Youri Fernandez‘ Schwarz-Weiß Skateboard-Clip „Skater’s Paradise: On/Off“

Ein Skateboard-Clip in Schwarz-Weiß, der – wenn es nach mir ginge – um einiges länger sein könnte. Denn er geht runter wie Butter.

Ist es ein Remix? Ein Mashup? Bei der Einordnung tue ich mich noch etwas schwer. Klar ist zumindest: Das Stilmittel des Regisseurs Youri Fernandez heißt match cut und es ist perfekt ausgeführt: „a cut from one shot to another where the two shots are matched by the action or subject and subject matter“ (Wikipedia)

Aus der Projektbeschreibung von NOWNESS:

Filmmaker Youri Fernandez turns his lens on the art of skateboarding in this monochromatic portrait of four boarders—including Fernandez himself—as they make Berlin their playground, soundtracked by a metronomic composition from electronic musician Petit Fantôme.

[via Robyn]

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Leitkültür leben – Remix your CSU Wahlplakat

Vor kurzem habe ich über das Alien/Italien-Mashup gebloggt, das „maximale Transformation bei minimaler Manipulation“ (F. Döhl) brachte.

Heute ein weiteres schönes Beispiel in dieser Reihe, diesmal aus dem Genre Wahlplakat.

[via KFMW]

Alien/Italien Mashup

Laut dem Musik- und Rechtswissenschaftler Frédéric Döhl, der zu Mashups forscht, wollen Mashup-Künstler „maximale Transformation bei minimaler Manipulation“ erreichen. Hier ein sehr geglücktes Beispiel:

In the Mix: Eskmo – Ninja Tune Mix (2016)

Richtig starker Mix von Eskmo, der 2016 als Geschenk veröffentlicht wurde. Habe ihn mir schon ein paar mal reingezogen. Besonders gut finde ich, wie Eskmo sich durch den Backkatalog von Ninja Tune mischt und dabei die einzelnen Tracks in- und miteinandermasht. Teilweise liegen 3 (oder sogar mehr?) Spuren übereinander und durch die Stimmungs- und Tempowechsel ist das Ding sehr abwechslungsreich, wonky und funky…

Tracklist von Discogs:

Eskmo: „Cloudlight“ (Ambient P Stretch Mix)
Kid Koala: „Speed of Light“
Fink: „Warm Shadow“
Lorn: „Ghosst“
Stateless: „Im On Fire“ (Slugabed remix)
Toddla T: „Body Good“
Bonobo: „Change Down“
Two Fingers: „Not Perfect“
Eskmo: „Moving Glowstream“
The Bug: „Skeng“ (Autechre Remix)
Funci Porcini: „New Dope“
Zomby: „Orchid“
Dam Mantle: „3 Colours“
Bonobo: „1009“
Igor Boxx: „Breslau“
DELS feat. Joe Goddard and Roots Manuva: „Capsize“
Thavius Beck: „Violence“
Coldcut: „Timber“
Two Fingers: „Scott Foster Rhythm“
Speech Debelle feat. Micachu: „Better Days“
DELS: „Hydronenburg“
Daedelus: „Just Briefly“
Amon Tobin: „Journeyman“
The Death Set: „Is It The End Again?“

In the Mix: Aaron Dilloway – FACT mix 613 (obskure Coverversionen und Soundalikes)

Beim FACT Magazine bin ich auf einen interessanten Mix gestoßen: Aaron Dilloway, von dem ich vorher noch nichts hörte, hat in den letzten Jahren Coverversionen und Soundalikes gesammelt. Diese Nachbauten von bekannten Rock- und Popsongs vor allem aus den 60er und 70er Jahren sollten Konsument:innen gewissermaßen irreführen, denn statt dem originalen Song bekam man (hauptsächlich auf Compilations) eine von einer anderen Band eingespielte Version. Diese Praxis ist heute besonders in der Werbeindustrie eine verbreitet Umgehungsstrategie, aber auch auf Compilations und bei Spotify findet man immer wieder solche Versionen, die sich als Originale ausgeben, aber als Kopien entpuppen.

Inspired by cheap “sound-a-like” records designed to trick people thinking they were buying compilations from popular bands, it’s like tuning into a classic radio station from an alternate reality.

Presented without any tracklist, Dilloway’s mix unearths everything from baffling versions of Pink Floyd and Led Zeppelin classics to Hawkwind remade as easy listening. Oh, and there’s a high school chorus version of Foreigner’s ‘Cold As Ice’ thrown in for good measure.

Aaron Dilloway stellt leider keine Tracklist zur Verfügung, was sehr schade ist, denn ich würde gerne mehr über diese teilweise kruden, obskuren und weirden Versionen erfahren. Naja, zumindest gibt es noch ein paar Infos:

About 10 or so years ago, I came across a “fake” Beatles 8-track tape on Pickwick titled The Tribe Sing And Play The Hits Of Lennon, McCartney and Harrison. I remember coming across these budget “sound-a-like” tapes and records quite often at record shops and thrift stores for years. They are basically collections of cover versions of hit songs quickly recorded by random session musicians and designed to kind of trick people into buying them, thinking they are getting the “original artist.” Like, the cover would say, in real large print, “HITS OF THE ROLLING STONES,” then in real small type, “performed by The Current Event.”

[via FACT]

Patina – die Zukunft der Endlichkeit (DLF Podcast)

Seitdem ich in Berlin lebe, frage ich mich, warum so viel Kneipen, Restaurants und Clubs das Alte und Gebrauchte hier so zelebrieren, wie die DDR-Tapete, Omas Geschirr oder auf dem Flohmarkt gefundene Stühle. Diese Vorliebe ist manchmal wirklich bizarr und auch wenn ich mich mittlerweile daran gewöhnt habe, fällt es mir trotzdem hin und wieder auf. Viele Gäste finden offenbar die Patina, die Gebrauchs- und Verfallsspuren der Dinge, irgendwie anziehend. Berlin selbst mit seiner maroden Infrastruktur und seiner generellen Kaputtheit hat daraus irgendwie einen Lifestyle gemacht, der sich gut vermarkten lässt („Berlin Style“).

Aber auch in anderen Bereichen kann man den Hang zum Retro beobachten: Instagram-Filter, Rennräder aus den 1970ern, Filme und Serien, die im Stil des „Golden Age of Hollywood“ (wie „The Artist“) oder im Sciene-Fiction-Stil vor 30 Jahren produziert sind (wie „Stranger Things“). Der Popkritiker Simon Reynolds hat diese Rückwärtsgewandtheit für die Musik beschrieben und das Phänomen mit seiner Diagnose von der „Retromania“ versucht auf den Punkt zu bringen. Sampling und Diggin‘ in the Crates gehören selbstredend dazu: auch hier wird das Alte ja wahnsinnig gefeiert und gesucht.

In diesem Zusammenhang bin ich letztens beim Deutschlandfunk auf einen interessanten Podcast gestoßen, der einen weiten Bogen zur Erklärung anbietet. In der von Thomas Palzer verantworteten Sendung „Patina – die Zukunft der Endlichkeit“ wird bis ins 17. Jahrhundert zurückgegriffen. Damals hatte Patina eine bestimmte soziale Funktion, die sie mit dem Entstehen der kapitalistischen Industriewirtschaft und der modernen Konsumgesellschaft nach und nach verlor. Ursprünglich wurde mit der Patina auf dem Silberbesteck, also den durch Rost entstandenen Verfärbungen, angezeigt, dass sich das Besteck schon lange im Besitz einer Familie befindet. Auf diese Weise konnte familiäre Tradition und Ehrbarkeit ausgewiesen werden, um einen höheren sozialen Stand zu gelangen:

„Im 16. Jahrhundert hätte jemand, um seinen Anspruch auf sozialen Status zu befestigen, silberne Teller verwenden können – neue, ohne Patina. Tatsächlich aber – so McCracken – verwendete man Silbergeschirr mit Patina, denn erst durch die Patina wird von der Familie wortlos geltend gemacht, dass ihr Anspruch auf hohen sozialen Status bereits seit langem besteht.“

Durch den Siegeszug der kapitalistischen Herstellungsweise veränderte sich diese Praxis aber, da das Neue eine Aufwertung erfährt: in Form von Moden, Nachrichten („News“) und immer neuen Produkten, die es zu kaufen gibt. Das Alte verliert an Wert, die Patina steht ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr für Altehrwürdigkeit, sondern für den verschlafenen Trend oder zu wenig Ressourcen für eine Erneuerung. Die Gesellschaft fängt an, verstärkt nach vorne zu sehen und das Neue nicht als Bedrohung, sondern als willkommene Abwechslung zu begreifen:

Das Neue wird zur Droge, die Neuigkeit zum unbedingten Hut der Saison – und mit ihr gewinnt der Journalismus an Bedeutung, der die News zur Ware macht.

„Und währenddessen verliert die Patina dramatisch an Wert.“

Und jetzt die Pointe: Im ästhetischen Kapitalismus, in dem wir uns heute befinden und in dem der Inszenierungswert wichtiger wird als der Gebrauchswert einer Ware, muss manchmal künstlich nachgeholfen werden, um sich von der ständigen Neuheit der konkurrenten Konsumgüter abzugrenzen. Das Alte wird wieder hip und steht nun auf einmal für Authentizität, für das „Ehrliche“. Das beste Beispiele in dem Zusammenhang ist sicherlich der Manufactum-Katalog, der mit Slogan „Es gibt sie noch, die guten Dinge“ wirbt.

Der Schluss des Podcasts ist mir etwas zu kulturpessimistisch und verklärend:

Wenn Dinge heute mit Patina ausgestattet sind, ist diese immer gefälscht. Patina ist eine Verkaufsstrategie, die banale, bedeutungslose Dinge mit einem Heimweh versieht, das nur so aussieht, als wäre es eines.

Trotzdem, es bleibt eine sehr hörenswerte halbe Stunde, die ich unbedingt empfehle. Ich werde bei Gelegenheit mal darauf zurückkommen und versuchen, die Argumentation von der Patina am Beispiel von Sampling etwas weiterzuführen.

Hier der Link zur Sendung. Super am Deutschlandfunk ist ja auch, dass das Redemanuskript immer zur Verfügung steht, macht bspw. das Durchsuchen leichter. Hier geht es direkt zum Stream:

In the Mix: Ghost Notes – Mira Mix 2017

Gestern Abend, als das Gewitter über Berlin zog, saß ich mit meinem Kater Mira *schnurrrr* in unserer Küche und habe diesen Mix zusammengeschustert. Da mein Urei-Mischer leider immer noch kaputt ist (wer repariert so ne Dinger eigentlich? Urei selber existiert ja als Unternehmen nicht mehr), hab ich einfach Reaper genommen. Einen großen Unterschied macht es eh nicht, weil die Tracks so divers sind, dass Beatmatching hier nicht in Frage kam.

Eine Stunde. Alles Lieblingslieder, alles Musik, die ich sehr gerne und sehr oft gehört habe in den letzten Jahren. Die sich auch nicht abnutzen, je öfter ich sie höre. Jazz, HipHop, Downbeats, Advanced Electronic Dance Music. Ganz besonderen Dank geht an Marius Funk alias REALMS, der mir sein wundervolles „Anothered“ noch kurzfristig hat zukommen lassen. Bildet den besten Abschluss, den ich mir hätte wünschen können!

a little mix dedicated to my cat called mira *purrrr* I did this while it was raining last night, so mira and me ended up chilling together in the kitchen and enjoyed listening to some of our favourite miau-musics. we hope you do as well.

Da die Einbettung weder bei Mixcloud noch bei Hearthis funktioniert, hier der Link zu Mixcloud und zu hearthis.at

Tracklist
1 Your Nostalgic Heart and Lung by RJD2
2 Healing Rain by Om Unit
3 FINE (feat Grand Agent) by Session Victim
4 Yolanda by Tied & Tickled Trio
5 Beverly Hills by Steve Gray
6 Yin and Yang by Uyama Hiroto
7 Washing Machine (feat Relaan) by Dramadigs
8 Barbiturates by The Doppelgangaz
9 Ann River, Mn by Dorian Concept
10 Crackback by Dadamnphreaknoizphunk
11 Killin‘ Time by Oddisee
12 Casanova by Flamingosis
13 Channel 1 Suite by The Cinematic Orchestra
14 Tuesday Wonderland by E.S.T.
15 Charlottenburg by Benjamin Damage & Doc Daneeka
16 Anothered by REALMS