Nachtrag: “Sample: Not for sale” bester Musikfilm 2013 beim Unerhört!-Festival

Yo.

Letzte Woche habe ich ja bei Vorführung und Diskussion der Sampling-Doku “Sample: Not for Sale” im Rahmen des Unerhört!-Musikfilmfestivals und in Hamburg beigewohnt und auch den Regisseur Mike Redman kennengelernt (neben den anderen netten Menschen Juliane Reil / ByteFM, Organisator Stefan Pethke und DJ Sebel). Der Film ist definitiv das umfassendste Filmdokument zum Thema Sampling und HipHop, das ich kenne und darüber hinaus ein filmisch hoch interessanter Streifen, der das Thema Sampling vs. Zitat vs. Plagiat selbst zur Form macht. 

So weit, so gut. Ich könnte Euch den Mund weiter wässrig reden, aber leider wird es sehr, sehr schwierig werden, den Film noch einmal zu sehen, denn eine Veröffentlichung auf DVD o. ä. ist aus lizenzierungsrechtlichen Problemen (Sample-Clearing lässt grüßen…) derzeit nicht im Bereich des Möglichen. Das ist die Ironie der ganzen Kiste… trotzdem, es bleibt ein toller Streifen und wir können nur hoffen, dass der Film noch möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht werden kann!  Chapeau!

Sample: Not for sale

“Um das gesprochene Wort, um Zitate, um vorgefundenes Material und seine Expressivität geht es auch in Mike Redmans SAMPLE: NOT FOR SALE. Bei diesem Film ist dieses passionierte Drinsein, dieser Pathos wirklich umwerfend. This guy loves this stuff. Unabhängig vom Gedanken der Verwertbarkeit hat Mike Redman sieben Jahre an diesem Film gearbeitet. Das ist Pathos im besten Sinne. Da kann man sich vorstellen, wie er mitten in crates mit zusammen gesammelten Interview- und Filmclips wie ein Wilder sucht, ordnet, sortiert und zusammenmixt. Was dabei rüberkommt, ist kein Plattmachen der Materie von Seiten einfacher Ideen her, sondern eine schillernde Darstellung des sampling im HipHop. Dabei entsteht in einer Geste der Verneigung vor der Musikgeschichte ein Sog, der vom Material ausgeht.” (aus der Presseankündigung).

Recht auf Remix: Kampagne auf der re:publica gestartet

Am 7. Mai hat die Digitale Gesellschaft auf der diesjährigen re:publica ihre Kampagne “Recht auf Remix” ins Leben gerufen. Das Ziel des Projekts ist, eine breite gesellschaftliche Debatte zu den rechtlichen Barrieren für niedrigschwellige Kreativität bei digitalen Inhalten anzuschubsen, z. B. bei Mashups, Videos, Foto-Remixes, etc. Natürlich spielen die rechtlichen Rahmenbedingungen auch und gerade beim Sampling in der Musik eine entscheidende Rolle, wie vor allem die Geschichte des HipHop und Sample-Clearing in den Neunzigern zeigt. Der Publizistik Dirk von Gehlen, der auch bei “Recht auf Remix” mitmischt, hat diese Vorgehensweise des digitalen Schöpfertums passenderweise als “kreative Kopie” bezeichnet.

Hier ein Auszug aus der Pressemitteilung, die das Vorhaben “Recht auf Remix” auf den Punkt bringt:

“Mit dem Internet sind Remix und andere Formen kreativer Kopie Teil des kommunikativen Alltags breiter Bevölkerungsschichten geworden. Im aktuellen Urheberrecht sind Remix und Remixkultur allerdings nicht vorgesehen. Markus Beckedahl, Vorstand des Digitale Gesellschaft e. V., sieht deshalb Handlungsbedarf: “Ein Recht auf Remix ist inzwischen eine grundlegende Voraussetzung für die Kunst- und Meinungsfreiheit in einer digitalen Gesellschaft.

Die derzeitige Rechtslage sei zum Nachteil aller Beteiligten: Wer Werke verändert und anderen zugänglich macht, riskiert abgemahnt zu werden, gleichzeitig bekommen die Urheber der verwendeten Werke keine Vergütung. Der Vorschlag des Digitale Gesellschaft e.V. sieht stattdessen ein Bündel aus drei vergüteten Kreativitätsrechten vor:

  • Das Recht, Werke bei der Nutzung zu verändern und das Ergebnis öffentlich zugänglich zu machen. (Pauschalvergütetes Transformationsnutzungsrecht – Beispiel: Hintergrundmusik im Handy-Video)
  • Das Recht, Remixes von bestehenden Werken zu erstellen und diese öffentlich zugänglich zu machen. (Pauschalvergütetes Remixrecht – Beispiel: Fake-Trailer einer Fernsehserie)
  • Das Recht, gegen Zahlung einer angemessenen Vergütung, Remixes auch kommerziell zu verwerten. (Lizenzpflichtiges Remixverwertungsrecht – Beispiel: Verkauf von Musik-Mashup via iTunes)”

Hier kann man sich für die Petition eintragen. You gotta fight… for your right… to remix…

recht auf remixUnd hier erklärt Leonhard Dobusch, einer der treibenden Kräfte hinter “Recht auf Remix”, was die Kampagne erreichen will:

Filmvorführung “Sample: Not for Sale” mit anschließender Diskussion

Im Rahmen des Unerhört! Musikfilmfestivals werden vom 3. bis 5. Mai 2013 in Hamburg spannende Filme und Dokumentationen rund um das Thema Musik gezeigt. Neben interessanten Filmen z. B. über die Erfolgsbedingungen von Musikern in Österreich oder über die Geschichte russischer Gangsterlieder von der Sowjetzeit bis heute wird auch ein Film über die Samplingkultur im HipHop gezeigt: Die Doku “Sample: Not for Sale” ist laut Pressetext ein regelrechtes Feuerwerk an Interviews mit Größen wie DJ Shadow, Africa Bambaataa oder Madlib und spürt der Geschichte des Samplings nach. Im Anschluss an die Vorführung wird sich der Regisseur Mike Redman Fragen aus dem Publikum stellen und in diesem Rahmen werden auch Juliane Reil (Byte FM) und Georg Fischer (Jäger und Sampler) etwas zu dem Film sagen, auf dass sich eine spannende Diskussion zusammen mit dem Publikum entwickelt!

Termin: Freitag, 3. Mai 2013, 23:00 Uhr

Das Festival findet im b-movie Kino in der Brigittenstr. 5, 20359 Hamburg statt.

Sample: Not for sale

Hier noch ein Auszug aus der Ankündigung:

“Man kann das Sampling weit zurück verfolgen in der Musikgeschichte. Zu einer bestimmten Zeit begann es jedoch so dominant wie nie zuvor zu werden,als sich im berüchtigten New Yorker Armenviertel der Bronx im Verlauf der 1970er Jahre auf quasi natürliche Weise ein neues Musikgenre und eine ganze Subkultur entwickelte: der HipHop. HipHop war das Ergebnis von Bedürfnissen, die entstehen, wenn die Möglichkeit, ein Instrument zu lernen, weder finanziell noch infrastrukturell zur Verfügung steht. Also wurden alte Jazz-, Funk- und Rock-Platten gewissermaßen recyclet. Eine neue Generation bastelte damit musikalische Collagen, der Plattenspieler wurde selbst zum Instrument. Sampling-Pioniere wie Marley Marl oder später Public Enemy bewiesen, wieviel Innnovationspotenzial in dem Phänomen steckt. Die 80er Jahre wurden zum Goldenen Zeitalter des HipHop, der sich global ausbreitete. Der Einsatz von Samples wurde so populär, das eine ganze Musikindustrie neu entstand, weit über die Grenzen des HipHop-Genres hinaus. Das drückte sich nicht nur auf der kreativen Ebene aus. Parallel entwickelten sich neue Formen von Bürokratie, mit dem Ziel, die ungesetzliche Nutzung von fremder Musik zu bekämpfen. In der Zwischenzeit hat die Entwicklung des Sampling auch nicht Halt gemacht …

Der holländische Filmemacher Mike Redman geht der Kunst und Kultur des Sampling in seinem neuesten Film mal so richtig auf den Grund. Immer wieder ist er in den letzten Jahren mit den wichtigsten Vertretern der Sampling-Zunft zusammengetrofffen und hat – ohne Budget und auf allerlei unorthodoxen Wegen – Interviews geführt mit den ganz großen Namen. Legenden wie Afrika Bambaataa, Public Enemy, Bootsy Collins, Maceo Parker, DJ Shadow, Jazzy Jeff, EPMD, EL-P, Madlib, George Clinton, Eboman, Marley Marl, DJ Food, Idris Muhammad und viele andere mehr haben ihm ihre Haltung zum Sampling vorbuchstabiert.”

Vier Takte für die Ewigkeit: Der Amen Break

Wer hätte es gedacht: das historische Online-Magazin einestages.de (DER SPIEGEL) hat einen schönen Beitrag über den berühmt-berüchtigten Amen Break veröffentlicht. Programmatischer Titel: “Vier Takte für die Ewigkeit”. Inklusive einer Reihe von Hörbeispielen, die die einflussreiche Historie des Drumbreaks illustrieren. Ein ähnlicher Beitrag findet sich hier bei The Economist.

Laut einer Liste von whosampled.com rangiert der Amen Break auf den ganz hohen Plätzen der am meisten gesampelten Breakbeats aller Zeit. Aller Vermutung nach ist er sogar der meistgesampelte Break überhaupt, weil er in den meisten frühen Jungle-, Drum’n'Bass- und Nubreaks-Produktionen quasi als paradigmatisches Grundskelett fungierte. Siehe auch Wikipedia.

Naja, wie auch immer. Das hier ist auch schön:

 

winstons-amen-brother