Zu Pierre Schaeffer und seiner „Musique concrète“

Pierre-Schaeffer

Beim FACT Magazine ist gestern ein ausführlicher Artikel über den französischen Komponisten und Ingenieur Pierre Schaeffer erschienen, der als einer der Wegbereiter der „konkreten“, also aus direkten Klängen bestehenden Musik gilt. Wie in den meisten anderen Darstellungen wird Schaeffer als Wegbereiter und eigentlicher Erfinder, als „Pate“ des Samplings gefeiert – Jahrzehnte bevor man im HipHop, House und Reggae damit arbeitete:

One of the more profound consequences of Schaeffer’s inversion of the compositional process was that composers would no longer be bound to written scores and notation. Their music could exist solely as recordings, without need for players or instruments to actualize them. Even among other experimental and avant-garde musics of the time, notably the “elektronische Musik” being produced by Karlheinz Stockhausen in Cologne, Schaeffer’s approach represented a radical shift. Because any sound could now be repurposed for the sake of music-making, the possible combinations of timbres, rhythms, instruments, voices and harmonies became virtually infinite.

Ich glaube, diese Darstellung ist nicht ganz falsch und auch nicht ganz richtig. Sie ist vermutlich etwas zu kurz gedacht und zu sehr auf die Figur Pierre Schaeffer fixiert. Sicherlich war Schaeffer extrem wichtig für die avantgardistischen Versuche mit konkreten Klangmaterialien zu arbeiten, den Klang als solchen „anzufassen“ und musikalische Schleifen („Loops“) zu kreieren. Schaeffer hat viel dazu publiziert und beeinflusste andere wegweisende Künstler wie Pierre Henry, Karlheinz Stockhausen oder John Cage im Hinblick auf das prä-digitale Sampling und „found sounds“. Aber schon etwa 15 Jahre vor Schaeffers Pariser Arbeiten experimentierte der Berliner Walter Ruttmann für sein Stück „Weekend“ mit konkreten Klängen, wie sich im Museum der Initiative „Recht auf Remix“ und in meiner Diplomarbeit nachlesen lässt. Das tat er, weil er sich innerhalb eines größeren künstlerisch-intellektuellen Diskurses befand, der sich ab Beginn des 20. Jahrhunderts formierte und verstärkt den Phänomenen des Geräuschs und des Klangs widmete.

„Weekend“ ist eine wahre Symphonie der Geräusche, die aber mit rhythmischem Feingefühl und mit allerlei Pointen gespickt ist. Ruttmann verstand seine abstrakte Toncollage als „Jazz der Arbeit“, der von der dröhnenden Maschinerie der Schreibmaschinen, Registrierkassen und Sägen, aber auch vom verdienten Feierabend und dem erholenden Sonntagsausflug erzählt. Immer wieder gibt es semantisch-klangliche Assoziationen und Anspielungen, wie zum Beispiel beim „Ausklang“ des Wochenendes: Zuerst das Gläserklirren beim Zuprosten, danach die Glocken der Tiere und das Bimmeln der Kirchenglocke. Schließlich das Klingeln des Weckers, der lautstark den allwöchentlichen Arbeitsbeginn am Montag verkündet.

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Berliner Colloquium zur Klangforschung gestartet

In Berlin hat sich eine Runde junger Forscherinnen und Forscher zusammengefunden, die sich regelmäßig in einem gemeinsamen Colloquium zum Themengebiet der Klangforschung / Sound Studies treffen. Die Idee des auf Initiative der Kulturwissenschaftler Felix Gerloff und Sebastian Schwesinger gegründeten Colloquiums ist es, eigene Projektideen und für alle interessante Texte vorzustellen und auf Basis gemeinsamer Lektüre zu diskutieren. Daneben sollen auch Sounds, Geräusche und natürlich auch musikalische Klänge gemeinsam gehört werden. Außerdem werden in jeder Sitzung relevante und aktuelle Stellenausschreibungen, Call for Papers, Konferenzen, etc. kurz angekündigt und besprochen.

Das Forschungsfeld der Sound Studies ist dabei von Haus aus eine interdisziplinäre Angelegenheit, die Perspektiven aus Kultur-, Medien-, Musik- und Sozialwissenschaften zusammen bringt und zur Diskussion stellt. Neben theoretischen Problemen und empirischen Phänomenen werden dabei auch methodische Herangehensweisen behandelt. Das Spektrum der besprochenenen Themen umfasst bis jetzt unter anderem Sonifikation, Akustik in der Archäologie (archaeoacoustics), historische Klangforschung, Praktiken des Hörens, musikalische Produktionstechniken, Klang und urheberrechtliche Verwicklungen, Wissenschaftsforschung und Sound. Prinzipiell sind alle Thematiken und Herangehensweisen willkommen, in denen das Klangliche einen Gegenstand der Untersuchung darstellt, in welcher Form auch immer dies geschieht.

Derzeit findet das seit dem vergangenen Herbst tagende Colloquium freitags alle drei Wochen im Exzellenzcluster „Bild Wissen Gestaltung“ der HU Berlin statt. Für die Zukunft planen wir auch gemeinsame Exkursionen, Veranstaltungen oder Publikationsprojekte. Wir freuen uns über weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Interesse an der Klangforschung zum gemeinsamen Austausch in einer entspannten und kollegialen Atmosphäre.

Kontakt: Für weitere Informationen bitte gerne eine Email schicken.

Dieser Text ist ursprünglich erschienen beim Pophistory Blog.

In the Mix: Floating Points kündigt Highend-Mixer an

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FP Mixer (Aufnahme von http://mn2s.com)

 

Der britische DJ und Musikproduzent Floating Points, den man von seinen lang- und tiefgehenden Sets aus Funk, Soul, House und Bass kennt, hat in Zusammenarbeit mit dem High-Fidelity-Spezialisten Isonoe einen eigenen Mixer designed. Das Ding heißt  schlicht „Floating Points FP Mixer“ und soll besonders gut klingen, weil es sich an der Bauweise von qualitativ hochwertiger Studiotechnik orientiert. Ich finde das deswegen einen kurzen Bericht wert, weil es zwar nix Neues ist, dass DJs in Zusammenarbeit mit Elektronikfirmen Mixer designen und beide vom gegenseitigen Know-How profitieren. Aber in den meisten Fällen sind es HipHop- und Turntableism-DJs, die besonderen Wert auf schnellgängige Fader etc. legen. In Floating Points‘ Fall steht aber eher das smoothe Ineinandermischen und ein hochwertiger Klang im Vordergrund, wie das offizielle Datenblatt weiß:

Having evaluated many examples, Sam Shepherd (aka ‚Floating Points‘) came to the conclusion that, in comparison with the quality of equipment employed to record and mix much of his record collection, the DJ mixer represented a bottle-neck.
The FP mixer is the result of a request from Floating Points for a mixer containing the same grade of circuitry found in World-class studios. It was designed and manufactured from the ground up over a 4 year period. All circuitry is single-ended class A and built exclusively from discrete transistors, with no class A/B stages or integrated circuits whatsoever in the path.
Its mechanical construction is of equal calibre to the circuitry, with all electronics being shielded by twin layers of alloy and steel.

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FP Mixer (press shot)

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FP Mixer (press shot)

 

Floating Point’s Mixer bedient vermutlich das gleiche audiophile Segment wie das des Rotary DJR-400: Hochwertiger Klang mit einer entsprechenden Verarbeitung und nur Potis, keine Fader. Und einem sicher ebenso stolzen Preis. Floating Points spezifiziert:

Overwhelming response to the mixer news, thanks for the kind words.
To address a few concerns;
The volumes are on top of each other in order to be able to fade with one hand whilst riding the pitch on turntable/cd.
Furthermore, this felt right with the isolators being on top of each other. Fading bass/mids/tops using the isolators is great fun.
Yes, one would have to remember which channel represents which side of the setup. ((but theres only 2 channels to worry about..!!))

Each channel has switchable inputs, so whilst only one source can be mixed into another, the source can be changed. It’s not designed for mixing 4 records at a time.

I don’t expect anyone to have any idea how this thing sounds without hearing it against another mixer. Details of components in the spec are not meant to be marketing fluff, rather give some indication to the technically inclined of its performance.

yeah, i still love the e&s, bozak etc etc this is just a different thing. Something that on a sound system such as Plastic People is a joy to experience and ultimately makes sharing music even more amazing

thanks!

Rotary DJR 400

Rotary DJR 400

Hier eins von Floating Points‘ Meisterstücken, das zeigt, wie wichtig Klangtreue und differenzierte Wiedergabe einzelner Frequenzen ist:

 

und ein hübsches Set zusammen mit Mr Scruff:

 

Edit: und hier noch ein neuer Track von FP, Release am 8. Dezember 2014. 12 Minuten deep-quirliger Funkno (oder wie soll man das nennen?)

Konferenz: Auditive Wissenskulturen. Das Wissen klanglicher Praxis, 18.–21.6.2014, Graz

Im Juni 2014 steht eine weitere Tagung an, bei der ich teilnehmen und vortragen werde. Diesmal ist es die viertägige Konferenz über „Auditive Wissenskulturen“ Mitte Juni in Graz. Die Keynotespeaker sind Karin Knorr-Cetina (Konstanz/Chicago) und Philip V. Bohlman (Chicago/Kassel). Programm und Organisation sind sehr vielversprechend! Wer noch teilnehmen möchte, kann sich hier anmelden.

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Aus dem offiziellen Ankündigungstext:

Institut für Ethnomusikologie, Universität für Musik und darstellende Kunst Graz
Zentrum für Systematische Musikwissenschaft, Karl-Franzens-Universität Graz

AUDITIVE WISSENSKULTUREN. DAS WISSEN KLANGLICHER PRAXIS

Die sozial- und kulturwissenschaftliche Erforschung musikalischer und anderer klanglicher Praktiken ist stets mit spezifischen Wissensformen konfrontiert, die aber zumeist nur implizit behandelt werden. Die Rolle, die Musik und andere Klänge in verschiedenen sozialen und kulturellen Kontexten spielen, hängt unmittelbar mit dem Wissen sozialer Akteurinnen und Akteure zusammen, welches in bestimmter Weise (re)produziert wird. Wis- sen nimmt dabei sowohl diskursiv verfügbare, kognitive und explizite Formen an, als auch körperlich-gebundene, praktische und oft implizite. Verschiedene kulturelle Kontexte prägen auditive Wahrnehmungen, unterschiedliche soziale Prozesse geben Schall Bedeutungen, machen ihn zu Lärm, Geräusch, Signal oder Musik. Verschiedene Disziplinen bieten hier unterschiedliche Zugänge mit ihren jeweiligen Vorzügen an, die im Symposium durch gegenseitigen Austausch gestärkt werden sollen.

Auditive Wissenskulturen umfassen die Produktion, Distribution und Anwendung klanglichen Wissens und machen Schall und Klänge zu Trägern spezifischer Bedeutungen, die an ein bestimmtes Verstehen gekoppelt sind und auch in ihrer Erzeugung mit bestimmten Kompetenzen verbunden sind. Klänge dienen zur Heilung, dem Erkenntnisgewinn, oder als Warnung vor Gefahren, zur Konstruktion von Identitäten oder zur Vertreibung unerwünschter Subjekte. Auditives Wissen ist somit in Machtverhältnisse integriert und auch mit der Produktion und Reproduktion sozialer Ungleichheitsverhältnisse verbunden.

Im interdisziplinären und internationalen Symposium „Auditive Wissenskulturen: das Wissen musikalischer Praxis“ wird ein explorativer Austausch zwischen verschiedenen Zugängen aus Kultur-, Geistes-, und Sozialwissenschaften stattfinden, wodurch auditive Wissenskulturen aus unterschiedlichen Perspektiven vorgestellt, verglichen und diskutiert werden können.

WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN UNTER:

WWW.AUDITIVEWISSENSKULTUREN.AT

Das breite Programm lässt ebenfalls eine intensive und anregende Auseinandersetzung mit „auditiven Wissenskulturen“ erwarten, sowohl in theoretischer als auch in empirischer Hinsicht!

Mittwoch, 18.6. – Karl-Franzens-Universität, ReSoWi Bauteil A, SZ 15.21

 

ab 9:00

Registrierung

 

 

 

 

9:45

Eröffnung

Richard Parncutt (Graz), Gerd Grupe (Graz): Grußworte

 

 

Hein Schoer (Wiesbaden): The Sounding Museum (Einführung zur Installation)

 

 

 

10:30

Keynote Lecture
chair Martin Winter

Karin Knorr-Cetina (Konstanz/Chicago): Wissenskulturen: Was ist das und was wissen wir über sie?

 

 

           mit Kommentar von Philip V. Bohlman

12:00

Pause

 

 

 

 

12:30

Perspektiven
chair Bernd Brabec

Jin-Ah Kim (Berlin): Musik als auditives Wissen aus praxeologischer Perspektive

 

 

Matthias Lewy (Berlin): Auditive Formen des Wissenstransfers in den Guyanas

 

 

Wolfgang Gratzer (Salzburg): Wer weiß? Musikhören, Wissen und die Annahme auditiver Wissenskulturen

14:30

Pause

 

 

 

 

16:00

Hören als Methode
chair Malik Sharif

Gregor Kokorz (Graz): Hermann von Helmholtz und die Erfindung des Hörens als wissenschaftliche Methode

 

 

Axel Volmar (Siegen): Klang-Experimente. Zur Geschichte der auditiven Kultur der Naturwissenschaften seit 1800

 

 

Judith Willkomm (Siegen): „Ich seh halt nichts, ich hör nur was“: Über implizites Hörwissen von Fledermäusen

 

 

Fritz Schlüter (Berlin): Soundscape-Ethnographien? Field Recordings im Rahmen ethnographischer Stadtforschung

18:30

Pause

 

 

 

 

19:00

Keynote Lecture
chair 
Bernd Brabec

Philip V. Bohlman (Chicago/Kassel): Auditives Wissen im Moment der Ekstase

 

 

           mit Kommentar von Karin Knorr-Cetina

 

 

 

20:30

Empfang

 

Donnerstag, 19.6. – Kunstuniversität, Reiterkaserne, Ira Malaniuk-Saal

(Klanginstallation von Hein Schoer im Seminarraum 150 und Poster-Ausstellung im Konferenzraum)

 

9:00

Klangontologien
chair Frithjof Nungesser

Angela Grünberg (Sheffield): Klang als Handlung: Ausdruck einer Beziehung zur Welt und ihrer Tatsachen

 

 

Wei-Ya Lin (Wien): Bei uns gibt es keine sogenannte Musik, wirmianoanood (singen)! – Eine Studie zur Erforschung des auditiven Wissens der Tao

 

 

Malik Sharif & Bernd Brabec de Mori (Graz): Auditives Wissen und ontologisch-epistemologischer Relativismus. Ein Dialog für zwei Ethnomusikologen

 

Pause

 

 

 

 

11:30

Sozioakustik
chair  Armin Ziegler

Thomas Kusitzky (Weimar/Berlin): Bedingungen einer Kultur des auditiv-städtischen Gestaltens

 

 

Thomas Felfer (Graz/Lech): Auditive Forschung mit Kindern

 

 

Maria Dillschnitter (Halle/Lübeck): Doing hearing? Zum Wissen über das Hören in der Hörgeräteversorgung

13:30

Mittagspause

 

 

 

 

15:00

Lokalitäten
chair Sabrina Sattmann

Thomas Järmann & Johannes Müske (Zürich): Klingende ‹Swissness›. Geistige Landesverteidigung in der klanglichen Praxis des Schweizer Auslandsradios – Schallarchivalien als kulturwissenschaftliche Quellen

 

 

Anna Schmidt (Göttingen): Audiosphären als Basis lokaler musikalischer Klangästhetiken

 

Pause

 

 

16:45

Musikbeitrag

Erica Bisesi (Graz/Gorizia), Klavier: Wanderung, Verwandlung und Verklärung

 

 

 

17:30

Machtverhältnisse
chair Sarah Zapusek

Nora Bammer de Rodriguez (Krems/Wien): Die Macht singender Shuar und ihrer Geister

 

 

Susanne Sackl-Sharif (Graz): Zum auditiven (Geschlechter-)Wissen von Metalfans

Freitag, 20.6. – Kunstuniversität, Reiterkaserne, Ira Malaniuk-Saal

(Klanginstallation von Hein Schoer im Seminarraum 150 und Poster-Ausstellung im Konferenzraum)

9:00

Klassifikation
chair Stefan Reichmann

Martin Winter (Aachen): Musikgenres als Wissen: Die Ko-Konstruktion von Punkrock und Männlichkeiten.

 

 

Kai Ginkel (Darmstadt/Wien): Das Wissen des Noise: Zur „sozio-sonischen“ Bedeutung von Klang

10:15

Poster Session

 

 

 

 

11:15

Musicking
chair Susanne Sackl

Christian Müller (Freiburg): Doing Jazz – zur Konstitution einer kulturellen Praxis

 

 

Matthias Haenisch (Potsdam): Verteiltes Handeln – Wissen in Interaktion. Zur Performativität zeitgenössischer Improvisation

 

 

Holger Schwetter, Lena Respondek & Dominik Schrage (Kassel/Lüneburg): „Wenn Du das oft genug erlebt hast, dann arbeitest Du gezielt darauf hin, weil es so unheimlich schön ist.“ Implizites Wissen und die Organisation musikalischen Erlebens

13:15

Mittagspause

 

 

 

 

15:00

Musikbeitrag

Fränk Zimmer & Heimo Ranzenbacher (Graz), sounding lecture: from the distance

 

 

 

15:30

Klangproduktion
chair Martin Winter

Felix Gerloff & Sebastian Schwesinger (Berlin): Remixen. ccMixter als klangkulturelles Dispositiv

 

 

Georg Fischer (Berlin): „Keep it real!“ Das Wissen klanglicher Praxis in der Samplingkultur des HipHop

 

 

David Waldecker (Darmstadt): Wissensformen im Tonstudio: Zur Ethnographie des Musikaufnehmens

 

 

Patricia Jäggi (Luzern/Basel): «Bruitage. Kuhglocken vor einem Chalet (ein Flugzeug fliegt darüber)» – Das Gestaltungsmittel Geräusch als Wissensformat

 

Pause

 

 

 

 

19:00

Konzert und Dinner

im Café Stockwerk Jazz, Musik: maneki nekoč

Samstag, 21.6. – Kunstuniversität, Reiterkaserne, Ira Malaniuk-Saal

 

9:00

Identitäten
chair Juan Bermúdez

Lorenz Beyer (Wien): Transkulturelle Wissensdistribution und bayerische Codierung. Fallbeispiel aus Oberbayern: LaBrassBanda, die Cubaboarischen, Monaco Fränzn

 

 

Rinko Fujita (Wien): Verfremdung der eigenen Musik: zum Problem der empirischen Untersuchung traditioneller japanischer Musik

 

 

Ania Mauruschat (Basel): Oszillator, Bandmaschine, Cut-Up, Loop, Rewind: Das auditive Wissen der Produzentinnen des BBC Radiophonic Workshop

 

Pause

 

 

 

 

11:30

Multimedia
chair Florian Eckl

Sandra Aßmann & Peter Moormann (Köln): Musik erleben – Musik erlernen: Prozesse der Wissens- und Bedeutungsgenerierung am Beispiel des Computerspiels

 

 

Barbara Alhuter (Wien): Auditive Wissenskulturen im Mainstream-Film

 

Umbaupause (kurz)

 

 

 

 

12:45

Musikbeitrag

Bertl Mütter (Steyr): listening comprehension

 

 

 

13:30

Abschlussdiskussion
chairs Martin Winter & Bernd Brabec de Mori

Auditive Wissenskulturen – Konzepte, Ausblick, Publikation der Beiträge

 

 

Podium: Karin Knorr-Cetina (Konstanz/Chicago), Philip V. Bohlman (Chicago/Kassel), Rosa Reitsamer (Wien), Gerd Grupe (Graz)

15:00

Ende der Tagung

 

 

 

Nachtrag: Konferenz zu „Sounds, Klängen, Tönen“ am MPI für Bildungsforschung, Berlin (24.-26.4.2014)

Ende April 2014 war ich Teilnehmer einer sehr inspirierenden und thematisch breiten Konferenz zur klanglichen Dimension von Musik, die am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin veranstaltet wurde. In drei intensiven Tagen beschäftigten wir uns mit den Auswirkungen von „Sound“ hinsichtlich seiner emotionaler Wahrnehmung und Bedeutung. Was mir an der Konferenz am besten gefallen hat, war die Breite der Vorträge: Von spätantiker Musik über den Ragtime bis zu aktuellem Atmodesign im Radio, von Geräuschen und Heavy Metal bis zum rauhen Klang des 90er-Jahre-HipHop, von klassischen musikwissenschaftlichen Ansätzen über historische, soziologische und psychologische Aspekte wurde den Grundpfeilern einer umgreifenden „Soundwissenschaft“ nachgespürt. Vielen Dank nochmal an das Team der Forschungsgruppe „Gefühlte Gemeinschaften? Emotionen im Musikleben Europas“ vom MPI für Bildungsforschung für eine hervorragend organisierte Konferenz! Ich verweise in diesem Zusammenhang auch noch auf den dieser Gruppe nahestehenden und sehr lesenswerten, internationalen Forschungsblog „Pophistory“.

Erst am Ende der Tagung ist mir übrigens aufgefallen, wie gut mein eigener Bildschirmhintergrund am Notebook eigentlich das Thema „Musik und Emotion“ reflektiert: Eine nachträglich kolorierte Aufnahme des Saxofonisten Big Jay McNeely, fotografiert von Bob Willoughby in einer Konzertsituation von 1953. Hatte ich hier auch schon mal verbloggt.

big-jay-mcneely-on-sax-olympic-auditorium-la-1953-bob-willoughby-coloured-by-traquea

Tagungssprogramm (offizielles PDF)

Donnerstag, 24.04.14

13.00 – 14.30 Uhr: Registrierung

14.30 – 15.30 Uhr: Begrüßung und Einführung

Sven Oliver Müller, Tim Biermann, Anabelle Spallek, Henning Wellmann (MPI für Bildungsforschung)

15.30 – 16.30 Uhr: Keynote

Prof. Holger Schulze (Berlin)  – Widerstand und Klang: Zur Kulturtheorie schallbrechender Gemeinschaften

16.30 – 17.00 Uhr: Kaffeepause

17.00 – 19.00 Uhr: Panel 1: Methodisch-theoretische Perspektiven

Chair: Marie Louise Herzfeld-Schild (Berlin)

Hauke Egermann (Berlin) – Empathie als Vermittler zwischen Ausdruck und induzierten Emotionen in der Musikrezeption

Anna Schmidt (Göttingen) – Audiosphären – Atmosphären in Hörbeziehungen

Karim Weth (Wien) – Klang und Emotion: Ansätze aus der Timbreforschung

19.00 Uhr: Abendessen

Freitag, 25.04.14

10.00 – 12.30 Uhr: Panel 2: Subjektbildung durch Sound und Klang

Chair: Henning Wellmann (Berlin)

Jens Gerrit Papenburg (Berlin) – Exzentrik und Synkopierung. Subjekte des Ragtime um 1900

Lisa-Marian Schmidt / Carsten Heinze (Berlin/Hamburg) – Der Klang der Moderne: Industrial Music Culture vom Underground zum Mainstream am Beispiel von Throbbing Gristle und Psychic TV

Brigitte Simon (Wien) – Der Heavy Metal Sound und das “White, Male, Working Class”-Image

Svenja Rokitta (Berlin) – Zur Ästhetik des Virtuellen: Das Déjà-entendu in der Musik

12.30 – 14.00 Uhr: Mittagessen

14.00 – 16.00 Uhr: Panel 3: Klangmaterialitäten

Chair: Luis-Manuel Garcia (Berlin)

Felix Gerloff / Sebastian Schwesinger (Berlin) – »Wir tanzen wie Maschinen, im Rhythmus der Maschinen« Die Materialität des Klanglichen im Detroit Techno als Disponent prototypischer emotionaler Erfahrungen der Clubkultur

Axel Volmar (Siegen) – Nostalgie, Distinktion und die Erhabenheit der Technik. Affektbeziehungen zwischen Menschen und Musiktechnologien in der High-end Audio Kultur

Martin Hoffmann (Kissing) – Die venezianische Mehrchörigkeit – Zum Verhältnis von Emotion, Klang und Raum an San Marco

16.00 – 16.30 Uhr: Kaffeepause

16.30 – 18.30 Uhr: Panel 4: Klangpraxis – Doing Sound

Chair: Tim Biermann (Berlin)

Christian Müller (Freiburg) – Doing Jazz – Zur Konstitution einer kulturellen Praxis

Georg Fischer (Berlin) – „Keep it real!“ Die Rolle des Klangs in der Samplingkultur des Hip Hop

Jan Drees (Wuppertal) – Audioflow – Atmodesign als Instrument der HörerInnen-Bindung im Popkulturradio

19.00 Uhr: Abendessen

Samstag, 26.04.14

10.00 – 12.00 Uhr: Panel 5: Klang – Politik – Geschichte

Chair: Anabelle Spallek

Jutta Günther (Saarbrücken) – …von Instrumenten des Irrwahns umlärmt – Wie wirkt Musik und Performanz auf den spätantiken Mensch?

Cornelia Bartsch (Basel) – Die (freie) Fantasiermaschine – zur Konservierung des musikalisch ‚Wilden‘ im Geiste der europäischen Aufklärung

Bodo Mrozek (Berlin) – Heulbojen und Geräuschathleten: Musik als Lärm. Die Debatte um die somatische Wirkung von Klang in den 1950er Jahren.

12.00 – 13.30 Uhr: Mittagessen

13.30 – 15.00 Uhr: Abschlussdiskussion

 Jochen Bonz (Innsbruck)

Luis-Manuel Garcia (Berlin)

Holger Schulze (Berlin)

Bianca Ludewig (Innsbruck)

Ort: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Lentzeallee 94 14195 Berlin.
Termin: 24.-26.04.14