In the Mix: Januar 2016

Auch wenn ich mich beruflich mit Musik beschäftige: im Januar 2016 habe ich viele Dinge getan, nur Musik hören war eigentlich kaum dabei. Daher fällt meine monatliche Rückschau diesmal etwas dünn aus, auch wenn ich alle Tracks echt genossen habe.

 

Die Kiste hier hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Ich erinner mich noch an den Jackmaster Mix von 2010, wo ich den Track zum ersten Mal gehört habe und schon damals war ich sofort verliebt. Das hat bis jetzt nicht aufgehört. In den letzten Tagen sicherlich ein dutzend Mal gehört.

 

Super Idee des DJs Nathan Jonson, sich mal den „Think Break“ vorzuknöpfen und einen Mix aus den sampelnden Tracks zu veranstalten. Ich finde nämlich auch, dass viele andere einflussreiche Breakbeats im Schatten des „Amen Break“ verschwinden. Und ich wünsche mir mehr so Compilations, nicht nur von Drum Breaks.

 

Hier noch was Witziges: 57 klassische Musikstücke als Mash-up. Und damit man genau nachvollziehen kann, wann was wie reinkommt, gibt’s eine Visualisierung dazu. Viel Spaß!

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Die Geschichte des „Amen Break“ – Jetzt als Exponat im Online.Museum von „Recht auf Remix“

Eintritt ins Online.Museum

Eintritt ins Online.Museum von „Recht auf Remix“

Über die Initiative Recht auf Remix, die damit verbundenen Aktivitäten und das Online.Museum wurde in diesem Blog ja schon an verschiedenen Stellen geschrieben (zum Beispiel hier, hier oder hier). Vor ziemlich genau einem Jahr wurde das Online.Museum feierlich mit verschiedenen Exponaten aus den Bereichen Internet Meme, Visuelle Medienkultur, Musik, Remix vor Gericht und Crossover eröffnet. Seitdem sind immer wieder mal neue Exponate hinzugefügt worden, auch um die Dynamik von Remix und Webculture zu betonen.

Lorenz Gilli von der Universität Siegen und Georg Fischer vom Graduiertenkolleg „Innovationsgesellschaft heute“ der TU Berlin verfolgen in ihrem neuesten Exponat für das Museum die Geschichte eines der einflussreichsten Samples der Musikgeschichte, dem berühmt-berüchtigten „Amen Break“. Nach dem Einspielen des Originalstücks „Amen, Brother“ von The Winstons im Jahr 1969 fristete das Stück lange Zeit das typische Dasein einer B-Seite und blieb nahezu unbekannt. Als DJs und Produzenten ab den 1980er Jahren jedoch frische Breakbeats für ihre Mixes und Tracks suchten, erhielt ein sechssekündiger Drum-Fill aus „Amen, Brother“ ein zweites, weitaus erfolgreicheres Leben. Mittlerweile gehört der „Amen Break“ zu den am meisten gesampelten Fragmenten in der Popmusik überhaupt, stand Pate für unzählige Remixes und ist aus Genres wie Drum’n’Bass, HipHop oder House nicht mehr wegzudenken.

17.04.2014: Remix und Sampling bei „Noises“ in Koblenz

Am 17. April 2014 bin in Koblenz eingeladen, um im Rahmen der Noises /ˈnɔɪzɪz/ Reihe einen Vortrag über „Remix und Sampling“ zu halten. In dem Vortrag möchte über die Innovation des Samplings und seine historische Entwicklung, aber auch über den Zusammenhang von Kreativität und Urheberrecht sowie über die Kampagne „Recht auf Remix“ sprechen. Anschließend wird der Remix-Film „R.I.P.! A Remix Manifesto“ gezeigt und es gibt zum Ausklang der schönen Veranstaltung noch eine Silent Disco, wo ich auch auflegen werde… Die Jungs und Mädels von Noises /ˈnɔɪzɪz/ haben letztes Jahr im Juni schon ein spannendes dreitägiges Festival mit dem gleichen Namen auf die Beine gestellt und nun eine monatliche Reihe zu Klang- und Remixkulturen konzipiert, die mit der Veranstaltung zu Remix und Sampling starten wird. Da ist natürlich große Vorfreude meinerseits, auch auf die Silent Disco, das wird auch für mich eine Premiere!

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Aus dem Ankündigungstext:

„Im April startet die /ˈnɔɪzɪz/-Veranstaltungsreihe mit dem Thema Remix und Sampling: DJ-Lecture des Diplomsoziologen und DJs Georg Fischer, Film, DJ-Set. 

Der Berliner DJ und Soziologe Georg Fischer wird in das Thema mit einem multimedialen Vortrag, quasi einer DJ-Lecture, einführen. Da er sowohl seine Diplomarbeit über „Kreativität und Innovation des Sampling“ geschrieben hat, als auch nebenbei unter seinem DJ-Pseudonym Ghost Notes Parties veranstaltet, ist er der ideale Mann für den Job. Unter anderem wird also das kreative Potential aufgezeigt, aber auch die medienrechtlichen und medienethischen Probleme werden nicht unter den Tisch gekehrt. Thematisiert werden auch die Sounds der jeweiligen Technologien, wie zum Beispiel der des Plattenspielers oder des Tonbands. Georg wird auf abwechslungsreiche und anschauliche Weise durch den Abend führen.

Im Anschluss an den Vortrag wird die Doku „RIP! A Remix Manifesto“ gezeigt werden. Der kanadische Regisseur und Internet-Aktivist Brett Gaylor polemisiert in diesem Film gegen das derzeitige Urheberrecht und attackiert die Praktiken von Großkonzernen, die den Großteil der Musik und Patente dieser Welt kontrollieren. Der Film ist ein Manifest für die Copyleft-Kultur. 

Um den Abend abzurunden, wird Georg unter seinem DJ-Pseudonym Ghost Notes auftreten und seine ganz eigene Mischung aus House, Hip-Hop, Breakbeats, Funk und Bassmusic präsentieren. Es wird also jeder auf seine Kosten kommen und auch einige Remix-Klassiker werden sich in dem Set wiederfinden. Dabei ist seine Performance Teil der Silent-Disco des Circus Maximus. 

Wer mehr wissen will kann sich auf folgenden Links informieren
https://jaegerundsampler.wordpress.com/
http://ripremix.com/
https://soundcloud.com/ghostnotesberlin
19.00 Uhr Eintritt frei (auch für die anschließende Silent Disco)*“

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The Eclectic Method – A brief history of sampling

The Eclectic Method – A brief history of sampling

Sampling reflexiv: The Eclectic Method, ein verdientes Mashup-Duo aus Großbritannien, das vor allem an der Schnittstelle von visuellen und auditiven Medien bastelt, hat ein kleines, aber feines Video online gestellt. Es geht um die Geschichte des Samplings, aber nicht narrativ von einer Person erzählt, sondern als Zusammenschnitt von Aussagen, Samples und Platten einflussreicher Musiker. Hat man alles so ähnlich schon mal woanders gesehen bzw. gehört, aber halt noch nicht so. Viel Spaß!

Kreativität und Innovation des Samplings (Diplomarbeit)

Kreativität und Innovation des Samplings (Diplomarbeit)

Vor ziemlich genau 3 Jahren ist „Jäger und Sampler“ ins Leben gerufen worden, um dem Thema Sampling ein deutschsprachiges, langfristiges Blog zu geben. Neben der sechsteiligen Radioshow auf BLN.FM ist auch das akademische Vorhaben, nämlich eine soziologische Diplomarbeit über Sampling zu schreiben, beendet. Die Diplomarbeit ist fertig und ich denke, das Blog hat sich auch ein wenig etablieren können.

Nun, ich habe mich dazu entschieden, meine Diplomarbeit auf diesem Blog frei zugänglich zu machen. Die Abgabeversion vom 29. April 2013 ist mit dieser Version identisch; es wurden lediglich wenige formale Verbesserungen vorgenommen. Außerdem wurde die Discographie um einige Stücke ergänzt. Für nähere Informationen zur Discographie und natürlich auch für allgemeine Fragen, Anregungen und Kritik bin ich über die angegebene Emailadresse zu erreichen.

Download (PDF):

„Jäger und Sampler. Kreativität und Innovation am Beispiel des Samplings“

Für die Zitierweise der Arbeit möchte ich folgende Angaben vorschlagen:

Fischer, Georg (2013): Jäger und Sampler. Kreativität und Innovation am Beispiel des Samplings, Diplomarbeit, TU Berlin, Institut für Soziologie. Online: https://jaegerundsampler.wordpress.com/2013/06/21/kreativitaet-und-innovation-des-samplings-diplomarbeit

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Zusammenfassung

Jäger und Sampler. Kreativität und Innovation am Beispiel des Samplings (Diplomarbeit)

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der musikalischen Praxis des Samplings unter den Gesichtspunkten Kreativität, Neuheit und Innovation. Nach einer Diskussion und konzeptionellen Aufbereitung dieser Schlüsselbegriffe aus sozialwissenschaftlicher Perspektive richtet sich der Fokus der Arbeit auf die historische Analyse des musikalischen und künstlerischen Phänomens Sampling. Zuerst werden die Vorläufer aus der akademisch-künstlerischen Avantgarde-Bewegung und der „Neuen Musik“ (etwa von 1900 bis 1975), anschließend die Populär- und Subkulturen von HipHop und Drum’n’Bass (etwa von 1970 bis 2000) untersucht. Zur Untersuchung können die folgenden beiden Hauptthesen formuliert werden:

Erstens soll anhand der Historie des Samplings aufgezeigt werden, dass es sich hierbei weder um eine schnelllebige Mode noch um eine alles umschmeißende Revolution, sondern vielmehr um eine Innovation mit brüchiger Entwicklung, vielfältigen Konsequenzen und diversen gesellschaftlichen Referenzen handelt. Die Ausmaße dieser Sampling-Kultur lassen sich eigentlich erst mithilfe eines breiten Innovationsbegriffs adäquat begreifen. Von besonderem Interesse ist hierbei die Beobachtung, dass die bis zur Jahrhundertmitte eher vereinzelt auftretenden Samplingversuche sich mit den Formationen der „Musique concrète“, der „Elektronischen Musik“ und der „Minimal Music“ erstmals systematisch verdichten und eine eigene, wissenschaftlich unterfütterte Produktionskultur entstehen lassen. Aber erst in den 1970er Jahren kann mit der Soundsystem- und DJ-Kultur des HipHop, also in einem anderen sozialen Kontext, unter spezifischen technischen Voraussetzungen und besonderen Motiven, das Sampling erneut erfunden und weiterentwickelt werden sowie schließlich als Innovation in gesellschaftlicher Breite diffundieren.

Zweitens können beim Sampling verschiedene Formen von Kreativität beobachtet werden, die sich in der Entwicklungsgeschichte innerhalb spezifischer Sampling-Praktiken etablieren und rückgebunden an Genre-eigene Regelsysteme ausprägen konnten. Jene kreative Praktiken des Suchens, Gestaltens und Sinnstiftens von Samples finden in kreativen Verbünden verschiedener Größe, innerhalb spezifischer institutioneller Settings und auf Grundlage eines gemeinsam geteilten Produktionsparadigmas statt. Die zweite These mündet in der Schlussfolgerung, dass die Stücke, die in HipHop und Drum’n‘Bass auf der Grundlage von Samples produziert werden, einer dreifachen Forderung nach Kreativität ausgesetzt sind: Erstens durch das Finden unverbrauchter, aber ästhetisch anschlussfähiger Samples; zweitens durch die Transformation und Ausgestaltung dieser Samples zu attraktiven „Tracks“, die Publikum, Kollegen und Konkurrenz bestenfalls beeindrucken; drittens durch Aufführung dieser Tracks in Form von DJ-Sets und damit durch ihre Einbettung in neue musikalische Zusammenhänge.

English Abstract

Creativity and innovation in the culture of musical sampling (diploma thesis)

The following paper deals with the musical practice of sampling considering the aspects of creativity, novelty and innovation. After a discussion and conceptual refining of these key concepts from a sociological point of view, the paper focuses on the historical analysis of sampling as a musical and artistic phenomenon. First, the musical and artistic ancestors from the “Avant-garde” movement and the “New Music” (from about 1900 to 1975) are presented before looking into the popular and sub-cultures of HipHop and Drum’n’Bass. Based on this historical perspective, the paper provides the following two main assumptions:

First, the history of sampling shows that the practice of sampling is neither a fast moving fad nor a groundbreaking revolution. Instead it should be understood as an innovation with fractured development, manifold implications and miscellaneous references. The dimensions of this sampling culture can only be seized when applying a wide concept of innovation. In this context, one observation is of particular interest. The first attempts of sampling that occurred until the middle of the century can best be described as stray. With the formation of the „Musique concrète“, the „Elektronische Musik“ and the „Minimal Music“, the various developments started to concentrate more systematically and an own scholarly culture of production emerged. However, it was the soundsystem and DJ culture of HipHop in the 1970ies, with its own social context, specific technological conditions and particular motives that led to the re-invention and sophistication of sampling and ultimately to its diffusion as a socially acknowledged innovative practice.

Second, sampling involves various, separate forms of creativity based on certain sampling styles and genre-specific rules. Those creative practices of searching, shaping and producing meaning of samples take places in creative networks of differing size, within specific institutional settings and on the basis of a shared paradigm of music production. The second assumption leads to the conclusion that HipHop and Drum’n’Bass tracks produced on the basis of samples underlie a threefold demand for creativity: first, finding unconsumed but aesthetically compatible samples; second, transforming and shaping those samples into attractive tracks, that ideally impress the public, colleagues and rivals; third, performing these tracks in DJ mixes in order to embed them in new musical contexts.

Übersetzung: Georg Fischer und Dominik Golle

Re-Links:

Blogeintrag bei Sturm und Drang, Hamburghttp://www.sturmunddrang.de/agenda/insights/von-j%C3%A4gern-und-samplern-wie-kreativ-ist-die-remix-kultur

Interview mit Recht auf Remix, Berlinhttp://rechtaufremix.org/remixer-9-georg-fischer-sampling-ist-eine-weitverbreitete-schattenpraktik/?lang=de

Erwähnung bei </pasted> Radio: http://pasted-radio.de/player/2

Jan Kühn, Berlin Mitte Institut und TU Berlin: http://www.berlin-mitte-institut.de/kreativitaet-innovation-beispiel-samplings-diplomarbeit/ 

Peter Tschmuck, Institut für Kulturmanagement und Kulturwissenschaft (IKM) der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien: http://musikwirtschaftsforschung.wordpress.com/wissenschaftliche-arbeiten/

Philip Stade, Freie Kultur und Musik Blog und Hochschule für Musik und Tanz Köln: http://freiekulturundmusik.wordpress.com/2013/07/16/kreuz-und-quer-durch-die-letzten-monate/

DFG-Graduiertenkolleg „Innovationsgesellschaft heute“ der TU Berlin: http://www.innovation.tu-berlin.de/ 

Vier Takte für die Ewigkeit: Der Amen Break

Wer hätte es gedacht: das historische Online-Magazin einestages.de (DER SPIEGEL) hat einen schönen Beitrag über den berühmt-berüchtigten Amen Break veröffentlicht. Programmatischer Titel: „Vier Takte für die Ewigkeit“. Inklusive einer Reihe von Hörbeispielen, die die einflussreiche Historie des Drumbreaks illustrieren. Ein ähnlicher Beitrag findet sich hier bei The Economist.

Laut einer Liste von whosampled.com rangiert der Amen Break auf den ganz hohen Plätzen der am meisten gesampelten Breakbeats aller Zeit. Aller Vermutung nach ist er sogar der meistgesampelte Break überhaupt, weil er in den meisten frühen Jungle-, Drum’n’Bass- und Nubreaks-Produktionen quasi als paradigmatisches Grundskelett fungierte. Siehe auch Wikipedia.

Naja, wie auch immer. Das hier ist auch schön:

 

winstons-amen-brother

An Evolution of the Amen Break by Breakage

…it’s building and building and building and –
great idea to celebrate the probably most sampled breakbeat of all times.