Hamburg

Beginner – Ahnma (2016)

Die (Absoluten) Beginner sind zurück mit einem neuen Album. Das heißt „Advanced Chemistry“ (!), kommt im August 2016 und dementsprechend läuft jetzt die Promomaschine richtig an, Tourdates, Vorbestellung und so weiter. Der erste Track aus dem Album bekommt zur (Re-)Aktivierung von Hamburg ein Musikvideo spendiert, lässt mich aber etwas zwiespältig zurück. Der Beat knallt und Eißfeldts Part kann auch noch einiges. Gzuz, ganz strategisch gefeatured um jüngere Zielgruppen anzusprechen, wirkt mit seinen vier Lines wie ein Pappkamerad, damit die anderen besser rüberkommen. Und Gentleman, naja – reden wir besser nicht viel drüber, der wirkt mit seiner affektierten Theatralik im Vergleich mit den kühlen Hamburgern mehr als deplatziert. Wenn man sich die Tourdates anschaut, liegt es schon nahe, dass die erste Single (Stichwort „big room sound“) gut in den großen Hallen funktionieren muss, also dass man mitrappen kann und so weiter. Ich finde, in dieser Hinsicht ist der Track gelungen; Hauptgewinner ist für mich aber die Kamera vom Video, denn die Kamerafahrten (oder besser -flüge) in Verbindung mit dem Track machen Lust auf mehr, vor allem auf mehr Hamburg.

 

Das „Getröte“ im Beginner-Beat (dieses Schiffshorn-artige Sample, das sich durch den ganzen Beat durchzieht), erinnert mich entfernt an den Soundtrack von Sicario und macht so ’ne ähnliche düsterne Stimmung.

 

Nachtrag 10.6.16:

Ich wurde auf diese „fixed version“ aufmerksam gemacht, die sich ein Scherzkeks erlaubt hat. Wer also checken will, wie die Beginner feat. Gentleman ungestört von Gzuz ihren Ruhm verwalten, kann sich das hier reinziehen:

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Reeperbahnfestival 2015 Picks – Schwerpunkt Urheberrecht

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Vom 23. bis 26. September 2015 findet in Hamburg das alljährliche Branchentreffen der digitalen Musik- und Kreativwirtschaft statt. Ein inoffizieller Themenschwerpunkt der Konferenz ist dieses Jahr das Thema Copyright / Urheberrecht. Vor diesem Hintergrund habe ich mal einige interessante Veranstaltungen herausgesucht, die ich besuchen will – und von denen ich sicher nicht alle schaffen werde 😉 Persönliche Highlights oben.

Do 10.00 User generated content and derivative works

„Aktuell wird nur ein Bruchteil des weltweit verfügbaren user generated content monetarisiert, jedoch entspricht dieser bereits eine substantielle Einkommensquelle für Labels und Publisher zu sein. Ein Großteil der erwirtschafteten YouTube Einkünfte stammt mittlerweile von user generated content und mehr als 50% der Publishingerträge werden derzeit durch derivative works erzielt. In den letzten 35 Jahren hat die Sample-Nutzung mehrere hundert Millionen Euro in die Kassen der Label und Publisher gespült und dabei handelt es sich nur um einen Ausschnitt aller verwendeten Samples, denn das Gros ist offiziell gar nicht geklärt. Das erst kürzlich von Native Instruments vorgestellte Stems Format wird ein weiterer Katalysator zur Produktion und Vertrieb von user generated content in Form von DJ-Mixen und Mash-Ups sein. Welche kreativen Möglichkeiten gibt es um eines der größten Wachstumsfelder der Musikindustrie mitzugestalten? Welche Lösungen für das Problem der Erkennung und des präzisen Reportings sind schon auf dem Markt und wer sind die Anbieter? Welche Rolle spielen die Marktführer für user generated content wie Youtube und Soundcloud dabei und an welchen Neuerungen arbeiten sie, um sich dieser Herausforderung für die kommenden Jahre zu stellen?“

Do 14.30 Keynote Heiko Maas – Rahmenbedingungen kreativer Produktion in Europa

„Heiko Maas, Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz, kommt zur Konferenz des Reeperbahn Festivals. In seiner Keynote wird Maas zum aktuellen Stand der Reform des Europäischen Urheberrechtes Stellung nehmen und seine Haltung zu den zukünftigen Rahmenbedingungen kreativer Produktion in Europa erörtern.“

Fr 12.45-13.45 Blurred lines with sound alikes

„Der Plagiatfall um „Blurred Lines“ von Robin Thicke und Pharrell Williams hat erneut gezeigt, dass die amerikanische Copyright-Gesetzgebung auch die deutliche Anlehnung an Songs bestraft, in diesem Fall an einen Marvin Gayes Popklassiker „Got To Give It Up“. Im kontinentaleuropäischen Urheberrecht dagegen müssen ganze Notenstränge übereinstimmen, um Plagiate nachzuweisen. Soundalikes kommen in der Werbung häufig zum Einsatz, meist um vermeintlich teure Lizenzen fürs Original zu sparen. Aber wird hier am falschen Ende gespart? Ist so eine Produktion eines neuen Musikstücks wirklich so viel billiger als ein Original-Song (, der sicherlich auch noch an den Werbe-Clip angepasst werden muss)? Und ist sie genauso authentisch und stark? Schädigen Soundalike Komponisten sich indirekt selbst, weil sie Originalkompositionen durch Billigkopien entwerten? Wie schädlich ist ein Plagiatsverdacht für die Marke – wie unlängst bei einer Peugeot Werbung mit starken Ähnlichkeiten zu einem Song der Band “Bilderbuch“? Wäre ein Soundalike durch die Original-Band selbst nicht vielleicht für alle Beteiligten wertvoller gewesen? Diesen und weiteren Fragen geht eine Diskussionsrunde mit Vertretern von Verlag, Label, Werbemusikproduzent, Musikagentur und Werbeagentur nach, moderiert wird das Panel von der erfahrenen Anwältin Sophie Goossens.“

 

Fr 16.15 The future of music creation

„In den letzten Jahren haben wir uns daran gewöhnt, dass man nicht mehr eine teure Kamera braucht, um tolle Fotos zu schießen. Ein Smartphone und eine App names Instagram reichen dafür völlig aus. Wieso aber nehmen wir nicht auch Songs mit dem iPhone auf? Lässt sich der Ansatz von Instagram auch auf Musik übertragen? Und: Warum gibt es bei YouTube nicht einmal 200 lizenzfreie Songs, die Hobbyregisseure kostenlos unter ihre Videos legen können? Der Vortrag “Zukunftsmusik” befasst sich mit diesen Fragen im Detail und liefert spannende Einblicke in die Welt der Musikproduktion. Von Edisons erstem Phonographen bis zu Apple’s GarageBand, von Kammerorchestern bis zu Streaming-Diensten wie Spotify werden die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Musikproduktion näher beleuchtet. Der Vortrag geht auch der Frage nach, wie wir in Zukunft Musik komponieren, aufnehmen und konsumieren werden und welche technologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen sich aus den Zukunftsszenarien ergeben.“

 

Fr 19.15 Ed Piskor – HipHop Family Tree Vol 2

„Geschichtsunterricht muss nicht zwingend langweilig sein. Ed Piskor hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, die Geschichte des Hip Hop in Nordamerika als Graphic Novel nachzuzeichnen. Hip Hop Family Tree Volume 2 behandelt die Jahre 1981-1983: Eine Zeit, die zunächst von Hip-Hop-Extravaganza geprägt war: signalverstärkende Kleidung und exaltiertes Benehmen prägten den Beginn der 80er Jahre, bis RUN DMC der Straße – dem Kredibilitäts-TÜV der Hip-Hop Kulturschaffenden – wieder zu ihrem Recht verhalfen. Afrika Bambaataa, Grandmaster Flash – sie und viele mehr erweiterten das Bewusstsein von Künstlern und Publikum und pflasterten den Weg für kommende Superstars der Szene. Falk Schacht wird die deutsche Ausgabe des Comics zunächst vorstellen und gemeinsam mit Niko Hüls, Chefredakteur der Backspin, anschließend zusätzlichen Kontext zu Zeitgeist und Künstlern der im Comic präsentierten Zeit geben.“

 

Außerdem spannend:

Nachtrag: „Sample: Not for sale“ bester Musikfilm 2013 beim Unerhört!-Festival

Yo.

Letzte Woche habe ich ja bei Vorführung und Diskussion der Sampling-Doku „Sample: Not for Sale“ im Rahmen des Unerhört!-Musikfilmfestivals und in Hamburg beigewohnt und auch den Regisseur Mike Redman kennengelernt (neben den anderen netten Menschen Juliane Reil / ByteFM, Organisator Stefan Pethke und DJ Sebel). Der Film ist definitiv das umfassendste Filmdokument zum Thema Sampling und HipHop, das ich kenne und darüber hinaus ein filmisch hoch interessanter Streifen, der das Thema Sampling vs. Zitat vs. Plagiat selbst zur Form macht. 

So weit, so gut. Ich könnte Euch den Mund weiter wässrig reden, aber leider wird es sehr, sehr schwierig werden, den Film noch einmal zu sehen, denn eine Veröffentlichung auf DVD o. ä. ist aus lizenzierungsrechtlichen Problemen (Sample-Clearing lässt grüßen…) derzeit nicht im Bereich des Möglichen. Das ist die Ironie der ganzen Kiste… trotzdem, es bleibt ein toller Streifen und wir können nur hoffen, dass der Film noch möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht werden kann!  Chapeau!

Sample: Not for sale

„Um das gesprochene Wort, um Zitate, um vorgefundenes Material und seine Expressivität geht es auch in Mike Redmans SAMPLE: NOT FOR SALE. Bei diesem Film ist dieses passionierte Drinsein, dieser Pathos wirklich umwerfend. This guy loves this stuff. Unabhängig vom Gedanken der Verwertbarkeit hat Mike Redman sieben Jahre an diesem Film gearbeitet. Das ist Pathos im besten Sinne. Da kann man sich vorstellen, wie er mitten in crates mit zusammen gesammelten Interview- und Filmclips wie ein Wilder sucht, ordnet, sortiert und zusammenmixt. Was dabei rüberkommt, ist kein Plattmachen der Materie von Seiten einfacher Ideen her, sondern eine schillernde Darstellung des sampling im HipHop. Dabei entsteht in einer Geste der Verneigung vor der Musikgeschichte ein Sog, der vom Material ausgeht.“ (aus der Presseankündigung).

Filmvorführung „Sample: Not for Sale“ mit anschließender Diskussion

Im Rahmen des Unerhört! Musikfilmfestivals werden vom 3. bis 5. Mai 2013 in Hamburg spannende Filme und Dokumentationen rund um das Thema Musik gezeigt. Neben interessanten Filmen z. B. über die Erfolgsbedingungen von Musikern in Österreich oder über die Geschichte russischer Gangsterlieder von der Sowjetzeit bis heute wird auch ein Film über die Samplingkultur im HipHop gezeigt: Die Doku „Sample: Not for Sale“ ist laut Pressetext ein regelrechtes Feuerwerk an Interviews mit Größen wie DJ Shadow, Africa Bambaataa oder Madlib und spürt der Geschichte des Samplings nach. Im Anschluss an die Vorführung wird sich der Regisseur Mike Redman Fragen aus dem Publikum stellen und in diesem Rahmen werden auch Juliane Reil (Byte FM) und Georg Fischer (Jäger und Sampler) etwas zu dem Film sagen, auf dass sich eine spannende Diskussion zusammen mit dem Publikum entwickelt!

Termin: Freitag, 3. Mai 2013, 23:00 Uhr

Das Festival findet im b-movie Kino in der Brigittenstr. 5, 20359 Hamburg statt.

Sample: Not for sale

Hier noch ein Auszug aus der Ankündigung:

„Man kann das Sampling weit zurück verfolgen in der Musikgeschichte. Zu einer bestimmten Zeit begann es jedoch so dominant wie nie zuvor zu werden,als sich im berüchtigten New Yorker Armenviertel der Bronx im Verlauf der 1970er Jahre auf quasi natürliche Weise ein neues Musikgenre und eine ganze Subkultur entwickelte: der HipHop. HipHop war das Ergebnis von Bedürfnissen, die entstehen, wenn die Möglichkeit, ein Instrument zu lernen, weder finanziell noch infrastrukturell zur Verfügung steht. Also wurden alte Jazz-, Funk- und Rock-Platten gewissermaßen recyclet. Eine neue Generation bastelte damit musikalische Collagen, der Plattenspieler wurde selbst zum Instrument. Sampling-Pioniere wie Marley Marl oder später Public Enemy bewiesen, wieviel Innnovationspotenzial in dem Phänomen steckt. Die 80er Jahre wurden zum Goldenen Zeitalter des HipHop, der sich global ausbreitete. Der Einsatz von Samples wurde so populär, das eine ganze Musikindustrie neu entstand, weit über die Grenzen des HipHop-Genres hinaus. Das drückte sich nicht nur auf der kreativen Ebene aus. Parallel entwickelten sich neue Formen von Bürokratie, mit dem Ziel, die ungesetzliche Nutzung von fremder Musik zu bekämpfen. In der Zwischenzeit hat die Entwicklung des Sampling auch nicht Halt gemacht …

Der holländische Filmemacher Mike Redman geht der Kunst und Kultur des Sampling in seinem neuesten Film mal so richtig auf den Grund. Immer wieder ist er in den letzten Jahren mit den wichtigsten Vertretern der Sampling-Zunft zusammengetrofffen und hat – ohne Budget und auf allerlei unorthodoxen Wegen – Interviews geführt mit den ganz großen Namen. Legenden wie Afrika Bambaataa, Public Enemy, Bootsy Collins, Maceo Parker, DJ Shadow, Jazzy Jeff, EPMD, EL-P, Madlib, George Clinton, Eboman, Marley Marl, DJ Food, Idris Muhammad und viele andere mehr haben ihm ihre Haltung zum Sampling vorbuchstabiert.“