In the Mix: Snarky Puppy – Lingus / Cory Henry Solo

Diese Nummer hier beschäftigt mich schon seit einer ganzen Weile. Die Band heißt Snarky Puppy und ist eine Jam-Formation aus Brooklyn, die so einen Fusionmix aus Funk, Jazz und Rock spielen. Ich hatte die Band schon vor ein paar Jahren mal wahrgenommen, als sie einen Grammy abgeräumt haben (und sich dann von Universal haben sighnen lassen). Dann wieder vergessen. Irgendwie außerhalb meiner Filterblase.

Aber als jemand, der eine Schwäche für gute Solos und Improvisationen hat, war es nur eine Frage der Zeit, bis ich auf das Keyboard-Solo von Cory Henry stoße (im oberen Video ab ca. 4:20 min). Das geht seit einiger Zeit via reddit über alle möglichen Kanäle, einfach weil es so hart abgefahren ist. Der Mann spielt wie ein junger Gott und allen im Raum ist das bereits nach einer Minute klar, und das macht es irgendwie noch abgefahrener, weil alle merken, dass es ein besonderer, kaum zu reproduzierender Moment ist, was gerade passiert. Und dem zuzuschauen und zuzuhören lässt mir jedesmal auf’s Neue die Nackenhaare hochstellen.

Es ist nicht nur Henry, auch Ian Crumley an den Drums ist extrem tight. Das merkt man auch daran, wie er dem Henry immer wieder noch ein Schippchen drauflegt, ihn dadurch noch mehr antreibt und am Ende des Solos seine Band wieder zum gemeinsamen Einstieg abholt (ca. 8:10 min). Das sitzt.

Und wer die Schose mal nachspielen will (und dazu in der Lage ist), Yehekzkal Raz hat Henrys Solo in eine schriftliche Notation übertragen.

Advertisements

Toto – Africa (Empty Shopping Centre Version)

I hear the drums echoing tonight

Meine Lieblingsversion. Besonders die Bridge kommt gut zur Geltung.

 

In the Mix: Dark Sky – Monkeytown Podcast

Dark Sky – Monkey Town Podcast 001

Neuer und äußerst vielfältiger Mix von Dark Sky aus London, irgendwo an der Grenze von Deep House, Techno und Bass Music. Hat einige Twists und Turns drinne, was das Anhören sehr abwechslungsreich macht. Läuft bei mir seit Februar mindestens 2 Mal pro Woche 😉

Daisho – Simba [On The Corner Records]
Sheer Chance Matters – Peverlist [Livity Sound]
Congo Get Slap (Mark Ernestus Remix) – Equinoxx [DDS]
Daff – Greenspan and Taraval [Geej Recordings]
Deep Sea Dive – Serena Butler [Konstrukt]
Cavendish – Benjamin Mull [Omniform]
Rave Oscillations – Michele Mininni [R&S]
Pick Up Your Needle (Intitation Rituals Refix) – Alleged Witches [Meda Fury]
Untitled B3 – S.W [Apollo]
Darnely – dBRm [The Nothing Special]
Cosmo – Dark Sky [White]
Conexiones – Kamila Govorcin [Panal Records]

Remix my Culture: Luca Stricagnoli – Prodigy on an Acoustic Guitar (Medley)

Tolles Medley von drei Prodigy-Tracks, live gespielt von Luca Stricagnoli zwischen Transportcontainern und mit der Akustikgitarre: Invaders Must Die, Omen und Voodoo People.

“The Prodigy” was shot in Dornstadt, Germany, at the DUSS container depot. It wasn’t easy to record the whole video without any cut because the temperature was -7 degrees Celsius. Furthermore, the location is a working area where 41 tons container are constantly moved, and for safety reasons we had to use the rare moments where no containers were being carried over our heads. The track includes three pieces by the English band “The Prodigy”: Invaders Must Die, Omen, Voodoo People (credits below).

[via Kotzendes Einhorn]

RA-Doku: „How did UK Garage become Dubstep?“

Bassline business: Sehenswertes kurzes Feature von Resident Advisor über die Entwicklung von Garage und 2Step hin zu Grime und Dubstep. Besonders interessant finde ich ja den „subcultural kiss of death“, den David Beckham 2000 für die 2step-Szene brachte… Was mir bissi fehlt, ist die Einordung von Drum’n’Bass, das als bassiges Genre ja die Mit-Grundlage für Grime und Dubstep war.

Und die Doku hört unverschämterweise genau da auf, wo es gerade Spaß macht. 😉 Beispielsweise geht es zwischen 2000 und 2003 ja richtig los mit den Nuskool Breaks, die sich auch irgendwie aus 2Step, Garage und Big Beat heraus gespeist haben. Und die ganze Kiste mit Post-Dubstep / Bassmusic / Future Garage würde ich auch noch gerne sehen, aber vielleicht kommt das noch.

 

PS: Das ist der 250. Post in diesem Blog. Hooray! 🙂

Gesucht: Albumcover mit Crate Diggin‘ / vollen Plattenregalen

Für meine Arbeit suche ich derzeit Beispiele für Alben (EPs, Singles, etc.) mit Abbildungen auf dem Cover, die den Auswahlprozess beim Sampling illustrieren beziehungsweise Plattensammlungen zeigen. Offizielle Pressefotos gehen auch, aber am liebsten wären mir tatsächlich cover shots im Studio, Plattenladen, beim Diggin‘, etc.

Ein paar Beispiele habe ich schon, die in die Richtung gehen, wie ich mir das vorstelle, aber ich freue mich natürlich über weitere Hinweise. Gerne in die Kommentare, danke!

Damu the Fudgemunk – Spare Time

Mu Stars – Quasar

Klim Beats – Natural

DJ Shadow – Endtroducing….. (Vorder- und Rückseite) / Zur Entstehung des Fotos hier noch ein interessanter Artikel – danke für den Link Chrizzi!

 

Update 20.2.2018: Einige Cover wurden mir schon per Twitter und Facebook zugeschickt, vielen Dank Euch! Wer noch was hat, gerne rüberfaxen 🙂

Mister Modo, Ugly Mac Beer ft. F. Stokes – Diggin‘ in the Crates (danke Cornelius!)

Norman Cook / Fatboy Slim – A Break from the Norm (Danke Arne!)

Fatboy Slim – Praise You (danke Mo!)

Fatboy Slim – You’ve Come a Long Way (Album Cover Inlay)

Pete Rock & CL Smooth – The Main Ingredient (Danke Falk!)

Pete Rock & CL Smooth – I got a love (Danke Falk!)

DITC – Day One (Danke Peter!)

DITC – Rare Breaks Stack One (Danke Peter!)

Stieber Twins – Fenster zum Hof

Summers Sons – Undertones (danke Daniel!)

JR & PH7 ‎– The Update (Danke @_roenae)

Twit One & Miles Bonny ‎– Twit Bonny

Dexter – Hi Hat Club Vol 3 The Jazz Files

Testiculo Y Uno ‎– Hi-Hat Club (Vol. 1)

Peanut Butter Wolf – Yo! 45 Raps Vol. 1

Mark B & Blade – Nobody relates / We’ll survive

Mark B & Blade – Nobody relates / We’ll survive (CD)

Mark B & Blade – Hitman on Fire (Poster?)

 

2. Update (21.2.2018): Wahnsinn, ich bin echt begeistert. Innerhalb von 2 Tagen sind schon 30 Aufnahmen zusammen gekommen! Großen Dank an alle Beitragenden! Keep it coming! 🙂

Moonboots And Balearic Mike – Originals (Danke David!)

DJ Food – Refried Food Series

Kid Koala – Carpal Tunnel Syndrome (Danke Mr. Binh)

Marco Polo – Baker’s Dozen (Danke Mr. Binh)

DJ Nu-Mark – Hands on (Danke Mr. Binh)

Soundproviders – It’s gonna bee Part II (Danke Mr. Binh)

Dusty Fingers Compilation (Danke Mr. Binh)

Aphroe – 90 (Danke @xp48x)

“Metall auf Metall” als Zitat – Sampling-Streit vor dem Landgericht München

Aufarbeitung eines Urteils des LG Münchens; LG München – 33 O 15792/16

von Konstantin Hondros und Georg Fischer

Nach dem Sampling-Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) im Mai 2016, das das umstrittene “Metall auf Metall”-Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH, 2012) aufhob und forderte, die rechtliche Barrieren für Sampling zu überarbeiten (kurzer Überblicksartikel hier), scheint es nun einen ersten Anwendungsfall zu geben. Im Fall “Wiesn’ Schaustellerin gegen die Orsons” des Münchner Landgerichts (LG, Dezember 2017) wurde unseres Wissens nach zum ersten Mal in der Rechtsprechung auf das Urteil des BVerfG rekurriert.

Schaustellerin gegen Hip Hop Band

Konkret geht es um das Stück “Schwung in die Kiste” von Die Orsons, das im Februar 2015 auf dem Album “What’s goes” von Chimperator Records/Universal veröffentlicht wurde:

Laut diesem Bericht wurde der Song mehr als 200.000 mal verkauft und belegte Platz 23 der deutschen Singlecharts, das Album sogar Platz 2 der deutschen Albumcharts. Auch im Radio und auf Konzerten wurde das Stück kommerziell eingesetzt. Eröffnet wird das Lied von folgender Wortfolge, die eine Frau spricht: „Ja und jetzt, jetzt bring ma wieder Schwung in die Kiste, hey ab geht die Post, let’s go, let’s fetz, volle Pulle, volle Power, wow, super!“ Weitere Ausschnitte aus der Sprachaufnahme werden als rhythmisches Element über den Song hinweg als Loop eingesetzt.

Die gesampelte Frau klagte gegen die Plattenfirma der Orsons. Sie betreibt eine bekannte Kirmesattraktion auf dem Oktoberfest und beschuldigte die beklagte Band, Aufnahmen ihrer Stimme beim “Rekommandieren”, dem Anwerben und Anfeuern der Fahrgäste, ohne Genehmigung verwendet zu haben. Dabei hätten die Musiker ihre urheberrechtlich geschützten Textpassagen genutzt, ohne die dafür nötigen Rechte zu klären. Die Klägerin habe auf Grund der umfangreichen Nutzung den Eindruck, in dem Song das 5. Bandmitglied zu sein.

Die beklagten Orsons gaben an, sie hätten die Wortfolge von einer Sample Library kopiert, die sie 2007 auf CD erstanden bzw. 2015 nochmals digital heruntergeladen hatten. Sie gingen davon aus, dass die Rechte dafür geklärt seien. Außerdem stellten die Musiker den geringen prozentualen Anteil der beanstandeten Textelemente heraus (5% des Textes bzw. 8,2% der Dauer des Songs) und bezweifelten, ob die Aufnahmen überhaupt von der Klägerin stammen, da diese keine Leistungsschutzrechte geltend macht. Vor allem aber sei dies alles nicht relevant, da die beanstandeten Textzeilen die für einen Urheberrechtsschutz verlangte Schöpfungshöhe nicht erreichen würden.

Das Gericht gab den verklagten Musikern Recht, wies die Klage ab und attestierte ebenfalls mangelnde Gestaltungshöhe (Rn. 41). Dem Text der Klägerin fehle es an Individualität und Doppeldeutigkeit, auch die urheberrechtliche Regelung der “Kleinen Münze”, die die unterste Grenze gerade noch geschützter Werke markiert, würde nicht greifen, da dieser Begriff “nicht die Aufgabe habe, jede Abgrenzung überflüssig zu machen” (Rn. 43). Über diese Begründung hinaus verwies das Gericht mit Nachdruck auf die Kunstfreiheit, die mitunter – wie auch im Urteil zu “Metall auf Metall” – vor das allgemeine Persönlichkeitsrecht zu stellen sei. Weil die Klägerin einer öffentlichen (Sprach)-Tätigkeit nachgeht, sei sie durch die Nutzung ihrer Stimme möglicherweise in ihrer “Sozialsphäre, nicht aber in ihrer Privat- oder gar Intimsphäre betroffen”. Beim Sampling aber gehe es um die “ästhetische Reformulierung des kollektiven Gedächtnisses kultureller Gemeinschaften” (Rn. 58), wobei das LG München hier direkt das BVerfG zitierte. Eine kunstspezifische Betrachtung rechtfertige hier also den Vorrang der Kunstfreiheit.

Einiges an dem Fall ist unseres Erachtens spannend, auf ein paar Punkte möchten wir daher noch gesondert hinweisen:

  • Aus der Mehrzahl der Sampling-Streitigkeiten ist bekannt, dass tendenziell eher Major Labels rechtlich gegen Sampling vorgehen. Auch in Stellungnahmen zum BVerfG plädierte bspw. der Bundesverband Musikindustrie für eine bessere Kontrolle Geistigen Eigentums und eine restriktivere Auslegung des Rechts zu Gunsten der Rechteinhaber. In diesem Fall ist es aber anders herum: Das beklagte Major zeigte, dass es sich mit den Argumentationen für das Sampling durchaus gut anfreunden konnte.
  • Obwohl “Metall auf Metall” derzeit vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) verhandelt wird, wird das BVerfG als Grundlage für die Klageabweisung herangezogen. Hier fehlt uns vielleicht das rechtliche Know-How, aber es ist eine Tatsache, dass ein für sich noch nicht abgeschlossener Fall hier als Rechtfertigung genommen wird, einen anderen Fall abzuschließen. Das verdeutlicht die Strahlkraft der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts.
  • Die Klägerin kann keine Fixierung der eigenen Leistung vorweisen. Sie versucht also, eine Leistung oder Werk im Nachhinein rechtlich zu konstruieren. Die Frage, ob der Text in verschriftlichter Fassung (als modernes Gedicht oder in Form von als Hip Hop-) eine andere Einschätzung unterstützt hätte, liegt nahe.
  • Die geringe Schöpfungshöhe des Sprachwerkes: Im “Metall auf Metall”-Fall wird vorrangig das Leistungsschutzrecht des Tonträgerherstellers bemüht. Es ist also keine Schöpfungshöhe erforderlich. Das unterstreicht wiederum die immanente Bedeutung der wirtschaftlichen Seite der Schöpfung bei “Metall auf Metall” und anderen ähnlich gelagerten Fällen von Mikro-Sampling.
  • Konstruktionen von Bedeutung/Relevanz haben entscheidenden Einfluss auf das Urteil. Während das Rekommandieren der Beklagten als banales Gerede bewertet wird, werden die Texte der Hip Hop Band als doppelbödig bezeichnet und damit als mehrebenenhaft besprochen. Die Konstruktion dieser Doppelbödigkeit, also dass im Text eine Ebene mehr steckt, als auf den ersten Blick erscheinen mag, scheint der zentrale Gradmesser zu sein, weshalb ein Text urheberrechtlichen Schutz genießt und ein anderer nicht.

Text: Konstantin Hondros (Uni Duisburg-Essen) und Georg Fischer (TU Berlin)

Dieser Beitrag erscheint als Crosspost auf “Creativity across Borders” (medium.com) und “Jäger und Sampler”.