JuS-Review: Lagos Disco Inferno

Es gibt Scheiben, die bringen einen Sound oder ein Genre auf den Punkt. Dies hier ist eine davon, und gerade die Musiko-Archäologen unter uns werden ihren Spaß an ihr haben. Feuer frei für das Lagos Disco Inferno!

Ruff, rugged’n’raw kommt es daher, das Lagos Disco Inferno auf DoLP, eine Compilation von Frank Gossner, die er während eines dreijährigen Aufenthalts aus den westafrikanischen Crates zusammengediggt hat und für uns in einzigartiger Weise den Groove im Lagos Ende der 70er Jahre kaleidoskopiert. Und selbst wenn man als hüttenkäsiger Mitteleuropäer nicht den blassesten aller Dünste für diese Nische hat, die zwölf Hochkaräter aus afrikanischem Boogie, Funk und Disco besorgen’s einem trotzdem, und zwar ordentlich. Natürlich sind diese Grooves nix für Laptop-Speakers und popelige Ohrstöpsel, vielmehr muss man ihnen das nötige Volumen bieten, um die unnachahmlichen Vibes von bspw. Grottos „Bad City Girl“ zwischen der Verruchtheit der Polizeisirenen und der filigranen Verspieltheit des Synthesizers entfalten zu lassen. In bester „All-Killer-No-Filler“-Manier pumpt sich die erste Hälfte mit „Everybody get down“ von der Asiko Rock Group ihrem Ende entgegen, einem Gedicht von einem Killer-Track, der sich in durchgehend dichtem Arrangement seine Zeit nimmt und sich so immer weiter in die Loopspirale vorschraubt, dass einem ganz schwindlig wird vor lauter Deepness. Und auch die zweite Platte lässt nichts anbrennen, gibt dem Hörer aber erstmal in einigen ruhigeren Stücken ein wenig Zeit zur Verarbeitung (großartig: die funky flute in „Root“ von BLO), um dann im fast viertelstündigen Four-to-the-Floor-Exzess-Disco-Stampfer „Hang On“ vom Nana Love ihren Meister und ein gelungenes discoinfernales Schlusswort zu finden.

Dieser Text erscheint in der Printausgabe von skug #84, 10-12/2010, später auch auf www.skug.at

Hier der Teaser zum Release:

Und hier noch ein Teaser zu einen Film über Frank Gossner namens „Take me away“, über den im Netz aber sonst eher wenig zu finden ist… bin gespannt, wann dieser zu Film sehen sein wird!

One thought on “JuS-Review: Lagos Disco Inferno

  1. Pingback: iCrates App wird eingestellt | Jäger und Sampler

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s