Zündfunk-Podcast: „Generation Preset. Wie digitale Voreinstellungen die Popmusik prägen“

Preset-Schalter an einem Rundfunktempfänger von etwa 1960; Berndt Meyer - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, $3

Preset-Schalter an einem Rundfunktempfänger von etwa 1960; Berndt Meyer – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, $3

Es gibt da diesen Witz über Samples, Loops und Ziegen:

I thought that using loops was cheating, so I programmed my own using samples. I then thought that using samples was cheating, so I recorded real drums. I then thought that programming them was cheating, so I learned to play the drums for real. I then thought that using purchased drums was cheating, so I learned to make my own. I then thought that using pre-made skins was cheating, so I killed a goat and skinned it. I then thought that was cheating too, so I grew my own goat from a baby goat. I also think that this is cheating, but I’m not sure where to go from here. I haven’t made any music lately, what with the goat farming and all.

Passend dazu gibt’s derzeit beim Zündfunk, einem Format des Bayerischen Rundfunks, gerade ein interessantes Feature über Presets, also die Voreinstellungen der digitalen Musikproduktion, mit deren Hilfe bestimmte Klänge gespeichert und immer wieder abgerufen werden können. Der gewählte Aufhänger für das Feature ist (natürlich!) Kreativität, welche durch Presets wahlweise eingeschränkt oder ermöglicht wird:

Bedeuten die technischen Möglichkeiten Fluch oder Segen für unsere Kreativität?

Oder auch:

Erleichtern uns diese digitalen Hilfsmittel die Arbeit, so dass mehr Platz ist für die eigentliche Kreativität? Oder stehen wir zunehmend einem Massenphänomen gegenüber, das für immer mehr Musik von der Stange verantwortlich ist?

Ich frag mich zwar eigentlich, was die „eigentliche Kreativität“ denn eigentlich sein soll, und eigentlich auch, ob durch Presets mehr „uneigentliche“ Kreativität hervorbracht wird? Aber das ist eigentlich nur mein persönlicher Vorbehalt gegenüber abgelutschten journalistischen Dichotomien, die dann eh nicht wieder thematisiert werden, sondern einfach nur catchy klingen sollen. So auch in diesem Fall.

Aber sei’s drum, der Podcast hat andere Stärken. Es wird anhand einiger Musikbeispiele sehr schön gezeigt, welche Rolle Presets spielen können. Das passt natürlich für das Format einer Radiosendung perfekt und macht das Ganze auch sehr spannend. Gerahmt wird das Feature durch Interviews mit dem Berliner DJ und Produzent Stefan Goldmann (der 2015 ein Buch über Presets herausgebracht hat), mit Robert Henke von Monolake (Mit-Entwickler von Ableton Live) und auch mit Musikern wie Andreas Gerth und Florian Zimmer von Driftmachine.

Stefan Goldmann hat jüngst auch auf einen Artikel bei Resident Advisor reagiert, in dem es um versteckte Co-Autorschaft im Techno ging. In seiner Antwort gibt er zu bedenken, dass die Sache mit der eindeutigen Autorschaft so einfach nicht sein kann wie bei RA gedacht. Das kreative Moment sei auch im Umgang mit der Materialität der Instrumente zu sehen, wie er auch im Podcast betont.

Irgendwann in der Mitte des Beitrags wird dann auch die Frage diskutiert, ob die Industrie ganze Stile mit ihren Presets maßgeblich steuern kann. Gegen Ende des Podcasts ist man sich ziemlich einig darüber, dass es so ist. Wie sich das auf musikalische Kreativität auswirkt, wird dann leider nicht mehr besprochen. Trotzdem alles in allem sehr hörenswert:

 

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