1900

Lisa-Marian Schmidt / Carsten Heinze (Berlin/Hamburg) – Der Klang der Moderne: Industrial Music Culture vom Underground zum Mainstream am Beispiel von Throbbing Gristle und Psychic TV

Brigitte Simon (Wien) – Der Heavy Metal Sound und das “White, Male, Working Class”-Image

Svenja Rokitta (Berlin) – Zur Ästhetik des Virtuellen: Das Déjà-entendu in der Musik

12.30 – 14.00 Uhr: Mittagessen

14.00 – 16.00 Uhr: Panel 3: Klangmaterialitäten

Chair: Luis-Manuel Garcia (Berlin)

Felix Gerloff / Sebastian Schwesinger (Berlin) – »Wir tanzen wie Maschinen, im Rhythmus der Maschinen« Die Materialität des Klanglichen im Detroit Techno als Disponent prototypischer emotionaler Erfahrungen der Clubkultur

Axel Volmar (Siegen) – Nostalgie, Distinktion und die Erhabenheit der Technik. Affektbeziehungen zwischen Menschen und Musiktechnologien in der High-end Audio Kultur

Martin Hoffmann (Kissing) – Die venezianische Mehrchörigkeit – Zum Verhältnis von Emotion, Klang und Raum an San Marco

16.00 – 16.30 Uhr: Kaffeepause

16.30 – 18.30 Uhr: Panel 4: Klangpraxis – Doing Sound

Chair: Tim Biermann (Berlin)

Christian Müller (Freiburg) – Doing Jazz – Zur Konstitution einer kulturellen Praxis

Georg Fischer (Berlin) – „Keep it real!“ Die Rolle des Klangs in der Samplingkultur des Hip Hop

Jan Drees (Wuppertal) – Audioflow – Atmodesign als Instrument der HörerInnen-Bindung im Popkulturradio

19.00 Uhr: Abendessen

Samstag, 26.04.14

10.00 – 12.00 Uhr: Panel 5: Klang – Politik – Geschichte

Chair: Anabelle Spallek

Jutta Günther (Saarbrücken) – …von Instrumenten des Irrwahns umlärmt – Wie wirkt Musik und Performanz auf den spätantiken Mensch?

Cornelia Bartsch (Basel) – Die (freie) Fantasiermaschine – zur Konservierung des musikalisch ‚Wilden‘ im Geiste der europäischen Aufklärung

Bodo Mrozek (Berlin) – Heulbojen und Geräuschathleten: Musik als Lärm. Die Debatte um die somatische Wirkung von Klang in den 1950er Jahren.

12.00 – 13.30 Uhr: Mittagessen

13.30 – 15.00 Uhr: Abschlussdiskussion

 Jochen Bonz (Innsbruck)

Luis-Manuel Garcia (Berlin)

Holger Schulze (Berlin)

Bianca Ludewig (Innsbruck)

Ort: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Lentzeallee 94 14195 Berlin.
Termin: 24.-26.04.14

 

2011 – Das Jahr der Kopie

Vor ziemlich genau einem Jahr ist dieser Blog ins Leben gerufen worden als begleitendes Medium zu meiner Radiosendung auf BLN.FM und meiner Diplomarbeit. Die Radiosendung ist abgeschlossen, die Diplomarbeit in der Vorbereitung. Ein guter Zeitpunkt, um kurz durchzuatmen und ein wenig zu reflektieren.

Fast die Hälfte des Jahres 2011 ist bereits vorangeschritten, doch ich wage schon jetzt eine kleine Prognose: 2011 ist das Jahr der Kopie und des Kopierens. Was sich 2010 bereits andeutete, nämlich das öffentliche und mediale Interesse am Plagiarismus von Bushido und Helene Hegemann, setzt sich 2011 fort. Einen Hattrick in der Wissenschaft haben wir bereits, nämlich mit den Rücknahmen der Doktortitel von Karl-Theodor zu Guttenberg, der einen blonden Frau von der FDP (Silvana Koch-Mehrin) und der einen blonden Tochter von Stoiber (Veronika Saß). Ähem. Die letzten beiden haben sich im Übrigen ganz heimlich, still und leise von ihren gepimpten Klingelschildern verabschiedet – im Gegensatz zu erst genanntem, der einen – man kann es nicht anders nennen – einem Rohrspatzen nicht unwürdigen Abgang hinlegte.

Egal ob Audi für ein internes Video einen Spot von Chrsyler inklusive des Hintergrundtracks „Lose yourself“ von Eminem abkupfert oder in China ganze europäische Dörfer nachgebaut werden: Kopieren ist en vogue. Dabei schwingt ständig ein bösartiger Unterton bei diesem Wort Kopie mit, denn es ist ein böses Wort in unserer heutigen Gesellschaft. Es steht sinnbildlich für mangelnde Kreativität, geringen Arbeitsaufwand, Unselbständigkeit, fehlende Innovation und für das sprichwörtliche „eine Bein im Gefängnis“. Genau das Gegenteil hochgelobter deutscher Tugenden, wie man meinen möchte.

Kopie ist der Gegenbegriff zum Original, die böse Cousine der Kopie heißt Fälschung. Dabei vergisst man jedoch, dass es erstens mit unserem Begriff des Originals auch noch nicht allzu weit her ist und Kopieren zweitens, im Sinne einer perfekt hergestellten und absolut identischen Imitation, gleichermaßen eine hohe Kunst sein kann. Die Tätigkeit des Kopierens an sich ist ja nicht schlecht, erst die soziale Etikettierung („Plagiat“, „sich mit fremden Federn schmücken“, „Nachahmer“) stellt eine Bewertung zwischen Original und Kopie her. Den Unterschied zwischen Original und Kopie machen die Menschen erst seit der Erfindung des Buchdrucks, als es nicht mehr notwendig war, dass Mönche Bücher abschrieben, sondern man die Vorlage des Originals (lateinisch für Ursprung, Entstehung) Eins zu Eins zu Kopien (lateinisch für Menge, Vorrat) replizieren konnte.

Im Übrigen ahmen wir alle ständig nach, es ist nicht nur das Copy & Paste mit der Tastatur: jeden Tag unseres Lebens verbringen wir mit Imitationen der gleichen Handlungen, es ist ein soziales Prinzip (vgl. Gabriel Tarde). Wie hätten wir sonst wohl das Schreiben gelernt oder das Sprechen oder Fotokopieren… nein, mal im Ernst, fast alles von dem, was wir jeden Tag tun, ist Imitation; entweder als Ausführung einer Routine oder als Lernen neuer Tätigkeiten, das Allerwenigste kommt ausschließlich aus uns selbst heraus. Die Neu-Kombination, Neu-Bewertung und Neu-Kontextualisierung des Vorhandenen ist die eigentliche schöpferische Leistung eines jeden einzelen jeden Tag.

Und so scheint es kein Zufall zu sein, dass der theoretischen Reflexion von Kopie und ihrem Verhältnis zur Inspiration auf der diesjährigen DMY besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Eine erste Lecture ist bereits im Internet als Video zu finden:

http://vimeo.com/24770169

Am weisesten hat es wahrscheinlich immer noch Konfuzius (ca. 5 Jahrhundert vor Christus) ausgedrückt:

Der Mensch hat dreierlei Wege, klug zu Handeln:

Erstens durch Nachdenken, das ist das Edelste.

Zweitens durch Nachahmen, das ist das Leichteste.

Und drittens durch Erfahrung, das ist das Bitterste.

Techno: Party, Arbeit, Leben, Musik – Workshop am 03.12.2010 im Archiv der Jugendkulturen

Am 3.12.2010 findet im Archiv der Jugendkulturen in Berlin ein ganztägiger Workshop zum Thema „Techno“ statt. Der Workshop ist Teil der Reihe „Jugenkulturen im 21. Jahrhundert“. Neben Vorträgen von Jan Kühn (Berlin Mitte Institut) zur Berliner Techno-Szene und dem Kulturwissenschaftler Daniel Schneider (Archiv der Jugendkulturen) zum Bibliotheksbestand in Sachen Techno, wird es auch einen Vortrag von Georg Fischer zu Jägern und Samplern geben.

Archiv der Jugendkulturen e.V.
Fidicinstraße 3
10965 Berlin
Tel. 030/6942934
Fax 030/6913016
archiv@jugendkulturen.de

Programm:

11.00 Uhr Begrüßung, Einführung ins Thema

11.30 – 13.00 Uhr Techno – ein Überblick (Daniel Schneider)

In dieser Präsentation soll es um die Wurzeln und die Entstehungsgeschichte elektronischer Tanzmusik gehen, aber auch ein Überblick über die Entwicklungen und Ausdifferenzierungen bis heute gegeben werden. Hierbei sollen sowohl transnationale Verflechtungen als auch lokale Besonderheiten (z. B. Detroit Techno und Chicag

o House, die Besonderheiten der britischen Szene, Unterschiede innerhalb der deutschen Szene) thematisiert werden. Abgerundet wird die Präsentation durch eine Reihe an Musikbeispielen, um einen Einblick in die heute existierende Bandbreite der verschiedenen Spielarten elektronischer Musik zu bieten.

13.00 – 14.00 Uhr Mittagspause

14.00 – 15.30 Uhr Leben und Arbeiten in der Berliner Techno-Szene (Jan-Michael Kühn und Gäste aus der Szene)

Die Berliner Techno-Szene ist nicht nur ein Ort, um sich von elektronischer Tanzmusik verführen zu lassen, in ihr wird auch gearbeitet und gelebt. Viele t

ausende Menschen sind es allein in Berlin, die ihr Leben und ihre Arbeit alternativ anhand der Produktion von Techno-Erlebnissen für sich und andere gestalten. Selbst Spaß haben, anderen Spaß bereiten und dabei genug Geld zum Leben verdienen. Diese produktive Infrastruktur und deren Arbeitsidentitäten werden Gegenstand der Präsentation sein.

15.30 – 17.00 Uhr Sampling (mit dem Gast Georg Fischer, der im Moment seine Abschlussarbeit zu diesem Thema schreibt und eine Sendung zu diesem Thema auf b

ln.fm produziert) https://jaegerundsampler.wordpress.com

17.00 – 18.00 Uhr Techno-Fanzines und Zeitschriften – eine Einführung in den Bibliotheksbestand des Archiv der Jugendkulturen (Daniel

Schneider)

  • Jan-Michael Kühn ist Soziologe und promoviert an der Technischen Universität Berlin über Erwerbsarbeit-Strukturen in der Berliner Techno-Szene. Er ist seit 2005 regelmäßig in Berliner Clubs als DJ Fresh Meat unterwegs, produziert Techno-TV-Sendungen mit dem „Berlin Mitte Institut für Bessere Elektronische Musik“ und arbeitet freiberuflich als Booker für verschiedene Veranstalter. http://www.berlin-mitte-institut.de/
  • Daniel Schneider ist Kulturwissenschaftler und einer der Verantwortlichen für den Fanzinebereich (Schwerpunktbereiche Techno, Kunst/Literatur/Comics) und Mitarbeiter in der Bibliothek des Archivs der Jugendkulturen und in der Redaktion des Journals der Jugendkulturen. Seine Magisterarbeit hat er zum Thema „Detroit Techno und die Frage nach der Hautfarbe“ verfasst. http://edocs.fu-berlin.de/docs/receive /FUDOCS_document_000000004737

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