Von Copy & Paste zu Drag & Drop: Elemente per Smartphone direkt in die Bildbearbeitung übernehmen

Technische Reproduzierbarkeit, also die Möglichkeiten des Kopierens und Einfügen von Elementen, fasziniert mich stark. Nicht nur von Klängen und Tönen wie beim Sampling, sondern auch von Visuellem. Daher hat mich dieses Video gleich interessiert: Es zeigt eine neue Technologie namens „AR Cut & Paste“ (Github-Link), mit der sich via Smartphone Objekte digitial fotografieren, freistellen und dann drahtlos in Photoshop an beliebiger Stelle einfügen lassen (Entwicklung: Cyril Diagne). Gerade für schnell Entwürfe und Basteleien ist eine Technologie mit dieser „Drag & Drop“-Mechanik von Interesse. Noch kenne ich keine Erfahrungsberichte, aber die werden mit Sicherheit bald folgen, genauso wie die urheberrechtlichen Verwicklungen. Derweil hier ein Video, das ich hier gefunden habe.

Wie die digitale Remixkultur unser Verständnis von Originalität verändert

Bei iRights.info, dem Webmagazin für „Urheberrecht und kreatives Schaffen in der digitalen Welt“, ist diese Woche ein Text von mir zu Daft Punks „Get Lucky“ erschienen. Anhand zahlreicher Beispiele zeige ich, wie das Lied zum Hit wurde – nämlich durch kreative Kopien. Aus einem wenige Sekunden langen Sample wurden tausende Fan-Remixes geschaffen, die vermutlich die beste Werbung für das Original waren. Wie das genau ablief, kann man bei iRights nachlesen und -hören. Danke an David Pachali für die Redaktion.

Daft Punk - Get Lucky

Deutschlandfunk über die Forschergruppe „Ethik des Kopierens“ (19.5.2016)

Eine Woche nach der Spring School zum Thema „Ästhetik und Ethik des Kopierens“ am ZiF Bielefeld gibt es beim Deutschlandfunk einen Beitrag über die Arbeit der Forschergruppe „Ethik des Kopierens“. Der Aufmacher des Beitrags ist der Streit zwischen Kraftwerk und Moses Pelham, der sich um ein 1,5 Sekunden langes Sample aus Kraftwerks Stück „Metal on Metal“ von 1977 dreht. Derzeit wird der Fall bzw. die Verfassungstreue des BGH-Urteils von 2012 hinsichtlich der Kunstfreiheit vor dem Bundesverfassungsgericht verhandelt. Ein Urteil wird am 31. Mai, also schon in knapp zwei Wochen verkündet. Am Anfang des Beitrags bin ich kurz mit einem Statement zu hören, danach wird die Arbeit der Forschergruppe näher besprochen. Es geht um die ethische und auch künstlerische Frage: wann ist Kopieren erlaubt und wann nicht?

Der Beitrag zum Nachhören:

 

Spring School „Ästhetik und Ethik des Kopierens, ZiF Bielefeld

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Vom 9. bis 13. Mai 2016 findet am ZiF Bielefeld eine Spring School der DFG-Forschergruppe „Ethik des Kopierens“ statt, an der ich teilnehmen und meine Arbeit in zwei Vorträgen präsentieren darf. Hier verlinkt das Programm.

Ich zitiere/kopiere mal einen Ausschnitt aus dem offiziellen Text der Forschergruppe, da ich ihn sehr anschaulich und anregend finde. Passt natürlich auch super zu meinen Forschungsthemen und -interessen.

Das Kopieren von Dingen oder Verhaltensweisen ist aus dem menschlichen Leben nicht wegzudenken. Es ist unerläßlich für individuelle und gesellschaftliche Lernprozesse, kulturelle Entwicklung und erfolgreiches Wirtschaften. Und es ermöglicht Demokratisierungsprozesse, indem Kulturgüter und relevante Informationen weithin zugänglich werden.

In welchen Fällen und in welchem Ausmaß es legitim oder illegitim sein mag, ein Artefakt, eine Idee, bestimmte Aspekte der körperlichen Erscheinung eines Menschen oder auch bestimmte Formen des Verhaltens von jemandem zu kopieren, ist jedoch vielfach strittig – wie auch die Frage, wer wem gegenüber das Recht haben sollte, Forderungen zu erheben, die auf eine Einschränkung oder die Unterbindung bestimmter Akte oder Arten des Kopierens abzielen. Annahmen über die Legitimität verschiedener Kopierpraktiken sowie von Weisen des Umgangs mit Kopien sind in verschiedenen Kulturen teilweise sehr unterschiedlich ausgeprägt, durch technische Entwicklungen sowie durch religiöse, politische und ökonomische Faktoren bedingt und historischem Wandel unterworfen.

Das wichtigste normative Instrument zur Regulierung des Kopierens in modernen Gesellschaften ist das Recht, wobei neben dem Urheberrecht bzw. Copyright im engeren Sinn auch das Patent- und Markenrecht, wettbewerbsrechtliche Normen und weitere Rechtsgebiete relevant sind. Immer größer wird jedoch die Kluft zwischen dem geltenden Recht und gesellschaftlich verbreiteten moralischen Überzeugungen hinsichtlich der Legitimität des Kopierens. Das Urheberrecht und die ihm benachbarten Rechtsgebiete verlieren deshalb national und international an Akzeptanz. Der Übergang von einer Gesellschaft, in der das Sacheigentum und die Verfügung über dingliche Artefakte eine zentrale Rolle spielte, hin zu einer Gesellschaft, in der vor allem der Zugang zu elektronischen Daten als entscheidend angesehen wird, verstärkt diese Tendenz.