Mixing

In the Mix: Floating Points kündigt Highend-Mixer an

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FP Mixer (Aufnahme von http://mn2s.com)

 

Der britische DJ und Musikproduzent Floating Points, den man von seinen lang- und tiefgehenden Sets aus Funk, Soul, House und Bass kennt, hat in Zusammenarbeit mit dem High-Fidelity-Spezialisten Isonoe einen eigenen Mixer designed. Das Ding heißt  schlicht „Floating Points FP Mixer“ und soll besonders gut klingen, weil es sich an der Bauweise von qualitativ hochwertiger Studiotechnik orientiert. Ich finde das deswegen einen kurzen Bericht wert, weil es zwar nix Neues ist, dass DJs in Zusammenarbeit mit Elektronikfirmen Mixer designen und beide vom gegenseitigen Know-How profitieren. Aber in den meisten Fällen sind es HipHop- und Turntableism-DJs, die besonderen Wert auf schnellgängige Fader etc. legen. In Floating Points‘ Fall steht aber eher das smoothe Ineinandermischen und ein hochwertiger Klang im Vordergrund, wie das offizielle Datenblatt weiß:

Having evaluated many examples, Sam Shepherd (aka ‚Floating Points‘) came to the conclusion that, in comparison with the quality of equipment employed to record and mix much of his record collection, the DJ mixer represented a bottle-neck.
The FP mixer is the result of a request from Floating Points for a mixer containing the same grade of circuitry found in World-class studios. It was designed and manufactured from the ground up over a 4 year period. All circuitry is single-ended class A and built exclusively from discrete transistors, with no class A/B stages or integrated circuits whatsoever in the path.
Its mechanical construction is of equal calibre to the circuitry, with all electronics being shielded by twin layers of alloy and steel.

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FP Mixer (press shot)

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FP Mixer (press shot)

 

Floating Point’s Mixer bedient vermutlich das gleiche audiophile Segment wie das des Rotary DJR-400: Hochwertiger Klang mit einer entsprechenden Verarbeitung und nur Potis, keine Fader. Und einem sicher ebenso stolzen Preis. Floating Points spezifiziert:

Overwhelming response to the mixer news, thanks for the kind words.
To address a few concerns;
The volumes are on top of each other in order to be able to fade with one hand whilst riding the pitch on turntable/cd.
Furthermore, this felt right with the isolators being on top of each other. Fading bass/mids/tops using the isolators is great fun.
Yes, one would have to remember which channel represents which side of the setup. ((but theres only 2 channels to worry about..!!))

Each channel has switchable inputs, so whilst only one source can be mixed into another, the source can be changed. It’s not designed for mixing 4 records at a time.

I don’t expect anyone to have any idea how this thing sounds without hearing it against another mixer. Details of components in the spec are not meant to be marketing fluff, rather give some indication to the technically inclined of its performance.

yeah, i still love the e&s, bozak etc etc this is just a different thing. Something that on a sound system such as Plastic People is a joy to experience and ultimately makes sharing music even more amazing

thanks!

Rotary DJR 400

Rotary DJR 400

Hier eins von Floating Points‘ Meisterstücken, das zeigt, wie wichtig Klangtreue und differenzierte Wiedergabe einzelner Frequenzen ist:

 

und ein hübsches Set zusammen mit Mr Scruff:

 

Edit: und hier noch ein neuer Track von FP, Release am 8. Dezember 2014. 12 Minuten deep-quirliger Funkno (oder wie soll man das nennen?)

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Die Demokratisierung des DJ’ings und ihre Kinder

„In den frühen 1970ern“, so schreibt Didi Neidhart in einem schönen Artikel über den 12″-Erfinder Tom Moulton, „war DJ-Arbeit eine verdammt harte Knochenarbeit. Die Breaks und Breakbeats mussten mit steinzeitlichen Schallplattenspielern abenteuerlich aneinandergereiht werden (funktionierte das mal nicht, war die Tanzfläche gleich wieder leer) oder wurden (in ebenso mühseliger Schneide- und Klebe-Arbeit) zu Hause mittels Tonbändern manuell zusammengeschnitten.“

Leere Tanzflächen gehören auch heute noch zu den DJ-Problemen, aber die Art des Auflegens hat sich doch grundlegend verändert. Nicht nur der Zugang zu auflegekompatibler Clubmusik hat sich dank Beatport, Youtube und Konsorten demokratisiert, sogar das eigentliche Kunststück, nämlich eine bewusst ausgewählte Selektion von Stücken in einen fließenden Mix zu bringen, ist heute keine Fertigkeit mehr, die man sich zu Hause hart erarbeiten und für den Clubeinsatz erproben muss. DJ-Software wie Traktor erledigt das Angleichen und Ineinandermixen für einen mit, man braucht nur noch seine Playlist zusammenstellen und die Tracks nacheinander abfeueren. Fragt sich nur, ob man dann überhaupt noch von einem „DJ“ sprechen kann?

Seit nicht allzu langer Zeit ist es zudem auch gar nicht mehr notwendig, Musik physisch in Form von Platten, CD’s oder auf der Festplatte gespeichert zu besitzen: In der Youtube-Disko stellt man seine gewünschtes Playlist ganz einfach aus dem gesamten Youtube-Archiv zur Verfügung stehenden Tracks zusammen. Zwar ohne Pitch-, geschweigedenn einer Sync-Funktion, aber auch das ist sicher nur eine Frage der Zeit.

Mein (mehr als pauschaler) Eindruck jedoch – und das ist auch das Widersprüchliche an der ganzen Sache – ist keinesfalls der, dass heute generell mehr Wert auf Dramaturgie und eine interessante Playlist gelegt wird, wozu – gerade mit Traktor und dergleichen – nun eigentlich die Zeit vorhanden wäre. Stattdessen hören sich so viele Sets so derart ähnlich an, dass ich manchmal schon, ganz heimlich und in meinen niedersten Momenten, den Gedanken von einer Nivellierung der Playlisten mit mir herumtrug.

Und noch ein Punkt, wenn wir gerade schon am Meckern sind. Ich hab mir letztens ein sehr sehenswertes Interview mit dem Funktion One Bauer Tony Andrews angeschaut. Man muss natürlich vorausschicken, dass der Mann von Berufs Wegen ein audiophiler Nerd ist, seinen Job sehr ernst nimmt und allein schon aus marketingtechnischen Gründen auf hohe Klangqualität bedacht ist. So oder so, seine Position ist kurz gefasst die, dass mp3’s, egal wie hoch die Bitrate ist, einfach ungeeignet für den Clubeinsatz sind und auch nicht gut für Ohren; auf den meisten Club-Boxen hört man das allerdings kaum, weil die eh so undifferenziert scheppern. Auch wenn der Typ erster Linie Werbung für seine eigenen Boxen macht und Soundqualität ein ganz eigenes Kapitel wäre, so hinterlassen seine Aussagen vor allem im Zusammenhang mit der Youtube-Disko bei mir ein ziemlich mulmiges, kulturpessimistisches Gefühl.

Vielleicht nehm ich das Ganze auch zu ernst und eigentlich ist alles fein – aber ihr wisst ja: there’s no business like show business…