Martin Butz

Podcast: „Pop will eat itself“ – Wiederholung am 27. und 28. Februar auf WDR 3

Der sehr empfehlenswerte Podcast „‘Pop will eat itself.’ Vom Musikmachen mit Musik. Remix, Plagiat und Copyright“ von Martin Butz wird am 27. und 28. Februar beim WDR 3 wiederholt. Ursprünglich wurde die Sendung 2014 vom Deutschlandfunk ausgestrahlt, es gibt aber offenbar nach wie vor großes allgemeines Interesse an diesem Thema, wie auch der Fall „Metall auf Metall“ vor dem Bundesverfassungsgericht nahelegt. Ich habe über den Podcast an anderer Stelle schon ein paar Zeilen verloren, die ich nochmal rausholen möchte:

Beginnen wir mit dem aktuellsten Feature: “Pop will eat itselfvon Martin Butz, der für Recht auf Remix schon vorab interviewt wurde. Martins Thema ist das Verhältnis von technologischen Möglichkeiten, ästhetischen Anforderungen und urheberrechtlichen Verwicklungen, in dem sich die moderne Musik- und Kunstproduktion derzeit befindet. Anhand zahlreicher Interviews mit Experten aus Wissenschaft, Recht, Kunst und Musik spürt er den Phänomenen “Remix”, “Zitat” und “Variation” nach und zeigt an vielen spannenden Beispielen aus der klassischen Musik, dem Pop und weiteren künstlerischen Richtungen die historische Dimension dieser Techniken auf. Sehr unterhaltsam und vielseitig, und damit als Einsteig hervorragend geeignet! Ins Manuskript kann man auch vorher schon mal reinschnuppern. Außerdem empfehle ich die Hintergrundinformationen, die Martin bei sich verbloggt hat.

Die Sendetermine sind:

  • Samstag, 27. Februar 2016, 12.05 – 13.00 Uhr
  • Sonntag, 28. Februar 2016, 15.05 – 16.00 Uhr

Es gibt auch eine kleine Kostprobe zum Reinhören. Erfreulicherweise soll der Podcast nach der Ausstrahlung auch als Download zur Verfügung stehen! Alles Weitere findet sich hinter diesem Link.

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Vier gewinnt! Aktuelle Podcasts zum Themenbereich Sampling, Originalität und Wiederholung

Das Jahr 2014 hat bereits eine Handvoll sehr interessanter und gut gemachter Podcasts hervorgebracht, die von „etablierten“ Häusern produziert wurden und alle – mit verschiedenen Schwerpunkten – um den Themenbereich Sampling, Remix, Mashup, Wiederholung, Loops, Variation, Plagiat, geistiges Eigentum und Urheberrecht kreisen. Diese Entwicklung ist sehr erfreulich, weil sie die Relevanz der Themen auch in einer breiteren Öffentlichkeit diskutiert und damit die engen Grenzen der eigenen „Filterbubble“ verschiebt. Ich möchte diese kleine „Welle“ an Podcasts zum Ausgangspunkt nehmen, um hier eine kurze Sammelbesprechung anzubieten. Die Podcasts empfehlen sich alle vier sehr gut zum Nebenbeihören, z. B. beim Kochen, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder zwischendrin auf der Couch. Trotzdem empfehle ich aus thematischen Gründen mal folgende Reihenfolge:

Die vier Podcast zum Herunterladen, Anhören, Sampeln und Remixen

Beginnen wir mit dem aktuellsten Feature: „Pop will eat itself von Martin Butz, der für Recht auf Remix schon vorab interviewt wurde. Martins Thema ist das Verhältnis von technologischen Möglichkeiten, ästhetischen Anforderungen und urheberrechtlichen Verwicklungen, in dem sich die moderne Musik- und Kunstproduktion derzeit befindet. Anhand zahlreicher Interviews mit Experten aus Wissenschaft, Recht, Kunst und Musik spürt er den Phänomenen „Remix“, „Zitat“ und „Variation“ nach und zeigt an vielen spannenden Beispielen aus der klassischen Musik, dem Pop und weiteren künstlerischen Richtungen die historische Dimension dieser Techniken auf. Sehr unterhaltsam und vielseitig, und damit als Einsteig hervorragend geeignet! Ins Manuskript kann man auch vorher schon mal reinschnuppern. Außerdem empfehle ich die Hintergrundinformationen, die Martin bei sich verbloggt hat.

„‚Pop will eat itself.‘ Vom Musikmachen mit Musik. Remix, Plagiat und Copyright“ (Martin Butz, Deutschlandfunk 2014)

 

Einem ähnlichen Ansatz folgen die Macher des Podcasts „Fade in/Fade out. Remixing Culture“ von der Kulturwelle der HU Berlin. Ich vermute dahinter Angehörige des Instituts für Kulturwissenschaften. Sie betrachten den Remix aus einer allgemeinen Perspektive, als Kulturtechnik, die eben in der Musik eine spezielle, geradezu postmoderne Ausprägung angenommen hat, wenn alles musikalische Material als „Sound“ verfügbar ist und in endlosen Rekombinationen neu zusammengesetzt werden kann. Ein Akzent des Features liegt dabei auf der Frage nach der „Authentizität“: Was und wie muss etwas klingen, damit es als authentisch erfahren wird? Durch die Beleuchtung dieser spezieller Fragen ist es ein super follow-up zu Martin Butz‘ Feature. Sehr interessant ist auch der Abschluss, in dem die Sendung selbst von Ramsus Lauvring geremixed wird.

„Fade in/Fade out. Remixing Culture“ (Anastasia Andersson und KollegInnen, Kulturwelle, Institut für Kulturwissenschaft, HU Berlin 2014)

 

Der Journalist Andreas Main dreht sich für sein Feature „Die Wiederholung in den Künsten“ im Kreis – bildlich gesprochen. Die Wiederholung, die Serie, der unendliche Loop ist sein Thema, das er in verschiedenen Portraits und Interviews mit Musikern und Künstlern erkundet. Die künstlerische Wiederholung hat in unserem Kulturkreis einen denkbar schlechten Stand, da sie vorwiegend mit Faulheit, bloßem „Abkupfern“, fehlender Inspiration oder sogar Plagiat in Verbindung gebracht wird. Doch zeigt Andreas Main, dass die fortlaufende Wiederholung oder Imitation einen ganz eigenen künstlerischen Aspekt bereit hält, wie zum Beispiel durch das tiefe auditive Eindringen in einen House-Loop. Oder, und diese Stelle fand ich besonders beeindruckend, durch die bewusste Reduktion und Fokussierung auf eine bestimmte Sache: der Maler Peter Dreher malt seit Jahren ein und dasselbe Glas. Jeden Tag auf’s Neue, und jeden Tag ist es eine neue Herausforderung für ihn. Auch hier wurde netterweise das Manuskript bereitgestellt.

„Die Wiederholung in den Künsten: Tag um Tag guter Tag“ (Andreas Main, Deutschlandfunk 2014)

 

Und wo bleibt da die Originalität?, fragt Roderich Fabian vom Bayerischen Rundfunk in seinem Feature „Bewährt statt neu“. Die Antwort könnte lauten: Auf der Strecke. Die Sendung arbeitet sich an der These von der „Originalitätsdämmerung“ des Karlsruher Kunstprofessors Wolfgang Ulrich ab, die Peter Dreher im o. g. Feature bereits vorbildlich illustriert hat. Die Fixierung auf Originalität, Innovation und das ständige Neue ist ein Fetisch unserer Zeit, dabei ist Bewährtheit und Vertrautes ein viel signifikanteres Dogma der Kunst, wenn man Ulrich folgt. Der Podcast hängt sich dabei an der Diagnose der „Retromania“ auf, die der Musikjournalist Simon Reynolds diskutiert und zeigt anhand zahlreicher Beispiele, dass es mit Originalität in der Kunst oft ganz anders bestellt ist, als auf den ersten Blick scheint.

„Bewährt statt neu. Ist die Originalität der Kunst am Ende?“ (Roderich Fabian, Bayerischer Rundfunk 2014)

 

So, 16.11.14, 20 Uhr: Feature im Deutschlandfunk zu „‚Pop will eat itself‘- Vom Musikmachen mit Musik. Remix, Plagiat und Copyright“ von Martin Butz

Diesen Sonntag läuft im Deutschlandfunk ein einstündiges Feature von Martin Butz aus Bremen zum Thema „‚Pop will eat itself‘- Vom Musikmachen mit Musik. Remix, Plagiat und Copyright“. Es verspricht äußerst spannend zu werden, denn Martin hat bereits zu diesem und verwandten Themen geforscht, Seminare gegeben und Vorträge gehalten. Zur Einstimmung hat Martin vor ein paar Tagen ein Interview für die Initiative Recht auf Remix gegeben und schon mal den Zusammenhang zwischen Radio machen (hier ausführlich), Zitieren, Remixing und Urheberrecht erläutert:

Im letzten Jahr habe ich mit meinem guten Freund und Kollegen Fabian von Freier ein Hörstück mit dem Titel “Sammelsurium. Man kann nicht nicht zitieren” für den Deutschlandfunk (DLF) gemacht. Wir haben ein Gespräch über Gott und die Welt, den Kapitalismus, die Moral und das Essen und Fressen zwischen unterschiedlichen Personen fast vollständig mit Zitaten realisiert: Zitate aus wissenschaftlichen und belletristischen Werken, Zeitungen, Rundunk und dem Internet. Die Rechtsabteilung des DLF wusste damit zunächst nichts anzufangen. Das war Neuland. Vom Zitatrecht wurde das definitiv nicht abgedeckt, da das neue Werk nicht nur zitierte, sondern nahezu vollständig aus Zitaten bestand. Also begannen wir, jeden der Zitierten anzuschreiben und nachzufragen, ob wir das so verwenden dürfen. Ich habe dabei einiges über die Konsolidierung im Verlagsgewerbe erfahren. Wir wurden beispielsweise von einem Verlag an den nächsten verwiesen, nur um nachher festzustellen, dass der letzte in der Kette doch wieder zu Random House gehört. Am Ende wurde uns klar: Ein solches Feature – also ein solcher Remix – ist nicht möglich, wenn man jeden der Zitatgeber fragen muss. Der organisatorische Aufwand ist viel zu groß, auch wenn wir in vielen Fällen eine kostenfreie Verwendung erreichten. Lange Rede, kurzer Sinn: Am Ende fand die Rechtsabteilung im DLF heraus, dass wir das ganze über die VG Wort abrechnen können. In unserem Fall reichten also die bestehenden Konstruktionen rund um das Urheberrecht aus. Allerdings mussten wir das erst herausfinden. Und im Musikbereich sieht das ganz anders aus.

Sonntag, 16.11.2014, 20 Uhr im Deutschlandfunk (und danach 7 Tage im Podcast): „‚Pop will eat itself‘- Vom Musikmachen mit Musik. Remix, Plagiat und Copyright“. Ein Feature von Martin Butz.

Simon Reynolds: RetromaniaDie Formulierung „Pop will eat itself“ findet sich übrigens in ähnlicher Form in der kritischen These des Musikjournalisten Simon Reynolds, die er in seinem Buch „Retromania“ vor ein paar Jahren entwickelt hat: Pop beutet seine eigene Vergangenheit systematisch aus, um immer wieder neue Retromoden anzuzetteln. Eine sehr kenntnisreiche Darstellung der Popmusik mit marxistischem Einschlag, die die Idee von der geplanten Obsoleszenz auch in der Musikproduktion einführt. „Retromania“ ist 2012 in der deutschen Übersetzung beim Ventil Verlag erschienen.

Symposium: Kreativität und Eigentum am 22.10.2011 in Augsburg

Die Fakultät Gestaltung der Hochschule Augsburg lädt zur nun schon vierten Ausgabe der Transit, dem Design- und Mediensymposium, welches diesmal am 22. Oktober 2011 mit Unterstützung der Orangerie stattfinden wird. Der thematische Rahmen ist denkbar aktuell, geht es doch darum, das Feld zwischen Original und Kopie, zwischen Autor und Rezipient, zwischen Kreativität und Eigentum auszuloten, abzustecken und zu diskutieren. Insgesamt wird es fünf spannendes Vorträge, eine Podiumsdiskussion und natürlich auch eine abrundende Party geben.

Das Programm im Einzelnen:

12:30 Uhr – Einlass
13:00 Uhr – Begrüßung durch Prof. Robert Rose
13:30 Uhr – Georg Fischer: Sampling als kreative Praxis?
14:30 Uhr – Wolfgang Senges: C3S: Verwertung von Musik unter Creative Commons in einer Verwertungsgesellschaft
15:30 Uhr – Pause
16:00 Uhr – Dr. Bernhard Knies: Technische und rechtliche Aspekte des Filesharing
17:00 Uhr – Martin Butz: Kreativität und Aneignung: Vom Eigensinn in einer kolonialisierten Welt
18:00 Uhr – Pause
18:30 Uhr – Constanze Kurz: Kulturwertmark und digitale Allmende
19:30 Uhr – Gemeinsames Abschlusspodium aller Referenten
 

Auf der Homepage der Veranstaltung finden sich alle wichtigen Daten wie zum Beispiel die Abstracts der Vorträge oder Informationen zu den ReferentInnen.