Gesucht: Albumcover mit Crate Diggin‘ / vollen Plattenregalen

Für meine Arbeit suche ich derzeit Beispiele für Alben (EPs, Singles, etc.) mit Abbildungen auf dem Cover, die den Auswahlprozess beim Sampling illustrieren beziehungsweise Plattensammlungen zeigen. Offizielle Pressefotos gehen auch, aber am liebsten wären mir tatsächlich cover shots im Studio, Plattenladen, beim Diggin‘, etc.

Ein paar Beispiele habe ich schon, die in die Richtung gehen, wie ich mir das vorstelle, aber ich freue mich natürlich über weitere Hinweise. Gerne in die Kommentare, danke!

Damu the Fudgemunk – Spare Time

Mu Stars – Quasar

Klim Beats – Natural

DJ Shadow – Endtroducing….. (Vorder- und Rückseite) / Zur Entstehung des Fotos hier noch ein interessanter Artikel – danke für den Link Chrizzi!

 

Update 20.2.2018: Einige Cover wurden mir schon per Twitter und Facebook zugeschickt, vielen Dank Euch! Wer noch was hat, gerne rüberfaxen 🙂

Mister Modo, Ugly Mac Beer ft. F. Stokes – Diggin‘ in the Crates (danke Cornelius!)

Norman Cook / Fatboy Slim – A Break from the Norm (Danke Arne!)

Fatboy Slim – Praise You (danke Mo!)

Fatboy Slim – You’ve Come a Long Way (Album Cover Inlay)

Pete Rock & CL Smooth – The Main Ingredient (Danke Falk!)

Pete Rock & CL Smooth – I got a love (Danke Falk!)

DITC – Day One (Danke Peter!)

DITC – Rare Breaks Stack One (Danke Peter!)

Stieber Twins – Fenster zum Hof

Summers Sons – Undertones (danke Daniel!)

JR & PH7 ‎– The Update (Danke @_roenae)

Twit One & Miles Bonny ‎– Twit Bonny

Dexter – Hi Hat Club Vol 3 The Jazz Files

Testiculo Y Uno ‎– Hi-Hat Club (Vol. 1)

Peanut Butter Wolf – Yo! 45 Raps Vol. 1

Mark B & Blade – Nobody relates / We’ll survive

Mark B & Blade – Nobody relates / We’ll survive (CD)

Mark B & Blade – Hitman on Fire (Poster?)

 

2. Update (21.2.2018): Wahnsinn, ich bin echt begeistert. Innerhalb von 2 Tagen sind schon 30 Aufnahmen zusammen gekommen! Großen Dank an alle Beitragenden! Keep it coming! 🙂

Moonboots And Balearic Mike – Originals (Danke David!)

DJ Food – Refried Food Series

Kid Koala – Carpal Tunnel Syndrome (Danke Mr. Binh)

Marco Polo – Baker’s Dozen (Danke Mr. Binh)

DJ Nu-Mark – Hands on (Danke Mr. Binh)

Soundproviders – It’s gonna bee Part II (Danke Mr. Binh)

Dusty Fingers Compilation (Danke Mr. Binh)

Aphroe – 90 (Danke @xp48x)

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“Metall auf Metall” als Zitat – Sampling-Streit vor dem Landgericht München

Aufarbeitung eines Urteils des LG Münchens; LG München – 33 O 15792/16

von Konstantin Hondros und Georg Fischer

Nach dem Sampling-Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) im Mai 2016, das das umstrittene “Metall auf Metall”-Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH, 2012) aufhob und forderte, die rechtliche Barrieren für Sampling zu überarbeiten (kurzer Überblicksartikel hier), scheint es nun einen ersten Anwendungsfall zu geben. Im Fall “Wiesn’ Schaustellerin gegen die Orsons” des Münchner Landgerichts (LG, Dezember 2017) wurde unseres Wissens nach zum ersten Mal in der Rechtsprechung auf das Urteil des BVerfG rekurriert.

Schaustellerin gegen Hip Hop Band

Konkret geht es um das Stück “Schwung in die Kiste” von Die Orsons, das im Februar 2015 auf dem Album “What’s goes” von Chimperator Records/Universal veröffentlicht wurde:

Laut diesem Bericht wurde der Song mehr als 200.000 mal verkauft und belegte Platz 23 der deutschen Singlecharts, das Album sogar Platz 2 der deutschen Albumcharts. Auch im Radio und auf Konzerten wurde das Stück kommerziell eingesetzt. Eröffnet wird das Lied von folgender Wortfolge, die eine Frau spricht: „Ja und jetzt, jetzt bring ma wieder Schwung in die Kiste, hey ab geht die Post, let’s go, let’s fetz, volle Pulle, volle Power, wow, super!“ Weitere Ausschnitte aus der Sprachaufnahme werden als rhythmisches Element über den Song hinweg als Loop eingesetzt.

Die gesampelte Frau klagte gegen die Plattenfirma der Orsons. Sie betreibt eine bekannte Kirmesattraktion auf dem Oktoberfest und beschuldigte die beklagte Band, Aufnahmen ihrer Stimme beim “Rekommandieren”, dem Anwerben und Anfeuern der Fahrgäste, ohne Genehmigung verwendet zu haben. Dabei hätten die Musiker ihre urheberrechtlich geschützten Textpassagen genutzt, ohne die dafür nötigen Rechte zu klären. Die Klägerin habe auf Grund der umfangreichen Nutzung den Eindruck, in dem Song das 5. Bandmitglied zu sein.

Die beklagten Orsons gaben an, sie hätten die Wortfolge von einer Sample Library kopiert, die sie 2007 auf CD erstanden bzw. 2015 nochmals digital heruntergeladen hatten. Sie gingen davon aus, dass die Rechte dafür geklärt seien. Außerdem stellten die Musiker den geringen prozentualen Anteil der beanstandeten Textelemente heraus (5% des Textes bzw. 8,2% der Dauer des Songs) und bezweifelten, ob die Aufnahmen überhaupt von der Klägerin stammen, da diese keine Leistungsschutzrechte geltend macht. Vor allem aber sei dies alles nicht relevant, da die beanstandeten Textzeilen die für einen Urheberrechtsschutz verlangte Schöpfungshöhe nicht erreichen würden.

Das Gericht gab den verklagten Musikern Recht, wies die Klage ab und attestierte ebenfalls mangelnde Gestaltungshöhe (Rn. 41). Dem Text der Klägerin fehle es an Individualität und Doppeldeutigkeit, auch die urheberrechtliche Regelung der “Kleinen Münze”, die die unterste Grenze gerade noch geschützter Werke markiert, würde nicht greifen, da dieser Begriff “nicht die Aufgabe habe, jede Abgrenzung überflüssig zu machen” (Rn. 43). Über diese Begründung hinaus verwies das Gericht mit Nachdruck auf die Kunstfreiheit, die mitunter – wie auch im Urteil zu “Metall auf Metall” – vor das allgemeine Persönlichkeitsrecht zu stellen sei. Weil die Klägerin einer öffentlichen (Sprach)-Tätigkeit nachgeht, sei sie durch die Nutzung ihrer Stimme möglicherweise in ihrer “Sozialsphäre, nicht aber in ihrer Privat- oder gar Intimsphäre betroffen”. Beim Sampling aber gehe es um die “ästhetische Reformulierung des kollektiven Gedächtnisses kultureller Gemeinschaften” (Rn. 58), wobei das LG München hier direkt das BVerfG zitierte. Eine kunstspezifische Betrachtung rechtfertige hier also den Vorrang der Kunstfreiheit.

Einiges an dem Fall ist unseres Erachtens spannend, auf ein paar Punkte möchten wir daher noch gesondert hinweisen:

  • Aus der Mehrzahl der Sampling-Streitigkeiten ist bekannt, dass tendenziell eher Major Labels rechtlich gegen Sampling vorgehen. Auch in Stellungnahmen zum BVerfG plädierte bspw. der Bundesverband Musikindustrie für eine bessere Kontrolle Geistigen Eigentums und eine restriktivere Auslegung des Rechts zu Gunsten der Rechteinhaber. In diesem Fall ist es aber anders herum: Das beklagte Major zeigte, dass es sich mit den Argumentationen für das Sampling durchaus gut anfreunden konnte.
  • Obwohl “Metall auf Metall” derzeit vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) verhandelt wird, wird das BVerfG als Grundlage für die Klageabweisung herangezogen. Hier fehlt uns vielleicht das rechtliche Know-How, aber es ist eine Tatsache, dass ein für sich noch nicht abgeschlossener Fall hier als Rechtfertigung genommen wird, einen anderen Fall abzuschließen. Das verdeutlicht die Strahlkraft der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts.
  • Die Klägerin kann keine Fixierung der eigenen Leistung vorweisen. Sie versucht also, eine Leistung oder Werk im Nachhinein rechtlich zu konstruieren. Die Frage, ob der Text in verschriftlichter Fassung (als modernes Gedicht oder in Form von als Hip Hop-) eine andere Einschätzung unterstützt hätte, liegt nahe.
  • Die geringe Schöpfungshöhe des Sprachwerkes: Im “Metall auf Metall”-Fall wird vorrangig das Leistungsschutzrecht des Tonträgerherstellers bemüht. Es ist also keine Schöpfungshöhe erforderlich. Das unterstreicht wiederum die immanente Bedeutung der wirtschaftlichen Seite der Schöpfung bei “Metall auf Metall” und anderen ähnlich gelagerten Fällen von Mikro-Sampling.
  • Konstruktionen von Bedeutung/Relevanz haben entscheidenden Einfluss auf das Urteil. Während das Rekommandieren der Beklagten als banales Gerede bewertet wird, werden die Texte der Hip Hop Band als doppelbödig bezeichnet und damit als mehrebenenhaft besprochen. Die Konstruktion dieser Doppelbödigkeit, also dass im Text eine Ebene mehr steckt, als auf den ersten Blick erscheinen mag, scheint der zentrale Gradmesser zu sein, weshalb ein Text urheberrechtlichen Schutz genießt und ein anderer nicht.

Text: Konstantin Hondros (Uni Duisburg-Essen) und Georg Fischer (TU Berlin)

Dieser Beitrag erscheint als Crosspost auf “Creativity across Borders” (medium.com) und “Jäger und Sampler”.

In the Mix: Ghostemane – Mercury

Starkes Musikvideo von Ghostemane aus L.A., der irgendwie so eine Mischung aus Hip Hop, Metal und Noise macht. Ziemlich düster. Hier der Track „Mercury“ gemasht mit dem Cartoon „Betty Boop Snow White“ von 1933 (siehe unten). Passt absurd gut zusammen.

Recently I just don’t give a fuck about a thing, yuh.

In the Mix: Sedef Adasi „Ein Mädchen&Techno #4“

Ein toller Mix von Sedef Adasi, den ich in den letzten Wochen zig Mal gehört habe, weil er exakt die Art von Tech-House ist, die ich liebe. Flowt schön durch, hat viele Flächen und Melodien, aber niemals Kitsch, arbeitet mir dicken Bässen, wirkt aber nicht prollig, und bietet genau die richtige Mischung aus Monotonie und Abwechslung.

Wer Sedef Adasi mal live als DJ erleben will, sie veranstaltet die „Hamam Nights“ in Augsburg (nächster Termin: 12.1.2018) und ist dieses Jahr ansonsten zum Beispiel auf dem Melt Festival zu sehen.

In the Mix: Kabuki – Soul Circle Radio Mix (2017)

Genau das richtige für einen verhangenen, bluesy Sonntag: (leider nur) eine halbe Stunde Downbeats gemischt vom Frankfurter DJ und Produzenten Kabuki für’s Soul Cirlce Radio.

When I started working on this mix for SCR I decided to do in an old school mixtape style. So you won’t find any fast cuts and mixes, instead I’m letting the beats breathe and put the focus on short tasteful blends. I’ve compiled tracks by some of my favorite artists such as Dilla, Primo, Doom, Grap Luva, Mitsu, Dimlite and Fat Jon. They are interspersed with Kabuki beats which are either hard to find, unreleased or dubplate specials. After I recorded the mix I hooked up the Moog and played some sound effects over the top.

Remix my Culture: Oasis „Wonderwall“ in diversen Keyboard-Presets

Nice. Der schwedische Keyboarder Seth Everman spielt sich durch die Presets seines neuen Keyboards. Und wählt dafür den einzig passenden Gesichtsausdruck.

You’re my wonderwall.

GEMA Jahrescharts 2016: Diskotheken und Clubs

In der aktuellen Ausgabe der GEMA-eigenen Zeitschrift (04/2017), die den wundervollen Titel „virtuos“ trägt, finden sich auch die Charts des Jahres 2016. Darunter sind die im Jahr 2016 am meisten gespielten und abgerufenen Songs in den Kategorien Streaming, Radio, Tonträger, Live, Downloads und Diskotheken (S. 11-17) aufgeschlüsselt, so wie sie von der GEMA bzw. von deren Partnerfirmen (z. B. Yacast) ermittelt wurden. Besonders gerne scheint die GEMA ihre Charts nicht veröffentlichen zu wollen, denn ich konnte zum Vergleich nur noch die vom Vorjahr 2015 im Netz finden.

Ziemlich genau vor 2 Jahren recherchierte ich für iRights.info zu der Frage, nach welchen Modalitäten die GEMA eigentlich Diskotheken und Clubs monitoriert und entsprechend an die gespielten Künstler:innen ausschüttet. Schon damals merkte ich, dass diese Informationen teilweise nicht öffentlich gemacht werden: Zwar wird angegeben, dass etwa 5000 Tanzflächen in Deutschland in der Rechnung miteinbezogen sind, es wird wird aber nur Stichproben-artig gemessen, was gespielt wird: Laut einem aktuellen GEMA-Papier wird pro Diskothek nur 1 Stunde pro Woche mitgeschnitten — wieviele und welche Diskotheken mit den sogenannten „Black Boxes“ ausgestattet sind, die die Musik identifizieren, wird in diesem Papier aber nicht aufgelistet. Vor 2 Jahren waren es um die 120. Die Namen der Diskos bleiben ebenfalls unter Verschluss, um Manipulationen vorzubeugen; genauso wenig ist ersichtlich, zu welchen Zeitpunkten mitgeschnitten wird. So richtig nachvollziehen lässt sich also nicht, ob die Stichproben überhaupt die Grundgesamtheit repräsentieren. Laut GEMA wird das Verfahren aber vor allem aus Kostengründen beibehalten.

erade für Remix- und Sampling-basierte Musik, die oftmals wegen Lizenzschwierigkeiten nicht auf großen Labels erscheint und daher auch nicht in der Abrechnung vorkommen kann, ist es natürlich ein strukturelles Problem. Denn die jeweligen Künstler:innen, deren Musik gespielt wird, können nicht vergütet werden, sowohl die sampelnden wie auch die gesampelten.

Was mich dann aber doch sehr überrascht hat, ist wie mainstreamig die Top 10 der Diskotheken-Charts doch sind. Die anderen GEMA-Charts sind es auch, aber das hat mich nicht verwundert, weil es ja um die Mainstream-Pop geht. Bei den Diskotheken hätte ich aber den ein oder anderen Underground-Track erwartet. Um sich ein besseres Bild davon machen zu können, hab ich mal die jeweiligen Youtube-Links herausgesucht. Viel Vergnügen.

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