Aktennotizen II: Websites zum Digging

2010-08-12

Nachdem an dieser Stelle letztens ein paar Websites über’s Sampling vorgestellt wurden, die hauptsächlich als Datenbanksuche für Samples dienen, hab ich für diesen Beitrag ein bisschen was zum “Digging” zusammengestellt; “Digging in the Crates” oder kurz: „Digging“, wörtlich das “Graben in den Kisten” ist die Leidenschaft – manche sprechen auch von einer regelrechten Sucht – nach besonderen, wertvollen oder sonstwie interessanten Platten zu suchen, die man wahlweise zu Hause archivieren und/oder aus denen man dann Passagen samplen kann.

Der US-amerikanische Musiker Josh Davis a.k.a. DJ Shadow gibt in „Scratch“ einen sehr eindrucksvollen Einblick in ein (inoffzielles) „Archiv für Musikkultur“, wie er es nennt, das sich im Keller eines Plattenladens befindet und in dem er wohl viele Stunden mit den riesigen Haufen an „schwarzem Gold“ verbracht hat:

Bemerkenswert ist vor allem den respektvolle Umgang, den DJ Shadow für die Künstler und deren Veröffentlichungen fordert, wohl in der weisen Ahnung, dass irgendwann auch der heißeste Scheiß nur noch kalter Kaffee sein wird: „If you’re makin‘ records and if you’re DJ’ing and if you’re putting out releases as well as mixtapes or whatever, you’re sort of adding to this pile, no matter if you wanna admit it or not […] ten years later you’ll be in here.“ Was in seinen Worten irgendwie zwischen bescheiden und stolz klingt, hat sich für seine eigene Arbeit bis jetzt noch nicht bestätigen können: Sein 1996 erschienenes Debütalbum „Endtroducing“ gilt nach wie vor als Meilenstein in der auf Sampling basierten Musikgeschichte und generell im HipHop, ist es doch das erste ganze Album, das ausschließlich aus Samples fremder Künstler zusammengeschustert wurde. Die klanglichen Fragmente, die für die Mosaik ähnliche Bauweise des Albums miteinander verarbeitet wurden, verdanken ihre Herkunft – davon lässt sich wohl ausgehen – alle eben jenem Keller, durch den uns DJ Shadow gerade eben geführt hat.

Noch eine Stufe beeindruckender ist folgendes Video des  über den Sammler Paul Mawhinney, dem die größte private Plattensammlung der Welt nachgesagt wird:

Ebenfalls über Sammler und ebenso interessant wie liebevoll aufbereitet ist das Blog “Dust and Grooves”, auf dem Sammler allerlei Obskuritäten, Raritäten und Verloren gelaubtes auf Vinyl präsentieren, alles schön mit Interviews, Fotos und teilweise Videos dokumentiert. Sehr sehenswert! Sind ein paar heiße Scheibchen mit dabei😉

Hat man dann noch ein bisschen Zeit übrig, kann man sie herrlich in Facebook vertun: Die Gruppe “Musikzimmer – DJs and their Living Rooms” ist ein Sammelsurium an Fotos von Plattensammlungen, Equipment-Showcases, Vinyltoys und ähnlichem Schabernack, mit dem sich Musiker zu Hause sonst so umgeben. Alles zusammengetragen von den Mitgliedern. Anstoß gab wohl eine Ausgabe der Groove, die in der Heftmitte so eine Art Poster von DJ-Arbeitszimmern hatte. In jedem Fall ein paar Klicks wert!

“Digging in the Crates”, so lautet auch der Titel der Diplomarbeit von Roland Lösslein (FH Augsburg, Fakultät für Gestaltung) und der Name ist ebenfalls Programm: In einer interaktiven Installation kann man Samples und deren weitere musikalische Verwendung historsch erkunden, indem man sich in einer Plattenkiste aus einer Auswahl von 50 Scheiben eine aussucht, diese auf einen speziell modifizierten Plattenspieler abspielt und sich dann mittels Projektion die Samplehistory anzeigen lässt. Klingt abgefahren? Ist es auch. Das Video und die Website geben Aufschluss über ein sehr interessantes Projekt mit einer äußerst gelungenen Umsetzung! Überzeugt Euch selbst:

Zum Abschluss noch ein kleines musikalisches Schmankerl mit dem Hinweis auf die mittlerweile schon dritten „Diggin Days“ am 11. und 12. September 2010 im Cassiopaia Berlin, veranstaltet von HHV-Records. Dort kann man sich ganz gediegen durch die Kisten wühlen und nach Perlen graben. Und wenn man sich auf diese Weise eine adäquate Auswahl an original 7-Inches zusammen gediggt hat, kann man sich dann an so was versuchen:

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