3sat Doku über die deutsche Jazz-Szene: „Der Preis der Anna-Lena Schnabel“

Die Saxophonistin Anna-Lena Schnabel / Screenshot 3sat

Es gibt nicht so viele sehenswerte deutschsprachige bzw. von der deutschen Musikszene handelnde Dokus, die mir spontan einfallen (1 Ausnahme hier). Am Wochenende bin ich allerdings über die 3sat-Doku „Der Preis der Anna-Lena Schnabel“ gestolpert, die die ich hier kurz verbloggen will. Es geht um die Saxophonistin Anna-Lena Schnabel, die für ihr Album “Books, Bottles and Bamboo“ den Echo Jazz erhalten soll. Der Preis ist ein kleines Novum in der Branche, denn mit Jazz lässt sich allgemein nicht viel Geld verdienen. Entsprechend wenig Aufmerksamkeit gibt es medial. Die fehlende Sichtbarkeit möchte man aber offenbar nun ändern, die Preisverleihung wurde unter großem Getöse diesen Sommer in Hamburg veranstaltet und vom NDR übertragen. Was ich bemerkenswert finde, ist die Spannung zwischen der Jazzwelt und dem Komplex aus Öffentlichem Fernsehen und Musikindustrie, der hier gezeigt wird.

Jazz in Deutschland ist ein Geschäft, bei dem nicht viel Geld an die Künstler:innen fließt, von denen aber selbst recht viel abverlangt wird. Den Punkt macht die Doku deutlich: Der Preis ist undotiert. Die Anreise zur Preisverleihung und das Hotel in Hamburg musste Schnabel bzw. ihr Label selber zahlen. Ihr Bruder zahlte sogar 70 EUR Eintritt. Offenbar durfte sie nicht einmal selbst bestimmen, welches Lied von ihrer preisgekrönten CD bei der Preisverleihung aufgeführt werden durfte. Um das Publikum nicht abzuschrecken, setzte sich der NDR mit der Auswahl eines eher gefälligen Stücks durch, eines, das zwar auf der CD als Interpretation veröffentlicht , nicht aber von Schnabel selbst komponiert ist — sie selber wollte ein anderes, vermutlich für das TV-Publikum weniger zugängliches Stück aufführen.

Auch Florian Drücke, Geschäftsführer des Bundesverbands für Musikindustrie, der in der Doku interviewt wird, kann nicht wirklich überzeugend darlegen, warum von der Preisträgerin solche Kompromisse abverlangt werden. Er murmelt etwas von Kommunikationsproblemen zwischen Label und Künstlerin, externalisiert also die Schuld, und spricht davon, dass der Echo prinzipiell keine Ressourcen habe, ein Honorar oder wenigstens die Reisekosten zu übernehmen. In der Doku selbst sieht man dann auch die Prominenz, die in teuren Autos auf rotem Teppich zum Echo gekarrt wird, natürlich unter Blitzlichtgewitter und viel Bohei. Auch vor Vergleichen mit dem Grammy ist man sich nicht zu schade.

Tja, das passt alles nicht so recht zusammen. Ob man gleich von „Zensur“ sprechen muss, weiß ich nicht (der NDR hat zwischenzeitlich die Kritik zurückgewiesen, das Stück hätte nicht selbst ausgesucht werden dürfen), aber ein „Gschmäckle“ hat es allemal und die Verlogenheit der Vernastaltung kommt in der Doku sehr gut zum Ausdruck. Die Gelegenheit, dem NDR eins reinzudrücken, lässt sich 3sat natürlich auch nicht nehmen. Mittlerweile gibt es auch weitere Presse zu dem Film und der eher zweifelhaften Veranstaltung.  Zum Beispiel bei ZEIT online:

Der einzige Lohn der Akteure ist der Auftritt in einer sülzigen Fernsehsendung und der Echo-2017-Sticker, den sie auf ihre Platten kleben können, um sie besser zu verkaufen, weil das Publikum vielleicht denkt, die Auszeichnung sei etwas Besonderes. Dass es auch bei der Ermittlung der Preisträger zweifelhaft zugeht, erzählt der Film nicht, aber man kann es anderswo lesen: Der Kölner Kritiker Michael Rüsenberg hat auf seiner Seite jazzcity.de nachgezählt, dass in 7 von 21 Kategorien Künstler der Münchner Plattenfirma act gewonnen, also ein Drittel aller Preise eingeheimst haben. „Fragwürdig“ findet er das im Einzelfall, einige Entscheidungen nennt er gar „Lachnummern“, „man möchte schreien“.

„Der Preis der Anna-Lena Schnabel“, 45 min, 3sat, abrufbar in der Mediathek. 

Zur Website von Anna-Lena Schnabel

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Herbie Hancock & Bob Ross

War mir so vorher auch noch nicht aufgefallen: Herbie Hancock „Thrust“ Albumcover (1974) und Bob Ross „The Joy of Painting“ (ab 1983) teilen ein paar Gemeinsamkeiten: Haare, Klaviatur bzw. Palette und Berg.

Remix my Culture: Dr. Dre Medley auf einer Jahrmarkorgel

Ungewöhnlich, aber witzig: Drei von Dr. Dres produzierten Klassikern als Medley auf einer Jahrmarktorgel. Sind natürlich, auch wenn Hip Hop, hochkommerzielle Beats.

Was ich mich gerade frage: ob und wie Verwertungsgesellschaften hier kassieren? Im Grunde ist das ja ein Cover, also eine Eins-zu-Eins nachgespielte Aufführung (wenn man mal vom Rap absieht).

Amongst the plethora of old Steam engines, Cake stands and vintage fairground rides, Barry made a shocking Hip-Hop discovery of epic proportions! A CAROUSEL FAIRGROUND ORGAN featuring a MEDLEY OF DR DRE’S BIGGEST HITS!!!!! Thats right, amongst a varied repertoire of commercial songs this organ played a number of Classic Dre instrumentals, to include FORGET ABOUT DRE, NEXT EPISODE and STILL D.R.E. WARNING: THIS IS ABOUT AS UN-HIP-HOP AS IT GETS!!!!

Die Kunst des Fade-Out in der Popmusik

Kurzer, aber spannender Clip über Geschichte und Funktion des Fade-Outs in der Popmusik.

The fade out in music is one of those necessary tools in a record producers arsenal. But if you listen to today’s hits it’s much more likely you’ll hear a song that has a hard abrupt electronic ending. Bill Weir, wrote a great piece at Slate a few years ago tracking the rise and fall of the fade out in pop music: from one of the very first fade outs created by a literal wooden door to the epic 4 minute fade out of „Hey Jude.“ In the video above he brings me through that sonic journey.

Zu diesem Thema gibt es auch einen ausführlichen Artikel von 2014 beim Slate Mag.

In the Mix: Eskmo – Ninja Tune Mix (2016)

Richtig starker Mix von Eskmo, der 2016 als Geschenk veröffentlicht wurde. Habe ihn mir schon ein paar mal reingezogen. Besonders gut finde ich, wie Eskmo sich durch den Backkatalog von Ninja Tune mischt und dabei die einzelnen Tracks in- und miteinandermasht. Teilweise liegen 3 (oder sogar mehr?) Spuren übereinander und durch die Stimmungs- und Tempowechsel ist das Ding sehr abwechslungsreich, wonky und funky…

Tracklist von Discogs:

Eskmo: „Cloudlight“ (Ambient P Stretch Mix)
Kid Koala: „Speed of Light“
Fink: „Warm Shadow“
Lorn: „Ghosst“
Stateless: „Im On Fire“ (Slugabed remix)
Toddla T: „Body Good“
Bonobo: „Change Down“
Two Fingers: „Not Perfect“
Eskmo: „Moving Glowstream“
The Bug: „Skeng“ (Autechre Remix)
Funci Porcini: „New Dope“
Zomby: „Orchid“
Dam Mantle: „3 Colours“
Bonobo: „1009“
Igor Boxx: „Breslau“
DELS feat. Joe Goddard and Roots Manuva: „Capsize“
Thavius Beck: „Violence“
Coldcut: „Timber“
Two Fingers: „Scott Foster Rhythm“
Speech Debelle feat. Micachu: „Better Days“
DELS: „Hydronenburg“
Daedelus: „Just Briefly“
Amon Tobin: „Journeyman“
The Death Set: „Is It The End Again?“

In the Mix: Aaron Dilloway – FACT mix 613 (obskure Coverversionen und Soundalikes)

Beim FACT Magazine bin ich auf einen interessanten Mix gestoßen: Aaron Dilloway, von dem ich vorher noch nichts hörte, hat in den letzten Jahren Coverversionen und Soundalikes gesammelt. Diese Nachbauten von bekannten Rock- und Popsongs vor allem aus den 60er und 70er Jahren sollten Konsument:innen gewissermaßen irreführen, denn statt dem originalen Song bekam man (hauptsächlich auf Compilations) eine von einer anderen Band eingespielte Version. Diese Praxis ist heute besonders in der Werbeindustrie eine verbreitet Umgehungsstrategie, aber auch auf Compilations und bei Spotify findet man immer wieder solche Versionen, die sich als Originale ausgeben, aber als Kopien entpuppen.

Inspired by cheap “sound-a-like” records designed to trick people thinking they were buying compilations from popular bands, it’s like tuning into a classic radio station from an alternate reality.

Presented without any tracklist, Dilloway’s mix unearths everything from baffling versions of Pink Floyd and Led Zeppelin classics to Hawkwind remade as easy listening. Oh, and there’s a high school chorus version of Foreigner’s ‘Cold As Ice’ thrown in for good measure.

Aaron Dilloway stellt leider keine Tracklist zur Verfügung, was sehr schade ist, denn ich würde gerne mehr über diese teilweise kruden, obskuren und weirden Versionen erfahren. Naja, zumindest gibt es noch ein paar Infos:

About 10 or so years ago, I came across a “fake” Beatles 8-track tape on Pickwick titled The Tribe Sing And Play The Hits Of Lennon, McCartney and Harrison. I remember coming across these budget “sound-a-like” tapes and records quite often at record shops and thrift stores for years. They are basically collections of cover versions of hit songs quickly recorded by random session musicians and designed to kind of trick people into buying them, thinking they are getting the “original artist.” Like, the cover would say, in real large print, “HITS OF THE ROLLING STONES,” then in real small type, “performed by The Current Event.”

[via FACT]

In the Mix: Ghost Notes – Mira Mix 2017

Gestern Abend, als das Gewitter über Berlin zog, saß ich mit meinem Kater Mira *schnurrrr* in unserer Küche und habe diesen Mix zusammengeschustert. Da mein Urei-Mischer leider immer noch kaputt ist (wer repariert so ne Dinger eigentlich? Urei selber existiert ja als Unternehmen nicht mehr), hab ich einfach Reaper genommen. Einen großen Unterschied macht es eh nicht, weil die Tracks so divers sind, dass Beatmatching hier nicht in Frage kam.

Eine Stunde. Alles Lieblingslieder, alles Musik, die ich sehr gerne und sehr oft gehört habe in den letzten Jahren. Die sich auch nicht abnutzen, je öfter ich sie höre. Jazz, HipHop, Downbeats, Advanced Electronic Dance Music. Ganz besonderen Dank geht an Marius Funk alias REALMS, der mir sein wundervolles „Anothered“ noch kurzfristig hat zukommen lassen. Bildet den besten Abschluss, den ich mir hätte wünschen können!

a little mix dedicated to my cat called mira *purrrr* I did this while it was raining last night, so mira and me ended up chilling together in the kitchen and enjoyed listening to some of our favourite miau-musics. we hope you do as well.

Da die Einbettung weder bei Mixcloud noch bei Hearthis funktioniert, hier der Link zu Mixcloud und zu hearthis.at

Tracklist
1 Your Nostalgic Heart and Lung by RJD2
2 Healing Rain by Om Unit
3 FINE (feat Grand Agent) by Session Victim
4 Yolanda by Tied & Tickled Trio
5 Beverly Hills by Steve Gray
6 Yin and Yang by Uyama Hiroto
7 Washing Machine (feat Relaan) by Dramadigs
8 Barbiturates by The Doppelgangaz
9 Ann River, Mn by Dorian Concept
10 Crackback by Dadamnphreaknoizphunk
11 Killin‘ Time by Oddisee
12 Casanova by Flamingosis
13 Channel 1 Suite by The Cinematic Orchestra
14 Tuesday Wonderland by E.S.T.
15 Charlottenburg by Benjamin Damage & Doc Daneeka
16 Anothered by REALMS