Call for Papers: Monopole im medienindustriellen Komplex? Verwertungsgesellschaften gestern, heute, morgen (Einreichfrist: 30.11.2020)

Aufnahme von Martin Fisch unter CC-BY 2.0 (Quelle: Flickr)

Frist für Beitragsvorschäge: 30.11.2020; Online-Workshop am 25. und 26.03.2021; Abschlusskonferenz am 23. und 24.09.2021. Organisiert von Dr. Georg Fischer und Malte Zill in Kooperation mit der Gesellschaft für Musikwirtschafts- und Musikkulturforschung. Dieser CfP als PDF zum Download.

Monopole im medienindustriellen Komplex? Verwertungsgesellschaften gestern, heute, morgen

In Deutschland gibt es 13 Verwertungsgesellschaften[1], von denen GEMA, VG Wort oder VG Bild-Kunst die größten und bekanntesten sind. Als monopolistische, Ressourcen verwaltende Akteurinnen nehmen Verwertungsgesellschaften schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts eine zentrale Rolle für Kreative in den bürokratischen Strukturen der Medienindustrie ein. Dabei laufen die von ihnen bearbeiteten Prozesse oft unbemerkt im Hintergrund ab.

Meist sind es Konflikte mit Nutzer:innen oder Anbieter:innen urheberrechtlich geschützter Werke, die Verwertungsgesellschaften für kurze Phasen medial und diskursiv sichtbar werden lassen, zum Beispiel beim Streit zwischen Youtube und der GEMA oder zwischen Martin Vogel und der VG Wort um die Ausschüttungen bei Privatkopievergütungen. Die Parteien stehen sich hier oft unversöhnlich gegenüber: Den Urheberrechtsorganisationen wird regelmäßig Ausdehnung und Machtkonzentration vorgeworfen – oftmals verbunden mit Fundamentalkritik an ihren als unübersichtlich, ausufernd oder schlicht dysfunktional angesehenen Strukturen. Die Verwertungsgesellschaften lehnen diese Vorwürfe üblicherweise kategorisch ab, belegen ihrerseits moderne Nutzungsszenarien teils mit scharfen Verdikten (etwa „Diebstahl“, „Piraterie“, „Raubkopie“) und stellen auf ihre Funktion als Anwältinnen und Interessensvertretung der Kreativen ab.

So rasant diese Konflikte die mediale Präsenz von Verwertungsgesellschaften ansteigen lassen, so schnell ebbt das Interesse an ihnen wieder ab, wenn eine detaillierte, tiefer gehende Beschäftigung mit Abrechnungsschlüsseln, Verteilungsplänen und Bewertungsmechanismen jenseits einzelner markanter Fälle anstünde. Die Ambivalenz aus Relevanz und Unsichtbarkeit kann ein Hinweis darauf sein, warum der Forschungsgegenstand Verwertungsgesellschaft abseits der Rechtswissenschaft bislang eher sporadisch bearbeitet wurde.[2]

Insbesondere in der sozial-, geschichts-, kultur- und medienwissenschaftlichen Forschung stellen Studien zu Organisationsformen, Wandel und Effekten von Verwertungsgesellschaften also ein Desiderat dar. Dabei wäre eine interdisziplinär aufgestellte, dezidiert sozial- und geschichtswissenschaftlich informierte und systematisch orientierte Forschungsperspektive zur Organisationsform Verwertungsgesellschaft unerlässlich, um die Gefüge der Medienindustrie von der Seite der Verwertungsstrukturen her zu betrachten. Denn Verwertungsgesellschaften sind zentrale Akteurinnen und machtvolle Interessensvertreterinnen, die rechtlich-wirtschaftliche Entwicklungen selbständig vorantreiben, dabei Eigeninteressen als Organisationen verfolgen und ein dichtes Netz reziproker Wirkungsverhältnisse mit Musik, Film, Wissenschaft, Literatur, Kunst, Fotografie und weiteren Feldern ausbilden.

Ausgehend von dieser These laden wir – der Soziologe Georg Fischer und der Musikwissenschaftler Malte Zill in Kooperation mit der GMM – zu einer interdisziplinären wissenschaftlichen Tagung in zwei Teilen ein, um Untersuchungen zu Verwertungsgesellschaften, ihren Praktiken und Organisationsformen vorzustellen und gemeinsam zu diskutieren. Ziel der Tagung ist es, sowohl generalisierbare Perspektiven auf und Aussagen über Verwertungsgesellschaften zu erarbeiten sowie spezifische Fälle und Studien einzelner Verwertungsgesellschaften zu diskutieren. Die Ergebnisse sollen Anfang 2022 in einer gemeinsamen Publikation veröffentlicht werden.

Besonders interessant erscheinen uns folgende Fragen und Themen, die sich um das Gestern, das Heute und das Morgen von Verwertungsgesellschaften drehen:

1. Verortung der Organisationsform Verwertungsgesellschaft in der Medienindustrie

  • Unter welchen Rahmenbedingungen entstanden Verwertungsgesellschaften, wie entwickelten sie sich und inwieweit sind sie miteinander vergleichbar?
  • Welche Mechanismen der Urheberrechtswahrnehmung und -verwertung nutzen Verwertungsgesellschaften? Welche technischen, rechtlichen und bürokratischen
    Mittel werden verwendet? Welche Kunstformen eignen sich besonders gut (oder besonders schlecht) zur urheberrechtlichen Wahrnehmung?
  • Welcher professionelle Hintergrund und welche Ausbildungsprofile lassen sich in den Biographien der Mitarbeiter:innen von Verwertungsgesellschaften feststellen?
  • Welche Funktionen übernehmen die tendenziell monopolistischen Verwertungs-gesellschaften im medienindustriellen Komplex und wie steht es um ihr Verhältnis zur Staatlichkeit?
  • Welche Möglichkeiten bieten Verwertungsgesellschaften als historische Archiv- und Datenquellen? Welche Konsequenzen haben Digitalisierung, Algorithmisierung und Big Data-Analysen für die Verwertungsgesellschaften und ihre Erforschung?

2. Studien zu Praktiken der Verwertungsgesellschaften

  • Wie gestalten Verwertungsgesellschaften das Binnenverhältnis zu ihren Mitgliedern? Welche Wirkungen haben Verwertungsgesellschaften auf ästhetische Produkte und künstlerische Praktiken? Nehmen Verwertungsgesellschaften über die direkte (bspw. über Stiftungen) oder indirekte (über den Verteilungsplan) finanzielle Förderung eine Wertung der ihr treuhänderisch angetragenen Rechte vor?
  • Wie lassen sich die Mitglieder von Verwertungsgesellschaften charakterisieren? Bilden sich Fraktionen, bspw. der Verlage und der Autor:innen, „E- und U-Komponist:innen“? Wie gestaltet sich der Diskurs zwischen diesen einzelnen Gruppen und wie ist Entscheidungsfindung organisiert?
  • Wie vernetzen sich Verwertungsgesellschaften untereinander sowohl national (bspw. GEMA und GVL) als auch international (bspw. multilateral in der CISAC oder bilateral über Gegenseitigkeitsverträge)?
  • Auf welche Weise versuchen Verwertungsgesellschaften auf die Entwicklung des nationalen und internationalen Urheberrechts einzuwirken?
  • Wie positionieren sich Verwertungsgesellschaften gegenüber neuen oder alternativen Rechts- oder Vergütungsmodellen wie Creative Commons-Lizenzen?

3. Verwertungsgesellschaften in gesellschaftlichen Diskursen

  • Mit welchen Selbstzuschreibungen versuchen Verwertungsgesellschaften ihre Arbeit zu legitimieren – mit welchen Fremdzuschreibungen wird ihnen diese Legitimation abgesprochen? Lassen sich rhetorische Strategien und diskursive Muster ausmachen?
  • Wie verhalten sich Verwertungsgesellschaften gegenüber ihren „Kund:innen“, den Nutzer:innen urheberrechtlich geschützter Werke und umgekehrt?
  • Wie positionieren sich Verwertungsgesellschaften in ihren PR-Kampagnen und mit welchen narrativen Mustern werden die Diskussionen über Verwertungsgesellschaften in unterschiedlichen Medien geframed?
  • Welche Informationsasymmetrien entstehen aus der Präsenz der Verwertungs-gesellschaften in den Medien und wie wirken diese auf die Diskussion um das Urheberrecht?
  • Wie beschreiben Verwertungsgesellschaften ihre eigene Geschichte? Wie werden Verwertungsgesellschaften mit historischen Entwicklungen in Verbindung gebracht?
  • Und schließlich: Wie verhalten sich Verwertungsgesellschaften während gesellschaftlichen Krisen, wie beispielsweise Weltkriegen, Wirtschaftskrisen oder Pandemien?

Einreichungen

Wir freuen uns über theoretisch wie empirisch fokussierte Beitragsvorschläge aus den Sozial-, Kultur- und Medienwissenschaften, aus der Geschichte, den Rechtswissenschaften und angrenzenden Disziplinen. Die Tagung versteht sich als interdisziplinäres Arbeitstreffen und soll Raum zur Diskussion und zur Weiterentwicklung von Ideen schaffen. Aufgrund der Corona-Pandemie fassen wir eine zweigeteilte Veranstaltung ins Auge: Für den 25. & 26.03.2021 planen wir einen Online-Workshop mit 15- bis 20-minütigen Impulsvorträgen, die auf vorab eingereichten Arbeitspapieren basieren und ausreichend Zeit zur Diskussion bieten. Die auf dieser Grundlage ausgearbeiteten Artikel möchten wir in größerem Rahmen auf einer Abschlusskonferenz am 23. & 24.09.2021 in Berlin präsentieren und diskutieren.

  • Bitte reichen Sie auf Ihrem geplanten Papier basierende Abstracts (maximal 400 Worte und Literaturangaben) sowie eine kurze biografische Notiz (ca. 100 Worte) bis zum 30. November 2020 ein unter vg.forschung@gmail.com.
  • Die Beiträge sind bis zum 10. März 2021 als Working Paper (5–10 Seiten) auszuarbeiten und werden als Diskussionsgrundlage für den Online-Workshop den Teilnehmer:innen zur Verfügung gestellt.
  • Eine anschließende Publikation ausgewählter Beiträge in einem interdisziplinären und via Open Access zugänglichen Sammelband ist in Vorbereitung.
  • Bei Fragen stehen wir gerne unter vg.forschung@gmail.com zur Verfügung.

Organisation

Dr. Georg Fischer, Soziologe mit Schwerpunkt empirische Urheberrechtsforschung und Redakteur bei iRights.info
Malte Zill, Musikwissenschaftler, promoviert zur Geschichte der Verwertungsgesellschaften im „Dritten Reich“ an der Universität Hamburg
in Kooperation mit der Gesellschaft für Musikwirtschafts- und Musikkulturforschung (GMM)

Literaturverzeichnis

Dommann, Monika (2014): Autoren und Apparate, Frankfurt/Main: S. Fischer.
Dümling, Albrecht (2003): Musik hat ihren Wert, Regensburg: ConBrio.
Fetthauer, Sophie (2007): Musikverlage im „Dritten Reich“, Hamburg: von Bockel.
Fischer, Georg (2020): Sampling in der Musikproduktion. Das Spannungsfeld zwischen Urheberrecht und Kreativität, Marburg: Büchner.
Heker, Harald; Riesenhuber, Karl (Hg.) (2018): Recht und Praxis der GEMA. Handbuch und Kommentar, Berlin: De Gruyter.
Hutter, Michael (2006): Neue Medienökonomik, München: Wilhelm Fink.
Krones, Hartmut (2014): Das Ende der „alten“ A.K.M. (März 1938), die Gründung der „neuen“ AKM (Juni 1945) und die Folgen, Wien: AKM.
Schmidt, Manuela (2005): Die Anfänge der musikalischen Tantiemenbewegung in Deutschland, Berlin: Duncker & Humblot.
Heinemann, Tobias (2017): Die Verteilungspraxis der Verwertungsgesellschaften, Tübingen: Mohr Siebeck.
Keiderling, Thomas (2008): Geist, Recht und Geld. Die VG WORT 1958–2008, Berlin: De Gruyter.
Melichar, Ferdinand (1983): Die Wahrnehmung von Urheberrechten durch Verwertungsgesellschaften: Am Beispiel der VG Wort, München: Hermann Luchterhand.
Zill, Malte (2020): 1933/1945/2012 – Konflikte zwischen „Musikverbrauchern“ und Verwertungsgesellschaften im historischen Kontext, in: Schrör, Simon; Fischer, Georg; Beaucamp, Sophie; Hondros, Konstantin (Hg.): Tipping Points. Freiheit und Restriktion im Urheberrecht, Baden-Baden: Nomos, S. 97–116.


[1] Siehe dazu die Website der Deutschen Patent- und Markenamtes DPMA, das die Verwertungsgesellschaften und die dazugehörigen -einrichtungen kontrolliert: https://www.dpma.de/dpma/wir_ueber_uns/weitere_aufgaben/verwertungsges_urheberrecht/aufsicht_verwertungsges/index.html (10.10.2020).

[2] Monika Dommann (2014) lieferte die vermutlich einzige historische Überblicksdarstellung, die systematisch auf Verwertungsgesellschaften fokussiert. In der Regel sind Verwertungsgesellschaften nur Teil größerer Rahmensetzungen, siehe bspw. Fischer (2020), Fetthauer (2007), Hutter (2006), Krones (2014), Schmidt (2005) oder Zill (2020). Gängig dagegen sind selbstreferentiell angelegte Arbeiten wie Jubiläumsschriften und organisatorische Selbstbeschreibungen, siehe Dümling (2003), Heinemann 2017, Heker/Riesenhuber (2018) oder Keiderling (2008).

Dieser CfP als PDF zum Download.

Beitrag zum „RUN DMC-Meme“

Zusammen mit Lorenz Grünewald-Schukalla habe ich für die aktuelle Ausgabe der tv diskurs einen kleinen Beitrag zum „RUN DMC-Meme“, wie wir es nennen, verfasst. Es geht darum, wie das Gestaltungsmuster des RUN DMC-Logos (oben/unten Balken, zwei Reihen Schriftzug, rot-schwarz-weißes Design), das ursprünglich in den 1980ern von Stephanie Nash entworfen wurde, sich immer mehr von seinem Ursprung entfernt und von allen möglichen Gruppen benutzt wird: Darunter nicht nur Hip Hop-Partyflyer oder „FCK AFD“-Sticker von DIE PARTEI, sondern leider auch Nazis mit verfassungsfeindlichen Symbolen und Botschaften. Darauf möchten wir aufmerksam machen und zeigen, wie der Kampf um politische Vorherrschaft auch im öffentlichen Alltagsraum stattfindet.

Zum Beitrag „Memes als niedrigschwellige politische Praxis“ in tv diskurs 92. Auch verfügbar als PDF.

Auf unserem Tumblr dmcpics sammeln wir Exemplare in freier Wildbahn.

 

Tagungsbericht: „Tipping Points“-Konferenz zu Freiheit und Restriktion im Urheberrecht (Februar 2020)

Im Februar 2020 fand im Berliner Weizenbaum-Institut in Kooperation mit dem Fachausschuss „Urheberrecht“ der GMM die interdisziplinäre Urheberrechtstagung „Tipping Points“ statt. Das Programm der Tagung gibt es hier als PDF zum Download.

An zwei Tagen diskutierten wir interdisziplinär und sehr ertragreich die verschiedenen Aspekte des Verhältnisses von Freiheit und Restriktion im Urheberrecht.  Sampling war ein sehr wichtiges Thema (insb. „Metall auf Metall“), insgesamt vier Vorträge beschäftigten sich damit. Daneben spielten auch Verwertungsgesellschaften wie die GEMA, Kreativitätsvorstellungen in Musik und Literatur, neue Plattformen wie TikTok, die EU-Reform des Urheberrechts sowie zahlreiche andere Themen eine Rolle.

Vor kurzem haben Antonia Feneberg und Zoé Zloch für telemedicus.info einen Tagungsbericht verfasst, den ich an dieser Stelle als Nachlese empfehlen möchte. Vielen Dank dafür!

 

Interview bei Deutschlandfunk Kultur

Gestern war ich bei Deutschlandfunk Kultur in der Sendung „Tonart“ zu Gast und durfte mit Oliver Schwesig über mein Buch zu Urheberrecht und Sampling sprechen, das kürzlich beim Büchner-Verlag erschienen ist. In dem Gespräch ging es natürlich auch um die unendliche Geschichte um das „Metall auf Metall“-Sample von Kraftwerk, das Moses Pelham für „Nur mir“ 1997 verwendet hat und das seitdem alle Gerichtsinstanzen bis hinauf zum Bundesverfassungsgericht und dem Europäischen Gerichtshof beschäftigt. Aber hört selbst, ich hab das Interview mitgeschnitten und verletzte nun durch’s Hochladen des MP3 vermutlich das Leistungsschutzrecht von Deutschlandfunk Kultur… 😉

Klick: Interview Tonart 06.02.2020

Edit: Mittlerweile hat Deutschlandfunk Kultur das Interview auch in seine eigene Mediathek geladen.

Fresh from the Press: „Sampling in der Musikproduktion“ (Büchner-Verlag 2020)

Hervorgehoben

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Vor kurzem ist meine Studie, die ich zwischen 2015 und 2018 am Graduiertenkolleg „Innovationsgesellschaft“ am Institut für Soziologie der TU Berlin durchgeführt habe, erschienen: und zwar beim Büchner Verlag als klassisches Buch sowie als frei verfügbares Open Access-PDF. Das Vorwort hat freundlicherweise Leonhard Dobusch beigesteuert, worüber ich mich sehr freue.

Wer eine kurze Einführung in meine Arbeit bzw. eine Zuspitzung einer Thesen aus der Studie lesen will: Bei iRights.info gibt es einen entsprechender Artikel zum Thema. Für die ausführliche Fassung empfehle ich das Buch.

Sampling in der Musikproduktion

Das Spannungsfeld zwischen Urheberrecht und Kreativität

384 Seiten, 14,5 x 20,5 cm, kartoniert
ISBN 978-3-96317-190-1 (Print)
34,00 € (Print)
ISBN 978-3-96317-721-7 (ePDF)
27,00 € (ePDF)Büchner-Verlag, Marburg, erschienen am 22. Januar 2020.
Mit einem Vorwort von Leonhard Dobusch

20 Jahre Streit um eineinhalb Sekunden kopierte Musik? Die Auseinandersetzung im Fall »Metall auf Metall« zwischen der Musikgruppe Kraftwerk und dem Komponisten Moses Pelham beschäftigte 2019 sogar den Europäischen Gerichtshof. Sie zeigt, dass das Urheberrecht zu einem gesellschaftlichen Streitthema geworden ist, das sich aus der Nische des künstlerischen Bereichs in den Alltag nahezu aller Menschen gedrängt hat. Dieser Prozess lief nicht unbemerkt von der Wissenschaft ab und dennoch ist diese gerade erst dabei, die Implikationen und Effekte dieser urheberrechtlichen Ausdehnung genauer zu verstehen.

Der Soziologe Georg Fischer liefert die erste empirische Studie zum Sampling in der Musik, die explizit den Einfluss des deutschen Urheberrechts auf die kreative Praxis untersucht. Er zeigt die Fülle und Vielfalt an kreativen Umgehungsstrategien, die sich im Schatten des Urheberrechts ausgebreitet und verankert haben – und mit denen die Künstler_innen die eigene Sichtbarkeit sowie die ästhetische Komplexität und monetäre Verwertung ihrer Werke notgedrungen einschränken.