„Simple and slightly fucked up.“ – RZA in der Süddeutschen Zeitung

Gestern, am 17.1.2011, war tatsächlich ein Artikel über den HipHop-Produzenten RZA vom Wu-Tang Clan in der Süddeutschen Zeitung. Insgesamt recht lesenswert, weil hintergründig und ordentlich recherchiert. Bis auf eine Stelle:

„Selbst Vokalparts behandelt RZA wie Instrumente, verfremdet sie mit Verzerrungseffekten. Den Sampler benutzte er wie ein Musikinstrument und nicht wie üblich nur als Kopiermaschine.“

Ahja.

Nun, es ist sicherlich so, dass sich mit Hilfe eines Samplers musikalische Sequenzen kopieren lassen, aber deswegen ist er doch noch lang keine Kopiermaschine und Plagiieren mit ihm auch nicht üblich. Vielmehr blitzt hier das alte Ressentiment von der rein plagiierenden Funktion eines Samples durch, das sich leider viel zu oft finden lässt.

Anfang letzten Jahres war ebenfalls ein Bericht in der SZ, diesmal im Zusammenhang mit der Debatte um die übernommenen Passagen in Axolotl Roadkill. In der sog. „Leipziger Erklärung“, einem Zusammenschluss von etablierten Literaten, sprach man sich – wenn auch ohne explizite Nennung des Titels – gegen die Nominierung von Axolotol Roadkill für den Leipziger Buchpreis aus und Sibylle Lewitscharoff ließ sich zu folgender krasser, wenn auch auf den Literaturbetrieb bezogenen Aussage hinreißen:

„Dass man im Mixen, im Sampeln, im Kopieren, im Zusammenschneiden eine kreative Leistung erblickt – das ist natürlich Unfug. Dinge zusammenzuleimen ist sehr einfach.“

Ich möchte das mal so stehen lassen; als Rahmeninfo ist vielleicht noch erwähnenswert, dass die zitierte Passage in der Online-Version des Artikels in der SZ nicht mehr (!) zu finden ist; die Dokumentation im Perlentaucher und der Originalartikel in der Printversion beweisen allerdings das Gegenteil.

Und das wiederum ist, um mal zu zitieren, simple and slightly fucked up, findet ihr nicht?

One thought on “„Simple and slightly fucked up.“ – RZA in der Süddeutschen Zeitung

  1. Wird RZA da wirklich zitiert, dass es Zeit ist den Hip Hop aus dem Ghetto zu holen? Oder ist das eher die verengte Sichtweise des Autors, der sich da nicht vom Ressentiment lösen kann?

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