Sample-Amnestie von EMI Production Music

Vor ein paar Wochen habe ich einen kleinen Artikel bei irights.info, der Plattform für Urheberrecht und kreatives Schaffen in der digitalen Welt, veröffentlicht. Es geht um die sogenannte „Sample-Amnestie“, die der Musikverlag EMI Production Music bis Ende Januar 2016 ausgerufen hat. Bisher unlizensierte Samples, die aus dem umfangreichen Katalog von EMI PM (etwa 1,3 Mio Songs) stammen, können in diesem Zeitraum ohne Strafverfolgung nachlizensiert werden. Natürlich stehen hierbei vor allem ökonomische Interessen im Vordergrund. Trotzdem finde ich den Vorstoß eigentlich ganz interessant, es scheint so ein musikindustrielles Experiment zu sein, um neue Wege in der Verwertung zu gehen. Mal sehen, ob das Beispiel Schule macht.

Reeperbahnfestival 2015 Picks – Schwerpunkt Urheberrecht

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Vom 23. bis 26. September 2015 findet in Hamburg das alljährliche Branchentreffen der digitalen Musik- und Kreativwirtschaft statt. Ein inoffizieller Themenschwerpunkt der Konferenz ist dieses Jahr das Thema Copyright / Urheberrecht. Vor diesem Hintergrund habe ich mal einige interessante Veranstaltungen herausgesucht, die ich besuchen will – und von denen ich sicher nicht alle schaffen werde 😉 Persönliche Highlights oben.

Do 10.00 User generated content and derivative works

„Aktuell wird nur ein Bruchteil des weltweit verfügbaren user generated content monetarisiert, jedoch entspricht dieser bereits eine substantielle Einkommensquelle für Labels und Publisher zu sein. Ein Großteil der erwirtschafteten YouTube Einkünfte stammt mittlerweile von user generated content und mehr als 50% der Publishingerträge werden derzeit durch derivative works erzielt. In den letzten 35 Jahren hat die Sample-Nutzung mehrere hundert Millionen Euro in die Kassen der Label und Publisher gespült und dabei handelt es sich nur um einen Ausschnitt aller verwendeten Samples, denn das Gros ist offiziell gar nicht geklärt. Das erst kürzlich von Native Instruments vorgestellte Stems Format wird ein weiterer Katalysator zur Produktion und Vertrieb von user generated content in Form von DJ-Mixen und Mash-Ups sein. Welche kreativen Möglichkeiten gibt es um eines der größten Wachstumsfelder der Musikindustrie mitzugestalten? Welche Lösungen für das Problem der Erkennung und des präzisen Reportings sind schon auf dem Markt und wer sind die Anbieter? Welche Rolle spielen die Marktführer für user generated content wie Youtube und Soundcloud dabei und an welchen Neuerungen arbeiten sie, um sich dieser Herausforderung für die kommenden Jahre zu stellen?“

Do 14.30 Keynote Heiko Maas – Rahmenbedingungen kreativer Produktion in Europa

„Heiko Maas, Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz, kommt zur Konferenz des Reeperbahn Festivals. In seiner Keynote wird Maas zum aktuellen Stand der Reform des Europäischen Urheberrechtes Stellung nehmen und seine Haltung zu den zukünftigen Rahmenbedingungen kreativer Produktion in Europa erörtern.“

Fr 12.45-13.45 Blurred lines with sound alikes

„Der Plagiatfall um „Blurred Lines“ von Robin Thicke und Pharrell Williams hat erneut gezeigt, dass die amerikanische Copyright-Gesetzgebung auch die deutliche Anlehnung an Songs bestraft, in diesem Fall an einen Marvin Gayes Popklassiker „Got To Give It Up“. Im kontinentaleuropäischen Urheberrecht dagegen müssen ganze Notenstränge übereinstimmen, um Plagiate nachzuweisen. Soundalikes kommen in der Werbung häufig zum Einsatz, meist um vermeintlich teure Lizenzen fürs Original zu sparen. Aber wird hier am falschen Ende gespart? Ist so eine Produktion eines neuen Musikstücks wirklich so viel billiger als ein Original-Song (, der sicherlich auch noch an den Werbe-Clip angepasst werden muss)? Und ist sie genauso authentisch und stark? Schädigen Soundalike Komponisten sich indirekt selbst, weil sie Originalkompositionen durch Billigkopien entwerten? Wie schädlich ist ein Plagiatsverdacht für die Marke – wie unlängst bei einer Peugeot Werbung mit starken Ähnlichkeiten zu einem Song der Band “Bilderbuch“? Wäre ein Soundalike durch die Original-Band selbst nicht vielleicht für alle Beteiligten wertvoller gewesen? Diesen und weiteren Fragen geht eine Diskussionsrunde mit Vertretern von Verlag, Label, Werbemusikproduzent, Musikagentur und Werbeagentur nach, moderiert wird das Panel von der erfahrenen Anwältin Sophie Goossens.“

 

Fr 16.15 The future of music creation

„In den letzten Jahren haben wir uns daran gewöhnt, dass man nicht mehr eine teure Kamera braucht, um tolle Fotos zu schießen. Ein Smartphone und eine App names Instagram reichen dafür völlig aus. Wieso aber nehmen wir nicht auch Songs mit dem iPhone auf? Lässt sich der Ansatz von Instagram auch auf Musik übertragen? Und: Warum gibt es bei YouTube nicht einmal 200 lizenzfreie Songs, die Hobbyregisseure kostenlos unter ihre Videos legen können? Der Vortrag “Zukunftsmusik” befasst sich mit diesen Fragen im Detail und liefert spannende Einblicke in die Welt der Musikproduktion. Von Edisons erstem Phonographen bis zu Apple’s GarageBand, von Kammerorchestern bis zu Streaming-Diensten wie Spotify werden die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Musikproduktion näher beleuchtet. Der Vortrag geht auch der Frage nach, wie wir in Zukunft Musik komponieren, aufnehmen und konsumieren werden und welche technologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen sich aus den Zukunftsszenarien ergeben.“

 

Fr 19.15 Ed Piskor – HipHop Family Tree Vol 2

„Geschichtsunterricht muss nicht zwingend langweilig sein. Ed Piskor hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, die Geschichte des Hip Hop in Nordamerika als Graphic Novel nachzuzeichnen. Hip Hop Family Tree Volume 2 behandelt die Jahre 1981-1983: Eine Zeit, die zunächst von Hip-Hop-Extravaganza geprägt war: signalverstärkende Kleidung und exaltiertes Benehmen prägten den Beginn der 80er Jahre, bis RUN DMC der Straße – dem Kredibilitäts-TÜV der Hip-Hop Kulturschaffenden – wieder zu ihrem Recht verhalfen. Afrika Bambaataa, Grandmaster Flash – sie und viele mehr erweiterten das Bewusstsein von Künstlern und Publikum und pflasterten den Weg für kommende Superstars der Szene. Falk Schacht wird die deutsche Ausgabe des Comics zunächst vorstellen und gemeinsam mit Niko Hüls, Chefredakteur der Backspin, anschließend zusätzlichen Kontext zu Zeitgeist und Künstlern der im Comic präsentierten Zeit geben.“

 

Außerdem spannend:

Konferenzpanel „Urheberrecht, Technologie und künstlerische Produktion“ am 9.9.2015 bei der Konferenz „Die Versprechungen des Rechts“ (Berlin)

Die Versprechungen des Rechts

Die Versprechungen des Rechts

Vom 9. bis 11. September 2015 findet an der Humboldt-Universität zu Berlin die Konferenz „Die Versprechungen des Rechts“ statt. Es ist die mittlerweile dritte Zusammenkunft der deutschsprachigen Rechtssoziologievereinigungen.

Ein Blick auf das umfangreiche Programm verrät, dass es auch ein Panel mit dem Titel „Urheberrecht, Technologie und künstlerische Produktion“  (Session 3D) geben wird. Die Idee dieses Panels ist, juristische und sozialwissenschaftliche Perspektiven auf das Verhältnis von urheberrechtlichen Anforderungen und künstlerischer Produktion zu erhalten. In insgesamt vier Vorträgen und einer gemeinsamen Diskussion sollen die Versprechungen des Urheberrechts ausgelotet und an den praktischen Beispielen von Musik- und Filmproduktion veranschaulicht werden.

Das Panel wird gemeinsam organisiert von Frédéric Döhl (Institut für Musik und Musikwissenschaft, TU Dortmund), Georg Fischer (Graduiertenkolleg Innovationsgesellschaft heute, Institut für Soziologie, TU Berlin), Rike Maier (Alexander von Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft) und Holger Schwetter (Institut für Soziologie, TU Dresden). Es findet statt am 9. September von 16.30 bis 18.00 Uhr.

Programm:

  • Rike Maier: Urheberrecht und Technik am Beispiel von Hosting-Plattformen
  • Frédéric Döhl: Jenseits des Urheberrechts: Zur Figur des Produzenten am Beispiel des Mashup-Genres
  • Georg Fischer: Musik, Verwertung, Gesellschaft – Digitale Musikproduktion zwischen Remix, Rechteklärung und referentieller Kreativität
  • Holger Schwetter: Vom pragmatischen Umgang unabhängiger Musiker mit dem Urheberrecht
  • Gemeinsame Diskussion

Weitere Informationen finden sich hinter diesen Links:

Hauptseite der Konferenz

Abstract des Panels und der einzelnen Vorträge

So, 16.11.14, 20 Uhr: Feature im Deutschlandfunk zu „‚Pop will eat itself‘- Vom Musikmachen mit Musik. Remix, Plagiat und Copyright“ von Martin Butz

Diesen Sonntag läuft im Deutschlandfunk ein einstündiges Feature von Martin Butz aus Bremen zum Thema „‚Pop will eat itself‘- Vom Musikmachen mit Musik. Remix, Plagiat und Copyright“. Es verspricht äußerst spannend zu werden, denn Martin hat bereits zu diesem und verwandten Themen geforscht, Seminare gegeben und Vorträge gehalten. Zur Einstimmung hat Martin vor ein paar Tagen ein Interview für die Initiative Recht auf Remix gegeben und schon mal den Zusammenhang zwischen Radio machen (hier ausführlich), Zitieren, Remixing und Urheberrecht erläutert:

Im letzten Jahr habe ich mit meinem guten Freund und Kollegen Fabian von Freier ein Hörstück mit dem Titel “Sammelsurium. Man kann nicht nicht zitieren” für den Deutschlandfunk (DLF) gemacht. Wir haben ein Gespräch über Gott und die Welt, den Kapitalismus, die Moral und das Essen und Fressen zwischen unterschiedlichen Personen fast vollständig mit Zitaten realisiert: Zitate aus wissenschaftlichen und belletristischen Werken, Zeitungen, Rundunk und dem Internet. Die Rechtsabteilung des DLF wusste damit zunächst nichts anzufangen. Das war Neuland. Vom Zitatrecht wurde das definitiv nicht abgedeckt, da das neue Werk nicht nur zitierte, sondern nahezu vollständig aus Zitaten bestand. Also begannen wir, jeden der Zitierten anzuschreiben und nachzufragen, ob wir das so verwenden dürfen. Ich habe dabei einiges über die Konsolidierung im Verlagsgewerbe erfahren. Wir wurden beispielsweise von einem Verlag an den nächsten verwiesen, nur um nachher festzustellen, dass der letzte in der Kette doch wieder zu Random House gehört. Am Ende wurde uns klar: Ein solches Feature – also ein solcher Remix – ist nicht möglich, wenn man jeden der Zitatgeber fragen muss. Der organisatorische Aufwand ist viel zu groß, auch wenn wir in vielen Fällen eine kostenfreie Verwendung erreichten. Lange Rede, kurzer Sinn: Am Ende fand die Rechtsabteilung im DLF heraus, dass wir das ganze über die VG Wort abrechnen können. In unserem Fall reichten also die bestehenden Konstruktionen rund um das Urheberrecht aus. Allerdings mussten wir das erst herausfinden. Und im Musikbereich sieht das ganz anders aus.

Sonntag, 16.11.2014, 20 Uhr im Deutschlandfunk (und danach 7 Tage im Podcast): „‚Pop will eat itself‘- Vom Musikmachen mit Musik. Remix, Plagiat und Copyright“. Ein Feature von Martin Butz.

Simon Reynolds: RetromaniaDie Formulierung „Pop will eat itself“ findet sich übrigens in ähnlicher Form in der kritischen These des Musikjournalisten Simon Reynolds, die er in seinem Buch „Retromania“ vor ein paar Jahren entwickelt hat: Pop beutet seine eigene Vergangenheit systematisch aus, um immer wieder neue Retromoden anzuzetteln. Eine sehr kenntnisreiche Darstellung der Popmusik mit marxistischem Einschlag, die die Idee von der geplanten Obsoleszenz auch in der Musikproduktion einführt. „Retromania“ ist 2012 in der deutschen Übersetzung beim Ventil Verlag erschienen.

Webvideo und Remix: Eine spannende Beziehung

Recht auf Remix Museum

Eintritt ins digitale Remix-Museum

Gestern ist drüben beim Forschungsblog „Webvideo Cultures“ der Universität Siegen ein kleiner Artikel von mir erschienen, in dem das Museum von Recht auf Remix und die dazugehörige Initiative vorgestellt wird. Vielen Dank dafür an Axel Volmar für die Zusammenarbeit!

Ausgangspunkt des Beitrags ist das spannende Verhältnis von Remix und Webvideo. Seitdem das Remixing Alltagspraxis ist und im Grunde jeder Mensch mit digitalen Medienmaterialien wie Musik, Bildern oder Videos hantieren, diese verändern und miteinander kombinieren kann, gibt es urheberrechtliche Probleme. Aus diesem Grund setzt sich die Initiative für eine „Remix-Schranke“ im Urheberrecht ein, die helfen soll, die Praktiken der digitalen Remix-Culture zu legalisieren. Weitere Informationen zur Initiative finden sich hier und hier und hier.