Doku: „Dramadigs – Musik aus Musik“ von Julia Haase

Screenshot aus der Doku

Letzte Woche wurde ich auf eine sehr tolle kurze Doku namens „Musik aus Musik“ aufmerksam gemacht. Im Rahmen ihrer Masterarbeit an der UdK Berlin hat Julia Haase zusammen mit Christian Limber einen Film gedreht, der das HipHop-Duo Dramadigs bei der Arbeit begleitet. Arbeit heißt in dem Fall: Crate-Diggin‘ auf dem Flohmarkt, Rückzug ins Studio, Auswählen, Sampeln, Choppen, den Beat zusammenbasteln und abschließend den eigenen Text einrappen. Ich finde die Doku auch deshalb so empfehlenswert, weil es im deutschsprachigen Raum im Grunde kaum vergleichbare Filme gibt, die so hautnah an der Produktion eines HipHop-Beats dran sind und die die einzelnen Phasen des Produktionsprozesses dokumentieren. Außerdem sind die beiden Bremer von Dramadigs wirklich sehr sympathische Jungs, denen man gerne bei der Arbeit zuschaut. Im letzten Teil des Films sprechen sie auch über urheberrechtliche Verwicklungen, mit denen sie sich beim Sampeln auseinandersetzen müssen. Sie offenbaren sich dabei nicht komplett: Ein paar Tricks behalten sie auch für sich, beispielsweise die Quellen mancher ihrer Samples und ähnliches, aber das gehört zum „Game“ natürlich auch dazu. Der Film ist veröffentlicht bei Melting Pot Music.

Auf der Bandcamp-Seite von Dramadigs gibt’s auch den aktuellen Release zu kaufen. Check this…

Beitragsbild: Screenshot aus der Doku.

In the Mix: Ghost Notes – Circus Podcast #21

chn_podcast_21_ghost_notesEin neuer Mix von mir. Diesmal eine HipHop/Funk/Downbeat-Mischung für die musikalisch sehr breit gefächerte und absolut empfehlenswerte Podcast-Serie von chn.io

Circus Podcast #21 – Ghost Notes (Feb 2014)

Ghost Notes ist eigentlich ja mehr für seine DJ-Sets, die sich irgendwo an der Grenze von House und Bass Music bewegen, bekannt. Seine heimliche Liebe aber gilt seit 15 Jahren den gediegenen Downbeats, dem Funk und auch dem HipHop. Für die 21. Ausgabe des Circus Podcasts hat er sich, angetrieben von futuristischer Nostalgie, durch sein Platten- und Festplattenarchiv und damit auch zurück in die Zukunft gemixt. Dahin zurück, als HipHop hören, mit den Jungs abhängen und Basketball spielen noch eins war. Als es das Normalste und gleichzeitig das Allergrößte war. Dahin zurück, als „Sachen geregelt zu kriegen“ noch Hausaufgaben abschreiben hieß und die Nachmittage dafür herhalten mussten, die Flausen aus dem Kopf zu kriegen… Die Flausen sind schon lange draußen, vertrieben von den ersten grauen Haaren und auch die gute alte Liebe musste einiges aushalten. Was aber nicht heißt, dass nicht immer noch freshe Beats zu entdecken wären! Im Mix gibt’s aktuellen Shit von Mr. Backside, Flo Filz oder Bluestaeb, unveröffentlichtes Material von Kova und Snuicide, aber auch funky Grower von Kutiman oder exzellente Cheesiness von Alan Hackshaw auf die Ohren. Durch die Sendung führen Peter Frankenfeld und Max Greger. Bitte schön die Genicke aufwärmen. Es soll ja hinterher niemand klagen, dass vorher keiner gewarnt hätte.

Brownout – I won’t lie (Grant Phabao Remix)
6th Borough Project – If the Feeling’s right?
Max Graef x Delfonic – The Way
Jamal – Keep it real (Flo Filz Remix)
Unda – Off the Cuff
Mr Scruff – Ug
Jurassic 5 – Freedom
Mr Backside feat. Jane R. Gee – Injured
Alan Hackshaw – Girl in a Sportscar
Snuicide – Blueberryhempflakes
Brous One – No es Difficul
Kova – Cool Struttin‘
Brenk Sinatra – Everyday Scenario
Cuthead – Everlasting Sunday
Bluestaeb x Eloquent – Rapresent
Manzu x King Brut – Blunaut
Mark B & Blade feat. Al Tariq – Split Personalities
Kutiman – No Groove where I come from
Aphrodelics – Rollin‘ on chrome (K&D Wild Motherfucker Dub)
Dadamnphreaknoizephunk – Complex Dinner Wardrobe
Sola Rosa – All you need

The Eclectic Method – A brief history of sampling

Sampling reflexiv: The Eclectic Method, ein verdientes Mashup-Duo aus Großbritannien, das vor allem an der Schnittstelle von visuellen und auditiven Medien bastelt, hat ein kleines, aber feines Video online gestellt. Es geht um die Geschichte des Samplings, aber nicht narrativ von einer Person erzählt, sondern als Zusammenschnitt von Aussagen, Samples und Platten einflussreicher Musiker. Hat man alles so ähnlich schon mal woanders gesehen bzw. gehört, aber halt noch nicht so. Viel Spaß!

Herzallerliebst: Der Technics SL-700 Turntable

Seit gestern kursieren im DJ-Intranet, das so eine Art Unterform des großen Internets zu sein scheint, Bilder eines kleinen Bruders vom legendären Technics SL 1200 / 1210er Turntable. Laut Biz Markie, dem DJ auf den Fotos, existiert nur ein einziges Paar dieser speziell angefertigten Kleinversion. Erstaunlich ist, dass die 7″-Plattenspieler zwar Knöpfe für 33 und 45 Umdrehungen pro Minute (RPM) haben, aber keinen für 78. Ich würde nämlich vermuten, dass es mehr 7″-Platten mit 78 RPM als mit 33 RPM gibt. Außerdem sehen wir Varianten mit einem geschwungenen Tornarm und mit einem geraden… Wie auch immer, die beiden Kleinen erfreuen mein Herz auf die gleiche Art, wie es Katzenbabies tun.

http://djworx.com/spotted-7-technics-sl-700-turntable-in-the-wild/

http://djworx.com/spotted-7-technics-sl-700-turntable-in-the-wild/

Natürlich wird jetzt auch schwer spekuliert, ob die „SL-700“, wie die Turntables gerade genannt werden, wohl in Serie produziert werden oder es irgendwann auf anderen Wegen Exemplare für „Normalsterbliche“ zu kaufen geben wird. Möglicherweise ist das Ganze auch ein geschickt platzierter Marketing-Schachzug von Technics bzw. Panasonic, um sich mal wieder ins Gespräch zu bringen, nachdem im Jahr 2010 die Produktion der 1200er und 1210er eingestellt worden war. Bei djworx.com gibt’s noch mehr zur angeblichen Story und ein paar weitere Bilder.

sl700_BizMarkie_2

http://djworx.com/spotted-7-technics-sl-700-turntable-in-the-wild/

In diesem Video plaudert Biz Markie auch ein bisschen aus dem Plattentäschchen und präsentiert seine 45ers:

Ach, und dann hab ich das hier noch gefunden. Soso, Schuhe…

https://www.facebook.com/photo.php?fbid=209433982514178&set=a.181656471958596.6731.171712119619698&type=1&theater

Und es gibt dieses schöne Video von 45-King an Kinderplattenspielern Vestax Handytrax:

Podiumsdiskussion: “Original oder Kopie? Ein Grenzgang” am 1. Juli 2013 in Berlin

Nächste Woche findet eine Podiumsdiskussion zum Thema „Original oder Kopie? Ein Grenzgang“ statt. Neben Susanne Binas-Preisendörfer (Professorin für Musik und Medien, Uni Oldenburg) und Philipp Theison (Professor für Literatur- und Kulturwissenschaft, ETH Zürich) sind auch Jan Kühn (Berlin Mitte Institut / Institut für Soziologie, TU Berlin) und Georg Fischer (Jäger und Sampler / ebenfalls Institut für Soziologie, TU Berlin) als Diskutanten eingeladen. Organisiert wird die Diskussion von der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) und der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB).

Jan befasst sich schon seit längerer Zeit mit der Berliner Technokultur im Sinne einer „Szenewirtschaft“ und hat seine ethnographische Diplomarbeit zum Thema „Wie entsteht Neues bei der Produktion elektronischer Tanzmusik in Homerecording-Studios? geschrieben. Meine eigene, eher soziohistorisch angelegte Diplomarbeit, die im April 2013 abgegeben wurde und derzeit beurteilt wird, hatte „Kreativität und Innovation des Samplings“ zum Thema (eigener Blogeintrag folgt).

Ich bin mir sicher, dass sich eine spannende und aktuelle Diskussion entwickeln wird, die sich vermutlich vor allem um das Verhältnis von Kopie und Original, von Kreativität und Inspiration in der Musik und der Kunst drehen wird. Die Praktiken Sampling, Remixing, Blends und Mashups sind ja zentrale oder zumindest relevante Bestandteile vieler Genres der Popmusik, führen aber oftmals zu juristischen Problemen durch Urheberrechtsverletzungen oder zu Lizenzierungs- und Finanzierungsschwierigkeiten. Auch und gerade diese Probleme werden sicherlich Teil der Diskussion sein. Die Veranstaltung ist übrigens öffentlich und frei für alle Interessierten, um Anmeldung wird gebeten (siehe unten).

Aus dem Ankündigungstext:

Themenzeit: “Original oder Kopie? Ein Grenzgang” – Kunst ohne Limit. 
Wo ist die Grenze zwischen Kunst und Kopie?

Bestehendes dient oft als Vorlage für Neues. Doch wie verhält es sich damit in der Kunstszene? Wann kann ein Kunstprodukt Originalitätsanspruch erheben und wann wird es zum Plagiat? Auch in der Musikbranche ist es üblich, Musikstücke umzuformulieren, um daraus etwas Neues zu schaffen. Die wohl bekanntesten Beispiele hierfür sind das Sampling und das Mash-Up. Aber ab wann ist die künstlerische Eigenleistung nicht mehr gegeben, wann werden Urheberrechte verletzt und gibt es in der Künstlerszene einen Ehrenkodex, der sich mit dem respektvollen Umgang bestehender Kunstwerke auseinandersetzt? Im Gespräch mit Prof. Dr. Susanne Binas-Preisendörfer, Autorin der Studie zur Populärmusik “Klänge im Zeitalter ihrer medialen Verfügbarkeit”, Georg Fischer, DJ und Initiator der Radioshows “Basement Garage” und “Jäger und Sampler” und dem Soziologen Jan-Michael Kühn (DJ Fresh Meat) wird der Kultur- und Literaturwissenschaftler Dr. Philipp Theisohn diesen Fragen nachgehen und Wege aus dem Dilemma diskutieren.

Die Veranstaltungsreihe “Themenzeit” wird von der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb in Kooperation mit der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) durchgeführt und und richtet sich an alle politisch interessierten Bürgerinnen und Bürger. Monatlich erhält das Publikum unweit des Checkpoint Charlie die Möglichkeit, bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Kultur persönlich kennenzulernen und mit ihnen aktuelle gesellschaftliche Themen zu diskutieren. Die sechste Ausgabe findet begleitend zu dem Themenraum “Original oder Kopie?” statt, der vom 2. Juli bis zum 1. August in der Amerika-Gedenkbibliothek eingerichtet ist. (Quelle BPB)

1.7.2013, 19-20:30 Uhr in der Bundeszentrale für politische Bildung, Friedrichstraße 50, 10117 Berlin, 4. Stock. 

Anmeldung bei Mahyar Nicoubin, Tel: 030-254504-429 oder E-Mail: mahyar.nicoubin@bpb.bund.de. 

Alle Infos gibt es auch hier.

© R.B. / PIXELIO

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