Programm und Anmeldung: Symposium zu Verwertungsgesellschaften am 24.9.2021

Monopole im medienindustriellen Komplex? Verwertungsgesellschaften gestern, heute, morgen: So lautet der Titel eines Online-Symposiums, das am Freitag, 24. September 2021, ab 13 Uhr stattfindet.

Organisiert wird die Veranstaltung von Georg Fischer, Malte Zill und Stephan Klingner in Zusammenarbeit mit der GMM. Das Symposium schließt an den Workshop im März 2021 an.

Weitere Informationen zum Programm und Anmeldemöglichkeit:

Monopole im medienindustriellen Komplex? Verwertungsgesellschaften gestern, heute, morgen

Online-Symposium, Freitag, 24. September 2021

Verwertungsgesellschaften – wie GEMA, VG Wort oder VG Bild-Kunst – sind einflussreiche Interessensvertreterinnen und als Verteilerinnen von Ressourcen von zentraler Bedeutung für Kreative in Musik, Film, Wissenschaft, Literatur, Kunst oder Fotografie. Obwohl die Bedeutung und die Tätigkeitsbereiche von Verwertungsgesellschaften stetig gewachsen sind – und nicht zuletzt durch die jüngst in Deutschland umgesetzte europäische Urheberrechtsreform vermutlich wachsen wird – stellen Studien zu Organisationsformen, Wandel und Effekten von Verwertungsgesellschaften weiterhin ein Desiderat dar. Das Symposium „Monopole im medienindustriellen Komplex? Verwertungsgesellschaften gestern, heute, morgen“ nimmt sich dieser Forschungslücke aus interdisziplinärer Perspektive an.

Zu Beginn der Veranstaltung wird die Historikerin Monika Dommann (Universität Zürich) ihre 2014 veröffentlichte Habilitationsschrift Autoren und Apparate. Eine Geschichte des Copyrights im Medienwandel zur Diskussion stellen. In diesem Buch beschreibt Dommann die andauernden Konflikte um den Schutz geistigen Eigentums durch die Etablierung technischer Innovationen und erkennt dabei erstmals auch die Verwertungsgesellschaften als wesentliche Interessensvertreterinnen und damit als Konfliktpartei in den Auseinandersetzungen. Die 2019 in englischer Übersetzung erschienene Studie kann damit durchaus als Initialzündung der Verwertungsgesellschaftsforschung angesehen werden.

Im zweiten Teil der Veranstaltung werden weitere Perspektiven auf Verwertungsgesellschaften präsentiert: Christine Fischer (unabhängige Forscherin, Basel) wird den Zusammenhang des Urheberrechts und die Entstehung der ersten Verwertungsgesellschaften mit Zensur- und Genderfragen in Paris in der Mitte des 19. Jahrhunderts beleuchten. Sabine Richly (Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf) wird die gegenwärtigen Herausforderungen der Verwertungsgesellschaften durch die Digitalisierung und mögliche Antworten der Gesellschaften im Bild/Ton-Bereich thematisieren.

Die interdisziplinäre Tagung „Monopole im medienindustriellen Komplex? Verwertungsgesellschaften gestern, heute, morgen“ ist die Fortsetzung eines zweitägigen Online-Workshops, der im März 2021 durchgeführt wurde. Dort wurden bereits übergreifende Thesen zu Verwertungsgesellschaften sowie spezifische Fälle und Studien einzelner Verwertungsgesellschaften diskutiert. Die Ergebnisse werden Anfang 2022 in einer gemeinsamen Publikation veröffentlicht.

Die Veranstaltung wird online durchgeführt. Interessierte sämtlicher Fachrichtungen sind ausdrücklich zur Teilnahme eingeladen. Die Veranstaltung ist kostenfrei, wir bitten jedoch um eine kurze Anmeldung unter vg.forschung@gmail.com.

Programm:

13:00 – 13:15    Begrüßung Malte Zill / Georg Fischer / Stephan Klingner

13:15 – 14:15    Monika Dommann (Universität Zürich) im Gespräch mit Robert Bernsee (Universität Göttingen) über ‚Autoren und Apparate‘

– Pause –

14:30 – 15:15    Christine Fischer (unabhängige Forscherin, Basel): Doing gender und doing genius? Musikzensur und -urheberrecht zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Paris

15:15 – 16:00    Sabine Richly (Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf): Digitale Transformation der Text-/Bild-Verwertungsgesellschaften. Die Entwicklung eines angepassten Reifegradmodells

– Pause –

16:30 – 17:00    Planung eines Netzwerks Verwertungsgesellschaftsforschung und Abschlussdiskussion

Workshop: Podcasts, Lizenzierung und Verwertungsgesellschaften (Pop-Kultur-Festival, 26.8.20)

Pop-Kultur-Festival 2020, Nachwuchs-Workshop Symbolbild

Nächste Woche gebe ich im Rahmen des diesjährigen Pop-Kultur-Festivals einen Workshop zum Thema: „Was haben Podcasts mit Lizenzierung und Verwertungsgesellschaften zu tun?“ – selbstverständlich online. 😉

Aus der Ankündigung (S. 32 im Programm):

Im Internet gibt es viele Möglichkeiten, sich kreativ auszudrücken und Arbeiten mit anderen zu teilen, zum Beispiel Podcasts und Blogs oder Fotos und Streams auf Plattformen wie etwa Youtube, Instagram oder TikTok. Doch es gibt auch Fallstricke, viele davon haben mit dem Urheberrecht zu tun: Oftmals sind die Grenzen zwischen Veröffentlichung, Verwertung und Verletzung von Rechten Dritter fließend. Im Workshop stellt Georg Fischer die wichtigsten Konzepte des Urheberrechts wie Werk, Urheber*in oder Schöpfungshöhe vor. Danach zeigt Georg Fischer am Beispiel Podcasts, wie Lizenzierung funktioniert und was Verwertungsgesellschaften damit zu tun haben.

Wer sich für das Thema interessiert, findet bei iRights.info einen aktuellen Artikel von mir dazu.

Verwertungsgesellschaften in Deutschland – Eine Übersicht

Dies ist ein Post zu meinem Forschungsblog „OpenVG“. Das Blog begleitet und dokumentiert ein Forschungsprojekt, das ich 2018/19 im Rahmen des Fellowshops „Freies Wissen“ durchführe.

7. Dezember 2018

Um mir einen grundlegenden Eindruck von der Organisationsform VG zu verschaffen, habe ich eine Übersicht deutscher VGen angelegt. Diese Liste baut auf der Übersicht des Deutschen Patent- und Markenamtes (DPMA) auf, die VGen in Deutschland zulässt und kontrolliert.

Eine Besonderheit der Organisationsform VG besteht darin, dass es sich im Grunde um monopolistische Organisationen handelt, die sich auf einen Spezialbereich kollektiver Rechtewahrnehmung konzentrieren. Dies zeigt sich im Bereich der Musik beispielsweise an der Aufteilung von Urheber- und Leistungsschutzrechten, die in Deutschland durch die GEMA bzw. GVL vorgenommen werden. Daneben gibt es die GWVR, die sich um die Wahrnehmung von Veranstaltungsrechten kümmert. Es ist daher für Kreative möglich (und in vielen Fällen auch sehr sinnvoll!), Mitglied mehrerer VGen zu sein.

Die Funktion einer VG besteht im Wesentlichen darin, die Rechte von Urheber:innen kollektiv wahrzunehmen. Das meint vor allem urheberrechtliche Schutzrechte. Produziert man also Werke im Sinne des Urheberrechts, kann man eine VG per Wahrnehmungsvertrag damit beauftragen, eine Beteiligung an einer Werknutzung zu erhalten.

Hat man beispielsweise ein Stück geschrieben, das im Radio läuft, fallen für den Sender Lizenzkosten an, die die GEMA treuhändisch eintreibt und nach Abzug eines Verwaltungsbetrags an die jeweiligen Urheber:innen wieder ausschüttet. Eine VG ist aus diesem Grund heraus immer eine Interessensgemeinschaft: Je mehr Mitglieder eine VG hat und je stringenter ihre Organisation ist, desto besser ist ihre Verhandlungsposition gegenüber den Lizenznehmer:innen (im Beispiel: Radio- und Sendeunternehmen), was wiederum den Urheber:innen zu Gute kommt.

Das ist freilich eine stark vereinfachte Darstellung. Das Aufgabenspektrum und die Struktur einer VG ist in der Regel weitaus komplizierter; gerade wegen der Verteilungsschlüssel, nach denen eine VG ausschüttet, gibt es daher regelmäßig Streit. Und wegen der monopolistischen Situation, in der die Pfründe verteilt sind, gibt es bei vielen VGen Informationsklüfte, denen die VGen mit Öffentlichkeitsarbeit versuchen entgegenzuwirken. Um beispielsweise ihre Aufgabe einem breiten Publikum zu erklären, hat die GEMA vor ein paar Jahren einen Imagefilm produziert, der auch auf den Gründungsmythos der SACEM (sog. „Zuckerwasserprozess“) Bezug nimmt.

VGen unterstehen in Deutschland allesamt dem DPMA. Ihre Arbeit können VGen in Deutschland erst aufnehmen, wenn sie die vergleichsweise hohen Hürden des DPMA-Zulassungsverfahrens erfolgreich absolviert haben. Das 2016 in Kraft getretene, neue Verwertungsgesellschaftengesetz (VGG) legt daher auch besondere Transparenzregelungen fest. Jede VG wird dazu verpflichtet, jährlich einen Transparenzbericht zu veröffentlichen, in dem unter anderem Einnahmen und Ausgaben dokumentiert und öffentlich einsehbar sind.

Die folgende Tabelle stellt eine Übersicht dar, in dem auch das Haushaltsvolumen der jeweiligen VGen aufgeführt ist. Die Informationen sind dem Jahresbericht 2017 des DPMA entnommen (hier S. 50/51). Noch konnte ich nicht alle Informationen recherchieren, aber ich werde sie im Laufe meiner Forschung kontinuierlich ergänzen.

Kürzel Name gegründet/ zugelassen Mitglieder Mitglieder-Info Haushaltsvolumen 2016 in EUR (Quelle: DPMA)
GEMA Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, rechtsfähiger Verein kraft Verleihung 1902 72.518 Stand: 2017, Jahrbuch S. 40 1.024.350.000
GVL Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten mbH 1959 154.289 davon ca. 140.000 Künstler und 10.000 Tonträgerhersteller 271.733.000
VG WORT Verwertungsgesellschaft WORT, rechtsfähiger Verein kraft Verleihung 1958 550.342 Stand: 2017, Geschäftsbericht 188.275.000
VG Bild-Kunst Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst, rechtsfähiger Verein kraft Verleihung 1968 56.000 Stand: unklar 70.943.000
VG Media Gesellschaft zur Verwertung der Urheber- und Leistungsschutzrechte von Sendeunternehmen und Presseverlegern mbH 1997 35.000 Stand: unklar 43.276.000
AGICOA AGICOA Urheberrechtsschutz-Gesellschaft mbH 1981 12.944 Stand: 2012 21.315.000
VFF Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten mbH aktuell unklar „Berechtigte der VFF sind die deutschen Auftragsproduzenten sowie die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF, die Werbetöchter der ARD und private Fernsehveranstalter, u.a. RTL, Sport1, VOX, RTL II und einige regionale Fernsehveranstalter.“ 19.481.000
GWFF Gesellschaft zur Wahrnehmung von Film- und Fernsehrechten mbH 1982 aktuell unklar 11.985.000
VGF Verwertungsgesellschaft für Nutzungsrechte an Filmwerken mbH 1981 aktuell unklar 6.535.000
VG Musikedition Verwertungsgesellschaft Musikedition, rechtsfähiger Verein kraft Verleihung 1966 aktuell unklar 5.812.000
GÜFA Gesellschaft zur Übernahme und Wahrnehmung von Filmaufführungsrechten mbH 1976 aktuell unklar 4.001.000
TWF Treuhandgesellschaft Werbefilm mbH 2008 aktuell unklar 848.000
C3S Cultural Commons Collecting Society SCE mit beschränkter Haftung (C3S SCE) 2018 aktuell unklar 0
GWVR Gesellschaft zur Wahrnehmung von Veranstalterrechten mbH 2014 aktuell unklar 0