Vinyl

Einmal mit Profis: Schallplatten von Kratzern befreien

Der Australier Mohair Slim hat offenbar eine Methode entwickelt, wie sich springende Schallplatten reparieren lassen: mit einem (medizinischen?) Mikroskop, etwas Farbe und einer Nähnadel lassen sich die Grooves wieder ganz schnieke in Reih und Glied bringen. Cool!

 

 

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Doku: Illegale Schallplatten auf Röntgenbildern („X-Ray Audio“)

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Was Musik mit Knochenbrüchen und „Umgehungskreativität“ zu tun hat. Das ist das Thema dieser kurzen Dokumentation von The Vinyl Factory und Antique Beat. Mir ist auf die Schnelle kein blöderer besserer Titel für den Blogpost eingefallen, im Englischen klingt der Titel der Doku halt viel schöner: „X-Ray Audio Bone Music“. Das Filmchen zeigt, wie man in der Sowjetunion der Nachfrage nach illegaler westlicher Popmusik im Untergrund gerecht werden wollte.

Aus Feuerschutzgründen mussten die Krankenhäuser ihre nicht mehr gebrauchten Röntgenbilder am Ende des Jahres entsorgen. Um sich Arbeit und Kosten zu sparen, wurden diese aber oft auch umsonst abgegeben. Da sich das Material ganz gut eignete, um darauf Musik zu speichern, wurden die Röntgenaufnahmen zur Umgehung der Zensur bald auch als Bootlegs für illegale Musik genutzt – wenn auch mit erheblichen Klangeinbußen: Denn teilweise waren die Nebengeräusche genauso laut wie die gespeicherte Musik, wie einige Musikbeispiele aus dem Film zeigen.

The iconic images of gramophone grooves cut onto x-rays of skulls, ribcages and bones have captured the collective imagination way beyond the music scene. Now for the first time, the complete story of the Soviet x-ray record has emerged, as told by the people who made it happen.

Hier auch noch ein deutscher Bericht von 2011 auf SpiegelOnline.

[via The Wire]

Doku: „Vinyl lebt“ (ZDFinfo, 2015)

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Eigentlich hatte ich gedacht, dass ich diese Doku schon mal verbloggt hätte. Aber irgendwie ist das letzten Sommer wohl doch durchgerutscht, jetzt also richtig: Für ZDFinfo wurde 2015 diese Dokumentation über Schallplatten und ihr derzeitiges Revival produziert. Größtenteils mit den üblichen Verdächtigen, aber alles in allem doch sehr nett und informativ anzusehen.

Vinyl ist hip, Vinyl ist modisch. Doch Vinyl war nicht immer so erfolgreich wie im Moment. In den letzten 30 Jahren hat die Industrie sogar immer wieder den Untergang der Schallplatte prophezeit.

Der Verkauf von Vinylplatten ist 2014 in den USA um 52 Prozent gestiegen, mehr als 9 Millionen Mal ging Vinyl über den Ladentisch. Die Schallplatte ist der einzige physische Tonträger, dessen Umsatzzahlen noch wachsen.

Und er ist damit auch längst wieder ein ernst zu nehmender Wirtschaftsfaktor. Kaum ein angesagter Künstler kann es sich leisten, sein aktuelles Werk nicht auch auf Vinyl zu veröffentlichen. Die Dokumentation macht sich auf die Spur dieses Phänomens: Warum taucht Vinyl wieder aus der Versenkung auf? Wer profitiert davon?

Zu sehen in der Mediathek oder gleich hier:

 

In the Mix: Deathhop – Intoxinated Breaks

Fett ansteckende Mischung von DJ Deathhop, der in einer Stunde 50 „Intoxinated Breaks“ zusammenmixt. Richtig dickes Ding!

50 Breaks in 60 minutes. Folk, Funk, Psych and Soul Breaks from all over the world.

 

[via Pipomixes]

White Label Vinyl – Eine kleine Kulturgeschichte

Rhythm Division Records in UK mit vielen White Labels

White Labels, mit Stempel, beschriftet oder gänzlich blank, üben eine gewisse Faszination auf DJs und Sammler aus. Oft haben sie etwas Verruchtes an sich, einen Hauch von Illegalität, zumindest wirken sie aber exklusiv – im Zeitalter von Spotify und Deezer vielleicht mehr denn je. Bei MEOKO ist bereits im März 2014 ein interessanter Artikel über die Kulturgeschichte von White Label Vinyls veröffentlicht worden, den ich mir mal zu Gemüte geführt habe. Die Autorin Jane Fitz geht der Frage nach, warum White Labels (Test Pressings, Promotional Copies, etc.) eigentlich so anziehend auf DJs wirken. Dabei sie führt den besonderen Status von White Labels auf die schwere Zugänglichkeit und die damit verbundene Exklusivität zurück, den sie bis in die DJ-Kultur der 1980er Jahre verfolgt:

The white label 12-inch record first came about with disco, as a pre-artwork, promotional copy (promo) sent to the press and radio stations, or as audio test pressings (TP) of a new release. By the 80s, a decade in which dozens of new dancefloor music styles were born, handfuls of 12-inch promos began forming a currency that distributors, and sometimes labels, dropped into record shops to create a buzz around new records before their intended release date. Record shops duly kept a few under the counter (those that weren’t skimmed off among staff) to keep for regular customers, many of them DJs, who would then push those upfront whites into their sets. At this time most DJs held residencies, so with repeated play, could really make those tunes their own. And because they were white – that is blank, without artwork or release information – they were genuinely secret tunes – a symbol of how connected you were as a DJ and how upfront your music.

In den 1990er Jahren und damit in der Hochzeit von Techno und Breakbeats sollten gestempelte White Labels dann vor allem Unabhängigkeit von der Musikindustrie, also Street Cred symbolisieren:

The 90s were when house and techno was at its unit-shifting peak, with 12-inch releases regularly selling in their thousands. With many major labels bank-rolling stables of dance labels, being recognised as ‚an independent‘ meant instant credibility in a crowded, almost over-active marketplace, awash with marketing budgets to accompany fancy artwork. A plain white label, with no information other than perhaps a recognisable stamp, became a short-cut to something underground. Says Hakim: “I always liked white labels. The dj in me is attracted to stamping.”

 

Nachdem es seit einiger Zeit wieder so eine Art Vinylfetisch gibt, also viele Menschen wieder ganz bewusst Musik auf Schallplatten kaufen und hören, hat sich auch eine gewisse Dialektik bei den White Labels eingeschlichen. White Labels betonen heute vor allem das Etikett „Underground“ und irgendwie auch echtes „Handwerk“ (also Blut, Schweiß und Tränen), auch wenn die Musik nach industriellen Prinzipien produziert und mit viel Marketinggedöns verkauft wird.

Once again the vinyl market is vibrant. Although the number of units a record generally shifts has levelled out to a few hundred copies for the smallest, most underground labels, the amount of new music coming out on vinyl is increasing, and some labels are selling many more. The digital market is already saturated, but now the post-digital vinyl market is becoming more competitive. Some labels – cleverly or cynically, depending on your view point – have caught on that hand-stamping is once again shorthand for instant credibility. These labels are pressing way more than their hand-stamps might suggest. “We recently manufactured a Juno Distribution title that was hand-stamped but we pressed 1000 plus,” confirms James.

Es ist bisher der einzige Artikel, den ich bisher zu dem Thema finden konnte, ich freue mich also über Hinweise in der Richtung (journalistisch und akademisch). Was mir in dem Artikel etwas fehlt, ist der Bezug zu illegalen Remixes und unlizensierten Samples, für die White Labels (oder Variationen davon) auch benutzt wurden und werden, um Lizenzschwierigkeiten aus dem Weg zu gehen. Kleines Beispiel, das ganz klar die suspendierte Autorschaft erkennen lässt: Die „Pirate Breaks“ Serie, auf der u. a. Krafty Kuts einige Remixes und Sample-basierte Tracks veröffentlicht hat, deren Samples vermutlich niemals geklärt werden konnten.

 

 

Schallplatten kopieren (DIY Edition)

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Im Deutschen gibt es ja leider nicht das Wort „piratieren“ (zumindest bis dato noch nicht), aber wer lernen will, wie man ein eine Schallplatte piratiert, ähem, also das Duplikat einer Schallplatte im DIY-Modus herstellt, sollte sich das Video ansehen. Und einen Blick auf die Website werfen, auf der sich auch nachvollziehen lässt, wie das Ding so klingt.

Aber nur Privatkopien herstellen, gelle! 😉

Obviously pirating and duplicating any copyrighted material is prohibited but in the spirit of making and experimentation this was a fun project.

 

Sample Music Festival 2015 für Turntablism, Controllerism und Music Production, 10. und 11. Oktober 2015 in Berlin


Sample Music Festival

 

Vor kurzem ist beim FACT-Magazin ein spannender Artikel über die Geschichte des Scratchings erschienen, das dessen Wurzeln zu einigen bekannten und weniger bekannten Künstlern zurückverfolgt. Passend zu dieser Thematik findet am 1o. und 11. Oktober 2015 in Berlin das erste Sample Music Festival statt, das einige vielversprechende Workshops, Vorträge und natürlich Performances aus dem Bereich DJing, Turntablism, Controllerism, Scratching, Music Production etc. bietet. Das Festival wird organisiert von Alexander Sonnenfeld, der in einem kleinen Interview über die Idee des Festivals Auskunft gibt und uns erklärt, was uns als Besucher alles erwartet.

 

Georg Fischer: Das erste Sample Music Festival steht vor der Tür. Was erwartet uns als Besucher?

Alex SonnenfeldAlexander Sonnenfeld: Es ist das erste Festival für Turntablism, Controllerism und Music Production, für das wir einige der weltbesten DJs und Sample Artists gewinnen konnten. Wir bieten kostenfreie Workshops über digital DJing, Controllerism, Finger Drumming, Sampling, Mixing & Recording, und mehr. Mit dabei sind zum Beispiel Eskei83, Produktspezialisten von Native Instruments, Gibson Pro Audio, Tascam oder DJ Techtools. Daneben gibt es auch wissenschaftliche Vorträge über Turntablism, Analysen über DJ Performacnce, Musiktheorie für Scratching und Finger Drumming. Es gibt jede Menge Wissenswertes und Spannendes zu entdecken. Es ist ein Festival für Musiknerds, die an Turntables, DAWS und Controllern arbeiten und natürlich auch für alle anderen, die sich dafür interessieren und gute Musik hören und erleben wollen. Dafür bieten wir auch ein Open Stage für alle. Dort werden auch DJs unter anderem aus Russland, UK und Deutschland auftreten. Übernachtungen können im Generator Hostel PRZLBG gebucht werden. Mit dem Buchungscode SAMPLE2015 kann man sich einen Festivalrabatt holen und wir machen dort eine Warmup Party am 9.10.

Wie bist Du dazu gekommen, eine solche Veranstaltung mit Workshops, Perfomances und Lectures auf die Beine zu stellen?

Es gibt bisher nichts vergleichbares und ich will diesen Kunstformen eine Plattform bieten. In Musikhochschulen werden diese Formen des Musizierens bisher nicht gelehrt. Fast alles passiert auf Youtube oder anderen Stellen im Netz… das muss geändert werden! Das Sample Music Festival ist der erste Schritt diese neuen Formen des Musizierens mehr aus dem wissenschaftlichen Standpunkt zu betrachten.

Du selbst hast auch mit Karlheinz Stockhausen, dem weltbekannten Komponisten im Bereich der Neuen Musik zu tun gehabt. Was hat Stockhausen und Musiktheorie mit Turntableism und Sampling zu tun?

Die Geschichte von Scratching, Sampling, DJing geht bis in die 1950iger Jahre zurück, wie man auch an der Kunstbewegung der Musique concrete. Damals wurde zwar vorwiegend mit Tonbändern gearbeitet, nicht nur mit Platten. Die Idee ist aber genau dieselbe und zeigt dass DJing und Scratching ihren Ursprung eigentlich noch viel früher hatten als bisher angenommen. Stockhausen war begeistert von Turntablism, da es eine spielerische Weiterentwicklung der Musique concrete ist. Ich habe ihn angeschrieben, um meine Musiktheorie (Notation) für Turntablism vorzustellen. Er hat eingewilligt und nach meinem Vortrag bei ihm hat er mich über viele Jahre in meiner Forschung weiterhin begleitet, bis er 2007 starb.

Denkst Du, dass Turntablism und Sampling in Deutschland als künstlerische Praktiken immer noch nur belächelt werden oder hat sich die Situation geändert?

Es muss mehr passieren als einfaches „Yo“ oder „Was geht ab“ Gescratche. Es muss musikalisch genutzt werden und darf nicht zu einer spektakulären Sportart verkommen, die vielleicht in den ersten 5 Minuten spannend aussieht, aber dann nur noch gleich klingt. Es ist genau dasselbe wie mit Hiphop oder Breakdance: wichtig ist, dass sich die Kunstform weiterentwickelt und ein wichtiger Schritt dahin ist Musiktheorie und Wissen darüber, wie man das instrument nutzen kann. Das Sample Music Festival soll eine Schnittstelle bilden, um diese Idee transparenter zu machen und auch Akademiker und Musiker aus anderen Bereichen dazu einzuladen, um sich zu informieren. Musikgeschichtlich sind wir noch in Kinderschuhen, aber die Bedeutung von DJing, Controllerism und Music Production in der heutigen Musikkultur ist unbestreitbar.

Es wird auch einen Contest geben – wie kann man da mitmachen und was kann man einreichen?

Das Motto des Sample Music Festival Online Contest 2015 lautet: „Schnapp Dir einen Sample und sei kreativ damit – Du hast 3 Minuten!“ In drei verschiedenen Kategorien (Turntablism / Controllerism / Music Production) suchen wir die interessantesten Beiträge und honorieren diese mit attraktiven Preisen. Der französische Produzent -Le Jad- hat hierfür ein exklusives Sample Paket erschaffen, welches ihr frei downloaden könnt. Jedoch über eine kleine Spende würde sich der Künstler auch freuen. Das Paket beinhaltet mehr als 400 verschiedene Samples: Drums, Töne, Bässe, Subs, Piano, Loops, verrückte Sounds + 11 skipless Loops für Routines & Beatjuggling. Für Scratching sind Beats (jedoch nicht die Scratch-Samples) von anderen Produzenten erlaubt. Jedoch muss der Produzent bzw. Looper im Videotext bitte zusätzlich erwähnt werden.

Ladet das fertige Video oder Audiofile auf Youtube, Vimeo, Soundcloud oder Facebook, und schickt diesen Link an: contest@samplemusicfestival.com. Der Hashtag lautet #smf2015contest. Schreibt in den Betreff, für welche Kategorie Ihr Euch bewerben wollt (Turntablism oder Controllerism oder Music Production). Eine professionelle Jury, bestehend aus Künstlern des Sample Music Festivals wird die Einsendungen bewerten. Die besten Videos werden auf der SMF Fanpage gepostet und zusätzlich sind Kommentare und Likes wichtige Indikatoren um die Gewinner zu ermitteln.

Einsendeschluss ist der 11.10.2015.

Preise „Turntablism“

1. Platz „Stanton STR8.150 & Stanton DJ Pro 3000“ www.stantondj.com

2. Platz „Magma Riot Backpack www.magma-bags.com & Ortofon Concorde Twin Pack www.ortofon.com

Preise „Controllerism“

1. Platz NI „Maschine“ (black) www.native-instruments.com

2. Platz KRK „Rokit RP5G3“ www.krksys.com

Preise „Music Production“

1. Platz „Reloop Keypad“ www.reloop.com & Tascam „DR-05“ www.tascam.eu

2. Platz „Cerwing Vega XD-4“ www.cerwinvega.com