Berliner Colloquium zur Klangforschung gestartet

In Berlin hat sich eine Runde junger Forscherinnen und Forscher zusammengefunden, die sich regelmäßig in einem gemeinsamen Colloquium zum Themengebiet der Klangforschung / Sound Studies treffen. Die Idee des auf Initiative der Kulturwissenschaftler Felix Gerloff und Sebastian Schwesinger gegründeten Colloquiums ist es, eigene Projektideen und für alle interessante Texte vorzustellen und auf Basis gemeinsamer Lektüre zu diskutieren. Daneben sollen auch Sounds, Geräusche und natürlich auch musikalische Klänge gemeinsam gehört werden. Außerdem werden in jeder Sitzung relevante und aktuelle Stellenausschreibungen, Call for Papers, Konferenzen, etc. kurz angekündigt und besprochen.

Das Forschungsfeld der Sound Studies ist dabei von Haus aus eine interdisziplinäre Angelegenheit, die Perspektiven aus Kultur-, Medien-, Musik- und Sozialwissenschaften zusammen bringt und zur Diskussion stellt. Neben theoretischen Problemen und empirischen Phänomenen werden dabei auch methodische Herangehensweisen behandelt. Das Spektrum der besprochenenen Themen umfasst bis jetzt unter anderem Sonifikation, Akustik in der Archäologie (archaeoacoustics), historische Klangforschung, Praktiken des Hörens, musikalische Produktionstechniken, Klang und urheberrechtliche Verwicklungen, Wissenschaftsforschung und Sound. Prinzipiell sind alle Thematiken und Herangehensweisen willkommen, in denen das Klangliche einen Gegenstand der Untersuchung darstellt, in welcher Form auch immer dies geschieht.

Derzeit findet das seit dem vergangenen Herbst tagende Colloquium freitags alle drei Wochen im Exzellenzcluster „Bild Wissen Gestaltung“ der HU Berlin statt. Für die Zukunft planen wir auch gemeinsame Exkursionen, Veranstaltungen oder Publikationsprojekte. Wir freuen uns über weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Interesse an der Klangforschung zum gemeinsamen Austausch in einer entspannten und kollegialen Atmosphäre.

Kontakt: Für weitere Informationen bitte gerne eine Email schicken.

Dieser Text ist ursprünglich erschienen beim Pophistory Blog.

In the Mix: Floating Points kündigt Highend-Mixer an

fp_low-1018x485

FP Mixer (Aufnahme von http://mn2s.com)

 

Der britische DJ und Musikproduzent Floating Points, den man von seinen lang- und tiefgehenden Sets aus Funk, Soul, House und Bass kennt, hat in Zusammenarbeit mit dem High-Fidelity-Spezialisten Isonoe einen eigenen Mixer designed. Das Ding heißt  schlicht „Floating Points FP Mixer“ und soll besonders gut klingen, weil es sich an der Bauweise von qualitativ hochwertiger Studiotechnik orientiert. Ich finde das deswegen einen kurzen Bericht wert, weil es zwar nix Neues ist, dass DJs in Zusammenarbeit mit Elektronikfirmen Mixer designen und beide vom gegenseitigen Know-How profitieren. Aber in den meisten Fällen sind es HipHop- und Turntableism-DJs, die besonderen Wert auf schnellgängige Fader etc. legen. In Floating Points‘ Fall steht aber eher das smoothe Ineinandermischen und ein hochwertiger Klang im Vordergrund, wie das offizielle Datenblatt weiß:

Having evaluated many examples, Sam Shepherd (aka ‚Floating Points‘) came to the conclusion that, in comparison with the quality of equipment employed to record and mix much of his record collection, the DJ mixer represented a bottle-neck.
The FP mixer is the result of a request from Floating Points for a mixer containing the same grade of circuitry found in World-class studios. It was designed and manufactured from the ground up over a 4 year period. All circuitry is single-ended class A and built exclusively from discrete transistors, with no class A/B stages or integrated circuits whatsoever in the path.
Its mechanical construction is of equal calibre to the circuitry, with all electronics being shielded by twin layers of alloy and steel.

isonoe-fp-mixer

FP Mixer (press shot)

fp2

FP Mixer (press shot)

 

Floating Point’s Mixer bedient vermutlich das gleiche audiophile Segment wie das des Rotary DJR-400: Hochwertiger Klang mit einer entsprechenden Verarbeitung und nur Potis, keine Fader. Und einem sicher ebenso stolzen Preis. Floating Points spezifiziert:

Overwhelming response to the mixer news, thanks for the kind words.
To address a few concerns;
The volumes are on top of each other in order to be able to fade with one hand whilst riding the pitch on turntable/cd.
Furthermore, this felt right with the isolators being on top of each other. Fading bass/mids/tops using the isolators is great fun.
Yes, one would have to remember which channel represents which side of the setup. ((but theres only 2 channels to worry about..!!))

Each channel has switchable inputs, so whilst only one source can be mixed into another, the source can be changed. It’s not designed for mixing 4 records at a time.

I don’t expect anyone to have any idea how this thing sounds without hearing it against another mixer. Details of components in the spec are not meant to be marketing fluff, rather give some indication to the technically inclined of its performance.

yeah, i still love the e&s, bozak etc etc this is just a different thing. Something that on a sound system such as Plastic People is a joy to experience and ultimately makes sharing music even more amazing

thanks!

Rotary DJR 400

Rotary DJR 400

Hier eins von Floating Points‘ Meisterstücken, das zeigt, wie wichtig Klangtreue und differenzierte Wiedergabe einzelner Frequenzen ist:

 

und ein hübsches Set zusammen mit Mr Scruff:

 

Edit: und hier noch ein neuer Track von FP, Release am 8. Dezember 2014. 12 Minuten deep-quirliger Funkno (oder wie soll man das nennen?)

Nachtrag: Konferenz zu „Sounds, Klängen, Tönen“ am MPI für Bildungsforschung, Berlin (24.-26.4.2014)

Ende April 2014 war ich Teilnehmer einer sehr inspirierenden und thematisch breiten Konferenz zur klanglichen Dimension von Musik, die am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin veranstaltet wurde. In drei intensiven Tagen beschäftigten wir uns mit den Auswirkungen von „Sound“ hinsichtlich seiner emotionaler Wahrnehmung und Bedeutung. Was mir an der Konferenz am besten gefallen hat, war die Breite der Vorträge: Von spätantiker Musik über den Ragtime bis zu aktuellem Atmodesign im Radio, von Geräuschen und Heavy Metal bis zum rauhen Klang des 90er-Jahre-HipHop, von klassischen musikwissenschaftlichen Ansätzen über historische, soziologische und psychologische Aspekte wurde den Grundpfeilern einer umgreifenden „Soundwissenschaft“ nachgespürt. Vielen Dank nochmal an das Team der Forschungsgruppe „Gefühlte Gemeinschaften? Emotionen im Musikleben Europas“ vom MPI für Bildungsforschung für eine hervorragend organisierte Konferenz! Ich verweise in diesem Zusammenhang auch noch auf den dieser Gruppe nahestehenden und sehr lesenswerten, internationalen Forschungsblog „Pophistory“.

Erst am Ende der Tagung ist mir übrigens aufgefallen, wie gut mein eigener Bildschirmhintergrund am Notebook eigentlich das Thema „Musik und Emotion“ reflektiert: Eine nachträglich kolorierte Aufnahme des Saxofonisten Big Jay McNeely, fotografiert von Bob Willoughby in einer Konzertsituation von 1953. Hatte ich hier auch schon mal verbloggt.

big-jay-mcneely-on-sax-olympic-auditorium-la-1953-bob-willoughby-coloured-by-traquea

Tagungssprogramm (offizielles PDF)

Donnerstag, 24.04.14

13.00 – 14.30 Uhr: Registrierung

14.30 – 15.30 Uhr: Begrüßung und Einführung

Sven Oliver Müller, Tim Biermann, Anabelle Spallek, Henning Wellmann (MPI für Bildungsforschung)

15.30 – 16.30 Uhr: Keynote

Prof. Holger Schulze (Berlin)  – Widerstand und Klang: Zur Kulturtheorie schallbrechender Gemeinschaften

16.30 – 17.00 Uhr: Kaffeepause

17.00 – 19.00 Uhr: Panel 1: Methodisch-theoretische Perspektiven

Chair: Marie Louise Herzfeld-Schild (Berlin)

Hauke Egermann (Berlin) – Empathie als Vermittler zwischen Ausdruck und induzierten Emotionen in der Musikrezeption

Anna Schmidt (Göttingen) – Audiosphären – Atmosphären in Hörbeziehungen

Karim Weth (Wien) – Klang und Emotion: Ansätze aus der Timbreforschung

19.00 Uhr: Abendessen

Freitag, 25.04.14

10.00 – 12.30 Uhr: Panel 2: Subjektbildung durch Sound und Klang

Chair: Henning Wellmann (Berlin)

Jens Gerrit Papenburg (Berlin) – Exzentrik und Synkopierung. Subjekte des Ragtime um 1900

Lisa-Marian Schmidt / Carsten Heinze (Berlin/Hamburg) – Der Klang der Moderne: Industrial Music Culture vom Underground zum Mainstream am Beispiel von Throbbing Gristle und Psychic TV

Brigitte Simon (Wien) – Der Heavy Metal Sound und das “White, Male, Working Class”-Image

Svenja Rokitta (Berlin) – Zur Ästhetik des Virtuellen: Das Déjà-entendu in der Musik

12.30 – 14.00 Uhr: Mittagessen

14.00 – 16.00 Uhr: Panel 3: Klangmaterialitäten

Chair: Luis-Manuel Garcia (Berlin)

Felix Gerloff / Sebastian Schwesinger (Berlin) – »Wir tanzen wie Maschinen, im Rhythmus der Maschinen« Die Materialität des Klanglichen im Detroit Techno als Disponent prototypischer emotionaler Erfahrungen der Clubkultur

Axel Volmar (Siegen) – Nostalgie, Distinktion und die Erhabenheit der Technik. Affektbeziehungen zwischen Menschen und Musiktechnologien in der High-end Audio Kultur

Martin Hoffmann (Kissing) – Die venezianische Mehrchörigkeit – Zum Verhältnis von Emotion, Klang und Raum an San Marco

16.00 – 16.30 Uhr: Kaffeepause

16.30 – 18.30 Uhr: Panel 4: Klangpraxis – Doing Sound

Chair: Tim Biermann (Berlin)

Christian Müller (Freiburg) – Doing Jazz – Zur Konstitution einer kulturellen Praxis

Georg Fischer (Berlin) – „Keep it real!“ Die Rolle des Klangs in der Samplingkultur des Hip Hop

Jan Drees (Wuppertal) – Audioflow – Atmodesign als Instrument der HörerInnen-Bindung im Popkulturradio

19.00 Uhr: Abendessen

Samstag, 26.04.14

10.00 – 12.00 Uhr: Panel 5: Klang – Politik – Geschichte

Chair: Anabelle Spallek

Jutta Günther (Saarbrücken) – …von Instrumenten des Irrwahns umlärmt – Wie wirkt Musik und Performanz auf den spätantiken Mensch?

Cornelia Bartsch (Basel) – Die (freie) Fantasiermaschine – zur Konservierung des musikalisch ‚Wilden‘ im Geiste der europäischen Aufklärung

Bodo Mrozek (Berlin) – Heulbojen und Geräuschathleten: Musik als Lärm. Die Debatte um die somatische Wirkung von Klang in den 1950er Jahren.

12.00 – 13.30 Uhr: Mittagessen

13.30 – 15.00 Uhr: Abschlussdiskussion

 Jochen Bonz (Innsbruck)

Luis-Manuel Garcia (Berlin)

Holger Schulze (Berlin)

Bianca Ludewig (Innsbruck)

Ort: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Lentzeallee 94 14195 Berlin.
Termin: 24.-26.04.14

 

In the Mix: Pipomixes – SP1200 Volume 2

Diese Kiste von Pipomixes läuft bei mir seit einer Woche rauf und runter. Ein Mix nur aus Produktionen auf SP-1200 Basis. Zwischendrin sind in bester Mixtapemanier immer mal wieder Zitate von HipHoppern eingestreut, wie sie zärtlich über ihren Sampler sprechen. Zum Wachwerden und Runterkommen, Chillen, Auto- und Öffifahren bestens geeignet — Achtung, Kopfnickung bitte jetzt aktivieren.

„Volume 1 was done about 10 years ago with all the usual suspects in terms of SP-1200 (SP-12) production. Since I’ve become more and more of an audio file as of late, I thought I’d dig a little deeper into the SP-1200 catalog since I just love that 12 bit, crunchy sound. Half the fun of the mix was doing the research of production equipment used in the making of different classic joints to confirm SP-1200 usage. I used the old „double source“ system of verifying whether the 1200 was actually used on different songs or albums. In other words, if I read/heard two separate interviews where a given producer confirmed using the SP-1200 in some shape or form (whether for the whole beat or just the drums) that song became mix eligible. As with all of my mixes, quite a bit of time and energy went into crafting this labor of love. Hope you all enjoy!“

inthemix_pipomixes_sp1200_vol2

Sample Garden

(via cutcopyandpaste)