Wie sich Musikgeschmack entwickelt: Big Data Billboard Charts von 1958 – 2016

Polygraph

Die Seite Polygraph, die sich auf die Visualisierung von großen Datenmengen spezialisiert hat, bietet ein spannendes Feature für alle Popmusik-Historikerinnen. Sozusagen eine „Audioalisierung“. Man kann sich nämlich die Top 1-Platzierungen der Billboard-Charts seit 1958 anhören und die Entwicklung in einer Art Zeitleiste betrachten und anhören. Insgesamt sind nach eigenen Angaben mehr als 22.000 Stücke eingespeist. Dadurch lässt sich graduell, also in kleinen Schritten, die Veränderung der Popmusik nachverfolgen: „How Music Taste evolved“

Doku: Was ist uns Musik noch wert? (BR, 2016)

Schöne Reportage über den Wert der Musik in Zeiten von mp3 und Streaming, die ich auch für iRights.info bereits verlinkt habe.

Michael Bartlewski stellt die Gretchenfrage: Was ist (heute eigentlich noch) der Wert von Musik? Und eine ganze Menge Menschen kommen zu Wort: Spotify, Money Boy, Plattenfirmen, Musiker und Passanten in der Fußgängerzone, etc. Das Ganze ist Teil der Reihe „Die Frage“, parallel zum Video gibt es hier auch einen sehr informativen begleitenden Text bei PULS / BR.

In the Mix (August 2015)

In den letzten Monaten habe ich auf diesem Blog hauptsächlich wissenschaftliche Sachen geposted, vor allem Ankündigungen und Call for Papers von Konferenzen etc. Da ich aber natürlich nach wie vor viel und gerne Musik höre (wenn auch irgendwie insgesamt weniger als noch vor ein paar Jahren) und dies ein bisschen auch ein Musikblog ist, habe ich mal ein paar Links zu coolen Tracks zusammengestöpselt. Das sind alles Tracks, die mich in letzter Zeit geflashed haben. Vielleicht ergeht es Euch ähnlich. Und vielleicht mach ich das an dieser Stelle jetzt öfter.

Gestern Abend bei Freunden zufällig gehört, war auf der Mojo Club Compilation Vol. 7 drauf. Original anscheinend von 1976. Hatte mich spätestens beim Einsetzen der Strings in der Tasche:

 

Hatte von Junktion’s Label schon mal einen Track in einem meiner letzten Sets. Der Tipp kam damals von nem Freund, der was Groove versteht. Seitdem hab ich Junktion auf meinem Radar. Der Track geht ziemlich ins Ohr und der break down/built up ist richtig klasse:

 

Das Album von Maribou State ist vor nicht allzu langer Zeit bei Ninja Tune erschienen und echt nett geworden. Teilweise sehr süßliche Melodien und Vocals, aber immer richtig dosiert und auf die Drums steh ich auch:

 

Vor kurzem ist im skug Magazin mein Bericht/Interview zu/mit Glenn Astro erschienen. Wirklich ein sehr netter Mensch und wie ich finde auch ein herausragender Produzent, der vertrackte und verstolperte Beats mag. Aber: Ein guter Stolperer fällt nicht sofort! 😉

 

Das Jamie XX Album lief im Urlaub und danach ein paar Mal bei mir, hatte es irgendwie echt spät für mich entdeckt. Viele fanden den Opener damals ja bescheuert oder konnten nix damit anfangen – ich finde ihn richtig bombe. UK Hardcore Continuum at its best! Und übrigens auch ein ziemlicher Grower. Und als Intro auch ein Statement.

Konferenzpanel „Urheberrecht, Technologie und künstlerische Produktion“ am 9.9.2015 bei der Konferenz „Die Versprechungen des Rechts“ (Berlin)

Die Versprechungen des Rechts

Die Versprechungen des Rechts

Vom 9. bis 11. September 2015 findet an der Humboldt-Universität zu Berlin die Konferenz „Die Versprechungen des Rechts“ statt. Es ist die mittlerweile dritte Zusammenkunft der deutschsprachigen Rechtssoziologievereinigungen.

Ein Blick auf das umfangreiche Programm verrät, dass es auch ein Panel mit dem Titel „Urheberrecht, Technologie und künstlerische Produktion“  (Session 3D) geben wird. Die Idee dieses Panels ist, juristische und sozialwissenschaftliche Perspektiven auf das Verhältnis von urheberrechtlichen Anforderungen und künstlerischer Produktion zu erhalten. In insgesamt vier Vorträgen und einer gemeinsamen Diskussion sollen die Versprechungen des Urheberrechts ausgelotet und an den praktischen Beispielen von Musik- und Filmproduktion veranschaulicht werden.

Das Panel wird gemeinsam organisiert von Frédéric Döhl (Institut für Musik und Musikwissenschaft, TU Dortmund), Georg Fischer (Graduiertenkolleg Innovationsgesellschaft heute, Institut für Soziologie, TU Berlin), Rike Maier (Alexander von Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft) und Holger Schwetter (Institut für Soziologie, TU Dresden). Es findet statt am 9. September von 16.30 bis 18.00 Uhr.

Programm:

  • Rike Maier: Urheberrecht und Technik am Beispiel von Hosting-Plattformen
  • Frédéric Döhl: Jenseits des Urheberrechts: Zur Figur des Produzenten am Beispiel des Mashup-Genres
  • Georg Fischer: Musik, Verwertung, Gesellschaft – Digitale Musikproduktion zwischen Remix, Rechteklärung und referentieller Kreativität
  • Holger Schwetter: Vom pragmatischen Umgang unabhängiger Musiker mit dem Urheberrecht
  • Gemeinsame Diskussion

Weitere Informationen finden sich hinter diesen Links:

Hauptseite der Konferenz

Abstract des Panels und der einzelnen Vorträge

19.-20. Februar 2015: GfM-Tagung „Treueschwur und Realitätsverlust“, Leuphana Lüneburg

19.-20. Februar 2015: GfM-Tagung „Treueschwur und Realitätsverlust“, Leuphana Lüneburg

Im Februar 2015 findet an der Leuphana Uni in Lüneburg die Jahrestagung der AG „Auditive Kultur und Sound Studies“ (GfM) statt. Ausgerichtet wird die Tagung vom dortigen Institut für Kultur und Ästhetik digitaler Medien. Das Programm findet sich auch hier auf der offiziellen Website der AG.

Treueschwur und Realitätsverlust
Jahrestagung der AG Auditive Kultur und Soundstudies in der
Gesellschaft für Medienwissenschaft
19./20. Februar 2015
((audio)) Ästhetische Strategien
Institut f. Kultur u. Ästhetik Digitaler Medien
Leuphana Universität Lüneburg

Tagungs-Programm

Do, 19.2.2015

13:30 Rolf Großmann & Malte Pelleter (Lüneburg)
Begrüßung und Einführung
»Phonographische Arbeit zwischen auditivem Realismus und Sonic Fictions«

14:00-14:30 Hans-Friedrich Bormann (Erlangen-Nürnberg)
»Farinelli, Moreschi, Farinelli. Zur Mediengeschichte des Sängerkastraten«

14:30-15:00 Christiane Quandt (Berlin)
»Literarische Erinnerungen an die mexikanischen ›radio days‹: ›Las batallas en el desierto‹ (1981) von José Emilio Pacheco«

15:00-15:30 Florian Schreiner (Berlin)
“Low Fidelity & Culture. Beyond The Valley of A Day in The Life (The Residents, 1977)”

15:30-16:00 Kaffee

16:00-16:30 Johannes Ismaiel-Wendt (Hildesheim)
»Vom Unbehagen mit dem sauberen Sound in deutschen Tonstudios«

16:30-17:00 Dominik Schrey (Karlsruhe)
»›Life has Surface Noise‹. Frühe künstlerische Reaktionen auf die Einführung der CD«

17:00-17:30 Georg Fischer (Berlin)
»Musikalische Versionierungspraktiken zwischen kultureller Konsequenz und rechtlicher Realität«

17:30-17:45 Kaffee

17:45-18:15  Sarah-Indriyati Hardjowirogo (Berlin/Lüneburg)
»Von echten Klängen zu realistischen Sounds. Realitätsbezüge in der Geschichte elektronischer Musikinstrumente«

20:00 Essen

Fr, 20.2.2015

09:30-10:00 Daniel Gethmann (Graz)
»Phonische Linien. Zur Genealogie des gezeichneten Klangs auf Schallplatte«

10:00-10:30 Maren Haffke (Bochum)
»Das Reelle und Medien akustischer Täuschung bei Friedrich Kittler«

10:30-10:45 Kaffee

10:45-11:15 Sebastian Schwesinger & Felix Gerloff (Berlin)
»Sonic Materialism? Der epistemische Zugriff auf die materielle Dimension von Klang«

11:15-11:45 Holger Schwetter (Lüneburg)
»GEMA-Alternative? Präsentation der C3S – Ziele und aktueller Stand«

11:45-12:00 Kaffee

12:00-12:30 Jochen Bonz (Innsbruck)
»Realität, Repräsentation, Interpretation: Wirklichkeitsverständnisse der Soundscape-Forschung, volkskundlicher Klangforschung und sonischer Ethnografie«

12:30-13:00 Dmitri Zakharine (London)
»Scream Queens. Treueschwur und Realitätsverlust«

13:00-13:30 Gelegenheit zum gemeinsamen Essen in der Lüneburger Mensa

13:30 Sitzung der AG »Auditive Kultur und Sound Studies«, anschließend: Ende der Tagung

Vier gewinnt! Aktuelle Podcasts zum Themenbereich Sampling, Originalität und Wiederholung

Vier gewinnt! Aktuelle Podcasts zum Themenbereich Sampling, Originalität und Wiederholung

Das Jahr 2014 hat bereits eine Handvoll sehr interessanter und gut gemachter Podcasts hervorgebracht, die von „etablierten“ Häusern produziert wurden und alle – mit verschiedenen Schwerpunkten – um den Themenbereich Sampling, Remix, Mashup, Wiederholung, Loops, Variation, Plagiat, geistiges Eigentum und Urheberrecht kreisen. Diese Entwicklung ist sehr erfreulich, weil sie die Relevanz der Themen auch in einer breiteren Öffentlichkeit diskutiert und damit die engen Grenzen der eigenen „Filterbubble“ verschiebt. Ich möchte diese kleine „Welle“ an Podcasts zum Ausgangspunkt nehmen, um hier eine kurze Sammelbesprechung anzubieten. Die Podcasts empfehlen sich alle vier sehr gut zum Nebenbeihören, z. B. beim Kochen, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder zwischendrin auf der Couch. Trotzdem empfehle ich aus thematischen Gründen mal folgende Reihenfolge:

Die vier Podcast zum Herunterladen, Anhören, Sampeln und Remixen

Beginnen wir mit dem aktuellsten Feature: „Pop will eat itself von Martin Butz, der für Recht auf Remix schon vorab interviewt wurde. Martins Thema ist das Verhältnis von technologischen Möglichkeiten, ästhetischen Anforderungen und urheberrechtlichen Verwicklungen, in dem sich die moderne Musik- und Kunstproduktion derzeit befindet. Anhand zahlreicher Interviews mit Experten aus Wissenschaft, Recht, Kunst und Musik spürt er den Phänomenen „Remix“, „Zitat“ und „Variation“ nach und zeigt an vielen spannenden Beispielen aus der klassischen Musik, dem Pop und weiteren künstlerischen Richtungen die historische Dimension dieser Techniken auf. Sehr unterhaltsam und vielseitig, und damit als Einsteig hervorragend geeignet! Ins Manuskript kann man auch vorher schon mal reinschnuppern. Außerdem empfehle ich die Hintergrundinformationen, die Martin bei sich verbloggt hat.

„‚Pop will eat itself.‘ Vom Musikmachen mit Musik. Remix, Plagiat und Copyright“ (Martin Butz, Deutschlandfunk 2014)

 

Einem ähnlichen Ansatz folgen die Macher des Podcasts „Fade in/Fade out. Remixing Culture“ von der Kulturwelle der HU Berlin. Ich vermute dahinter Angehörige des Instituts für Kulturwissenschaften. Sie betrachten den Remix aus einer allgemeinen Perspektive, als Kulturtechnik, die eben in der Musik eine spezielle, geradezu postmoderne Ausprägung angenommen hat, wenn alles musikalische Material als „Sound“ verfügbar ist und in endlosen Rekombinationen neu zusammengesetzt werden kann. Ein Akzent des Features liegt dabei auf der Frage nach der „Authentizität“: Was und wie muss etwas klingen, damit es als authentisch erfahren wird? Durch die Beleuchtung dieser spezieller Fragen ist es ein super follow-up zu Martin Butz‘ Feature. Sehr interessant ist auch der Abschluss, in dem die Sendung selbst von Ramsus Lauvring geremixed wird.

„Fade in/Fade out. Remixing Culture“ (Anastasia Andersson und KollegInnen, Kulturwelle, Institut für Kulturwissenschaft, HU Berlin 2014)

 

Der Journalist Andreas Main dreht sich für sein Feature „Die Wiederholung in den Künsten“ im Kreis – bildlich gesprochen. Die Wiederholung, die Serie, der unendliche Loop ist sein Thema, das er in verschiedenen Portraits und Interviews mit Musikern und Künstlern erkundet. Die künstlerische Wiederholung hat in unserem Kulturkreis einen denkbar schlechten Stand, da sie vorwiegend mit Faulheit, bloßem „Abkupfern“, fehlender Inspiration oder sogar Plagiat in Verbindung gebracht wird. Doch zeigt Andreas Main, dass die fortlaufende Wiederholung oder Imitation einen ganz eigenen künstlerischen Aspekt bereit hält, wie zum Beispiel durch das tiefe auditive Eindringen in einen House-Loop. Oder, und diese Stelle fand ich besonders beeindruckend, durch die bewusste Reduktion und Fokussierung auf eine bestimmte Sache: der Maler Peter Dreher malt seit Jahren ein und dasselbe Glas. Jeden Tag auf’s Neue, und jeden Tag ist es eine neue Herausforderung für ihn. Auch hier wurde netterweise das Manuskript bereitgestellt.

„Die Wiederholung in den Künsten: Tag um Tag guter Tag“ (Andreas Main, Deutschlandfunk 2014)

 

Und wo bleibt da die Originalität?, fragt Roderich Fabian vom Bayerischen Rundfunk in seinem Feature „Bewährt statt neu“. Die Antwort könnte lauten: Auf der Strecke. Die Sendung arbeitet sich an der These von der „Originalitätsdämmerung“ des Karlsruher Kunstprofessors Wolfgang Ulrich ab, die Peter Dreher im o. g. Feature bereits vorbildlich illustriert hat. Die Fixierung auf Originalität, Innovation und das ständige Neue ist ein Fetisch unserer Zeit, dabei ist Bewährtheit und Vertrautes ein viel signifikanteres Dogma der Kunst, wenn man Ulrich folgt. Der Podcast hängt sich dabei an der Diagnose der „Retromania“ auf, die der Musikjournalist Simon Reynolds diskutiert und zeigt anhand zahlreicher Beispiele, dass es mit Originalität in der Kunst oft ganz anders bestellt ist, als auf den ersten Blick scheint.

„Bewährt statt neu. Ist die Originalität der Kunst am Ende?“ (Roderich Fabian, Bayerischer Rundfunk 2014)

 

Arbeitstagung Soziologie und Sozialgeschichte der Musik, 23.-25. Mai 2014, Wien

Plakat_neu_grAm kommenden Wochenende bin ich in an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, um an der Arbeitstagung „Soziologie und Sozialgeschichte der Musik“ teilzunehmen und einen Vortrag über Kreativität, Neuheit und Innovation des Samplings in Avantgarde und Populärkultur zu halten.

Aus dem Ankündigungstext:

Angesiedelt an der Nahtstelle zwischen „Musik(en)“ und „Gesellschaft(en)“ hat das Fach Musiksoziologie im Verlauf seiner Geschichte recht heterogene theoretische Positionen und methodische Ansätze hervorgebracht. Je nach disziplinärer Verortung des/r Wissenschaftlers/in (z. B. in den Musikwissenschaften, in der Soziologie, Anthropologie, Ethnologie, in den Kulturwissenschaften) fallen nicht nur die Ansichten darüber, was eigentlich der „Gegenstand“ von Musiksoziologie sei, mitunter ziemlich unterschiedlich aus, sondern die Beteiligten verfügen zum Teil auch über ganz verschiedene Wissensbestände und methodische Kompetenzen. Deren jeweiligen Potentiale – aber auch Grenzen – auszuloten und Anschlussmöglichkeiten an die eigene Forschungsarbeit für andere sichtbar zu machen sind zentrale Ziele der Arbeitstagung. Neben der Förderung und Intensivierung des kommunikativen Austausches von FachkollegInnen über Disziplingrenzen hinweg soll anhand der Vorstellung ausgewählter Forschungsprojekte auch konkret veranschaulicht werden, wie inter- bzw. transdisziplinäre Zusammenarbeit in der musiksoziologischen Forschungspraxis funktionieren kann.
 
Die Teilnahme an der Tagung ist kostenlos. Allerdings bitten wir um formlose Anmeldung per mail bis spätestens 30.04.2014 (chaker-s@mdw.ac.at).
Selbstverständlich ist die Arbeitstagung auch für GasthörerInnen offen, die nicht Mitglied der GfM oder der Fachgruppe sind. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!
 
Sarah Chaker
Wolfgang Fuhrmann


Unter diesen Links gibt’s das vollständige Programm sowie das „Book of Abstracts“.