Die Kunst des Fade-Out in der Popmusik

Kurzer, aber spannender Clip über Geschichte und Funktion des Fade-Outs in der Popmusik.

The fade out in music is one of those necessary tools in a record producers arsenal. But if you listen to today’s hits it’s much more likely you’ll hear a song that has a hard abrupt electronic ending. Bill Weir, wrote a great piece at Slate a few years ago tracking the rise and fall of the fade out in pop music: from one of the very first fade outs created by a literal wooden door to the epic 4 minute fade out of „Hey Jude.“ In the video above he brings me through that sonic journey.

Zu diesem Thema gibt es auch einen ausführlichen Artikel von 2014 beim Slate Mag.

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In the Mix: Eskmo – Ninja Tune Mix (2016)

Richtig starker Mix von Eskmo, der 2016 als Geschenk veröffentlicht wurde. Habe ihn mir schon ein paar mal reingezogen. Besonders gut finde ich, wie Eskmo sich durch den Backkatalog von Ninja Tune mischt und dabei die einzelnen Tracks in- und miteinandermasht. Teilweise liegen 3 (oder sogar mehr?) Spuren übereinander und durch die Stimmungs- und Tempowechsel ist das Ding sehr abwechslungsreich, wonky und funky…

Tracklist von Discogs:

Eskmo: „Cloudlight“ (Ambient P Stretch Mix)
Kid Koala: „Speed of Light“
Fink: „Warm Shadow“
Lorn: „Ghosst“
Stateless: „Im On Fire“ (Slugabed remix)
Toddla T: „Body Good“
Bonobo: „Change Down“
Two Fingers: „Not Perfect“
Eskmo: „Moving Glowstream“
The Bug: „Skeng“ (Autechre Remix)
Funci Porcini: „New Dope“
Zomby: „Orchid“
Dam Mantle: „3 Colours“
Bonobo: „1009“
Igor Boxx: „Breslau“
DELS feat. Joe Goddard and Roots Manuva: „Capsize“
Thavius Beck: „Violence“
Coldcut: „Timber“
Two Fingers: „Scott Foster Rhythm“
Speech Debelle feat. Micachu: „Better Days“
DELS: „Hydronenburg“
Daedelus: „Just Briefly“
Amon Tobin: „Journeyman“
The Death Set: „Is It The End Again?“

In the Mix: Aaron Dilloway – FACT mix 613 (obskure Coverversionen und Soundalikes)

Beim FACT Magazine bin ich auf einen interessanten Mix gestoßen: Aaron Dilloway, von dem ich vorher noch nichts hörte, hat in den letzten Jahren Coverversionen und Soundalikes gesammelt. Diese Nachbauten von bekannten Rock- und Popsongs vor allem aus den 60er und 70er Jahren sollten Konsument:innen gewissermaßen irreführen, denn statt dem originalen Song bekam man (hauptsächlich auf Compilations) eine von einer anderen Band eingespielte Version. Diese Praxis ist heute besonders in der Werbeindustrie eine verbreitet Umgehungsstrategie, aber auch auf Compilations und bei Spotify findet man immer wieder solche Versionen, die sich als Originale ausgeben, aber als Kopien entpuppen.

Inspired by cheap “sound-a-like” records designed to trick people thinking they were buying compilations from popular bands, it’s like tuning into a classic radio station from an alternate reality.

Presented without any tracklist, Dilloway’s mix unearths everything from baffling versions of Pink Floyd and Led Zeppelin classics to Hawkwind remade as easy listening. Oh, and there’s a high school chorus version of Foreigner’s ‘Cold As Ice’ thrown in for good measure.

Aaron Dilloway stellt leider keine Tracklist zur Verfügung, was sehr schade ist, denn ich würde gerne mehr über diese teilweise kruden, obskuren und weirden Versionen erfahren. Naja, zumindest gibt es noch ein paar Infos:

About 10 or so years ago, I came across a “fake” Beatles 8-track tape on Pickwick titled The Tribe Sing And Play The Hits Of Lennon, McCartney and Harrison. I remember coming across these budget “sound-a-like” tapes and records quite often at record shops and thrift stores for years. They are basically collections of cover versions of hit songs quickly recorded by random session musicians and designed to kind of trick people into buying them, thinking they are getting the “original artist.” Like, the cover would say, in real large print, “HITS OF THE ROLLING STONES,” then in real small type, “performed by The Current Event.”

[via FACT]

In the Mix: Ghost Notes – Mira Mix 2017

Gestern Abend, als das Gewitter über Berlin zog, saß ich mit meinem Kater Mira *schnurrrr* in unserer Küche und habe diesen Mix zusammengeschustert. Da mein Urei-Mischer leider immer noch kaputt ist (wer repariert so ne Dinger eigentlich? Urei selber existiert ja als Unternehmen nicht mehr), hab ich einfach Reaper genommen. Einen großen Unterschied macht es eh nicht, weil die Tracks so divers sind, dass Beatmatching hier nicht in Frage kam.

Eine Stunde. Alles Lieblingslieder, alles Musik, die ich sehr gerne und sehr oft gehört habe in den letzten Jahren. Die sich auch nicht abnutzen, je öfter ich sie höre. Jazz, HipHop, Downbeats, Advanced Electronic Dance Music. Ganz besonderen Dank geht an Marius Funk alias REALMS, der mir sein wundervolles „Anothered“ noch kurzfristig hat zukommen lassen. Bildet den besten Abschluss, den ich mir hätte wünschen können!

a little mix dedicated to my cat called mira *purrrr* I did this while it was raining last night, so mira and me ended up chilling together in the kitchen and enjoyed listening to some of our favourite miau-musics. we hope you do as well.

Da die Einbettung weder bei Mixcloud noch bei Hearthis funktioniert, hier der Link zu Mixcloud und zu hearthis.at

Tracklist
1 Your Nostalgic Heart and Lung by RJD2
2 Healing Rain by Om Unit
3 FINE (feat Grand Agent) by Session Victim
4 Yolanda by Tied & Tickled Trio
5 Beverly Hills by Steve Gray
6 Yin and Yang by Uyama Hiroto
7 Washing Machine (feat Relaan) by Dramadigs
8 Barbiturates by The Doppelgangaz
9 Ann River, Mn by Dorian Concept
10 Crackback by Dadamnphreaknoizphunk
11 Killin‘ Time by Oddisee
12 Casanova by Flamingosis
13 Channel 1 Suite by The Cinematic Orchestra
14 Tuesday Wonderland by E.S.T.
15 Charlottenburg by Benjamin Damage & Doc Daneeka
16 Anothered by REALMS

Crate Digging und Re-Issues – Zwei Einblicke in Kultur und Geschäft mit alter Musik

Screenshot aus dem Tedx-Talk / (c) Bruno Destombes (steht rechts unten im Bild)

Auf dem Vinylfetisch-Blog The Vinyl Factory bin ich auf diesen Talk gestoßen. Der DJ und Plattensammler Alexis Charpentier spricht hier über seine Leidenschaft: das Suchen, Aufspüren und Sammeln von alten, vergessenen und verschollenen Schallplatten. Er umschreibt mehrmals, dass seine Tätigkeit große Nähe zu Archäologen und Archivaren bzw. Kuratoren hat. Auch zu Detektiven, würde ich mal noch ergänzen, je nachdem, wie ernst man das Ganze nimmt. Interessant finde ich zudem, wie er den Zusammenhang zu der Unmenge an digital verfügbarer Musik herstellt und dass es in diesen unübersichtlichen Zeiten Menschen braucht, die aus dem Ozean des Verfügbaren eine Auswahl treffen (z. B. durch DJ-Sets oder Spotify Playlisten, aber auch Re-Issues und Compilations). Charpentier erzählt dabei auch die Geschichte von dem haitianischen Musiker Henri-Pierre Noel, dessen Musik leider untergegangen ist, die aber dank der Digger nun als Re-Issue wieder verfügbar ist.

Was Alexis Charpentier nicht erzählt, ist wie das Re-Issue-Business so abläuft, insbesondere was die Lizensierung der alten Musik betrifft und wie sehr teilweise die wiederaufgelegten Musiker ausgequetscht werden – auf Basis alter und neuer Verträge, in denen beispielsweise Studiomusiker per buy-out die Copyrights an ihren künstlerischen Anteilen entzogen wurden. Zu diesem Thema gibt es bei der Groove gerade einen guten kritischen Artikel, auf den ich in diesem Zusammenhang unbedingt aufmerksam machen will, da er einen differenzierteren Blick auf das Geschäft mit der Aneignung vergessener Musik bietet und nicht nur die weiße Kuratoren-Perspektive bedient. Hier zwei kurze Ausschnitte aus dem Artikel „Black Roots, White Fruits“ von Niklas Fucks:

Oft ist die Rechtslage unklar, das Originallabel lange schon nicht mehr existent, der Lead-Sänger verschollen, die Masterbänder zerstört, die Verträge abgebrannt, die Nachkommen zerstritten oder kaum zu finden. „Manchmal ist man froh, wenn man überhaupt jemanden findet, der einem das Geld abnimmt und idealerweise unterschreibt, dass er die Rechte hat“, gesteht ein Labelbetreiber, der lieber anonym bleiben möchte. Abgesehen davon haben nicht immer die MusikerInnen die Rechte inne, obwohl sie in einer perfekten Welt die Tantiemen verdienen würden. Der bekannteste Fall einer solchen Win-Lose-Situation ist der von Clyde Stubblefield: Der „Funky Drummer“-Schlagzeuger hat nie etwas an seinem legendären Drumbreak verdient, obwohl es sich um die meistgesampelten Takte der Musikgeschichte handelt. Einigen Labels erscheint es so sinnvoller, Bootlegs zu pressen oder die teils recht schwammige Gesetzeslage wie etwa die Verjährung des Urheberrechts 70 Jahre nach dem Tod des Verfassers auszunutzen.

[…]

Es ist nicht zu leugnen, dass die meisten Reissue-Labels von wohlhabenden, oft weißen, nordamerikanischen oder europäischen Männern betrieben werden. Die mögen uns mit ihrer Arbeit zwar allen einen Gefallen tun, aber eben auch die klassischen kolonialen Mechanismen reproduzieren, die bis heute die Weltwirtschaft bestimmen.

Hier geht es zum kompletten Groove-Artikel „Re: Issues. Hinter den Kulissen der Reissue-Industrie“ von Niklas Fucks.

 

In the Mix: DJ Nu-Mark – „Nu Crack City“ & „20 Birthdays, 5 Turntables“

Zwei begnadete Sets von DJ Nu-Mark alias Uncle Nu, dem DJ und Produzenten von Jurassic 5: Das eine ist vor ein paar Wochen als Geburtstagsgeschenk für 20 19 Künstlerinnen an 5 Decks entstanden. Nu-Mark mixt sich durch eine wilde Mischung an Original- und Sampleversionen von Quincy Jones über Rihanna bis hin zu Kurt Cobain (das Nirvana-Cover am Ende echt ein Knaller):

Das andere ist ein Mix, den Nu-Mark schon 2015 ins Netz stellte. Im ähnlichen Stil wie der Geburtstags-Mix, aber auf eine Stunde ausgedehnt.

This mix incorporates some multi-tracks, unreleased skits with a garnish of new and old music. This mix is intended to make a long car ride breeze by in a flash. Enjoy!

Mixed Feelings: Britischem DJ droht Haftstrafe in Tunesien wegen Gebetsruf-Sample

Türkisches Minarett, fotografiert von Riccio, lizensiert unter CC BY-NC-SA

Verschiedene Medien berichten, dass dem britischen DJ Dax J. eine einjährige Haftstrafe in Tunesien droht, sollte er in das Land einreisen. Hintergrund ist, dass Dax J. Ende März bei einem Festival in Tunesien einen Track spielte, der ein 20-sekündiges Gebetsruf-Sample enthält das Gebtsruf-Sample live in den Track einblendete und  damit remixte. Das sorgte im Publikum, bei den Festivalveranstaltern und Behörden allerdings für gemischte Gefühle: Dax J. wurde dazu aufgefordert, den Track abzubrechen und etwas anderes zu spielen. Das Festival distanzierte sich außerdem von dem DJ. Wegen „Verletzung der guten Sitten“ und Erregung öffentlichen Ärgernisses wurde der Clubmanager in Untersuchungshaft gebracht und der Club bis auf Weiteres geschlossen. Der DJ erhielt auch Morddrohungen von wütenden Fans, befindet sich mittlerweile aber bereits außerhalb Tunesiens. Seinem Tourkalender nach zu urteilen, spielt er zahlreiche internationale Gigs.

Hier ein Video von der betreffenden Szene:

Das hier müsste das corpus delicti sein (ab ca 3:50 geht das Sample los):

Tja, jetzt haben wir den Salat. Das Problem hat glücklicherweise nicht die Ausmaße wie bei Charlie Hebdo vor zwei Jahren. Trotzdem ist es ein lehrreiches Beispiel über das Verhältnis von Religion und Kunst(freiheit), über die Hoheit zur technischen Reproduzierbarkeit von Klang und die symbolische Ebene von Samples. Auf dem Gebetsruf, dem Adhan, liegt sozusagen ein informeller, religiöser Kopierschutz, da er nur von bestimmten Personen und in bestimmter Weise öffentlich aufgeführt werden darf – als Remix oder in Form eines Samples eben nicht, wie dieser Fall zeigt. Der Export der Technokultur mit unbedarftem Sampling und beliebigen Referenzen klappt nicht überall reibungslos, hier stößt die Entwicklung deutlich an religiöse Grenzen. Die Aneignung durch Sampling führt in Deutschland zwar eher zu urheberrechtlichen und monetären Verwicklungen, in manchen muslimischen Ländern gibt es aber eben auch eine (sehr dominante) religiöse Dimension, wer wann welche Klänge reproduzieren darf.

Auch wenn Dax J. sich hier keine Gedanken über religiöses Sample-Clearing gemacht hat, bin ich mir sicher, dass es seiner Karriere nicht schaden wird. Zahlreiche Bekundungen unter seinem kürzlich veröffentlichten Entschuldigung legen nahe, dass seine Anhängerschaft mehrheitlich auf seiner Seite ist und sogar wächst. Bleibt eher zu hoffen, dass dieser Fall nicht zur Verschärfung religiöser Spaltung beiträgt. Morddrohungen etc. gehen natürlich gar nicht! Auch viele westliche Online-Kommentare unter den Videos und an anderen Stellen zeigen das Fehlen von Toleranz, die selbst gerne in anderen Zusammenhängen eingefordert wird. Dass so ein Gebetsruf-Sample religiöse Gefühle verletzt, zu Gefängnisstrafen und Morddrohungen führt, ist mir als weißer Mittelschichts-Berliner mit DJ-Hintergrund auch höchst unverständlich und fremd, aber ich finde, es sollte kein Grund sein, sich über Religion zu stellen oder gar ein ganzes Land als „dreckig“ zu beschimpfen. Damit entlarvt man vor allem Unreflektiertheit in Bezug auf das eigene Verständnis von kultureller Hegemonie.