Über Georg Fischer

Georg Fischer ist Soziologe und betreibt das Blog Jäger und Sampler. Twitter: @jaeger_sampler

In the Mix: 90ies Drum’n’Bass

Auf YouTube bin ich in ein rabbit hole gefallen: Dort gibt es dutzende digitalisierte Tapes und Mix-CDs mit „Intelligent Drum’n’Bass“ der Neunziger Jahre.

Zwar hab ich nie so ganz verstanden, warum eigentlich „intelligent“, aber das spielt jetzt auch keine Rolle mehr.

Ein super Einstieg ist dieser Mix von Bailey mit vielen jazzigen und Ambient-Einflüssen:

Oder dieser hier von ’95:

Bisschen dumpf von der Klangqualität, aber ansonsten ein Top-Mix dieser hier von Peshay:

Flott ist auch diese Compilation, wenn auch ungemischt:

Und dieser hier ist noch etwas „oldskooliger“ und eher auf der Jungle-Seite:

Barcode Techno

Ich würde nicht so weit gehen, da jetzt eine konsumkritische Perspektive drauf zu legen, aber beeindruckend ist das allemal.

The Isolated Cinema

Vor kurzem fand das Göteburg Film Festival statt. Wegen der Pandemie haben die sich was Spezielles überlegt: Nämlich einen Wettbewerb und die glückliche Gewinnerin darf/muss/kann eine Woche ganz alleine auf einer einsamen Insel etwa 60 Festivalfilme schauen.

Finde ich als PR-Aktion gelungen und gleichzeitig sehr mutig – inmitten einer nahezu globalen Pandemie das Prinzip der Verknappung (von Gästelistenplätzen) ins Extreme zu steigern und nur eine einzige Person zuzulassen. Denn Vereinsamung ist derzeit sicher kein allzu knappes Gut.

Wenn man allerdings bedenkt, wieviele Menschen im Mittelmeer festhängen, sterben, zu gefährlichen Überfahrten gezwungen sind, sich alleine ohne Familie durchschlagen müssen, dann hat die Aktion auch etwas sehr Zwiespältiges. Sich freiwillig und aus Unterhaltungsgründen so einer extremen Situation auszusetzen, das ist ein großes Privileg.

Interessant finde ich die Vermarktung des Bewerbungsaufruf in Thriller-Horror-Atmosphäre. Das Video ist gut durch die Blogs und Social Media gegangen (siehe auch hier) und hat sich so ordentlich verbreitet.

Die glückliche Gewinnerin, eine filmbegeisterte Krankenschwester namens Lisa Enroth, hat sich gegen 12.000 andere Bewerbungen durchgesetzt und eine Woche lang vollkommen isoliert auf einer einsamen Insel mit Filmen verbracht. Hut ab!

Und es geht weiter: Mit „The Deserted Arena“ und „The Empty Cinema“ gibt’s diese Saison zwei weitere solche Wettbewerbe. Ob sich Enroth erneut auf solche einsamen Erfahrungen einlassen würde, ist mir indes nicht bekannt.

Mit Debussy auf dem Snowboard

Dieses Video ging vor ein paar Jahren mal rum. Nach dem Schneefall hier in Berlin musste ich kürzlich wieder dran denken. Sehr schöne, fast schon meditative Abfahrt mit Debussy durch den verschneiten Wald.

In the Mix: Billie Eilish – Infinite Bad Guy

Screenshot „Infinite Bad Guy“

„Infinite Bad Guy“ ist ein interessantes Projekt und eindrucksvolles Zeugnis der digitalen Remixkultur: Basierend auf dem einschlägigen Riesenhit von Billie Eilish (mehr als eine Milliarde Klicks allein auf Youtube) sind dutzende, vermutlich sogar hunderte Remixes und Cover-Versionen entstanden, die größtenteils bei Youtube zu finden sind. „Infinite Bad Guy“ sortiert und mischt die Versionen zusammen, die Genres verändern sich, aber die Geschwindigkeit bleibt.

“Bad Guy” by Billie Eilish has inspired thousands of fans to cover the song on YouTube. Their versions are amazing to watch, spanning almost every country, language, and genre. We built this A.I. experiment to celebrate them, and see what would happen if they could all play together. It’s an infinite music video, weaving together an ever-expanding collection of thousands of covers. Machine learning keeps all these covers on the same beat and lets you jump from video to video seamlessly.

Das Ganze scheint ein Projekt von Youtube Music und Google AI Experiments zu sein, wobei ich noch nicht herausgefunden/kapiert habe, was das mit AI und Machine Learning genau zu tun hat. Vielleicht auch nur das Label, damit es sich besser klickt.

Mich würde zudem interessieren, ob Billie Eilish und ihr*e Co-Songwriter*in bzw. ihr Verlag für die Coverversionen monetarisiert werden.

Zu Daft Punk „Get Lucky“ gab es vor ein paar Jahren eine ähnliche Remix-Dynamik; dazu habe ich bei iRights.info 2016 einen Artikel verfasst, in dem ich die besondere Beziehung zwischen Original und Kopien in diesem Fall erläutere.