GEMA Jahrescharts 2016: Diskotheken und Clubs

In der aktuellen Ausgabe der GEMA-eigenen Zeitschrift (04/2017), die den wundervollen Titel „virtuos“ trägt, finden sich auch die Charts des Jahres 2016. Darunter sind die im Jahr 2016 am meisten gespielten und abgerufenen Songs in den Kategorien Streaming, Radio, Tonträger, Live, Downloads und Diskotheken (S. 11-17) aufgeschlüsselt, so wie sie von der GEMA bzw. von deren Partnerfirmen (z. B. Yacast) ermittelt wurden. Besonders gerne scheint die GEMA ihre Charts nicht veröffentlichen zu wollen, denn ich konnte zum Vergleich nur noch die vom Vorjahr 2015 im Netz finden.

Ziemlich genau vor 2 Jahren recherchierte ich für iRights.info zu der Frage, nach welchen Modalitäten die GEMA eigentlich Diskotheken und Clubs monitoriert und entsprechend an die gespielten Künstler:innen ausschüttet. Schon damals merkte ich, dass diese Informationen teilweise nicht öffentlich gemacht werden: Zwar wird angegeben, dass etwa 5000 Tanzflächen in Deutschland in der Rechnung miteinbezogen sind, es wird wird aber nur Stichproben-artig gemessen, was gespielt wird: Laut einem aktuellen GEMA-Papier wird pro Diskothek nur 1 Stunde pro Woche mitgeschnitten — wieviele und welche Diskotheken mit den sogenannten „Black Boxes“ ausgestattet sind, die die Musik identifizieren, wird in diesem Papier aber nicht aufgelistet. Vor 2 Jahren waren es um die 120. Die Namen der Diskos bleiben ebenfalls unter Verschluss, um Manipulationen vorzubeugen; genauso wenig ist ersichtlich, zu welchen Zeitpunkten mitgeschnitten wird. So richtig nachvollziehen lässt sich also nicht, ob die Stichproben überhaupt die Grundgesamtheit repräsentieren. Laut GEMA wird das Verfahren aber vor allem aus Kostengründen beibehalten.

erade für Remix- und Sampling-basierte Musik, die oftmals wegen Lizenzschwierigkeiten nicht auf großen Labels erscheint und daher auch nicht in der Abrechnung vorkommen kann, ist es natürlich ein strukturelles Problem. Denn die jeweligen Künstler:innen, deren Musik gespielt wird, können nicht vergütet werden, sowohl die sampelnden wie auch die gesampelten.

Was mich dann aber doch sehr überrascht hat, ist wie mainstreamig die Top 10 der Diskotheken-Charts doch sind. Die anderen GEMA-Charts sind es auch, aber das hat mich nicht verwundert, weil es ja um die Mainstream-Pop geht. Bei den Diskotheken hätte ich aber den ein oder anderen Underground-Track erwartet. Um sich ein besseres Bild davon machen zu können, hab ich mal die jeweiligen Youtube-Links herausgesucht. Viel Vergnügen.

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Diskotheken-Monitoring und Remixkultur

Bei iRights.info, dem Onlinemagazin für „Urheberrecht und kreatives Schaffen in der digitalen Welt“, ist vor kurzem ein Artikel von mir erschienen. In dem Text beschäftige ich mich mit dem Problem der Verwertung, das Sampling-basierte Musik bei Verwertungsgesellschaften wie GEMA und GVL auslöst: Einerseits sind Remixes, Edits, Mashups, etc. extrem wichtig für die Clubkultur, andererseits sind sie aus verschiedenen Gründen nur ungenügend über das Diskotheken-Monitoring der GEMA und die pauschale Ausschüttung der GVL verwertbar. Die urheberrechtlichen Probleme der Lizensierung und des Sample-Clearings verschleppen sich dadurch zu einem verwertungstechnischen Problem. Hier lassen sich die Einzelheiten nachlesen.

DJ Shir Khan im Club | CC BY David Schwertgen

DJ Shir Khan im Club | CC BY David Schwertgen

Das Foto (aus dem Artikel und dieses hier im Blog) ist übrigens ein Ausschnitt aus David Schwertgens sehr empfehlenswerter Remix-Doku „Collage Culturel“, die in drei Teilen bei Arte lief und jetzt auf Vimeo angesehen werden kann. David Schwertgen besucht in der zweiten Folge den DJ und Produzenten Shir Khan (passenderweise heißt dessen Label auch noch „Exploited Records„) und befragt ihn zu Remixes, DJing und Copyrights. Das Interview gibt’s hier auch als Textfassung.