JuS-Radioshow #3: Last Night the DJ shaved my wife…

…oder auch: Von Riddims, Remixes und Mash-Ups

Morgen Abend um 20 Uhr gibt’s die Novemberausgabe der JuS-Radioshow auf BLN FM. Der Name ist Programm: wir begeben uns mal wieder auf eine kleine Reise durch die Geschichte des Remixes: von jamaikanischen Soundsystems über New Yorker Diskokugeln auf die B-Seiten der Maxisingles.

Sendetermine:

Dienstag, 2.11. um 20 Uhr // Mittwoch, 3.11. um 21 Uhr // Sonntag, 7.11. um 22 Uhr

Tune in on BLN FM!

Danach gibt es die Sendung wie gewohnt auch als Podcast zum Anhören jerderzeit!

JuS-Review: Lagos Disco Inferno

Es gibt Scheiben, die bringen einen Sound oder ein Genre auf den Punkt. Dies hier ist eine davon, und gerade die Musiko-Archäologen unter uns werden ihren Spaß an ihr haben. Feuer frei für das Lagos Disco Inferno!

Ruff, rugged’n’raw kommt es daher, das Lagos Disco Inferno auf DoLP, eine Compilation von Frank Gossner, die er während eines dreijährigen Aufenthalts aus den westafrikanischen Crates zusammengediggt hat und für uns in einzigartiger Weise den Groove im Lagos Ende der 70er Jahre kaleidoskopiert. Und selbst wenn man als hüttenkäsiger Mitteleuropäer nicht den blassesten aller Dünste für diese Nische hat, die zwölf Hochkaräter aus afrikanischem Boogie, Funk und Disco besorgen’s einem trotzdem, und zwar ordentlich. Natürlich sind diese Grooves nix für Laptop-Speakers und popelige Ohrstöpsel, vielmehr muss man ihnen das nötige Volumen bieten, um die unnachahmlichen Vibes von bspw. Grottos „Bad City Girl“ zwischen der Verruchtheit der Polizeisirenen und der filigranen Verspieltheit des Synthesizers entfalten zu lassen. In bester „All-Killer-No-Filler“-Manier pumpt sich die erste Hälfte mit „Everybody get down“ von der Asiko Rock Group ihrem Ende entgegen, einem Gedicht von einem Killer-Track, der sich in durchgehend dichtem Arrangement seine Zeit nimmt und sich so immer weiter in die Loopspirale vorschraubt, dass einem ganz schwindlig wird vor lauter Deepness. Und auch die zweite Platte lässt nichts anbrennen, gibt dem Hörer aber erstmal in einigen ruhigeren Stücken ein wenig Zeit zur Verarbeitung (großartig: die funky flute in „Root“ von BLO), um dann im fast viertelstündigen Four-to-the-Floor-Exzess-Disco-Stampfer „Hang On“ vom Nana Love ihren Meister und ein gelungenes discoinfernales Schlusswort zu finden.

Dieser Text erscheint in der Printausgabe von skug #84, 10-12/2010, später auch auf www.skug.at

Hier der Teaser zum Release:

Und hier noch ein Teaser zu einen Film über Frank Gossner namens „Take me away“, über den im Netz aber sonst eher wenig zu finden ist… bin gespannt, wann dieser zu Film sehen sein wird!

Who-is-Who?-Mixes

2010-08-18

Hier mal zwei sehr smoothe Mixes auf Mixcloud, die eine breite Klangtapete bekannter und weniger bekannter Samples thematisieren. Beide tight gemixt und allein vom Tracklisting her schon ein Leckerbissen. Prädikat: serious stuff.

Doch Vorsicht: Das Hören kann (und soll) geprägt sein von ständigen „Ahh, das kenn ich doch“ und „Ouhh, das ist also Original“.

Zum Einstieg der who-Sampled.com’s Celebration of Curation Mix, „a mix of classic breaks, heavily sampled originals, favourite sample-based joints and cool covers“ wie man es dort selbst beschreibt. Ein leicht zugängliches Stück Musikgeschichte, angenehm arrangiert und aufpoliert als Tribute für den kürzlich verstorbenen Melvin Bliss, dem wir den berühmten Drumbreak aus „Synthetic Substitution“ verdanken.

In Dejoe’s „Samplepedia“, dem etwas anspruchsvolleren der beiden Mixes, wird man in 60 Minuten ebenfalls auf eine angenehme Reise  geschickt: ein Mix aus 100 Tracks alter, ausschließlich originaler Funkbreaks, soulful Vibes und jazzigem wie rockigen Stuff. Kommt ein bisschen schneller zur Sache der Gute. Definitiv ein Liebhaberexemplar.

Aktennotizen II: Websites zum Digging

2010-08-12

Nachdem an dieser Stelle letztens ein paar Websites über’s Sampling vorgestellt wurden, die hauptsächlich als Datenbanksuche für Samples dienen, hab ich für diesen Beitrag ein bisschen was zum “Digging” zusammengestellt; “Digging in the Crates” oder kurz: „Digging“, wörtlich das “Graben in den Kisten” ist die Leidenschaft – manche sprechen auch von einer regelrechten Sucht – nach besonderen, wertvollen oder sonstwie interessanten Platten zu suchen, die man wahlweise zu Hause archivieren und/oder aus denen man dann Passagen samplen kann.

Der US-amerikanische Musiker Josh Davis a.k.a. DJ Shadow gibt in „Scratch“ einen sehr eindrucksvollen Einblick in ein (inoffzielles) „Archiv für Musikkultur“, wie er es nennt, das sich im Keller eines Plattenladens befindet und in dem er wohl viele Stunden mit den riesigen Haufen an „schwarzem Gold“ verbracht hat:

Bemerkenswert ist vor allem den respektvolle Umgang, den DJ Shadow für die Künstler und deren Veröffentlichungen fordert, wohl in der weisen Ahnung, dass irgendwann auch der heißeste Scheiß nur noch kalter Kaffee sein wird: „If you’re makin‘ records and if you’re DJ’ing and if you’re putting out releases as well as mixtapes or whatever, you’re sort of adding to this pile, no matter if you wanna admit it or not […] ten years later you’ll be in here.“ Was in seinen Worten irgendwie zwischen bescheiden und stolz klingt, hat sich für seine eigene Arbeit bis jetzt noch nicht bestätigen können: Sein 1996 erschienenes Debütalbum „Endtroducing“ gilt nach wie vor als Meilenstein in der auf Sampling basierten Musikgeschichte und generell im HipHop, ist es doch das erste ganze Album, das ausschließlich aus Samples fremder Künstler zusammengeschustert wurde. Die klanglichen Fragmente, die für die Mosaik ähnliche Bauweise des Albums miteinander verarbeitet wurden, verdanken ihre Herkunft – davon lässt sich wohl ausgehen – alle eben jenem Keller, durch den uns DJ Shadow gerade eben geführt hat.

Noch eine Stufe beeindruckender ist folgendes Video des  über den Sammler Paul Mawhinney, dem die größte private Plattensammlung der Welt nachgesagt wird:

Ebenfalls über Sammler und ebenso interessant wie liebevoll aufbereitet ist das Blog “Dust and Grooves”, auf dem Sammler allerlei Obskuritäten, Raritäten und Verloren gelaubtes auf Vinyl präsentieren, alles schön mit Interviews, Fotos und teilweise Videos dokumentiert. Sehr sehenswert! Sind ein paar heiße Scheibchen mit dabei 😉

Hat man dann noch ein bisschen Zeit übrig, kann man sie herrlich in Facebook vertun: Die Gruppe “Musikzimmer – DJs and their Living Rooms” ist ein Sammelsurium an Fotos von Plattensammlungen, Equipment-Showcases, Vinyltoys und ähnlichem Schabernack, mit dem sich Musiker zu Hause sonst so umgeben. Alles zusammengetragen von den Mitgliedern. Anstoß gab wohl eine Ausgabe der Groove, die in der Heftmitte so eine Art Poster von DJ-Arbeitszimmern hatte. In jedem Fall ein paar Klicks wert!

“Digging in the Crates”, so lautet auch der Titel der Diplomarbeit von Roland Lösslein (FH Augsburg, Fakultät für Gestaltung) und der Name ist ebenfalls Programm: In einer interaktiven Installation kann man Samples und deren weitere musikalische Verwendung historsch erkunden, indem man sich in einer Plattenkiste aus einer Auswahl von 50 Scheiben eine aussucht, diese auf einen speziell modifizierten Plattenspieler abspielt und sich dann mittels Projektion die Samplehistory anzeigen lässt. Klingt abgefahren? Ist es auch. Das Video und die Website geben Aufschluss über ein sehr interessantes Projekt mit einer äußerst gelungenen Umsetzung! Überzeugt Euch selbst:

Zum Abschluss noch ein kleines musikalisches Schmankerl mit dem Hinweis auf die mittlerweile schon dritten „Diggin Days“ am 11. und 12. September 2010 im Cassiopaia Berlin, veranstaltet von HHV-Records. Dort kann man sich ganz gediegen durch die Kisten wühlen und nach Perlen graben. Und wenn man sich auf diese Weise eine adäquate Auswahl an original 7-Inches zusammen gediggt hat, kann man sich dann an so was versuchen:

Aktennotizen I: Websites zum Sampling

2010-07-12

Heute will ich Euch ein paar Websites nahe bringen, die sich das Sampling zum Thema machen und immer einen Besuch wert sind, wenn man mal das Internetz aus musikarchäologischen Gründen konsultieren will.

Allen voran ist natürlich whosampled.com zu nennen, der wahrscheinlich umfangreichsten, ambitioniertesten und am saubersten aufbereiteten Sample-Datenbank diesseits der Milchstraße. Zurecht schon so etwas wie eine Institution auf diesem Gebiet, bietet die Seite als Herzstück eine Suchfunktion an, die im Grunde aus drei Suchmöglichkeiten besteht: eine für Samples, eine für Remixes und eine für Coverversionen. Die dahinter stehende Datenbank wird gefüttert mit den Beiträgen der Mitglieder, die auch im hauseigenen Forum diskutieren und so. Die Seite ist unter anderem auch deswegen so super, weil es durch die eingebetteten Hörbeispielen recht komfortabel ist, Samples zu erforschen: Man tippt einfach eine Band oder den Künstler seiner Wahl ein, nehmen wir mal The Avalanches, und sucht sich in der chronologisch sortierten Liste den entsprechenden Song raus, sagen wir das bekannte „Since I left you“ (2000). In der Liste sieht man schon, dass das Stück mehrere Samples enthält: insgesamt hat die WhoSampled-Community sieben verschiedene Samples identifiziert und zusammengetragen. Nach dem Klick auf das Stück erscheint eine Seite mit zwei Videofenstern, in denen man das Originalsample (rechts) und die Verwendung des Samples bei den Avalanches mit Zeitangabe nachvollziehen kann. Das gleiche Spielchen gibt’s in Grün und Blau für Remix- und Coverversionen. Genauso erwähnenswert ist auch das zur Seite gehörende Blog, das interessante Features, Interviews und Zusammenstellungen bereithält wie beispielsweise die TopTen der beliebtesten Vocalsamples ever oder ein Gespräch mit RJD2 über’s Sampling.

Auch spannend und informativ, aber ganz anders aufbereitet ist die Seite „The History of Sampling“ des Webdesigners Jesse Kriss aus Seattle. Ganz wie es der Titel verspricht geht es um eine historische Darstellung des Einflusses verschiedener Samples, die – musikalisch passend – in einer funky Grafik veranschaulicht werden. Die kleinen Quadrate auf der unteren Zeitleiste stehen dabei für die Alben (!), aus denen gesampelt wurde, die obere bildet die daraus sampelnden Alben ab. Klickt man auf ein Album, dann wird eine Linie zwischen den oberen und den unteren Elementen hergestellt, und man kann entweder ablesen, welche Scheiben wann und bei welchem Werk Eingang gefunden haben oder eben, woraus ein Album sich seine Samples so zusammengesucht hat. Neben der Albendarstellung lassen sich auch die Verbindungen der einzelnen Songs untereinander aufzeigen (das sind die noch kleineren Quadrätchen daneben).


Die interaktive Grafik greift dafür auf die Sample-Datenbank von the-breaks.com zurück, einer Stöberseite für Samples und ebenfalls mit Forum; the-breaks.com besticht nicht unbedingt mit seiner unschlagbaren Funktionalität oder dem – ähem – zeitlos schnörkellosem Auftritt, sondern mehr durch seine inneren Werte. Die Datenbank ist ordentlich bestückt und übersichtlich in der Suchfunktion, man wird bei seiner Suche auch meist fündig und bekommt dann auch alle Information, die man braucht, aber natürlich fehlen im Vergleich zum Kollegen/Konkurrenten whosampled.com die implementierten Youtubelinks zu den Liedern sowie die Zeitangaben. Als Anlaufstelle aber natürlich trotzdem sehr hilfreich.

coverinfo.de ist quasi das deutsche Pendant zu den beiden vorgestellten englischen Seiten, das sich sowohl Coverversionen als auch Samples bzw. Musikzitate, wie sie dort genannt werden, zur Brust nimmt. Erfreulich fällt hier unter anderem auf, dass auch viele deutsche Lieder aufgeführt werden und sich auch in den Kommentaren der Beiträge weitere Informationen zu den Stücken finden lassen; ein Forum für ungeklärte, quälende Fragen steht ebenfalls bereit wie auch eine Art angeschlossener Blog unter coverversion.de (mit ziemlich interessanter Linksammlung!), das von dem Musikwissenschaftlicher Marc Pendzich betrieben wird, welcher sich übrigens in seiner Doktorarbeit mit der Coverversion auseinandergesetzt hat. In der Datenbank selbst, die nach eigenen Angaben knapp 200.000 Einträge fasst, fehlt aber leider wie bei the-breaks.com eine zeitliche Angabe der Samples und natürlich auch die Möglichkeit zum eigenen Nachvollziehen über Musikbeispiele. Gerade in der Kategorie „Z“ für Musikzitate und Samples (Coverversionen werden mit „C“ einsortiert), sind solche Angaben sehr hilfreich, um die meist kurzen Passagen oder Fragmente herauszuhören.

Gut, soviel erstmal dazu. Im zweiten Teil der Aktennotizen wird es wieder eine kleine Portion interessanter Websites geben, ganz im Sinne des Mottos „Jäger und Sampler“: es geht um’s Crate Digging, um’s Suchen&Finden von Platten und Samples an unmöglichen wie möglichen Orten, um Berge an Records und natürlich um die Kunst/Sucht des Sammelns.