Veranstaltung zu Musik & Marken / The Discourse Community of Electronic Dance Music am 05.07.2022, 18:00, Echo Bücher Berlin

Kürzlich sind diese beiden schönen Bücher erschienen: Das GMM-Jahrbuch „Musik und Marken“, herausgegeben von Lorenz Grünewald-Schukalla, Anita Jorí und Holger Schwetter sowie die Monografie „The Discourse Community of Electronic Dance Music“ von Anita Jorí.

Für das erste habe ich eine Rezension zum Buch „100 Jahre Copyright“ geschrieben; außerdem erscheint dort die von Konstantin Hondros verfasste Rezension zu meinem Sampling-Buch (erschienen 2020 per Open Access beim Büchner-Verlag).

Anfang Juli gibt es eine Release-Party und Diskussions-Veranstaltung bei ECHO-Bücher in Berlin-Kreuzberg. Hier die Ankündigung vom GMM-Blog:

We would like to invite you to celebrate the release of two new books on music business and music culture research with us: The GMM Yearbook Musik & Marken (Music & Brands), edited by Lorenz Grünewald-Schukalla, Anita Jóri and Holger Schwetter (Springer, 2022) takes a look at the intersection of music and brands from an interdisciplinary perspective. In a panel discussion we will introduce some of the topics within the issue, e.g., recommender systems, guitar pedal communities or the impact of tuning on psychological effects and also take a broader look at contemporary questions of researching music and brands.

Panelists: Alice Bodnar, Lorenz Grünewald-Schukalla, Anita Jóri, Alan van Keeken, Marvin Kopka, Steffen Lepa, Holger Schwetter.The panel will take place in German language. On Musik & Marken: Since the early formations of a music industry based on printed music, at the latest, companies that are not involved in music have maintained relationships with music and its players. At that time, it was mainly cosmetics and tobacco products that were advertised in music books.

Today, however, the forms in which music plays a role in the commercial activities of non-music actors have become more differentiated. At the same time, the market for activities such as sponsoring or advertising has increased in volume. Brands play a special role here. In order to build brands, companies publish music magazines, distribute sound carriers, organize and stream concerts, or even sign artists with their own labels. At the same time, artists and bands are increasingly being built up as brands by the music industry. The GMM Yearbook „Music & Brands“ probes the research on music and brands, gathers empirical findings, and highlights new research perspectives in the study of „music & brands. More info here.

The other book we will launch is The Discourse Community of Electronic Dance Music (transcript, 2022) written by Anita Jóri.

Research on electronic dance music communities has been initiated by scholars in the fields of sociology, cultural studies, public health research and others. Linguistic aspects, however, are rarely considered. Anita Jóri fills this gap of research and suggests a new perspective by looking at these communities as a discourse community. She gives an overview of the language use and discourse characteristics of this community while applying a mixed methodology of linguistic discourse analysis and cultural studies. The book is aimed at researchers and students in the fields of applied linguistics, popular music, media, communication and cultural studies. More info here.

Schedule:
18:00-18:50 – Anita Jóri: The Discourse Community of Electronic Dance Music (with a Q&A), Presentation language: English
18:50-19:00 – break
19:00-20:00 – Panel on Musik & Marken (with a Q&A), Panel in German
20:00- drinks & talk with the authors

London Underground: Private Nachverdichtung nach unten

London ist eine Stadt der Reichen und Superreichen und noch unverstellbar reicheren Menschen, aber auch denen geht manchmal der Platz zuhause aus. Was kann man tun, wenn sich das Haus nicht nach oben oder in der Breite erweitern lässt? Bleibt die Möglichkeit, nach unten zu bauen, seinem Keller weitere Etagen zu spendieren und diese (luxuriös) auszustatten.

Screenshot: Vox.

Das Videomagazin Vox hat den britischen Soziologen Roger Burrows befragt, der unter dem Titel „Bunkering down? The geography of elite residential basement development in London“ eine wissenschaftliche Studie zu dem Phänomen erarbeitet hat (in Koautorschaft). In der Studie wird zwischen verschiedenen Typen von Luxuskellern unterschieden: standard, large, mega.

Image: Burrows, Graham, Wilson.

Das Video bereitet die Luxus-Nachverdichtung nach unten gut auf:

Drei Dimensionen technischer Reproduzierbarkeit

Seitdem ich Walter Benjamins Kunstwerk-Aufsatz im Studium gelesen hatte, war ich fasziniert davon. Sicherlich hat er auch mein Interesse für alles Kopierbare (mit-)befeuert und damit seinen Teil zu meiner Dissertation zum Sampling beigetragen.

Allerdings habe ich mich immer gefragt, ob Benjamins Grundidee von der technischen Reproduzierbarkeit nicht zu eng gefasst ist und erweitert werden könnte. Meine theoretische Idee der Ausdifferenzierung von drei Dimensionen technischer Reproduzierbarkeit will ich hier mal verbloggen, vielleicht regt es ja die Diskussion an.

Technische Reproduzierbarkeit in drei Dimensionen

Technische Reproduzierbarkeit meint in Anlehnung an Walter Benjamins einschlägigen medientheoretischen Text „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ die gesellschaftliche Verfügbarkeit von Technologien, mit denen sich Kopien von (im)materiellen Objekten herstellen lassen.

Benjamin hatte dabei etwa den Offsetdruck, die Fotografie, das Grammophon oder den Film im Sinn, als er in den 1930er Jahren seinen Text veröffentlichte – digitale Kopiertechnologien, Speichermedien oder das Internet waren für ihn freilich noch außer Sichtweite.

Sein Verständnis von Reproduzierbarkeit ist grundsätzlich plausibel, größtenteils aber eher implizit und lässt daher Raum zur Weiterentwicklung. Eine explizite qualitative Bestimmung verschiedener Dimensionen technischer Reproduzierbarkeit bleibt Benjamin schuldig.

Reproduktion als Repräsentation, Replikation und Referenz

Drei Dimensionen lassen sich meiner Wahrnehmung nach unterscheiden: Die Tiefe der Repräsentation (Abbildungstreue), Breite der Replikation (Vervielfältigungsgrad) und die Höhe der Schöpfung (Ausstattung mit Referentialität).

(1) Technische Reproduzierbarkeit meint zunächst Repräsentationstiefe und damit die Frage: Wie gut kann eine Fotografie, eine Zeichnung oder ein Video ein Objekt visuell abbilden? Wie gut können Klänge, Töne und Musik als auditive Daten eingefangen, auf einem Träger gespeichert und wiedergegeben werden, etwa ohne Klangverlust oder Störgeräusche?

Technische Reproduzierbarkeit operiert also auf der Ebene der Repräsentation und bezeichnet dabei, wie gut eine Kopie ihr Original wiedergibt. Der Grad der Repräsentationstiefe bemisst sich also an der Werktreue: Je tiefer die Repräsentation, desto originalgetreuer die Reproduktion. In der Darstellung ist diese Dimension mit der Lateralen markiert.

(2) Technische Reproduzierbarkeit bezieht sich zweitens auf die Replikationsbreite: Wenn eine Repräsentation eines Objekts in der Welt ist, wie schnell und breit können Replikationen davon produziert und verteilt werden? Digitale Kopien etwa sind dank der Verbreitung durch das Internet praktisch in Sekundenschnelle einmal um den Globus transferiert: Ohne Qualitätsverlust oder besonders hohe Kosten können digitale Kopien seriell vervielfältigt werden.

Die Replikationsbreite ist aber nicht nur im digitalen Raum relevant, sondern natürlich auch bei materiellen Trägern wie etwa CDs, Videokassetten oder Büchern zu finden. Die Darstellung sieht für diese Dimension die Horizontale vor.

(3) Technische Reproduzierbarkeit zeigt sich schließlich in dem, was juristisch als Schöpfungshöhe bezeichnet wird: Im Urheberrecht ist damit der Grad der Eigenständigkeit angesprochen, den ein ästhetisches Werk erreicht, das in Referenz zu einem anderen Werk entsteht, etwa durch variierende oder rekombinierende Verfahren wie beispielsweise Remix, Zitat, Montage oder Cut-up.

Je weiter sich ein referenzielles Werk von seinen originalen Vorlagen löst, desto mehr Schöpfungshöhe und Eigenständigkeit erreicht es. Die Schöpfungshöhe ist je nach Kunstgattung variabel, in jedem ästhetischen Genre gibt es Vorstellungen davon, was als eigenständige Kopie gilt und wie stark ausgeprägt Referenzen zu anderen Werken sein dürfen – oder müssen (noch eine Kopie oder schon ein Original?). In der Darstellung ist diese Dimension technischer Reproduzierbarkeit in der Vertikalen angesiedelt.

Drei Dimensionen technischer Reproduzierbarkeit, Georg Fischer, CC BY-4.0.

Abbildung: Drei Dimensionen technischer Reproduzierbarkeit, Georg Fischer, CC BY-4.0.

Entfernungen vom „Hier und Jetzt des Originals“

Wie in der Abbildung vorgeschlagen, lassen sich die drei Dimensionen technischer Reproduzierbarkeit räumlich darstellen. Das hat den Vorteil, historische Steigerungs- und Entwicklungsdynamiken technischer Reproduzierbarkeit sich bildlich vor Augen zu führen und einzelne Reproduktionsakte als Wandern durch den dreidimensionalen Raum zu verstehen.

Gemeinsam ist den drei Dimensionen technischer Reproduzierbarkeit, dass sie Bewegungen weg von dem „Hier und Jetzt des Originals“ (Benjamin, S. 12) bedeuten: Kopien entfernen sich in reproduzierter Form von ihrem Ursprung und können dadurch Eigenleben entwickeln.

Jeder historisch signifikante Schub technischer Reproduzierbarkeit – darunter etwa Buchdruck, Klangspeicherung oder digitale Vernetzung via Internet – bedeutet einen relativen Kontrollverlust für zeitlich und örtlich gebundene Originale, die sich als Kopien mehrdimensional verselbständigen können.

Das Urheberrecht reagiert auf solche Schübe technischer Reproduzierbarkeit, insofern sich regelmäßig Diskussionen um Fragen der Autorschaft, der Werkvergütung oder der Legalität von Kopien nach sich ziehen. Das bedeutet: Technische Reproduzierbarkeit ist nicht statisch, sondern historisch höchst dynamisch und zieht rechtliche (Re-)Konfigurationen nach sich.

Programm und Anmeldung: Symposium zu Verwertungsgesellschaften am 24.9.2021

Monopole im medienindustriellen Komplex? Verwertungsgesellschaften gestern, heute, morgen: So lautet der Titel eines Online-Symposiums, das am Freitag, 24. September 2021, ab 13 Uhr stattfindet.

Organisiert wird die Veranstaltung von Georg Fischer, Malte Zill und Stephan Klingner in Zusammenarbeit mit der GMM. Das Symposium schließt an den Workshop im März 2021 an.

Weitere Informationen zum Programm und Anmeldemöglichkeit:

Monopole im medienindustriellen Komplex? Verwertungsgesellschaften gestern, heute, morgen

Online-Symposium, Freitag, 24. September 2021

Verwertungsgesellschaften – wie GEMA, VG Wort oder VG Bild-Kunst – sind einflussreiche Interessensvertreterinnen und als Verteilerinnen von Ressourcen von zentraler Bedeutung für Kreative in Musik, Film, Wissenschaft, Literatur, Kunst oder Fotografie. Obwohl die Bedeutung und die Tätigkeitsbereiche von Verwertungsgesellschaften stetig gewachsen sind – und nicht zuletzt durch die jüngst in Deutschland umgesetzte europäische Urheberrechtsreform vermutlich wachsen wird – stellen Studien zu Organisationsformen, Wandel und Effekten von Verwertungsgesellschaften weiterhin ein Desiderat dar. Das Symposium „Monopole im medienindustriellen Komplex? Verwertungsgesellschaften gestern, heute, morgen“ nimmt sich dieser Forschungslücke aus interdisziplinärer Perspektive an.

Zu Beginn der Veranstaltung wird die Historikerin Monika Dommann (Universität Zürich) ihre 2014 veröffentlichte Habilitationsschrift Autoren und Apparate. Eine Geschichte des Copyrights im Medienwandel zur Diskussion stellen. In diesem Buch beschreibt Dommann die andauernden Konflikte um den Schutz geistigen Eigentums durch die Etablierung technischer Innovationen und erkennt dabei erstmals auch die Verwertungsgesellschaften als wesentliche Interessensvertreterinnen und damit als Konfliktpartei in den Auseinandersetzungen. Die 2019 in englischer Übersetzung erschienene Studie kann damit durchaus als Initialzündung der Verwertungsgesellschaftsforschung angesehen werden.

Im zweiten Teil der Veranstaltung werden weitere Perspektiven auf Verwertungsgesellschaften präsentiert: Christine Fischer (unabhängige Forscherin, Basel) wird den Zusammenhang des Urheberrechts und die Entstehung der ersten Verwertungsgesellschaften mit Zensur- und Genderfragen in Paris in der Mitte des 19. Jahrhunderts beleuchten. Sabine Richly (Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf) wird die gegenwärtigen Herausforderungen der Verwertungsgesellschaften durch die Digitalisierung und mögliche Antworten der Gesellschaften im Bild/Ton-Bereich thematisieren.

Die interdisziplinäre Tagung „Monopole im medienindustriellen Komplex? Verwertungsgesellschaften gestern, heute, morgen“ ist die Fortsetzung eines zweitägigen Online-Workshops, der im März 2021 durchgeführt wurde. Dort wurden bereits übergreifende Thesen zu Verwertungsgesellschaften sowie spezifische Fälle und Studien einzelner Verwertungsgesellschaften diskutiert. Die Ergebnisse werden Anfang 2022 in einer gemeinsamen Publikation veröffentlicht.

Die Veranstaltung wird online durchgeführt. Interessierte sämtlicher Fachrichtungen sind ausdrücklich zur Teilnahme eingeladen. Die Veranstaltung ist kostenfrei, wir bitten jedoch um eine kurze Anmeldung unter vg.forschung@gmail.com.

Programm:

13:00 – 13:15    Begrüßung Malte Zill / Georg Fischer / Stephan Klingner

13:15 – 14:15    Monika Dommann (Universität Zürich) im Gespräch mit Robert Bernsee (Universität Göttingen) über ‚Autoren und Apparate‘

– Pause –

14:30 – 15:15    Christine Fischer (unabhängige Forscherin, Basel): Doing gender und doing genius? Musikzensur und -urheberrecht zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Paris

15:15 – 16:00    Sabine Richly (Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf): Digitale Transformation der Text-/Bild-Verwertungsgesellschaften. Die Entwicklung eines angepassten Reifegradmodells

– Pause –

16:30 – 17:00    Planung eines Netzwerks Verwertungsgesellschaftsforschung und Abschlussdiskussion

Sound Diplomacy-Studie „Der Wert der Musik“ erschienen

Zwischen Oktober 2020 und März 2021 habe ich freiberuflich bei der Erstellung der Studie „Der Wert der Musik. Ökonomische Wirkungsanalyse des Musikökosystems“ mitgearbeitet. In Auftrag gegeben wurde die Studie von der Initiative Musik GmbH und dem Musikzentrum Hannover gGmbH. Die Durchführung lag bei Sound Diplomacy.

Das Besondere: Die Studie fokussiert ganz gezielt auch ländliche Regionen, kleinere Städte abseits der Metropolen und ganze Bundesländer. Der Blick richtet sich damit etwas weg von den großen Musikmetropolen, die sowieso meist im Rampenlicht stehen, und hin zum allgemeinen, breiten Wert der Musik in der deutschen Gesellschaft.

Im Zentrum stehen natürlich der wirtschaftliche Wert, die ökonomische Wirkung der Musik und damit auch solche Effekte, die indirekt zum Beispiel über Hörfunk, Instrumentebau oder Tourismus entstehen; aber auch „weiche“, zB soziokulturelle Werte wie kulturelle Teilhabe oder soziale Funktionen der Musik im Alltag wurden untersucht und miteinbezogen.

Finanziert wurde die Studie von den untersuchten Regionen Augsburg, Bremen, Köln, München, Region Hannover, Region Stuttgart und die Länder Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Auf der Karte sieht das so aus:

Die Studie steht kostenfrei als PDF hier zur Verfügung und ich finde das Ergebnis kann sich sehr sehen lassen. Ich bin froh, dass ich Teil des Projekts war und ein wenig mitarbeiten konnte, denn es hat mir viel Freude bereitet mit dem Sound Diplomacy-Team zusammenzuarbeiten und inhaltlich habe ich sehr viel über die Musikwirtschaft und -kultur in Deutschland gelernt! Danke!