Musikvideo: dBridge & Madison Willing – One Note (2022)

Die „Synchrese“ (künstlich zusammngesetzt aus „synchron“ und „Synthese“) bezeichnet im Filmgeschäft die Verschmelzung aus visuellen und akustischen Reizen zu einem gemeinsam wahrgenommenen Effekt. Typisches Beispiel: Ein Luftballon platzt, gleichzeitig ist ein Knall zu hören: beides zusammen wird von der Zuschauerin als Einheit erfahren.

Die Technik bietet natürlich interessante Möglichkeiten für die Gestaltung von Musikvideos, zum Beispiel in dieser Kollaboration zwischen dem Musiker dBridge und der Filmemacherin Madison Willing. Besonders die Glitch-Momente sind interessant. Die ganze EP der Zusammenarbeit gibt es hier.

Vor ein paar Jahren hatte ich mal zu diesem Musikvideo gebloggt, ohne den Begriff Synchrese zu kennen. Dort ist die Synchrese eindrucksvoll noch ein paar Ecken weitergedacht.

Postmodernes Berlin

Die Stadt, die in diesem Video gezeigt wird, gibt es so nicht, sie ist ein Fantasieprodukt des 3D-Künstlers Paul Klingberg. Er hat sich ein paar Ecken Berlins genau angesehen und in 3D-Programmen nachgebaut beziehungsweise nachempfunden sowie rekombiniert. Heraus kommt eine postmoderne Version von Berlin, die mit viel Liebe fürs Detail entstanden ist und Hauch von „Inception“ hat. Besonders gut gefallen mir die fast schon ikonischen Baustellenabwasser-Rohre.

[via Reddit]

1902-2021: Wie sich der Berliner ÖPNV entwickelt hat (U+S Bahn)

Spannende Animation, wann und wie in Berlin die U- und S-Bahnstrecken gebaut und teilsweise wieder zurückgebaut wurden während der Teilung der Stadt 1961-1989. Nach der Wiedervereinigung wurden die Netze dann wieder zusammengelegt.

Die Trams fehlen natürlich in dem Video: Im Osten wurde das Tramnetz in dieser Zeit weiterbetrieben, im Westen zurückgebaut. Wäre vielleicht eine Idee für das nächste Video?

Auf dem Youtube-Kanal von Metro Liner gibt es noch Animationen für viele andere Städte.

Underground x Hochkultur? DJs vor neuen Kulissen, Institutionen mit neuen Publika

Was ich derzeit interessant finde: Wie die Pandemie mit dazu beigetragen hat, dass gestreamte DJ-Sets vor irgendwelchen beeindruckenden oder visuell interessanten Kulissen stattfinden – halt ohne Publikum, nur für den Heimgenuss.

Das könnte auch zu neuen oder stärkeren Allianzen zwischen dem „Underground“ und der „Hochkultur“ führen, wenn es dann nicht schon längst hat: Die DJs bringen das Publikum, die Institutionen den Hintergrund.

Ein paar Beispiele, die ich zuerst auf Twitter gesammelt habe, aber die hier auch gut aufgehoben sind. Vielleicht erweitere ich diese Liste auch bei Zeiten, es gibt sehr viel Material und ich will an dieser Stelle mal einen Notiz machen.

Djrum in der Tower Brigde: Vor dem Video erzählt er ein bisschen und stellt einen Vergleich zwischen dem architektonischen Kulturerbe und der Musikkultur her. Die Brücke wird dann im Verlauf des Videos von Innen beleuchtet, im Takt der Musik. Sieht ganz witzig aus, wie so ein Frequenz-Visual:

PanPot in der Berliner Staatsoper:

Und hier zwei Beispiele, die weg gehen von „Hochkultur“:

Charlotte DeWitte auf Rennstrecke: Die Formel 1 macht sich die publikumslose Zeit mit Charlotte de Witte zu Nutze und lässt einen Sportwagen an ihr vorbeisausen, der während ihres DJs-Sets seine Runden auf der Strecke zieht.

Deborah de Luca: Vele Di Scampia: Das geht schon mehr in Richtung community building. Die italienische DJ Deborah DeLuca legt in Vele Di Scampia, einem Vorort von Neapel auf, wo in den 1960er Jahren mehrere Wohntürme errichtet wurden, die so eine Art ikonischen Status erreicht haben. Die Stadt ist auch Kulisse für diverse Mafia-Filme.

Und die Berliner Philharmoniker suchen sich ebenfalls neue Publika, zum Beispiel die Flusspferde im Zoo:

Einzigartig kaputte Kunst aus dem Automaten

Das Volkskundemuseum in Wien hat einen interessanten Kunstautomaten in ihrer aktuellen Ausstellung „Dust and Data“, der aus gleichförmigen Kopien unikate (unikative?) Originale macht – mit einer Geste des Kaufens und Kaputtmachens:

Dust and Data hat ein Automaten geschaffen, der aus Kopien Originale macht. Die Nutzer*innen des Automaten wählen eine Kopie und geben ihr damit einen spezifischen Wert. Durch den Sturz der Skulptur in das Ausgabefach, wo sie zerbricht, verwandelt sich die Kopie endgültig zu einem Original mit individuellen Bruchstellen und einer einzigartigen Menge an Bruchstücken.

Ganz pfiffig, finde ich. Bei Instagram kann man sich ein kurzes Video samt Beschreibung anschauen:

Wer sich die Ausstellung persönlich ansehen möchte, sie läuft noch bis Ende August. Wenn ich das richtig sehe, braucht’s für den Automaten ein 1-Euro-Stück.

[via]