Beitrag zum „RUN DMC-Meme“

Zusammen mit Lorenz Grünewald-Schukalla habe ich für die aktuelle Ausgabe der tv diskurs einen kleinen Beitrag zum „RUN DMC-Meme“, wie wir es nennen, verfasst. Es geht darum, wie das Gestaltungsmuster des RUN DMC-Logos (oben/unten Balken, zwei Reihen Schriftzug, rot-schwarz-weißes Design), das ursprünglich in den 1980ern von Stephanie Nash entworfen wurde, sich immer mehr von seinem Ursprung entfernt und von allen möglichen Gruppen benutzt wird: Darunter nicht nur Hip Hop-Partyflyer oder „FCK AFD“-Sticker von DIE PARTEI, sondern leider auch Nazis mit verfassungsfeindlichen Symbolen und Botschaften. Darauf möchten wir aufmerksam machen und zeigen, wie der Kampf um politische Vorherrschaft auch im öffentlichen Alltagsraum stattfindet.

Zum Beitrag „Memes als niedrigschwellige politische Praxis“ in tv diskurs 92. Auch verfügbar als PDF.

Auf unserem Tumblr dmcpics sammeln wir Exemplare in freier Wildbahn.

 

Tagungsbericht: „Tipping Points“-Konferenz zu Freiheit und Restriktion im Urheberrecht (Februar 2020)

Im Februar 2020 fand im Berliner Weizenbaum-Institut in Kooperation mit dem Fachausschuss „Urheberrecht“ der GMM die interdisziplinäre Urheberrechtstagung „Tipping Points“ statt. Das Programm der Tagung gibt es hier als PDF zum Download.

An zwei Tagen diskutierten wir interdisziplinär und sehr ertragreich die verschiedenen Aspekte des Verhältnisses von Freiheit und Restriktion im Urheberrecht.  Sampling war ein sehr wichtiges Thema (insb. „Metall auf Metall“), insgesamt vier Vorträge beschäftigten sich damit. Daneben spielten auch Verwertungsgesellschaften wie die GEMA, Kreativitätsvorstellungen in Musik und Literatur, neue Plattformen wie TikTok, die EU-Reform des Urheberrechts sowie zahlreiche andere Themen eine Rolle.

Vor kurzem haben Antonia Feneberg und Zoé Zloch für telemedicus.info einen Tagungsbericht verfasst, den ich an dieser Stelle als Nachlese empfehlen möchte. Vielen Dank dafür!

 

Interview bei Deutschlandfunk Kultur

Gestern war ich bei Deutschlandfunk Kultur in der Sendung „Tonart“ zu Gast und durfte mit Oliver Schwesig über mein Buch zu Urheberrecht und Sampling sprechen, das kürzlich beim Büchner-Verlag erschienen ist. In dem Gespräch ging es natürlich auch um die unendliche Geschichte um das „Metall auf Metall“-Sample von Kraftwerk, das Moses Pelham für „Nur mir“ 1997 verwendet hat und das seitdem alle Gerichtsinstanzen bis hinauf zum Bundesverfassungsgericht und dem Europäischen Gerichtshof beschäftigt. Aber hört selbst, ich hab das Interview mitgeschnitten und verletzte nun durch’s Hochladen des MP3 vermutlich das Leistungsschutzrecht von Deutschlandfunk Kultur… 😉

Klick: Interview Tonart 06.02.2020

Edit: Mittlerweile hat Deutschlandfunk Kultur das Interview auch in seine eigene Mediathek geladen.

Fresh from the Press: „Sampling in der Musikproduktion“ (Büchner-Verlag 2020)

Hervorgehoben

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Vor kurzem ist meine Studie, die ich zwischen 2015 und 2018 am Graduiertenkolleg „Innovationsgesellschaft“ am Institut für Soziologie der TU Berlin durchgeführt habe, erschienen: und zwar beim Büchner Verlag als klassisches Buch sowie als frei verfügbares Open Access-PDF. Das Vorwort hat freundlicherweise Leonhard Dobusch beigesteuert, worüber ich mich sehr freue.

Wer eine kurze Einführung in meine Arbeit bzw. eine Zuspitzung einer Thesen aus der Studie lesen will: Bei iRights.info gibt es einen entsprechender Artikel zum Thema. Für die ausführliche Fassung empfehle ich das Buch.

Sampling in der Musikproduktion

Das Spannungsfeld zwischen Urheberrecht und Kreativität

384 Seiten, 14,5 x 20,5 cm, kartoniert
ISBN 978-3-96317-190-1 (Print)
34,00 € (Print)
ISBN 978-3-96317-721-7 (ePDF)
27,00 € (ePDF)Büchner-Verlag, Marburg, erschienen am 22. Januar 2020.
Mit einem Vorwort von Leonhard Dobusch

20 Jahre Streit um eineinhalb Sekunden kopierte Musik? Die Auseinandersetzung im Fall »Metall auf Metall« zwischen der Musikgruppe Kraftwerk und dem Komponisten Moses Pelham beschäftigte 2019 sogar den Europäischen Gerichtshof. Sie zeigt, dass das Urheberrecht zu einem gesellschaftlichen Streitthema geworden ist, das sich aus der Nische des künstlerischen Bereichs in den Alltag nahezu aller Menschen gedrängt hat. Dieser Prozess lief nicht unbemerkt von der Wissenschaft ab und dennoch ist diese gerade erst dabei, die Implikationen und Effekte dieser urheberrechtlichen Ausdehnung genauer zu verstehen.

Der Soziologe Georg Fischer liefert die erste empirische Studie zum Sampling in der Musik, die explizit den Einfluss des deutschen Urheberrechts auf die kreative Praxis untersucht. Er zeigt die Fülle und Vielfalt an kreativen Umgehungsstrategien, die sich im Schatten des Urheberrechts ausgebreitet und verankert haben – und mit denen die Künstler_innen die eigene Sichtbarkeit sowie die ästhetische Komplexität und monetäre Verwertung ihrer Werke notgedrungen einschränken.

CfP: „Tipping Points“ – Zum Verhältnis von Freiheit und Restriktion im Urheberrecht, Februar 2020 (Berlin)

Zusammen mit meinen Kolleg:innen vom JWI und der GMM organisiere ich im Februar 2020 in Berlin eine Tagung, die die EU-Urheberrechtsreform genauer unter die Lupe nehmen will. Unsere Perspektive dafür ist interdisziplinär, empirisch informiert sowie theoretisch geleitet. Wer sich für die Tagung #tpp2020 interessiert und etwas einreichen möchte, hier der vollständige Call als PDF: CfP_Tipping_Points_2020.

Interdisziplinäre Fachtagung des Weizenbaum-Instituts für die vernetzte Gesellschaft und des Fachausschusses Urheberrecht der Gesellschaft für Musikwirtschafts- und Musikkulturforschung (GMM).

Am 20. & 21. Februar 2020 in Berlin | Deadline: 15. Oktober 2019

Proteste auf der Straße, auf YouTube oder Twitter, Warnungen vor dem Niedergang der Kreativindustrie, Angst vor Eingriffen in die Meinungsfreiheit, Diskussionen um value gap und upload filter: Nach der Verabschiedung der europäischen Urheberrechtsrichtlinie im März 2019 geht eines der umstrittensten Vorhaben in der Geschichte des Immaterialgüterrechts mit der Umsetzung in den Mitgliedstaaten in die nächste Runde.

Diese Kontroverse ist Symptom einer tiefgreifenden Veränderung: Das Urheberrecht und seine verwandten Schutzrechte betrafen früher nur wenige Akteur:innen in einer überschaubaren Anzahl von Branchen. Heute sind diese Rechte zu einer alltagsrelevanten Größe geworden. Wir haben es mit einer Situation zu tun, in der die Grenze zwischen Nutzenden und Schöpfenden verschwimmt und urheberrechtlich relevante Formen des Ausdrucks alltäglich werden. Digitale Kommunikationskanäle und Darstellungsformen sowie neue Formen der Auseinandersetzung mit Bestehendem stellen einen tipping point, einen Wende- bzw. Kipppunkt dar, an dem das Recht vor neuen Herausforderungen steht und dadurch auch die Prozesse der Normsetzung und Normenreform beeinflusst werden.

Neben dem Konflikt um upload filter oder das Leistungsschutzrecht für Presseverleger:innen stellen sich bei der Urheberrechtsrichtlinie weitere wichtige Fragen: Wie wird sich das Verhältnis von Freiheit und Restriktion fortan entwickeln? Welche kreativen Spielräume und Freiheiten werden zukünftig begrenzt, welche werden eröffnet? Anhand der Denkfigur der tipping points möchten wir derartige Grenzfragen untersuchen und dafür wissenschaftliche Studien und praxisorientierte Ansätze zusammenbringen, um den interdisziplinären Austausch und eine kritische und gleichermaßen empirisch wie theoretisch informierte Urheberrechtsforschung voranzutreiben.

Ausrichtung der Tagung

Tipping points verstehen wir als Wende- oder Kipppunkte, die Freiheit ermöglichen und/oder Restriktion bedingen, an denen etwas Neues entsteht oder ein Prozess eine andere Richtung einschlägt. Ein solches Verständnis von tipping points lässt sich auf das Urheberrecht bezogen in mehreren Dimensionen anwenden:

  1. Tipping points in Theorie und Praxis des Urheberrechts (rechtliche Dimension): Wann und nach welchen Kriterien kippt eine Bearbeitung oder Produktion eines Werks in ein neues Werk? Welche Vorstellungen von Neuheit (Originalität, Schöpfungshöhe, Parodie etc.) werden dafür angebracht und wie verändern sie sich? Wie werden solche Vorstellungen in Gesetzgebungsverfahren, in richterlicher, anwaltlicher aber auch künstlerischer Praxis angewendet und an digitale Gegebenheiten angepasst?
  2. Tipping points als gesellschaftlich-historische Entwicklung (soziale Dimension): Welche neuen oder altgedienten Vorstellungen von Nutzer:innen, Kreativen und künstlerisch Produzierenden lassen sich im Urheberrecht herausarbeiten? Welche Konzepte fehlen und sollten Bestandteil des Urheberrechts werden? Wie haben sich die Konzepte soziohistorisch entwickelt und welche Dominanz haben sie heute? Welche Implikationen für die Kreation, Nutzung und Form ästhetischer Werke ergeben sich aus diesen Vorstellungen
  3. Tipping points als technologischer Treiber (technische Dimension): Welche Technologien, Produkte und industrielle Organisationsformen bedingen neue urheberrechtliche Konfigurationen, Debatten und Einordnungen? Welche Akteur:innen sind an diesen Prozessen zu welchen Anteilen und mit welchen Konsequenzen beteiligt? Welche impliziten oder expliziten Vorstellungen vom Verhältnis von Technik und Recht (z. B. cultural lag) dominieren und prägen diese Prozesse? Wie und wann werden technologische Entwicklungen rechtlich relevant bzw. verrechtlicht?
  4. Tipping points in der akademischen Praxis (wissenschaftliche Dimension): Inwiefern wird die urheberrechtliche Debatte in der Wissenschaft von sozialen, politischen und technischen Entwicklungen getrieben? Wie beeinflusst das Urheberrecht die Formen und Möglichkeiten datenbasierter Wissenschaft? Welche Rolle spielen Fördermaßnahmen zum Forschungsdatenmanagement oder die Nutzung offener Infrastrukturen? Wie verändert sich die öffentliche Kommunikation von Wissenschaft, beispielsweise durch Blogs, Social Media oder Schattenbibliotheken?

Ziel der Tagung

Das Ziel der Tagung besteht darin, verschiedene solcher tipping points zu identifizieren, ihre aktuelle und zukünftige Relevanz sowie ihre gegenseitigen Verbindungen zu diskutieren. Damit möchten wir der interdisziplinären Debatte um das Urheberrecht neue Impulse verleihen. Folgende Felder und Fälle könnten unter anderem für unser Vorhaben interessant sein:

  • Urheberrechtliche Grenzen der Gemeinfreiheit
  • Die neue Rolle des Leistungsschutzrechtes auf Europäischer Ebene
  • Neue Werkgattungen und neue Formen von Urheberschaft
  • Verwischung der Grenzen von Nutzer:innen und Urheber:innen
  • Konsequenzen und empirische Analysen zur EU-Urheberrechtsreform
  • Auswirkungen rechtlicher Neuordnungen auf Plattformangebote
  • Urheberrecht und Automatisierung: Filtertechnik & automatische Rechtsdurchsetzung
  • Reformdruck im Urheberrecht durch technologische Entwicklung
  • Open data und die Digitalisierung wissenschaftlicher Medienpraktiken
  • Open access und die ökonomische Verwertung wissenschaftlichen Wissens

Einreichungen

Die Tagung versteht sich als interdisziplinäres Arbeitstreffen und soll dezidiert Raum zur Diskussion und zur Weiterentwicklung von Ideen schaffen. Geplant sind daher zehnminütige Impulsvorträge basierend auf vorab eingereichten Working Papersmit anschließender strukturierter Diskussion. Wir freuen uns auf Einreichungen aus den Rechtswissenschaften, der Soziologie, den Medien-, Kultur- und Musikwissenschaften, den Informations- und Bibliothekswissenschaften sowie angrenzenden Bereichen.

  • Bitte reichen Sie auf Ihrem geplanten Paper basierende Abstracts(maximal 400 Worte und Literaturangaben) sowie eine kurze biografische Notiz (ca. 100 Worte) bis zum 15. Oktober 2019 unter fa-urheberrecht@musikwirtschaftsforschung.de ein.
  • Bis spätestens zum 15. November 2019 erhalten Sie Rückmeldung.
  • Die akzeptierten Beiträge sind bis zum 15. Januar 2020 als Working Paper (2500-5000 Worte) auszuarbeiten und werden als Diskussionsgrundlage für die Tagung den Teilnehmer:innen zur Verfügung gestellt.
  • Eine anschließende Publikation ausgewählter Beiträge in einem interdisziplinären und via open access zugänglichen Sammelband ist geplant.
  • Ggf. besteht die Möglichkeit einer Übernahme von Reise- und Übernachtungskosten.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an das Organisationsteam unter:

fa-urheberrecht@musikwirtschaftsforschung.de

Sophie Beaucamp, LL.M., Rechtswissenschaften, Weizenbaum Institut / HU Berlin
Dr. Sarah-Mai Dang, Medienwissenschaft, Philipps Universität Marburg
PD Dr. Frédéric Döhl, Deutsche Nationalbibliothek (für die DSM-RL-Themenkomplexe TDM und vergriffene Werke)
Lorenz Grünewald-Schukalla, Kommunikationswissenschaft, HIIG Berlin
Georg Fischer, Soziologie, TU Berlin
Konstantin Hondros, Soziologie, Universität Duisburg-Essen
Dr. Henrike Maier, Rechtswissenschaften
Simon Schrör, Soziologie, Weizenbaum Institut / HU Berlin
Dr. Holger Schwetter, Musikwissenschaft

Organisation:Fachausschuss Urheberrecht der Gesellschaft für Musikwirtschafts- und Musikkulturforschung (GMM) zusammen mit dem Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft

Seit seiner Gründung im September 2015 diskutieren die Mitglieder des Fachausschusses Urheberrecht der GMM die vielfältigen Dimensionen und Konsequenzen des technologisch-rechtlich-sozialen Wandels. Dem vielfältigen Problembereich entsprechend ist der Ausschuss interdisziplinär zusammengesetzt: er bringt rechtswissenschaftliche, sozial- und organisationswissenschaftliche sowie musik-, kultur- und medienwissenschaftliche Perspektiven zusammen. Gleichermaßen suchen und fördern wir auch den Austausch mit Akteur:innen aus der Praxis, der Medienindustrie, dem Bibliothekswesen und der Kreativbranche, um die engen Grenzen rein juristischer Diskurse zum Urheberrecht zu überwinden. (Link: http://musikwirtschaftsforschung.de/?page_id=443)

Das Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft – Das Deutsche Internet-Institut ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes Verbundprojekt aus Berlin und Brandenburg. Das Weizenbaum-Institut erforscht interdisziplinär und grundlagenorientiert den Wandel der Gesellschaft durch die Digitalisierung und entwickelt Gestaltungsoptionen für Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Ziel ist es, die Dynamiken, Mechanismen und Implikationen der Digitalisierung besser zu verstehen. Hierzu werden am Weizenbaum-Institut die ethischen, rechtlichen, ökonomischen und politischen Aspekte des digitalen Wandels untersucht. Damit wird eine empirische Grundlage geschaffen, die Digitalisierung verantwortungsvoll zu gestalten. Um Handlungsoptionen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu entwickeln, verknüpft das Weizenbaum-Institut die interdisziplinäre problemorientierte Grundlagenforschung mit der Exploration konkreter Lösungen und dem Dialog mit der Gesellschaft. (Link: https://weizenbaum-institut.de/)

Verwertungsgesellschaften in Deutschland – Eine Übersicht

Dies ist ein Post zu meinem Forschungsblog „OpenVG“. Das Blog begleitet und dokumentiert ein Forschungsprojekt, das ich 2018/19 im Rahmen des Fellowshops „Freies Wissen“ durchführe.

7. Dezember 2018

Um mir einen grundlegenden Eindruck von der Organisationsform VG zu verschaffen, habe ich eine Übersicht deutscher VGen angelegt. Diese Liste baut auf der Übersicht des Deutschen Patent- und Markenamtes (DPMA) auf, die VGen in Deutschland zulässt und kontrolliert.

Eine Besonderheit der Organisationsform VG besteht darin, dass es sich im Grunde um monopolistische Organisationen handelt, die sich auf einen Spezialbereich kollektiver Rechtewahrnehmung konzentrieren. Dies zeigt sich im Bereich der Musik beispielsweise an der Aufteilung von Urheber- und Leistungsschutzrechten, die in Deutschland durch die GEMA bzw. GVL vorgenommen werden. Daneben gibt es die GWVR, die sich um die Wahrnehmung von Veranstaltungsrechten kümmert. Es ist daher für Kreative möglich (und in vielen Fällen auch sehr sinnvoll!), Mitglied mehrerer VGen zu sein.

Die Funktion einer VG besteht im Wesentlichen darin, die Rechte von Urheber:innen kollektiv wahrzunehmen. Das meint vor allem urheberrechtliche Schutzrechte. Produziert man also Werke im Sinne des Urheberrechts, kann man eine VG per Wahrnehmungsvertrag damit beauftragen, eine Beteiligung an einer Werknutzung zu erhalten.

Hat man beispielsweise ein Stück geschrieben, das im Radio läuft, fallen für den Sender Lizenzkosten an, die die GEMA treuhändisch eintreibt und nach Abzug eines Verwaltungsbetrags an die jeweiligen Urheber:innen wieder ausschüttet. Eine VG ist aus diesem Grund heraus immer eine Interessensgemeinschaft: Je mehr Mitglieder eine VG hat und je stringenter ihre Organisation ist, desto besser ist ihre Verhandlungsposition gegenüber den Lizenznehmer:innen (im Beispiel: Radio- und Sendeunternehmen), was wiederum den Urheber:innen zu Gute kommt.

Das ist freilich eine stark vereinfachte Darstellung. Das Aufgabenspektrum und die Struktur einer VG ist in der Regel weitaus komplizierter; gerade wegen der Verteilungsschlüssel, nach denen eine VG ausschüttet, gibt es daher regelmäßig Streit. Und wegen der monopolistischen Situation, in der die Pfründe verteilt sind, gibt es bei vielen VGen Informationsklüfte, denen die VGen mit Öffentlichkeitsarbeit versuchen entgegenzuwirken. Um beispielsweise ihre Aufgabe einem breiten Publikum zu erklären, hat die GEMA vor ein paar Jahren einen Imagefilm produziert, der auch auf den Gründungsmythos der SACEM (sog. „Zuckerwasserprozess“) Bezug nimmt.

VGen unterstehen in Deutschland allesamt dem DPMA. Ihre Arbeit können VGen in Deutschland erst aufnehmen, wenn sie die vergleichsweise hohen Hürden des DPMA-Zulassungsverfahrens erfolgreich absolviert haben. Das 2016 in Kraft getretene, neue Verwertungsgesellschaftengesetz (VGG) legt daher auch besondere Transparenzregelungen fest. Jede VG wird dazu verpflichtet, jährlich einen Transparenzbericht zu veröffentlichen, in dem unter anderem Einnahmen und Ausgaben dokumentiert und öffentlich einsehbar sind.

Die folgende Tabelle stellt eine Übersicht dar, in dem auch das Haushaltsvolumen der jeweiligen VGen aufgeführt ist. Die Informationen sind dem Jahresbericht 2017 des DPMA entnommen (hier S. 50/51). Noch konnte ich nicht alle Informationen recherchieren, aber ich werde sie im Laufe meiner Forschung kontinuierlich ergänzen.

Kürzel Name gegründet/ zugelassen Mitglieder Mitglieder-Info Haushaltsvolumen 2016 in EUR (Quelle: DPMA)
GEMA Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, rechtsfähiger Verein kraft Verleihung 1902 72.518 Stand: 2017, Jahrbuch S. 40 1.024.350.000
GVL Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten mbH 1959 154.289 davon ca. 140.000 Künstler und 10.000 Tonträgerhersteller 271.733.000
VG WORT Verwertungsgesellschaft WORT, rechtsfähiger Verein kraft Verleihung 1958 550.342 Stand: 2017, Geschäftsbericht 188.275.000
VG Bild-Kunst Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst, rechtsfähiger Verein kraft Verleihung 1968 56.000 Stand: unklar 70.943.000
VG Media Gesellschaft zur Verwertung der Urheber- und Leistungsschutzrechte von Sendeunternehmen und Presseverlegern mbH 1997 35.000 Stand: unklar 43.276.000
AGICOA AGICOA Urheberrechtsschutz-Gesellschaft mbH 1981 12.944 Stand: 2012 21.315.000
VFF Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten mbH aktuell unklar „Berechtigte der VFF sind die deutschen Auftragsproduzenten sowie die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF, die Werbetöchter der ARD und private Fernsehveranstalter, u.a. RTL, Sport1, VOX, RTL II und einige regionale Fernsehveranstalter.“ 19.481.000
GWFF Gesellschaft zur Wahrnehmung von Film- und Fernsehrechten mbH 1982 aktuell unklar 11.985.000
VGF Verwertungsgesellschaft für Nutzungsrechte an Filmwerken mbH 1981 aktuell unklar 6.535.000
VG Musikedition Verwertungsgesellschaft Musikedition, rechtsfähiger Verein kraft Verleihung 1966 aktuell unklar 5.812.000
GÜFA Gesellschaft zur Übernahme und Wahrnehmung von Filmaufführungsrechten mbH 1976 aktuell unklar 4.001.000
TWF Treuhandgesellschaft Werbefilm mbH 2008 aktuell unklar 848.000
C3S Cultural Commons Collecting Society SCE mit beschränkter Haftung (C3S SCE) 2018 aktuell unklar 0
GWVR Gesellschaft zur Wahrnehmung von Veranstalterrechten mbH 2014 aktuell unklar 0

Suchen, Sammeln, Sortieren: Platten vs. Bücher

Vor kurzem habe ich einen Blogeintrag verfasst, um Plattencover mit Milk Crates und vollen Plattenregalen zu sammeln, weil mich interessiert hat, wie die Haltung hinter samplingbasierter Musik visuell vermittelt wird. Dank der Hilfe vieler Menschen konnte ich über 30 Cover zusammentragen: Danke an dieser Stelle nochmal an Euch!

So ähnlich wie DJs und Producer sich vor ihren Crates fotografieren lassen und damit ihr kreatives Chaos zwischen unzähligen von Platten zeigen, aus denen sie sorgsam auswählen und die sie über Jahre hinweg angesammelt haben, so sind auch Fotos von Schriftstellern und Philosophen, also Leuten, die viel lesen und schreiben.

Ich habe hier auch mal ein paar zusammengetragen. Wie immer gilt: wer noch mehr so Aufnahmen kennt, gerne rüberfaxen, danke!

Interessante Homestory mit Jürgen Habermas bei Suhrkamp mit Interview über seine Bibliothek. Ein Foto daraus:

Jürgen Habermas Bibliothek (c) Suhrkamp Verlag

 

Peter Glaser hat für die NZZ einen sehr interessanten Artikel über den Büchersammler Umberto Eco geschrieben. Das Sammeln, Akkumulieren von Schriften und die Bibliophilie spielen auch „Der Name der Rose“, vermutlich Ecos bekanntester Roman, eine zentrale Rolle. Ein anderes Buch von Eco heißt „Die Kunst des Bücherliebens“ .

Ein Foto aus dem NZZ-Artikel:

Umberto Eco (c) Imago

Eine Fotocollage von Ecos Bibliothek aus diesem polnischen Artikel hier.

biblioteka należąca do Eco (c) ?

Ulrich Beck mit Schreibmaschine: Weniger Bücher, mehr Papierkram. Foto aus diesem Artikel.

Ulrich Beck (c) Regina Schmeken

 

Nachtrag 19. April 2018: Zwei Bücherbergsteigerbilde:

Stefan Porombka an seiner Bücherwand © Jan Philip Welchering für DIE ZEIT; Danke Oskar Piegsa

 

Jean Piaget in seinem Büro. (c) Piaget Foundation (vermutlich); danke Benni Angerer!