Aktennotizen I: Websites zum Sampling

2010-07-12

Heute will ich Euch ein paar Websites nahe bringen, die sich das Sampling zum Thema machen und immer einen Besuch wert sind, wenn man mal das Internetz aus musikarchäologischen Gründen konsultieren will.

Allen voran ist natürlich whosampled.com zu nennen, der wahrscheinlich umfangreichsten, ambitioniertesten und am saubersten aufbereiteten Sample-Datenbank diesseits der Milchstraße. Zurecht schon so etwas wie eine Institution auf diesem Gebiet, bietet die Seite als Herzstück eine Suchfunktion an, die im Grunde aus drei Suchmöglichkeiten besteht: eine für Samples, eine für Remixes und eine für Coverversionen. Die dahinter stehende Datenbank wird gefüttert mit den Beiträgen der Mitglieder, die auch im hauseigenen Forum diskutieren und so. Die Seite ist unter anderem auch deswegen so super, weil es durch die eingebetteten Hörbeispielen recht komfortabel ist, Samples zu erforschen: Man tippt einfach eine Band oder den Künstler seiner Wahl ein, nehmen wir mal The Avalanches, und sucht sich in der chronologisch sortierten Liste den entsprechenden Song raus, sagen wir das bekannte „Since I left you“ (2000). In der Liste sieht man schon, dass das Stück mehrere Samples enthält: insgesamt hat die WhoSampled-Community sieben verschiedene Samples identifiziert und zusammengetragen. Nach dem Klick auf das Stück erscheint eine Seite mit zwei Videofenstern, in denen man das Originalsample (rechts) und die Verwendung des Samples bei den Avalanches mit Zeitangabe nachvollziehen kann. Das gleiche Spielchen gibt’s in Grün und Blau für Remix- und Coverversionen. Genauso erwähnenswert ist auch das zur Seite gehörende Blog, das interessante Features, Interviews und Zusammenstellungen bereithält wie beispielsweise die TopTen der beliebtesten Vocalsamples ever oder ein Gespräch mit RJD2 über’s Sampling.

Auch spannend und informativ, aber ganz anders aufbereitet ist die Seite „The History of Sampling“ des Webdesigners Jesse Kriss aus Seattle. Ganz wie es der Titel verspricht geht es um eine historische Darstellung des Einflusses verschiedener Samples, die – musikalisch passend – in einer funky Grafik veranschaulicht werden. Die kleinen Quadrate auf der unteren Zeitleiste stehen dabei für die Alben (!), aus denen gesampelt wurde, die obere bildet die daraus sampelnden Alben ab. Klickt man auf ein Album, dann wird eine Linie zwischen den oberen und den unteren Elementen hergestellt, und man kann entweder ablesen, welche Scheiben wann und bei welchem Werk Eingang gefunden haben oder eben, woraus ein Album sich seine Samples so zusammengesucht hat. Neben der Albendarstellung lassen sich auch die Verbindungen der einzelnen Songs untereinander aufzeigen (das sind die noch kleineren Quadrätchen daneben).


Die interaktive Grafik greift dafür auf die Sample-Datenbank von the-breaks.com zurück, einer Stöberseite für Samples und ebenfalls mit Forum; the-breaks.com besticht nicht unbedingt mit seiner unschlagbaren Funktionalität oder dem – ähem – zeitlos schnörkellosem Auftritt, sondern mehr durch seine inneren Werte. Die Datenbank ist ordentlich bestückt und übersichtlich in der Suchfunktion, man wird bei seiner Suche auch meist fündig und bekommt dann auch alle Information, die man braucht, aber natürlich fehlen im Vergleich zum Kollegen/Konkurrenten whosampled.com die implementierten Youtubelinks zu den Liedern sowie die Zeitangaben. Als Anlaufstelle aber natürlich trotzdem sehr hilfreich.

coverinfo.de ist quasi das deutsche Pendant zu den beiden vorgestellten englischen Seiten, das sich sowohl Coverversionen als auch Samples bzw. Musikzitate, wie sie dort genannt werden, zur Brust nimmt. Erfreulich fällt hier unter anderem auf, dass auch viele deutsche Lieder aufgeführt werden und sich auch in den Kommentaren der Beiträge weitere Informationen zu den Stücken finden lassen; ein Forum für ungeklärte, quälende Fragen steht ebenfalls bereit wie auch eine Art angeschlossener Blog unter coverversion.de (mit ziemlich interessanter Linksammlung!), das von dem Musikwissenschaftlicher Marc Pendzich betrieben wird, welcher sich übrigens in seiner Doktorarbeit mit der Coverversion auseinandergesetzt hat. In der Datenbank selbst, die nach eigenen Angaben knapp 200.000 Einträge fasst, fehlt aber leider wie bei the-breaks.com eine zeitliche Angabe der Samples und natürlich auch die Möglichkeit zum eigenen Nachvollziehen über Musikbeispiele. Gerade in der Kategorie „Z“ für Musikzitate und Samples (Coverversionen werden mit „C“ einsortiert), sind solche Angaben sehr hilfreich, um die meist kurzen Passagen oder Fragmente herauszuhören.

Gut, soviel erstmal dazu. Im zweiten Teil der Aktennotizen wird es wieder eine kleine Portion interessanter Websites geben, ganz im Sinne des Mottos „Jäger und Sampler“: es geht um’s Crate Digging, um’s Suchen&Finden von Platten und Samples an unmöglichen wie möglichen Orten, um Berge an Records und natürlich um die Kunst/Sucht des Sammelns.

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