In the Mix: Photek – Essential Mix 2012

Photeks EM von 2012 ist einer von denen, die mich zuletzt sehr positiv überrascht haben. Es gibt auch einen von Drum’n’Bass-EM von Photek aus dem Jahr 1997 – der hier ist aber vor allem housy, in der zweiten Hälfte dann auch stärker Broken Beat-lastig.

Zu Photeks Aufstieg ist auch diese frühe Doku sehenswert.

Umgehungskreativität in der Medienindustrie

Nächtliche Kletterwand in Brisbane, Australien (2017) – CC BY Georg Fischer

Drei aktuelle Beiträge von mir zum Phänomen der Umgehungskreativität in der Medienindustrie (das ich hier für’s Sampling ganz genau untersucht und beschrieben habe.) Die Zusammenschau der drei Fälle zeigt ein Muster: Neue Technologien bergen stets die Möglichkeit zur Manipulation für alle diejenigen, die sie besonders gut beherrschen, Schlupflöcher erkennen und bereit sind, sie zu ihrem eigenen Vorteil einzusetzen, auch wenn sie sich damit in die Illegalität begeben und anderen Schaden zufügen. Besonders schwierig wird es dann, wenn Manipulation und Kontrollsysteme zu nah beieinander liegen.

Im Februar diesen Jahres wurde ich für einen Radiobeitrag bei Deutschlandfunk Kultur zum Thema „Bootleg Podcasts“ bei Spotify interviewt. Der Clou dabei: User laden in der Podcast-Sektion von Spotify eigene Remixes oder Coverversionen ohne urheberrechtliches Clearing hoch, obwohl sie das eigentlich in vielen Fällen tun müssten. Auf diese Weise umgehen sie die Spotify-Regularien und die strapaziöse, oftmals unergiebige Lizenzierung, denn die Podcast-Sektion wird offensichtlich nur spärlich kontrolliert. Im Beitrag argumentiere ich dann auch für eine „Ästhetik des Halbseidenen“, die so entsteht und reizvoll sein mag – denn die Stücke können nach kurzer Zeit wieder verschwinden, die dadurch entstehende Knappheit macht die Musik interessant.

Etwas anders liegt es bei den Spielchen um gekaufte, gefakte oder anderweitig frisierte Follower- und Playzahlen bei Streaming-Anbietern wie Spotify. Diese Woche kam heraus, dass Spotify bei einigen Accounts aufgeräumt hat, wodurch einige Künstler:innen beträchtliche Followerzahlen verloren haben. Dabei wurden sogenannte Fake-Accounts genauso gelöscht wie stillgelegte oder anderweitig inaktive. Es ist deshalb nicht leicht abzuschätzen, wie groß das Problem mit den Fake-Followern wirklich ist, wie ich in einem Interview für das Schweizer Radio SRF 2 sage. Klar ist allerdings: das Problem der Manipulation in der Musik- und Medienindustrie ist generell schon vorhanden, angefangen beim Payola-Skandal und endend bei dem Fakt, dass man sich leicht Follower bei Instagram, Youtube, Soundcloud, etc. kaufen kann. Beim Spotify-Konkurrenten TIDAL wurden schon 2018 große Unregelmäßigkeiten beim Abspielen bestimmter Künstler:innen festgestellt, Spotify selbst war 2019 auch wegen sogenannter „fake artists“ in den Schlagzeilen, also Künstler:innen, die nur auf Spotify zu finden sind und dort hohe Abspielraten haben, aber über die man sonst nichts im Netz findet. Auch das ist Umgehungskreativität, in diesen Fällen mutmaßlich in kriminalle Akte gelenkt.

Das bringt mich zu meinem dritten Beitrag, der diese Woche bei iRights.info zum Fälschungsskandal um Claas Relotius erschien. Hier schreibe ich, dass Relotius als digital versierter Fälscher die Schwachstellen in dem Teil des noch auf Print ausgelegten Spiegel-Verlags gezielt ausnutzte und sich auf diese Weise nach oben schrieb, Preise einheimste, Renomee generierte, etc. – wohlgemerkt mit frisierten, manipulierten oder teils komplett gefälschten Reportagen. Relotius betrieb dieses Spiel jahrelang, bis ihm sein Kollege Juan Moreno auf die Schliche kam und ihn gegen erhebliche interne Widerstände beim Spiegel überführte. Darüber hat Moreno ein lesenswertes, fast schon krimiartiges Buch verfasst – in dem er Relotius als „Steilwandkletterer“ beschreibt, daher das obige Bild – nach dessen Lektüre ich Relotius als digitalen Fälscher interpretiere und seine Vorgehensweise an der Bruchstelle von alter Printwelt und neuer Digitalwelt verorte.Denn hier konnte Relotius optimal agieren: digital recherchieren, fingieren, schreiben – und dann im Print veröffentlichen, um auf diese Weise weniger rückverfolgbar zu werden und sich der Kontrolle zu entziehen.

In the Mix: Sedef Adasi „Am Deck“-Mix für Groove

Sensationell guter Mix der Augsburger DJ Sedef Adasi für die Mixreihe „Am Deck“ vom Groove Magazin aus dem Jahr 2017. Genau die richtige Mischung aus deep, verquietscht, treibend und synthielastig. Heute nachmittag dreimal in Folge gehört 😉

Tracklist:

01. Claro Intelecto – Peace of Mind
02. Aux 88 – Annihilating the Rhythm
03. Mr. Pauli — Night Fashion
04. Perel – Hildegard
05. Dominik Marz – Tears
06. V–Faux
07. Plant43 — Gj 1214B
08. Steffi — Selfhood
09. COMMUTER — Systemausfall
10. Innershades — The Future
11. Voiski – Floodlight for Sunflower
12. Kovyazin D – Uralmash Buildings
13. Lindstrøm – Tensions
14. Glass Domain — Interlock

Sedef Adasi bei RA. Und bei Soundcloud.

 

aux.app: Einfacher Zugang zu Youtube, Soundcloud, Mixcloud und Deezer aus einer Hand

Die Website aux.app kannte ich bis heute Nachmittag noch nicht. Dank dem freundlichen Hinweis von Jon bin ich aber jetzt schon großer Fan. Denn die Seite vereint den Zugang zu den Musik-Streamingdienste Youtube, Soundcloud, Mixcloud und Deezer. Die drei erstgenannten nutze ich regelmäßig und ausgiebig (neben Spotify), aber bisher musste ich für das Suchen und Abspielen einzelner Songs umständlich zwischen den Diensten hin- und herwechseln.

aux.app erleichtert den Zugang zu den einzelnen Diensten nun erheblich, denn über die Seite lassen sich plattformübergreifend Songs suchen, auswählen, in eine Playlist packen und anderweitig speichern („herzen“). Auch das Vor- und Zurückspulen geht. Die Suchergebnisse lassen sich zudem filtern und sortieren, beispielsweise nach dem Upload-Datum oder der Tracklänge. Das sind sehr praktische und nutzungfreundliche Features.

Erfreulicherweise arbeitet aux.app als Open Source-Software und stützt sich auf diverse OS-Bibliotheken. Laut eigener Angaben greift aux.app auf die API’s der einzelnen Dienste zu und kann so deren Datenbanken anzapfen. Auch Spotify ist hier aufgelistet, wenngleich aux.app derzeit keine Spotify-Integration anbietet (oder ich habe sie übersehen). Für Deezer habe ich keinen Account, daher kann ich das nicht testen. Bei Mixcloud wurde möglicherweise die API mittlerweile geschlossen oder es gibt ein anderweitiges Problem. Die Nutzung von Soundcloud und Youtube funktioniert dagegen problemlos ohne Login oder anderweitige Anmeldung.

Fazit: aux.app macht mein musikalisches Leben komfortabler und angenehmer. Ich wünsche mir eine solche oder ähnliche Anwendung auch für die zunehmende und unübersichtlich werdende Anzahl an Film-Streamingdiensten und journalistischen Textangeboten (insbesondere von Großverlagen). Positiver Nebeneffekt von aux.app außerdem: bis jetzt kam keine Werbung 😉

Ergänzung: aux.app gibt es auch als Standalone-Lösung für Windows und MacOS, wie ich gerade auf Github gesehen habe.

Fresh from the Press: „Sampling in der Musikproduktion“ (Büchner-Verlag 2020)

Hervorgehoben

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Vor kurzem ist meine Studie, die ich zwischen 2015 und 2018 am Graduiertenkolleg „Innovationsgesellschaft“ am Institut für Soziologie der TU Berlin durchgeführt habe, erschienen: und zwar beim Büchner Verlag als klassisches Buch sowie als frei verfügbares Open Access-PDF. Das Vorwort hat freundlicherweise Leonhard Dobusch beigesteuert, worüber ich mich sehr freue.

Wer eine kurze Einführung in meine Arbeit bzw. eine Zuspitzung einer Thesen aus der Studie lesen will: Bei iRights.info gibt es einen entsprechender Artikel zum Thema. Für die ausführliche Fassung empfehle ich das Buch.

Sampling in der Musikproduktion

Das Spannungsfeld zwischen Urheberrecht und Kreativität

384 Seiten, 14,5 x 20,5 cm, kartoniert
ISBN 978-3-96317-190-1 (Print)
34,00 € (Print)
ISBN 978-3-96317-721-7 (ePDF)
27,00 € (ePDF)Büchner-Verlag, Marburg, erschienen am 22. Januar 2020.
Mit einem Vorwort von Leonhard Dobusch

20 Jahre Streit um eineinhalb Sekunden kopierte Musik? Die Auseinandersetzung im Fall »Metall auf Metall« zwischen der Musikgruppe Kraftwerk und dem Komponisten Moses Pelham beschäftigte 2019 sogar den Europäischen Gerichtshof. Sie zeigt, dass das Urheberrecht zu einem gesellschaftlichen Streitthema geworden ist, das sich aus der Nische des künstlerischen Bereichs in den Alltag nahezu aller Menschen gedrängt hat. Dieser Prozess lief nicht unbemerkt von der Wissenschaft ab und dennoch ist diese gerade erst dabei, die Implikationen und Effekte dieser urheberrechtlichen Ausdehnung genauer zu verstehen.

Der Soziologe Georg Fischer liefert die erste empirische Studie zum Sampling in der Musik, die explizit den Einfluss des deutschen Urheberrechts auf die kreative Praxis untersucht. Er zeigt die Fülle und Vielfalt an kreativen Umgehungsstrategien, die sich im Schatten des Urheberrechts ausgebreitet und verankert haben – und mit denen die Künstler_innen die eigene Sichtbarkeit sowie die ästhetische Komplexität und monetäre Verwertung ihrer Werke notgedrungen einschränken.